Plantagen

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Zwischen Paternalismus und Widerstand: Repräsentationen des Plantagendispositivs in Literaturen Lateinamerikas und der Karibik

Plantagen brachten Grundformen des Paternalismus hervor, welche die Gesellschaften Lateinamerikas und der Karibik bis heute durchziehen und die in den zuvor erfolgten Projektarbeiten bereits Gegenstand von Analysen gewesen sind. ‚Kleine Souveränitäten‘ innerhalb und außerhalb des Staates intervenieren auf verschiedene Weisen in lokalen Konstellationen agronomischer Handlungsmacht, die jedoch immer mit globalen Strukturen des Marktes und der internationalen Arbeitsteilung resonieren. Die Plantage als koloniales Wirtschaftsmodell, das Mikroben, Pflanzen, Tiere und Menschen unterwirft, wirkt bis zur Aktualität fort. Wie werden die Wechselwirkungen der durchaus zum Teil heterogenen Akteur:innen durch Figuren- oder Raumdarstellungen in der lateinamerikanischen Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts wiedergegeben? Welche Rolle haben Einflussgrößen wie die des europäischen Realismus oder der endemischen Testimonialliteratur? Welche Analysen resultieren durch die Betrachtung literarischer Texte im Spannungsfeld von literarischer Mimesis, gesellschaftlicher Wirkung und politischem Engagement?

Publikationen

Witthaus, Jan-Henrik (2025) «Relecturas antropológicas y ecocríticas de Hombres de Máiz (1949) de Miguel Ángel Asturias», Pangeas. Revista Interdisciplinar de Ecocrítica (7), pp. 97–108. doi: 10.14198/pangeas.29724.


Folgenden thematische Schwerpunkte möchten wir im Rahmen des Projektes bearbeiten:

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Arbeit auf Plantagen und globale Arbeitsteilung

Die Plantage ist das zentrale Strukturelement in der Herausbildung einer Komplementär-produktion in der mittleren bis späten Kolonialzeit Amerikas. Sie fußt auf der regionalen und überregionalen Ausbeutung von Arbeitskraft: Historisch und noch heute beruht sie nicht selten auf Zwangsarbeit. Wie lassen sich die Machtstrukturen der Plantage als agronomisches Dispositiv beschreiben, und in welcher Weise ist in diesen Machtkomplex ‚kleine Souveränität‘ eingelassen? Wie werden die Entrechteten repräsentiert, wie wird der Vorgang ihrer Entrechtung konkretisiert? In diesem Kontext fragen wir, ob die erzählende Literatur nicht nur eine denunzierende Funktion innehat, sondern auch analytische Qualitäten aufweist, die die Einschränkung von Handlungsfeldern oder gar Repressionsmechanismen der Plantage offenlegt.

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Macht und Administration: Paternalismus vor Ort

Hegemoniale Subjektpositionen kümmern sich um die Herstellung von Ordnung und organisieren ‚Überwachen und Strafen‘ auf der Plantage. Strategien des Großgrundbesitzes – und später der transnationalen Industrie – gestalten durch Finanzkraft und Einfluss nationale und globale Politiken und durchdringen darüber hinaus in die Mikrostrukturen der Plantage vor. Das Militär, religiöse Würdenträger, der Vorarbeiter auf den Feldern sowie der Administrationsapparat (hierin besteht ein besonderer Nexus zum Bürodispositiv) sind somit als weitere hegemoniale Subjektpositionen des komplexen Machtnetzes zu verstehen. Wie taucht ‚kleine Souveränität‘ samt ihrer Technologien auf verschiedenen Positionen des Plantagendispositivs auf?

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Wissen und subalterne agency

Die Romane des Untersuchungskorpus werden neben einer macht- und entwicklungskritischen auch aus einer ökofeministischen Perspektive betrachtet. Sowohl Intersektionalitäten von menschlichen als auch die Handlungsmacht von mehr-als-menschlichen Akteuren werden in den Blick genommen. Diese Akteure sind nicht bloße Opfer, wie aber werden handlungsfähig? Welche können sprechen? Welche bleiben ungehört und handeln dennoch? Die Wissensformen welcher Akteure überdauern über welche Formen der Tradierung im Plantagendispositiv?