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22.02.2024 | Exkursion

Exkursion | Europäische Hauptstadt des unbequemen Erbes - Exkursion nach Madrid

In Spanien hinterließen der Bürgerkrieg (1936-1939) und die darauffolgende Franco-Diktatur (1939-1975) tiefgreifende Spuren in der Gesellschaft und städtebauliche Produkte, die heute das Bild von zahlreichen Städten und Regionen prägen. Die Deutung dieses Kapitels der spanischen Geschichte und der Umgang mit dem damit zusammenhängenden unbequemen Erbe sind heute Gegenstand einer heftigen politischen Auseinandersetzung.

Kultstätte im Tal der Gefallenen (Valle de los Caídos), nordwestlich von Madrid. Foto: Piero Sassi 2014.

In Spanien hinterließen der Bürgerkrieg (1936-1939) und die darauffolgende Franco-Diktatur (1939-1975) tiefgreifende Spuren in der Gesellschaft und städtebauliche Produkte, die heute das Bild von zahlreichen Städten und Regionen prägen. Die Deutung dieses Kapitels der spanischen Geschichte und der Umgang mit dem damit zusammenhängenden unbequemen Erbe sind heute Gegenstand einer heftigen politischen Auseinandersetzung. In kaum einem anderen europäischen Land hat sich die Politik in den letzten zwei Jahrzehnten so intensiv mit dem Erbe einer Diktatur auseinandergesetzt wie in Spanien. Zwei Produkte dieses – durchaus umstrittenen – Prozesses bilden das Gesetz zur historischen Erinnerung (2007) und das Gesetz zur demokratischen Erinnerung (2022).

Heute prägen die ungeheure städtebauliche Hinterlassenschaft der Franco-Zeit und die Spuren der langen Belagerung während des Bürgerkrieges das Bild der Hauptstadt Madrid wesentlich. Deren Deutung ist Gegenstand lebhafter politischer Debatten, auf lokaler sowie auf nationaler Ebene. Ziel der Exkursion ist der Besuch von Orten und städtebaulichen Produkten, die als „unbequemes Erbe“ der Franco-Diktatur (1939-1975) wahrgenommen werden. Dazu zählen Erinnerungsorte der Auseinandersetzungen im Bürgerkrieg, etwa die Universitätsstadt, aber auch die gebauten Symbole der Franco-Diktatur, allen voran die Kultstätte im Tal der Gefallenen (Valle de los Caídos) – heute Tal von Cuelgamuros – und der Siegesbogen (Arco de la Victoria), sowie die unter der Diktatur entstandene Infrastruktur der Unterdrückung, die aus Gefängnisanlagen, Hinrichtungs- und Folterstätten bestand. Des Weiteren sollen Gespräche und Diskussionen mit KommunalpolitikerInnen, Aktivisten und WissenschaftlerInnen vor Ort geführt werden, die in den letzten Jahren an der Auseinandersetzung um einen Umgang mit diesem unbequemen Erbe beteiligt waren. Bei der Diskussion um die Diktaturen des 20. Jahrhunderts herrscht heute noch – bei uns in Deutschland sowie im europäischen Ausland – eine nationale Perspektive. Vor diesem Hintergrund stellt die Erfahrung in Madrid eine Möglichkeit dar, um unsere Perspektive auf das unbequeme Erbe des 20. Jahrhunderts zu erweitern bzw. zu europäisieren.

Die Reise findet in der Exkursionswoche, von Montag, 13.05.2024 bis Freitag, 17.05.2024 statt. Geleitet wird sie von Dr. Piero Sassi, Fachgebiet Stadterneuerung und Planungstheorie. Reise und Übernachtungen werden von den TeilnehmerInnen selbständig organisiert und finanziert. Eine finanzielle Unterstützung wurde bei der Universität beantragt. Es besteht die Möglichkeit – allerdings keine Verpflichtung –, die Exkursion mit einer Teilnahme an dem Seminar „Campus und Krieg“ über Spuren und Deutungen von Kriegsgeschichten in den Räumen der Universität Kassel und der Ciudad Universitaria von Madrid (Sommersemester 2024, Piero Sassi) zu verbinden.

Aus organisatorischen Gründen wird um eine verbindliche Anmeldung für die Exkursion nach Madrid bis Mittwoch, den 13. März 2024 gebeten (piero. sassi@uni-kassel.de). Unmittelbar nach der Anmeldung werden die TeilnehmerInnen genaue Informationen für die Planung der Reise sowie den Termin für das Vorbereitungstreffen erhalten. Wir freuen uns auf euch in Madrid.

 

Zum herunterladen: Flyer der Exkursion