KIDaS-Strategieworkshop zur Zukunft der digitalen Eingliederungshilfe
Am 1. Juni 2026 kamen Forschende des Fachgebiets Wirtschaftsinformatik der Universität Kassel gemeinsam mit Expertinnen und Experten des Landeswohlfahrtsverbands Hessen (LWV) sowie weiteren Projektpartnern zu einem ganztägigen Strategieworkshop im Rahmen des Forschungsprojekts KIDaS zusammen. Ziel des Workshops war es, die Potenziale digitaler Technologien und Künstlicher Intelligenz für die zukünftige Gestaltung der Eingliederungshilfe zu diskutieren und konkrete Anforderungen für digitale Unterstützungsangebote zu entwickeln.
Im Mittelpunkt stand dabei die Frage: Wie können digitale Plattformen und KI-basierte Lösungen dazu beitragen, die Vermittlung und Koordination von Leistungen in der Eingliederungshilfe transparenter, effizienter und nutzerorientierter zu gestalten?
Der Workshop diente nicht nur der Vorstellung des aktuellen Projektstands, sondern vor allem der gemeinsamen Erarbeitung von Herausforderungen, Nutzerbedarfen und Gestaltungsanforderungen. Mithilfe etablierter Methoden des Collaboration Engineering brachten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen der Eingliederungshilfe ein.
Zu Beginn entwickelten die Teilnehmenden ein gemeinsames Werteverständnis für die digitale Eingliederungshilfe. Im Fokus standen dabei insbesondere:
- Transparenz
- Vertrauen
- Barrierefreiheit
- Zusammenarbeit
Wirtschaftlichkeit
Neben der Diskussion möglicher Zielkonflikte zwischen einzelnen Werten wurde ein im Projekt entwickeltes Referenzmodell zur Vermittlung von Leistungen in der Einzelfallhilfe gemeinsam weiterentwickelt. Aufbauend darauf identifizierten die Teilnehmenden Herausforderungen entlang der einzelnen Prozessschritte.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Entwicklung von Personas, um die Perspektiven unterschiedlicher Nutzergruppen systematisch zu erfassen. Dabei wurden typische Lebenssituationen, Unterstützungsbedarfe, Erwartungen und Frustrationspunkte beschrieben. Die Ergebnisse zeigten, dass viele Herausforderungen unabhängig von der jeweiligen Personengruppe auftreten und insbesondere durch fehlende Transparenz, mangelnde Orientierung sowie komplexe Abstimmungsprozesse verursacht werden.
Auf Basis der identifizierten Herausforderungen wurden anschließend zentrale Anforderungen an zukünftige digitale Lösungen priorisiert. Besonders häufig genannt wurden:
- Transparente und leicht zugängliche Informationen zu Leistungen und Zuständigkeiten
- Klare Ansprechpersonen und Verantwortlichkeiten über Organisationsgrenzen hinweg
- Schnellere Entscheidungs- und Vermittlungsprozesse
- Verbesserte Vermittlung zwischen Leistungsberechtigten und Leistungserbringenden
- Bessere Vernetzung und Nutzung vorhandener Daten
- Möglichkeiten für Feedback und kontinuierliches Lernen
Vertrauenswürdige und nutzerorientierte digitale Plattformen
Ein zentrales Ergebnis des Workshops war die Erkenntnis, dass viele Herausforderungen in der Eingliederungshilfe auf fragmentierte Informationsstrukturen, verteilte Zuständigkeiten und mangelnde Koordination zwischen den beteiligten Akteuren zurückzuführen sind. Digitale Plattformen und KI-gestützte Assistenzsysteme können hier einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Transparenz schaffen, Informationsflüsse verbessern und Vermittlungsprozesse unterstützen.
Der Workshop markierte einen wichtigen Meilenstein im Projekt KIDaS. Die erarbeiteten Ergebnisse bilden die Grundlage für die kommenden Projektphasen. In den nächsten Monaten werden die identifizierten Anforderungen weiter konsolidiert, durch Experteninterviews vertieft und in erste Konzepte sowie Prototypen überführt.
Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmenden für die engagierten Diskussionen, die wertvollen Impulse und die konstruktive Zusammenarbeit. Gemeinsam leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer digitalen, nutzerzentrierten und zukunftsfähigen Eingliederungshilfe.