Plantagen
Publikationen
Witthaus, Jan-Henrik (2025) «Relecturas antropológicas y ecocríticas de Hombres de Máiz (1949) de Miguel Ángel Asturias», Pangeas. Revista Interdisciplinar de Ecocrítica (7), pp. 97–108. doi: 10.14198/pangeas.29724.
Rink, Annika (geplant): "Ressources, résistance et relations interspécifique dans la littérature francophone caribéenne de plantation" Frankoromanistiktag, Universität Kassel, 29.09.-02.10.2026.
Rink, Annika (geplant): "Écriculture dans les plantmoition: pouvoir et agence dans les romans autobiographiques des plantations de la Caribe", “Écritures du moi en contexte caraïbéen: regards croisés” Université des Antilles (Martinique), 23.-24.06.2026.
Logbuch zur Recherche
Die ersten Recherchen zu relevanten Primärtexten ergaben sich aus der Lektüre von einschlägiger Sekundärliteratur zu Plantagenliteraturen Lateinamerikas. Ergänzt wurde die Suche durch Prompts in ChatGPT, die über detallierte Recherchen ggf. validiert wurden. Neben der Suche der Begriffe „plantación“ und „plantaciones“ wurden in gängigen Datenbanken wurden die Begriffe caña de azúcar, algodón, cacao, caucho, café, plátano, guineo, cahuete, maní, yerba mate, uvas, tabaco, arroz genutzt.
Innerhalb weniger Monate ergab sich ein Korpus aus über 60 spanisch-, portugiesisch- und französischsprachigen Romanen und Dramen aus Lateinamerika und der Karibik. Die Texte wurden priorisiert und an jenen Texten, die als äußerst relevant eingeschätzt wurden, wurde ein Annotationsverfahren erprobt, dass über Codierungen im Programm MaxQDA realisiert wurde und wird.
Die Vorteile der Codierung ist die visuelle Darstellung, die mehrfache Annotationen der vorher als relevant betrachteten Konzepte zulässt. Dadurch können verschiedene Konzepte oder auch Parameter narrativer Formen markiert und ihre Kookkurrenzen übersichtlich festgehalten werden. Über unterschiedlichen Suchfunktionen können einfach- oder mehrfachcodierte Textstellen angezeigt werden. Anders als bei Zitatensammlungen ermöglicht die Markierung im Text eine leichtere Sichtung des Kontexts in der Erzählung bei gleichzeitiger Verschlagwortung.
Die Nachteile dieser Vorgehensweise ist die mitunter uneinheitliche Codierung durch die verschiedenen Stile und zeitliche Versetzung der Lektüre wie auch die schiere Menge von Codes. Diese müssen, der Übersicht wegen, über- und unterkategorisiert werden. Geschieht dies, so können die Textstellen auch zu thematischen Feldern angezeigt und konsultiert werden. An der Universität Kassel ist die Software kostenfrei nutzbar, für deine Veröffentlichung der Analysedaten bedeutet dies allerdings eine Hürde.
Viento Fuerte (1970 [1950]) ist das erste Werk der nobelpreisgekrönten Bananentriologie von Miguel Ángel Asturias. Es erzählt mehrperspektivisch von der Urbarmachung der guatemaltekischen tropischen Küste für Bananenplantagen der United Fruit Co. alias Tropical Platanera S.A. Die Erzählung wechselt zwischen realistischen Portraits der Ausbeutung von Menschen – gesteuert von souveränen, oft anonymen Machtzentren – und magisch-surrealistischen Beschreibungen der indigenen und criollo Kultur sowie der ‚Natur‘. Allen Akteur:innen, auch den mehr-als-menschlichen, wird Handlungsfähigkeit zugesprochen. Die narrative Dynamik entfaltet sich jenseits von Heteronormativität und Spezismus, wodurch Stereotypisierungen eindämmt werden. Die Bananenpflanze wird als Erlösungssymbol: „Los movimientos de la cuadrilla de corte, al pie del bananal, que semejaba un árbol de la cruz verde, eran como a un Cristo verde convertido en racimo“ (25–26). Doch die Ausbeutungsmaschinerie bringt sie um ihre Existenzen.
Eine geschäftliche und freundschaftliche Verbindung zwischen criollo und expad Akteur:innen führt zur Idee einer alternativen, widerständigen Bananenproduktion – doch sie droht zu scheitern. Der Schamane Rito Perraj aus Semírames beschwört den „Viento Fuerte“, den die US-amerikanischen Angestellten für unmöglich halten. Der Wind zerstört nahezu alle Orte der Plantagengesellschaft – ohne Klassenunterschiede zu machen.
Die Beschwörung wird als Rachefeldzug Hermenegilo Puacs verstanden, der starb, da er keinen physischen Schuldigen für seine Misere fand. Mensch sagte ihm, dass auf einen getöteten Manager ein neuer folgen würde. Schuldig seien „la famosa gente de por allá“ (194). Gegen sie sei nichts auszurichten – man solle nach Chicago schreiben. Hermenegilo weiß jedoch nicht, wo die Stadt liegt. Humorvoll kommentiert die Erzählung: Er wäre zu Fuß gekommen, wenn er gewusst hätte, wo sie sich befindet. Doch selbst dann erscheinen die Gegner unbestimmt: „Y quién es esa gente, preguntaba. Todos, al parecer, sabían quién era, pero sin concretar nada. Chicago. La gente de por allí. Los amos“ (194).
Seine riesigen Bananen kann er nicht verkaufen: „Gringos hijos de puta, si ellos tienen eso que no se ve y que nos aplasta, contra lo que no se puede pelear ni matando, también nosotros, ¡já!, ¡me capo si no hay venganza!...“ (194). Der Schamane löst eine zerstörerische Kraft aus, die Puacs’ toten Kopf als Opfer fordert (194). Triumphierend lachen beide über die „cabezas secretas que los gobernaban“ (199). Mit der Zerstörung des imperialen Spiels verhöhnen sie ihre Gegner: „Hermenegilo Puac, con su calavera blanca, se reía de los doce millones de plantas de banano que terminaba de derribar el viento fuerte, botándolas de los terrenos húmedos donde parecian sobrepuestas igual que ‘pines’ de boliche“ (199–200).
Die Unsichtbarkeit der Herrschenden – oder auch die Vielgesichtigkeit am Beispiel Lester Stoners, Meads oder einfach nur Cosis –, die Opferung der Bevölkerung und ihr Aufbegehren gegen die Tyrannei der transnationalen Firma samt ihrer detailliert beschriebenen „Köpfe“ (siehe z.B. 49-50 sowie 93-95) verweisen auf Prinzipien von Souveränität. Doch auch die Aufständigen beherrschen über ihr Wissen die ‚Natur‘ und nutzen diese – obschon sie sich dafür selbst opfern müssen. Die Figur des grünen Papsts – „jerarca más alto de la ‚Tropical Platanera S. A.‘“ (93–94) – verbindet Macht, Glauben und Globalität. Anders als in klassischen Herrschaftsmythen eröffnet sie Interpretationsspielräume für die Deutungshoheit des Fortschritts.
Die Organisation der Firma bieten einen Nexus zum Projektschwerpunkt zu Büroliteratur, denn sie erscheint als „maquinaria ciega, implacable, que todo lo convertía a cifras“ (28). Die Angestellten sind „autómatas“ – ohne Risiko, ohne Affekte (28–29). Der grüne Papst selbst ist „ajeno a la vida humana, un ser de números“ (94–95). Seine Macht ist immens: „Mueve un dedo y camina o se detiene un barco. Dice una palabra y se compra una República. Estornuda y se cae un Presidente… Frota el trasero en la silla y estalla una revolución“ (101).



