La­bo­rastro­phy­sik

Eine der überraschendsten Entdeckungen der Astrophysik des 20. Jahrhunderts war die Allgegenwart von Molekülen, die in riesigen interstellaren Wolken, der Heimat von Sternen und ihren begleitenden Planetensystemen, vorkommen. Überwiegend organischen Ursprungs, zeugen interstellare Moleküle von der chemischen Evolution als allgemeines Thema und suggerieren die Entstehung von Leben als universelles und wahrscheinliches Szenario im Raum. In diesem Zusammenhang spielen nanogroße Staubpartikel eine entscheidende Rolle in der Astrochemie. Aus den Sternenatmosphären vertrieben, können sie als Katalysatoren einer komplexen interstellaren Chemie fungieren, die durch Molekularwachstum gekennzeichnet ist, was schließlich zur Bildung präbiotischer Moleküle führt. Das Aufkommen neuer Terahertz- und Infrarot-Teleskope von atemberaubender Empfindlichkeit und Winkelauflösung bietet einen genaueren und detaillierteren Blick auf stellare Umgebungen, in denen Staubpartikel und Moleküle entstehen. Das Zusammenspiel von Gasphasen- und Festphasenchemie ist in den Spektren von Sternen, Planetensystemen und interstellaren Wolken kodiert. Es ist die Aufgabe der Laborastrophysik, astrophysikalische Spektren durch Laboruntersuchungen zu entschlüsseln. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf chiralen Molekülen, die mittels Terahertz- und Infrarotspektroskopie untersucht werden. Die Struktur und Dynamik von chiralen Molekülen in der Gasphase sind von grundlegendem Interesse. Insbesondere das Tunnelverhalten chiraler Moleküle als Funktion der Rotationsschwingungsanregung wird mit schmalbandigen, phasenstabilisierten Infrarotlasern und THz-Multiplikatorketten untersucht.

Prof. Dr. Thomas Giesen studierte Physik an der Universität zu Köln, wo er 1992 promovierte. Er erhielt ein Stipendium der Max-Kade-Stiftung und begann seine Postdoc-Forschung über kleine Kohlenstoffcluster an der University of California, Berkeley. 1994 kehrte er an die Universität zu Köln zurück, wo er gasphasige Infrarot-Laserspektroskopie-Experimente an Kohlenstoffketten, z.B. lineare C8 und C10, und anderen kohlenstoffhaltigen Molekülen von astrophysikalischer Bedeutung durchführte. Nach seiner Habilitation an der Universität zu Köln im Jahr 2001 nahm er ein Angebot als Vertretungsprofessor und Vorsitzender des Fachbereichs Physikalische Chemie der Universität Wuppertal an. Von 2004 bis 2014 war er Co-PI der europäischen FP6-Projekte "Molecular Universe" und "QUASAAR" sowie des DFG CRC "Conditions and Impact of Star Formation". Er ist Co-Investigator der Herschel-Satellitenprogramme HEXOS und PRISMAS und Mitglied des Vorstands der European Task Force for Laboratory Astrophysics (EFTLA). Im Jahr 2003 erhielt er den Sir Thompson Memorial Award und im Jahr 2007 den Albertus-Magnus-Teaching Award. Von 2009 bis 2012 war er Lehrbeauftragter an der Universität zu Köln und seit 2012 ist er Professor für Experimentalphysik an der Universität Kassel. Prof. Giesen ist seit 2015 Mitglied des CINSaT, wo er und sein Team zur hochpräzisen THz- und IR-Spektroskopie an chiralen Molekülen und zu Untersuchungen an astrophysikalischen Molekülen, die Nanopartikel bilden, beitragen.


AG-Home­page


Kon­takt

Prof. Dr. Thomas Giesen

Ordentliches Mitglied

Giesen, Thomas
Standort
Universität Kassel
Fachbereich 10 - Naturwissenschaften & Mathematik
Institut für Physik
Heinrich-Plett-Straße 40
34132 Kassel
Telefon
+49 561 804-4775
Fax
+49 561 804-934792
E-Mail
Raum

1144

Se­kre­ta­ri­at

Annette Westermann

Telefon:

+49 561 804-4792

a.westermann[at]physik.uni-kassel[dot]de