Netzwerke der NS-Verfolgung 1933-45 –Topografie und Netzwerk des NS-Terrors im Straßenraum sichtbar machen.
Lehrende Personen:
Prof Dr Philipp Oswalt, MA Conny Weckmann (FB Architektur Stadtplanung Landschaftsplanung – FG Architekturtheorie und Entwerfen)
Prof. Jakob Gebert, Prof Oliver Vogt (Kunsthochschule Kassel – Produktdesign)
12 Credits
Donnerstags, in der TRACES Forschungsstation am Lutherplatz
Nach der erfolgreichen Aktivierung des Orbits - Offener Raum für Beteiligung, Initiativen und Treffen - wollen wir in einer Kooperation von Studierenden des FBO6 mit Studierenden des Produktdesign (Prof. Oliver Vogt, Prof Jakob Gebert) an der Kunsthochschule die „Topografie des Terrors“ der Gestapostelle Kassel sichtbar machen und hierfür u.a. experimentelle Displays für das Ausstellen im Außenraum entwickeln.
Das Gebäude des Polizeipräsidiums diente einst als Sitz der Gestapostelle Kassel. Diese
war zuständig für den gesamten Regierungsbezirk Kassel, der in Süden bis nach Fulda reichte nach Westen bis Hanau, Marburg. Es handelte sich um ein Gebiet von 17.000 qkm, auf dem insgesamt 2,5 Millionen Einwohner lebten. Dies umfasst die Ortschaften Eschwege, Frankenberg, Fritzlar, Fulda, Gelnhausen, Gersfeld, Hanau, Hersfeld, Hofgeismar, Homberg, Hünfeld, Kassel, Kirchhain, Marburg, Melsungen, Rotenburg, Schlüchtern, Witzenhausen, Wolfhagen, Ziegenhain, Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern (ab 1944).
Die Gestapostelle Kassel überwachte alle 2,5 Millionen Einwohner und verfolgte über 10.000 Menschen, insbesondere aus politischen, rassistischen wie rassistischen Gründen. Von diesen wurden schätzungswiese über 4000 ermordet. Der Apparat der Gestapo war recht schlank, hier arbeiteten zwischen Anfangs 10, zuletzt 80 Bedienstete, zuzüglich doppelt so viel Hilfspersonal (Schreibkräfte, Boten und Wachpersonal) sowie schätzungswiese 150 V-Leute als freie Mitarbeiter.
Die Umsetzung der Kontrolle und Verfolgung so vieler Opfer und des Raubs ihres physischen wie finanziellen Eigentums war nur möglich, weil die Gestapo bei ihrer Tätigkeit von vielen staatlichen Dienststellen und nicht staatlichen NS-Organisationen tatkräftig unterstützt wurde und auf öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Gefängnisse u.v.m. umfassenden Zugriff hatte und zudem auch eigene Infrastrukturen schuf. So schuf sie als untergeordnete Dienststellen Stapostellen in Hanau, Fulda, Allendorf, Breitenau, Bad Orb, Wildungen und Marburg und nutze das einstige „Landesarbeiteranstalt und Landesfürsorgeheim Breitenau“ genannte Gefängnis Breitenau zunächst als Konzentrationslager, später als Arbeits- und Erziehungslager.
Die von der Gestapo organisierten Deportationen erstreckten sich zudem über große Teile des Reichsgebiets und der besetzten Länder, insbesondere nach Osten. Gefangene wurden u.a. in die Zwangsghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager Riga, Theresienstadt, Majdanek und Sobibor deportiert,.
Ziel unseres Projektes ist, dieses Netzwerk des Terrors sichtbar zu machen. Hierzu sind drei Projektbausteine vorgesehen
- Im Stadtraum von Kassel die temporäre Sichtbarmachung von Orten und Institutionen, die von der Gestapo genutzt wurden bzw. die mit der Gestapo kooperierten. Hierzu gehören etwa Judenhäuser oder Hallen als temporärer Sammelorte für die Deportation von Jüdinnen und Juden, zum anderen Organisationen wie das Regierungspräsidium Kassel, die reguläre Polizeidienststellen, das Finanzamt, SA, SS und SD. Die Gestapo selber nutze teils temporär, teil dauerhaft Ort u.a. für Gefangenname, „Schutzhaft“, als Deportationssammelstelle, als Lagerort für enteigneten Besitz/ Hausstand.
- Eine temporäre Ausstellung im Orbit neben dem Polizeipräsidium, welche dieses Netzwerk in Kassel, aber auch all die Außenstellen im Wirkungsbereich der Gestapo in Nordhessen wie den Orten der Deportation aufzeigt.
- Ein Online-Tool, welches längerfristig als Medium der Vermittlung Informationen zu dem Netzwerk der Gestapo öffentlich zugänglich macht.
Ziel der Studentischen Arbeiten soll es sein, die Befassung mit Inhalten der Erinnerungskultur zu verbinden mit innovativen Kommunikationsformen, die niederschwellig ein große Bandbreite an Zielpublikas erreichen soll. Beispielhaft für ein solches Vorgehen sind etwa „Orte des Erinnerns im Bayerischen Viertel/ Ausgrenzung und Entrechtung, Vertreibung, Deportation und Ermordung von Berliner Juden in den Jahren 1933 bis 1945“ der Künstler Renata Stih und Frieder Schnock“ in Berlin oder auch die Ausstellung „Die Zeugen“ der ACHAVA Festspiele mit der Stadt Weimar und der Buchenwald-Stiftung in Weimar.
Ziel der Arbeit soll es sein, die räumliche Ausdehnung des „langen Arms“ der Gestapo-Zentrale in Nordhessen und/ oder die Diffusion der Arbeit der Gestapo in das Alltagsleben anschaulich zu machen.
In dem Lehrprojekt im Sommersemester 2026 soll nicht nur Konzept und Design entwickelt, sondern dies auch als Design Build Projekt im Stadtraum, als Ausstellung im ORBIT und als Online-Medium umgesetzt werden.
Kooperationspartner
Initiative Gedenkort Polizeipräsidium Königstor e.V.
Gedenkstätte Breitenau (Angefragt)
Stadt Kassel (Anzufragen)
Fachhistoriker Gunnar Richter, Dietfrid Krause-Vilmar u.a.