KIDaS
KI-gestützte Datenplattform für Soziale Services
Ausgangssituation
In Deutschland wurden im Jahr 2024 insgesamt fast 49 Mrd. € für Eingliederungs- und Sozialhilfe ausgegeben . Davon entfielen 28,7 Mrd. € entfielen auf Eingliederungshilfeleistungen für über eine Million Menschen. Dennoch ist die Vermittlung passender Angebote für Hilfesuchende oft langwierig und ineffizient. Sozialarbeitende recherchieren verfügbare Angebote überwiegend manuell, bestehende Plattformen erfordern hohen Pflegeaufwand und sind im Sozialbereich nur unzureichend verbreitet. Es fehlen datengetriebene Ansätze, um Bedarfe frühzeitig zu erkennen, Angebotslücken zu identifizieren und gezielt neue Dienstleistungen zu entwickeln. Hilfesuchende haben meist nur über Leistungsträger Zugang zu Informationen, was ihre eigenständige Partizipation stark einschränkt. Digitale Hilfsangebote wie Gesundheits- oder Inklusionsapps werden von bestehenden Plattformen kaum berücksichtigt. All dies führt dazu, dass verfügbare Angebote trotz hoher Nachfrage oft ungenutzt bleiben und Hilfesuchende lange auf passende Unterstützung warten müssen.
Projektziele
KIDaS entwickelt eine KI-gestützte Datenplattform, die soziale Dienstleistungen vermittelt, analysiert und deren Innovation systematisch fördert. Die Plattform führt Leistungssuchende, -träger und -erbringer zusammen und ermöglicht den gezielten Austausch von Daten zu Angeboten, Bedarfen und Nachfragen, um Angebot und Nachfrage besser auszubalancieren. KI-Agenten auf Basis generativer KI automatisieren die Sammlung und Pflege von Angebotsdaten und reduzieren so den manuellen Aufwand erheblich. Ein innovatives Service Sonar erkennt durch die Analyse öffentlich zugänglicher Datenquellen Trends und ungedeckte Bedarfe und generiert daraus Vorschläge für neue soziale Dienstleistungen. Ein Matching-Service mit Angebotskonfigurator bringt Hilfesuchende gezielt mit passenden Leistungen zusammen. Wissenschaftlich erarbeitet das Projekt Design-Prinzipien für den Einsatz agentischer KI auf Plattformen, eine Methode zur datengetriebenen Innovation sozialer Dienstleistungen sowie ein übertragbares Vorgehensmodell zur Etablierung digitaler Serviceplattformen. Langfristig soll die Plattform als gemeinwohlorientierter Hub den Wissenstransfer zwischen Beteiligten fördern und ein Kompetenznetzwerk der überörtlichen Sozialhilfeträger etablieren.
Vorgehensweise
Vier Verbundpartner arbeiten iterativ und praxisnah zusammen: die FAU Erlangen-Nürnberg und die Universität Kassel als wissenschaftliche Partner sowie die ANLEI-Service GmbH und die PRODATO Integration Technology GmbH als Implementierungspartner. Ergänzt wird das Konsortium durch assoziierte Praxispartner: den LWV Hessen, das Bathildisheim e.V., den Landschaftsverband Rheinland und den Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Der Forschungsansatz verbindet Action Design Research mit Value-Sensitive Design und stellt sicher, dass technische Innovation und ethische Prinzipien gleichermaßen berücksichtigt werden. Bei sogenannten e-Van-Touren besucht das Projektteam soziale Einrichtungen vor Ort, um Anforderungen zu erheben, Feedback einzuholen und ein Kompetenznetzwerk aufzubauen. Die Entwicklung erfolgt schrittweise: von der Anforderungsanalyse und Technologieaufarbeitung über die Entwicklung der Plattform und KI-basierte Daten-Crawler bis hin zu den zentralen Services und der Öffnungsstrategie.
Ergebnisse und Anwendungspotenzial
Das Projekt liefert eine erweiterbare Datenplattform mit integrierten KI-Komponenten, die den manuellen Pflegeaufwand deutlich senken, Hilfesuchende passgenau mit Leistungen zusammenbringen und Entscheidungsträger mit datenbasierten Vorschlägen für neue Dienstleistungen unterstützen. Darüber hinaus entstehen übertragbare wissenschaftliche Methoden für den Einsatz agentischer KI, für datengetriebene Service-Innovation und für die nachhaltige Etablierung digitaler Serviceplattformen. Durch eine gezielte Öffnungsstrategie und ein Anreizsystem wird die Plattform als Inkubator für Social-Tech-Innovationen positioniert und stärkt nicht zuletzt die Digitalisierung im sozialen Bereich.
Website
Förderung
KIDaS wird im Rahmen der Fördermaßnahme „Nutzen in Daten-Ökosystemen: Wettbewerb - Kommunikation - Kooperation (DigiNutzenDat)“ gefördert.
Laufzeit
Das Forschungsprojekt hat eine Laufzeit von drei Jahren (01.01.2026 – 31.12.2028).