Exkursionen
Der Hochschulverband organisiert vielfältige Exkursionen, welche verschiedenen Themen der Landwirtschaft und darüber hinaus beleuchten. Diese finden i.d.R. als Tagesexkursionen statt und werden per Bus oder in der näheren Umgebung von Witzenhausen per Fahrrad durchgeführt.
Vergangene Exkursionen
Die Landwirtschaft der Zukunft steht vor weitreichenden Herausforderungen: Klimawandel, Ressourcenknappheit und der steigende Bedarf an nachhaltigen Anbausystemen erfordern neue Denkmuster und innovative Lösungsansätze auf dem Feld. Eine zentrale Schlüsselrolle nimmt dabei das Saatgut ein. Doch wie unterscheidet sich ökologische Pflanzenzüchtung ganz praktisch von konventionellen Methoden? Welcher Forschungsansätze bedarf es, um widerstandsfähige Sorten ohne den Einsatz synthetischer Pflanzenschutzmittel zu entwickeln? Und wie vereint ein global agierendes Saatzuchtunternehmen wie KWS einerseits modernste Biotechnologie und andererseits die spezialisierte Züchtung für den Ökolandbau?
Diesen hochaktuellen Fragestellungen gingen 25 Studierende sowie Mitglieder des Hochschulverbandes Witzenhausen e.V. (HVW) am 19. Juni 2026 auf einer Tagesexkursion auf den Grund. Begleitet wurde die Gruppe von Prof. Dr. Gunter Backes (Fachgebiet Ökologische Pflanzenzüchtung und Agrarbiodiversität).
Praxiseinblicke auf dem Klostergut Wiebrechtshausen
Der Tag startete um 08:30 Uhr in Witzenhausen. Das erste Ziel der Exkursion lag im nahegelegenen Northeim: Das historische Klostergut Wiebrechtshausen bildet nicht nur als traditionsreicher Landwirtschaftsbetrieb ein optisches Highlight, sondern ist zugleich das praktische Herzstück der ökologischen Pflanzenzüchtung der KWS Saat SE & Co. KGaA. Hier befinden sich die zentralen Versuchseinrichtungen für die Feldselektion unter Öko-Bedingungen.
Während der fundierten Betriebsführung erhielten die Teilnehmenden tiefe Einblicke in die Besonderheiten des Öko-Anbaus. Direkt an den Versuchsflächen erläuterten die Experten vor Ort, wie sich die Selektionskriterien, die standortspezifischen Herausforderungen (etwa Nährstoffeffizienz und Unkrautkonkurrenz) sowie die langfristigen Zuchtziele grundlegend von der konventionellen Züchtung unterscheiden.
Dass Agrarpraxis eng mit dem Wetter verbunden ist, zeigte sich am späten Vormittag: Ein einsetzender Regenschauer zwang die Gruppe, den Feldrundgang vorzeitig zu verlegen. Die anschließende Diskussion wurde kurzerhand in die trockene Maschinenhalle verlegt – was dem regen Austausch und dem vertieften „Deep Dive“ in die ökologische Sortenentwicklung keinen Abbruch tat.
Mittagspause im historischen Einbeck
Zum Auftanken und für den informellen Austausch zwischen Studierenden, Alumni und Lehrenden ging es weiter in die historische Altstadt von Einbeck. In der Gaststätte Brodhaus – dem ältesten Wirtshaus Niedersachsens – stärkte sich die Gruppe bei Flammkuchen und nutzte die Zeit für Diskussionen über die ersten Eindrücke des Tages.
Einblicke in Forschung und Saatgutproduktion in der Unternehmenszentrale
Um 13:30 Uhr öffneten sich für die Witzenhäuser Gruppe die Tore des KWS-Hauptsitzes in Einbeck. Der Nachmittag stand im Zeichen der Verbindung von moderner Züchtungsforschung, Technologisierung und gewerblicher Saatgutlogistik. Nach einer einführenden Unternehmensvorstellung und einer theoretischen Einbettung aktueller züchterischer Methoden – darunter auch molekularbiologische Verfahren wie CRISPR/Cas – startete die Führung durch die verschiedenen Kernbereiche des Hauptsitzes.
Im Biotechnikum erlebte die Exkursionsgruppe hautnah, wie moderne molekularbiologische und gentechnische Werkzeuge die heutige Pflanzenzüchtung grundlegend verändern und beschleunigen. Den Teilnehmenden wurde demonstriert, wie mithilfe molekularer Marker gewünschte Eigenschaften bereits im Keimlingsstadium identifiziert werden können. Dies erspart langwierige Feldversuche über mehrere Generationen hinweg und erlaubt es den Züchterinnen und Züchtern, präzise Aussagen über Resistenzen oder Inhaltsstoffe zu treffen.
Anschließend ging es weiter in das LEO-Gewächshaus, ein vollautomatisches und hochmodernes Gewächshaussystem der Extraklasse. Hier können Umweltbedingungen wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Lichtspektren und Bodenfeuchte exakt simuliert und gesteuert werden, um die Belastbarkeit der Pflanzen von morgen unter extremen Klimaszenarien zu testen. Mithilfe von Förderbändern und hochpräziser Bildverarbeitungstechnologie werden die Pflanzen autonom zu Messstationen transportiert, digital erfasst und phänotypisiert. Dadurch lassen sich Reaktionen auf Trockenstress oder Krankheiten objektiver und schneller analysieren als im klassischen Freiland.
Den Abschluss des Rundgangs bildete der Einblick in die Saatgutaufbereitung und Verpackung. In diesen weitläufigen Produktionshallen veranschaulichten die Mitarbeitenden die hochtechnologisierten Prozesse nach der Ernte: Von der mechanischen Reinigung, Sortierung nach Korngröße und Dichte bis hin zu modernsten Beiz- und Pillierungstechnologien. Auch die hochgradig automatisierte Abfüllung und Logistik beeindruckten, da hier der Übergang von der biologischen Forschung hin zum handelsfertigen Qualitätssaatgut für den weltweiten Landwirtschaftsmarkt vollzogen wird.
Gegen 15:30 Uhr endete das offizielle Programm vor Ort. Mit vielen neuen Impulsen, differenzierten Sichtweisen auf das Zusammenspiel von ökologischer Züchtung und moderner Züchtungstechnologie sowie bereichernden Eindrücken im Gepäck trat die Gruppe die Heimreise an und erreichte wie geplant gegen 16:30 Uhr wieder Witzenhausen. Ein herzlicher Dank gilt Prof. Dr. Gunter Backes für die fachliche Begleitung sowie den Teams der KWS auf dem Klostergut Wiebrechtshausen und in Einbeck für die Gastfreundschaft und die vielseitigen Einblicke.
Pünktlich um 8:30 Uhr startete unsere Exkursion in Witzenhausen am Tegut-Parkplatz. Bei bestem Herbstwetter machten wir uns auf den Weg in die Kaliregion an der Grenze zwischen Hessen und Thüringen – eine Landschaft, die von beeindruckenden Bergbauanlagen und zugleich von den Folgen jahrzehntelanger Rohstoffgewinnung geprägt ist.
Unser erster Halt führte uns an den Fuß des imposanten Monte Kali, der mit seinen rund 200 Metern Höhe schon von weitem zu sehen ist. Dort trafen wir Vertreterinnen und Vertreter der Bürgerinitiative „Für ein lebenswertes Werraland“, die sich gemeinsam mit dem BUND e.V. gegen die zunehmende Versalzung der Werra einsetzt. In einer engagierten Gesprächsrunde erfuhren wir, wie stark die Region unter den ökologischen Folgen des Kaliabbaus leidet – und wie viel Einsatz und Ausdauer nötig sind, um Veränderungen zu bewirken. Besonders eindrucksvoll war der Bericht über die Klage der Initiative gegen den Konzern K+S, mit der sie auf mehr Umweltschutz und nachhaltiges Handeln drängt.
Zur Mittagspause wartete eine köstliche Stärkung auf uns: eine frisch gekochte Suppe vom Biolandhof ÖX aus Frankershausen. Ob vegetarisch oder mit Fleisch – sie schmeckte allen hervorragend und sorgte für neue Energie. Auch an Getränke – warm und kalt – war gedacht, sodass wir gestärkt in den zweiten Teil des Tages starten konnten.
Am Nachmittag ging es weiter nach Merkers, wo uns Lukas Bangert, Regionalberater von K+S, begrüßte. In seinem Einführungsvortrag erfuhren wir spannende Details über die Produkte des Unternehmens und deren Bedeutung für die Landwirtschaft. Anschließend begann das vielleicht spektakulärste Erlebnis des Tages: die Fahrt unter Tage in das einstmals größte Kalibergwerk der Welt.
Mit LKWs ging es bis auf eine Tiefe von über 800 Metern hinab – in eine faszinierende Welt aus Salz, Gestein und Technik. Auf einer rund 21 Kilometer langen Tour erhielten wir Einblicke in die geologischen Strukturen, die Abbauverfahren und den Arbeitsalltag im Bergwerk. Die Temperaturen zwischen 21 und 28 Grad Celsius sorgten für echtes „Tropenklima unter Tage“ und machten die Führung zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Gegen 18 Uhr erreichten wir schließlich wieder Witzenhausen – müde, aber begeistert von einem Tag voller spannender Eindrücke, intensiver Gespräche und neuer Erkenntnisse über die Verbindung von Wirtschaft, Umwelt und Verantwortung.
Die Exkursion mit 30 Teilnehmenden startete am Samstag, den 27.Januar um 8:00 Uhr in Witzenhausen am Tegut und unsere erste Station war das Milchmuhseum in Willingen, wo uns bei der Verkostung von Molkereiprodukten der Betriebsleiter der Bauernmolkerei Andreas Siegert ausführlich von dem Konzept und der Geschichte berichtete und uns, via Filmen von den Produktionsabläufen. Anschließend bekamen wir von ihm eine Führung um die neugebaute Molkerei und erhielten dabei Einblicke in die Produktionshallen.
Zur Mittagspause kehrten wir, nach einer Wanderung in die Graf Stolberg Hütte oberhalb von Willingen ein und genossen bei herrlichem Wetter und gutem Essen und Getränken einen der schönsten Ausblicke über das Sauerland. Die Rückfahrt führte uns über Waldeck, wo wir unsere letzte Station des Tages beim Hof Bio Agrar Meyer hatten, diese beliefern seit 2014 die Upländer Bauernmolkerei. Sie halten 120 Milchkühe und bewirtschaften 280 ha. Wir hatten eine interessante Stallführung durch den Betriebsleiter, der zudem im Vorstand der Genossenschaft ist, und erhielten einen Blick von der Seite der zuliefernden Betriebe auf die Molkerei. Gegen 18 Uhr erreichten wir nach einem ereignisreichen Tag wieder Witzenhausen.