Neues Bauen hörbar machen: Audioguide zur Rothenbergsiedlung

Lehrende Personen: M.Sc. Georgios Varelis & Dr. Jens-Uwe Fischer

3 Credits

 

Das Seminar verbindet architekturhistorische Analyse mit Fragen der Vermittlung: Wie lässt sich Architektur hören? Wie können Bauformen, Materialentscheidungen oder soziale Konzepte sprachlich so beschrieben werden, dass sie vor Ort nachvollziehbar werden?
 
Im Seminar gestalten wir einen Audioguide zu durch die Rothenbergsiedlung von Otto Haesler in Kassel, die ein Schlüsselprojekt des modernen Siedlungsbaus der späten 1920er-Jahre ist. Aufbauend auf den Ergebnissen des Seminars »Radikal lokal« (WS 25/26) werden wir uns in dem zu entwickelnden audiobasierten Rundgang intensiver mit städtebaulichen, architektonischen, konstruktiven und (kultur)geschichtlichen Aspekten beschäftigen. Ziel ist, die Rothenbergsiedlung nicht nur als gebautes Objekt, sondern als Ergebnis spezifischer historischer, sozialer, technischer und politischer Bedingungen lesbar zu machen.
 
Ausgehend von der Entstehungsgeschichte der Siedlung erarbeiten die Studierenden einen Rundgang, der die Besonderheiten des Konzepts, die unterschiedlichen Bauabschnitte und die architektonische Gestaltung erfahrbar macht – und in die zugrundeliegenden architektonischen und wohnungspolitischen Debatten der späten Weimarer Republik einführt.
 
Dabei wird die Siedlung als räumliches Archiv verstanden, in dem sich damalige Vorstellungen von Rationalisierung, Typisierung und Bausystemen sowie von Hygiene, Komfort und gutem Leben ablesen lassen.
 
Wichtiger Bestandteil des Seminars sind eine Exkursion zur Rothenbergsiedlung und eine grundlegende Einführung in den historischen und theoretischen Kontext der Entstehungszeit.
 
Im Rahmen der Exkursion identifizieren die Studierenden zentrale Orte und Situationen innerhalb der Siedlung, an denen sich die zentralen Themen räumlich und architektonisch nachvollziehen lassen.
 
Im zweiten Teil des Seminars entwickeln die Studierenden in Gruppen einzelne Stationen für den Audioguide. Jede Station ist einem klar umrissenen Thema zugeordnet, etwa einem Bauabschnitt, einer konstruktiven Entscheidung, einer städtebaulichen Setzung oder einem diskursiven Konflikt.
Für jede Station verfassen die Studierenden einen kurzen, präzise formulierten Text, der sowohl wissenschaftlich fundiert als auch für die allgemeines Öffentlichkeit verständlich ist. Diese Texte werden anschließend eingesprochen und vertont.