Programm

Tag/Day 0: Mittwoch/Wednesday, 04.09.2024

16:00-18:30

Anmeldung/Registration (CampusCenter, Moritzstraße 18, Foyer)

19:00

Conference Warming (Café Nordpol, Gottschalkstraße 12)

 


Tag/Day 1: Donnerstag/Thursday, 05.09.2024

9:00

Anmeldung/Registration (CampusCenter, Moritzstraße 18, Foyer)

 

10:00 - 11:30

Panel I

Fantastic Climates, Ökofeminismus, Queer Ecologies: Doing Gender and Genre (1)

Chairs: Agnieszka Komorowska & Andreas Braun

„Yo, venus mecánica, maniquí humano“, so beschreibt sich Obdulia Sánchez, die Kabaretttänzerin, die im Zentrum des wenig kommentierten, avantgardistischen Kurzromans von Díaz Fernández steht. Vom Bild der „mechanischen Venus“, einer Maschinenfrau also, will dieser Beitrag ausgehen. Dabei ist signifikant, dass die (Selbst-)Bezeichnung „venus mecánica“ außer im Kapitel 17 (aus dem auch das Zitat stammt) und im Titel selbst, in der Erzählung nicht weiter explizit auftaucht. Wie lässt sich die Abwesenheit dieses ungewöhnlichen, fantastisch anmutenden Bildes trotz seiner titelgebenden Funktion deuten? Und welches Apriori liegt der Verbindung zwischen Maschine und Frau zugrunde? Um diesen Fragen nachgehen zu können, soll im ersten Schritt das Motiv der Maschinenfrau literatur- und filmhistorisch eingeordnet werden. Inwiefern gibt es Bezüge zur wohl bekanntesten Feminoide des ausgehenden 19. Jahrhunderts aus Villiers de l’Isle-Adams L’Ève future (1886)? Der idealen Roboterfrau Hadaly haften dabei noch romantisch-fantastische Elemente an, während sich das mechanistische Frauenbild bei Díaz Fernández als Metapher einer Kapitalismuskritik seiner Generation deuten lässt, die die Frau als Spielball patriarchaler Strukturen identifiziert. Hier scheint Díaz Fernández’ Venus näher an Fritz Langs Maria aus seinem Stummfilm Metropolis (1927), der kurz vor der Venus mecánica erscheint, zu sein. In einem zweiten Schritt soll das Maschine(n)-Frau Paradigma dann vor dem Hintergrund posthumanistisch-feministischer Theorien (Braidotti und Haraway) gelesen werden, um zu prüfen, ob die Überwindung eines gegenderten Technologieverständnisses, wie es etwa Donna Haraway in ihrem „Cyborg Manifesto“ (1985) fordert, bereits bei Díaz Fernández sinnfällig wird.

 

In den Erzähltexten der argentinischen Autorin Samanta Schweblin erscheinen familiäre Konstellationen grundsätzlich im Zeichen des Unheimlichen. Verwandtschaftsverhältnisse sind beschädigt, invertiert, transformiert oder buchstäblich vergiftet, häufig kippen sie ins Beklemmende oder sogar Horrorhafte. Den scheinbar ‚natürlichen‘ Bindungen und Filiationen familiärer Beziehungen wird der Charakter des Vertrauten genommen, um stattdessen dysfunktionale oder gewaltförmige Konstellationen zur Darstellung zu bringen. Dabei verlieren Innenräume (Wohnungen, Häuser und Behausungen) konsequent ihren vertrauten Charakter, Außenräume (Gärten, Landschaften) werden bedrohlich und gefährdend.

  Eine solche unheimliche Perspektivierung von Reproduktion lässt sich als direkter Gegenpol zu jenen epischen Familiengeschichten verstehen, die seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts von Autor:innen wie Gabriel García Márquez oder Isabel Allende geprägt wurden. Während sich deren Romane durch zyklische Strukturen und die Darstellung tradierter Genealogien gekennzeichnet sind, finden sich in den Erzählungen von Schweblin (Ab-)Brüche, Unterbrechungen und Interruptionen. An die Stelle eines Prinzips der Wieder- und Weitergabe tritt eine End-Zeitlichkeit, die sowohl die ‚Ökonomie‘ als auch die ‚Ökologie‘ der Familie umfasst.

  Der geplante Vortrag untersucht einzelne Erzählungen aus den Sammlungen Pájaros en la boca (2009) und Siete casas vacías (2015) vor dem Hintergrund gestörter oder unterbrochener Familienstrukturen. Während die bisherige Forschung sich zumeist entweder dem Einfluss der (neo)fantastischen Literatur auf die Texte Schweblins gewidmet hat oder (angeregt auch durch den Kurzroman Distancia de rescate (2014) und seine Verfilmung) der Thematisierung von Naturkatastrophen und klimatischer Deregulierung, ermöglicht die Konzentration auf familiäre Konstellationen eine Verknüpfung der beiden Ansätze. Fokus der Analyse sind die verschiedenen Verfahren, mit denen die Autorin prekäre Grenzüberschreitungen und Schwellenräume zwischen Innen und Außen inszeniert, die eine sichere familiäre Ordnung des Hauses konsequent unterwandern.

 

 

“[E]sto no era el Génesis, era el cambio climático” (Rossi 2019: 174), witzelte die tapfere Lalia jüngst in Anacristina Rossis Kurzgeschichte Abel (2019), mit der die in Costa Rica geborene Autorin apokalyptische Erzählungen über den „Last Man“ (Horn 2018: 24) mit einem unverhohlen feministischen Unterton wider den Strich liest. Aufgewachsen in der, wie es in der Geschichte heißt, „verschlechterten Welt“ (Rossi 2019: 169), ist Lalia die einzige Überlebende eines plötzlich weltweit abfallenden Sauerstoffspiegels, der die Gattung Mensch mit einem erbarmungslosen Vernichtungsschlag auslöscht. Unerschrocken richtet sich Lalia in einer postapokalyptischen Katastrophenlandschaft ein, die unter tiefrotem Sonnenlicht verwittert: nicht der Himmel, sondern die Hölle auf Erden, die zum Schauplatz einer kategorischen One-Woman-Show wird. Deren Protagonistin macht dabei nicht einmal davor Halt, den eigenen Bruder zu töten, als sein unerwartetes Auftauchen das postapokalyptische empfindliche ökologische Gleichgewicht stört.

In ihrem goldenen Zeitalter bot das Herland (Perkins Gilman 1915), das Anacristina Rossis dystopischer Szenerie Patin steht, noch eine Bühne für eine mögliche von Frauen geführte bessere Gesellschaft, in der, sobald erst einmal alle Männer verschwunden und herrschende Kriege einvernehmlich befriedet sind, alle Güter gerecht geteilt werden und die Erde gehegt und gepflegt wird. Im buchstäblich aufgeheizten Klima der globalen Erwärmung entwerfen neuere Ableger feministischer Utopien ein anderes Szenario, erkannte zuletzt die US-amerikanische Schriftstellerin Sandra Newman (2022), die mit ihrem Roman The Men (2022) in dieser Debatte auch literarisch Partei ergreift (Dillon 2020): In Naomi Aldermans The Power (2016), Lauren Beukens Afterland (2020) und Christina Sweeney-Bairds The End of Men (2021) seien Frauen nicht länger zwingende kooperativer oder empathischer, vielmehr in einem kollektivem Kummer gefangen, aus dem heraus sie genauso gewalttätig agieren wie ihre Männer. Dabei wird der Imperativ feministischer Utopien – Frauen kümmern sich natürlicherweise um die Natur – zunehmend kritisch hinterfragt.

Am Beispiel von Anacristina Rossis Abel (2019) wird der Vortrag vor diesem Hintergrund diskutieren, wie aktuelle feministischen Utopien postapokalyptische Szenerien entwerfen, in denen Artensterben, saurer Regen und steigende Temperaturen Raum schaffen, Geschlechterkonzeptionen radikal neu zu denken

Myth and Folklore

Chair: Ann-Christine Herbold

In seiner Abhandlung über die Beziehung von Märchen und Wirklichkeit schreibt der renommierte Märchenforscher Lutz Röhrich: „Vielfach ist das Erzählen selbst noch eine magisch nicht ungefährliche Sache.“1 Erzählen wird so gerade auch im Kampf gegen die vom Menschen bedrohte Natur als magische Praxis genutzt. Märchen der Pawnee in Nordamerika beinhalten beispielsweise Gesänge, die die viel bejagten Büffelbestände aufbessern sollen.2 Neben diesen magischen Auswirkungen durch Wort und Gesang spielen besonders auch die Tabus von Erzählzeiten eine Rolle: Geschichten dürfen nur abends oder nachts erzählt werden, die Nacht gilt als „the tale-telling season.“3 Erzählen in der Jahreszeit Sommer evoziert ein dramatisches Ungleichgewicht der Umwelt: „Myths must not be told during the day, nor in summer, as violation of this rule will cause snakes to come.“4 Auch Frösche und „other disagreeable things“5 treten dann in Unmengen auf. Den Erzählenden kann der Tod durch Unwetter, nämlich Blitzschlag, drohen, oder ihnen fallen „sonst die Wolken auf den Kopf.“6 Anhand magischer Schlussformeln nimmt das Erzählen sogar Einfluss „auf das Wachsen und Gedeihen der Pflanzen.“7 In asiatischen Erzähltraditionen wird gar gegen Unwetter erzählt – bezeichnenderweise eignen sich dafür Geschichten, in denen Tiere katastrophalen, lang andauernden Regen zu stoppen suchen.8 Das Klima im Märchen beeinflusst also mitunter das Klima außerhalb des Märchens. Ziel des Vortrags ist, zu ergründen, wieso erzählt wird – und was die Märchentradition weiterführend für heutiges klimabezogenes Erzählen suggeriert.

 

1 Lutz Röhrich: Märchen und Wirklichkeit. Wiesbaden 1974, S. 163.

2 Vgl. George A. Dorsey: The Pawnee. Mythology (Part I). Washington, D. C. 1906, S. 437.

3 Alex F. Chamberlain: Notes and Queries. In: Journal of American Folk-Lore 1900 (13), S. 146.

4 Ebd.

5 Ebd., S. 147.

6 Paul Sartori: Erzählen als Zauber. In: Zeitschrift für Volkskunde 1930 (40), S. 45.

7 Ebd., S. 42.

8 Vgl. Röhrich: Märchen und Wirklichkeit, S. 164.

In der antiken römischen Mythologie gibt es das Konzept des „genius loci“ – ein Schutzgeist eines bestimmten Ortes. Dieser kümmerte sich um das Wohlergehen des speziellen Raums und verteidigte diesen, sollte es vonnöten sein. Nicht selten verschmolz dieser Schutzgeist mit dem Raum als solches und kann daher als Personifikation des Ortes verstanden werden. Gerade im 21. Jahrhundert, bedingt durch die zunehmende Zerstörung der Umwelt, wird dieses Konzept wiederentdeckt und in der Fantastik umgesetzt.
Dieser Vortrag betrachtet den Webcomic The Little Trashmaid von Stephanie Hermes sowie den Roman Fast verschwundene Fabelwesen von Florian Schäfer und Elif Siebenpfeiffer. Beide Texte zeigen mythische Wesen, welche sowohl im Wasser als auch auf dem Land beheimatet sind. Das stetige Eindringen von Menschen in den natürlichen Lebensraum der Wesen, welchen die Menschen verunreinigen, verkleinern oder gar gänzlich zerstören, bedroht nicht nur die Schutzgeister, sondern auch den Raum und andere endemische Arten. In den Texten kommt dann nicht nur eine Darstellung der Umweltzerstörung zum Ausdruck, es wird auch die Idee der Konservierung jener Schutzgeister angesprochen. Dabei wird nicht nur der positive Aspekt des Handelns gegen die Verschmutzung adressiert, es wird auch eine klare Binarität aufgebaut, welche die menschlichen Akteur_innen als wesentlich kompetenter auszeichnet. Diese werden damit als die wichtigeren Subjekte gesetzt, während die Umwelt und seine genii locorum als passive und dadurch minderwertige Objekte identifiziert werden müssen. Damit wird auch gekennzeichnet, dass durch den Einsatz der Fantastik eine Distanz etabliert wird, welche das umweltschädliche Handeln in den Raum des Fantastischen zurückdrängt. 

Solarpunk

Chair: Karolin Schäfer

The emerging (sub)genre of speculative fiction, solarpunk, focuses on climate change in a distinct way, quite different from climate (change) fiction or dystopian fiction usually associated with this theme. The “punk” part of solarpunk is grounded in its emphasis on hope: humanity will be able to confront and/or adapt to anthropogenic climate change. However, the genre is not utopian, rather, it reveals that the livable, sustainable and just future requires a (pro)active position of individuals as well as communities and a critical approach to the society’s structural inequalities rooted in racism, capitalism, patriarchy, and anthropocentrism. Whereas anthropocentrism is arguably one of the reasons for anthropogenic climate change, it also depends on and enhances power hierarchies based on race, gender, species, class, ethnicity and other socially relevant categories. Therefore, to enable a more inclusive and sustainable future, it is crucial to approach anthropocentrism critically. This paper argues that the solarpunk short stories allow for deconstruction of the anthropocentric perspective and mediate the non- and post-anthropocentric agency of humans and other sentient beings in (climate-changed) futures. This paper predominantly relies on posthuman (critical) theory (Rosi Braidotti, Katherine Hayles and others), while also benefiting from feminism (Donna Haraway, Judith Butler) and ecocriticism (Timothy Morton). The following stories are analysed: “Broken from the Colony” by Ada M. Patterson (Afterglow: Climate Fiction for Future Ancestors. The New Press, 2023), “The Song That Humanity Lost Reluctantly to Dolphins” by Shweta Taneja (Multispecies Cities: Solarpunk Urban Futures. World Weaver Press, 2021), and “The Death of Pax” by Santiago Belluco (Sunvault: Stories of Solarpunk and Eco-Speculation. Upper Rubber Boot, 2017).

In Becky Chambers’ Monk and Robot (2021-2022) series, seemingly innocuous yet imaginative questions arise: What do a tea-serving monk and a robot have in common? And what might they discuss if they were to encounter each other in the wild? These questions serve as the backdrop for Chambers’ exploration of themes such as belonging, purpose, and contentment within the self-exploratory quest set on the habitable Solarpunk moon of Panga, where AI and robots have abandoned humans for the wilderness, leaving behind small sustainable communities. A critically acclaimed science fiction writer, Chambers is often associated with the subgenre of Hopepunk, where optimistic narratives include diverse characters in cozy inspired worlds, exploring issues of values, identity, and relationships in futuristic settings. The protagonist, Dex, a gender non-binary monk, meets the wild-built robot Mosscap, and they discuss questions of belonging, purpose, and contentment together. Within the comfort of the Panga’s rewilded nature, a companionship develops between Dex and Mosscap as they answer each other’s profound and philosophical inquiries. Thus, informed by Donna Haraway’s The Cyborg Manifesto (1985), The Companion Species Manifesto (2003) and Staying with Trouble: Making Kin in the Chthulucene (2016), this paper examines the creation of posthuman kinship between Dex and Mosscap in the novellas A Psalm for the Wild-Built (2021) and A Prayer for the Crown-Shy (2022). Haraway’s concept of ‘Cyborg identities’, ‘significant otherness’ and ‘oddkin’ becomes principal to understanding the bond between Dex and Mosscap as they embrace “counterintuitive geometries and incongruent translations” (Haraway, ‘Manifestly Haraway’ 117) that cement their kinship.

Becky Chambers’ recent ecological Monk and Robot series has (to the author’s approval) been deemed not only Solarpunk, but Hopepunk as well. However, few have noted the intertextual references that Chambers uses to position her text’s “hopepunk” optimism within the evolving environmental discourse of science fiction.

As the non-binary tea-monk protagonist Sibling Dex and their robot companion Mosscap navigate the post-scarcity, post-factorial setting of Panga, they contemplate what Douglas Adams in his Hitchhiker’s Guide to the Galaxy novels (H2G2; 1979-1992) playfully termed “Life, the Universe and Everything”. Between further shared elements like tea and sentient robots, the protagonists of both Chambers’ and Adams’ series grapple with the absurdities of life in narrative universes that, even in their most utopian moments, fail to completely satisfy their characters’ desires for purpose and fulfilment. However, Chambers’ monk and robot expand these contemplations into an environmental humanism that is both more optimistic and constructive than Adams’ text. The resulting dialogue with the SF and post-apocalyptic genres also reads as a response to Walter Miller’s Canticle for Leibowitz (1959) that goes beyond the series’ titular allusions: Rather than perpetuating Miller’s concept of ecological and social apocalypse, Chambers’ quasi-utopia allows for positive change – and the hope for an apocalypse averted.

By treating Chambers’ novels as an intertextual response to these previous SF texts it is possible to trace an evolution of science fiction’s ecological and philosophical stances from nihilism to satire to cautious optimism.

11:30 - 12:00

Kaffeepause/Break


12:00 - 13:30

Panel II

Fantastic Climates, Ökofeminismus, Queer Ecologies: Doing Gender and Genre (2)

Chairs: Agnieszka Komorowska & Andreas Braun

Vom Feuilleton als ‘ökofeministische Dystopie’ bezeichnet, entwirft der Roman Viendra le temps du feu (2021) von Wendy Delorme das Zukunftsszenario eines totalitären Staates, der im Angesicht der Klimakatastrophe, durch die weite Teile des Planeten unbewohnbar geworden sind, Ressourcen und Reproduktion radikal kontrolliert. Auf einem der wenigen (noch) fruchtbaren Territorien gründen die Überlebenden einen Staat, der auf einem heteronormativen, xenophoben „Pacte national“ fußt: Schutz der Grenzen gegen Migrant:innen aus dem Globalen Süden gehört ebenso zu den Pflichten wie ein Leben „en pair“, auf das die Bewohner:innen seit der Kindheit eingestimmt werden, und dessen höchstes Ziel es ist, als „contributeur“ bzw. „contributrice“ das Fortbestehen der Nation zu garantieren. Verboten sind Bibliotheken, historische Dokumente aus Zeiten vor dem „Pacte national“ und der Gebrauch von Begriffen aus der Vergangenheit wie „citoyen“, „peuple“ oder „religion“. An den Rändern dieser Gesellschaft finden sich jedoch Figuren, die in ihrem Verstoß gegen heteronormative Beziehungs- und Familienmodelle klandestine Formen des Zusammenlebens finden. Diese geheimen Gemeinschaften entwickeln utopische Gegenentwürfe im Sinne der Queer Ecologies: Sei es, indem sie sich der Rolle als „contributeur“ verweigern und zur Strafe in die verschmutzen Randbezirke verdrängt werden, sei es, weil sie eine steinerne Stadt der Schwestern gründen.

Der Roman kennzeichnet sich durch eine polyphone Erzählweise, die zunächst die Isoliertheit und Marginalität der Protagonist:innen verstärkt, diese Stimmen im Lauf der Handlung jedoch in einen Dialog treten lässt: Dazu gehören die Stimmen von Ève und Grâce, die einzigen Überlebenden einer Frauengemeinschaft, die sich am Rande der Stadt auf einer Insel angesiedelt hatte und dort einen Steinschlag betrieb, der vom Staat zunächst aufgrund seiner Nützlichkeit toleriert, schließlich aber vernichtet wurde. Da ist die Stimme von Rosa, einer ihrer Weggefährtinnen, die die Vernichtung bis zu ihrem Tode dokumentiert hat und deren Notizen sich wie Stimmen aus dem Jenseits in das Textgeflecht weben. Da sind zudem die Stimmen von Louise und Raphaël, die als Paar zusammenleben, um einander vor den Repressalien des Staates zu schützen, und in einem Nachtclub eine geheime Bibliothek entdecken. Die Lektüre von verbotenen Büchern wie Les Guérillères (1969) von Monique Wittig und Un appartement sur Uranus (2019) von Paul Preciado begleitet den Versuch der Mitglieder der geheimen Bibliothek, den totalitären Staat zu sabotieren und eine neue Gesellschaft herbeizuführen. 

Der Vortrag möchte insbesondere die intertextuelle Verweisstruktur untersuchen und fragen, wie Wendy Delorme sich in eine Genealogie von ökofeministischen, queeren Utopien von Wittig bis Preciado einschreibt. 

Climate Fiction (CliFi) ist als Literaturformat aus der Gegenwartsliteratur nicht mehr wegzudenken. Über den unmittelbaren literarischen Wert hinaus, kann CliFi auch eine spezifische Funktion im Sensibilisierungsprozess für den Klimawandel übernehmen. T.C. Boyle lieferte schon mit A Friend of the Earth einen wichtigen Beitrag in diesem Genre. Nun hat er mit Blue Skies nachgelegt. Blue Skies beschreibt die Situation zweier Generationen einer arrivierten US-amerikanischen Oberschichtenfamilie im Klimawandel. In zeitlicher Hinsicht verortet sich der Text exakt an der Generationenschwelle der befürchteten Kipppunkte. In dem Beitrag soll dargelegt werden, dass und warum Blue Skies als Allegorie auf die mangelnde Bereitschaft in den USA gelesen werden kann, wirksame Minderungsmaßnahmen für den Klimawandel anzugehen. Dies tun wir hinsichtlich dreier Ebenen, von denen die erste sich mit den unmittelbaren Auswirkungen des Klimawandels, die zweite mit der sozial-psychologischen Mechanik des Klimawandels und die dritte mit den individuellen Antwortstrategien auf den Klimawandel beschäftigt. Gerade hinsichtlich der dritten Ebene wird argumentiert, in welcher Hinsicht Blue Skies auch als ökofeministischer Text gelesen werden kann.

In Jessica Hausners Science-Fiction Little Joe (X-Verleih 2019) werden verschiedene Care-Beziehungen verhandelt. Erzählt werden neben Mensch-Mensch- und Mensch-Pflanzen- Konstellationen auch eine Pflanzen-Pflanzen-Beziehung – es geht um die „Matters of Care“ (María Puig de la Bellacasa 2017) als „vital politics“ (ebd. S. 5). Im Zentrum des Films stehen die Beziehungen zwischen 1. der alleinerziehenden Wissenschaftlerin und Mutter Alice Woodard (zur „Mutterliebe“ siehe z.B. Schlicht 2016), 2. ihrem Sohn Joe sowie 3. der von Woodard kreierten genmanipulierten Pflanzenzüchtung Little Joe. Insbesondere anhand dieser drei Beziehungen diskutiert der Film Formen von Fürsorge und Gemeinschaft. Während eine Konkurrenzsituation zwischen der Erwerbsarbeit von Woodard und ihrer Care-Arbeit im Verhältnis zum Sohn den Film durchzieht und diese gegeneinander ausgespielt werden (vgl. Rutarux 2023, S. 71) und die „Pflanzen-agency“, die dazu führt, dass die Menschen Little Joe „umsorg[en]“ (vgl. ebd., S. 65, H.i.O.) im Kontext des „Monströse[n]“ gelesen werden kann (vgl. ebd., S. 63), ist es gerade die ‚Beziehung‘ der Pflanzen zueinander, die als besonders erfolgreich und produktiv modelliert wird. Die Little Joes übernehmen die (Selbst-)Fürsorge für das Überleben ihrer Pflanzengemeinschaft und setzten die Menschen dabei, unabhängig vom Geschlecht, für die Care-Arbeit ein. Unfruchtbar durch die Genmanipulation ‚bezahlt‘ die Pflanze den Menschen mit einer olfaktorischen ‚Währung‘, einem Geruch, der die Oxytocinausschüttung des Menschen (zur Bedeutung von Oxytocin siehe z.B. Uvnäs-Moberg et al. 2024) fördert. Während die weiblichen Figuren des Films, Woodard und ihre Kollegin Bella in ihrer Care-Beziehungen gegenüber Kind bzw. Hund scheitern, und Fürsorge außerhalb der Mensch-Pflanzenbeziehung und damit des Arbeitskontexts für sie nicht machbar ist, werden die männlichen Arbeitskollegen ohne Verantwortung für weitere Wesen dargestellt. Ihre Care-Verantwortung ist von Beginn an auf die Mensch-Pflanzen-Beziehung begrenzt. Der Film spielt über Bild- und Farbgestaltung sowie Sound, aber insbesondere über den Diskurs über die psychische Gesundheit bzw. gelungene Selbsteinschätzung der beiden Frauen, Bella und Woodard, sowie dem changieren zwischen möglicher Realität und möglicher Fiktion mit einer verlässlichen Erzählinstanz. Der Vortrag möchte die verschiedenen Narrationen und Geflechte von Care(-Arbeit) im Kontext von Genre und Gender im Film Hausners beleuchten.

Im Jahr 2019 haben die Kriegs- und Krisenreporter Mika Mäkeläinen und Jani Saikko auf der Website eines Immersions-Projekts gefragt: „Haben Sie sich jemals gefragt, wie sich eine Atomexplosion anfühlen würde?“ Ihre Einladung führte ins „Herz“ des Pazifiks, zum Enewetak-Atoll, auf dem in den Jahren 1948 bis 1958 mehr als vierzig US-Atombombentests durchgeführt wurden. Das Bildmaterial zu Enewetak (auf das die Reporter rekurrieren) ist verstörend; nicht umsonst liegen Untersuchungen zu Nukleargeschichte und Zuschauerschaft vor, ebenso wie zur medialen Distanzierung von nuklearen Detonations- und Kontaminationsorte, die in isolierter Lage – in diesem Fall im (paradiesischen) Pazifischen Ozean – lagen. In den 1960er Jahren folgten französische Tests im Pazifik. In meinem Vortrag werde ich beleuchten, in welcher Weise Albert Serras Film Pacifiction – Tourment sur les îles (2022) die Geschichte  dieser Tests (die zu den insgesamt über 2000 weltweiten Tests gehören, die erheblichen Einfluss auf das weltweite Wetter hatten) auf die Leinwand holt, um sie in kontemplativer, verzögerter, schwerwelliger Ästhetik zu reflektieren, und zwar nicht nur in der geisterhaften Gestalt eines U-Boots, das inmitten des bizarr-spärlichen Plots (der Besuch eines ambiguen Diplomaten in Französisch Polynesien) die Annahme der Wiederaufnahme von Nukleartests materialisiert, sondern auch in unterschiedlichen immersiven Szenen, in denen die (im mehrfachen Sinn) klimatischen  Konditionen  einer postkolonialen Welt zu implodieren scheinen. Ich werde in diesem Zusammenhang mit den Begriffen des Ghostings und des Fallouts operieren. Zudem werde ich die Kriterien für die Nominierung des Films für die Queer Palm darlegen und mit Überlegungen zu Immersion, Opsis, Distanz und Kontamination verknüpfen.

Latin America and the Carribean

Chair: Kirsten Behr

Following the devastation caused by Hurricane Maria in Puerto Rico (Borikén), many on the island and in the diaspora are questioning their colonial relationship to the United States, imagining decolonized futures inspired by their indigenous (Taíno) and African heritage. This paper uses the concept of “speculative resistance”, developed by sociologist and speculative fiction writer Malka Older, to analyze an emerging genre of art and fictions called Taínofuturism, which imagines decolonial Caribbean futures built upon Afro-indigenous logics, aesthetics, and values. This presentation surveys artworks, short fiction, and the novella Sordidez as examples of speculative resistance. Given that the Caribbean region is among the  world’s most vulnerable to climate change, the counter-hegemonic imaginaries and radical reconfigurations promised by Taínofuturism might provide a blueprint for survival.

Im derzeitigen Klimawandel wird deutlich, welchen Einfluss wir Menschen durch extraktivistische Maßnahmen auf die Natur und dadurch auch auf das Klima haben, und zugleich zeigt sich, wie sehr diese klimatischen und konkret meteorologischen Veränderungen wiederum uns beeinflussen. Diese Wechselwirkung wird nicht nur in der Literatur des 21. Jahrhunderts aufgegriffen, sondern in der lateinamerikanischen Literatur bereits thematisiert, bevor der Klimawandel ins Zentrum der öffentlichen Debatten gerückt ist. So auch in zwei Werken, in denen sich Natürliches und Übernatürliches im Klima und konkret im Wetter vermischt und als Wirklichkeit dargestellt wird: Viento fuerte (Sturm, 1950) von Miguel Ángel Asturias und Cien años de Soledad (Hundert Jahre Einsamkeit, 1967) von Gabriel García Márquez. Diese Autoren, die in der Literaturgeschichtsschreibung traditionell dem magischen Realismus zugeordnet werden, lassen sich in einer weiten Begriffsvorstellung auch als Autoren der Fantastik begreifen.

In Viento fuerte, dem ersten Roman von Asturias‘ sogenannter Bananentrilogie, wird zum Ende hin ein Hurrikan durch einen Schamanen hervorgerufen, in dem sich der Gott ‚Huracán‘ der maya-quiché Indigenen manifestiert und die Bananenplantagen der Tropicaltanera, dem Fruchtimperium, zerstört. In Cien años de Soledad, hervorgerufen durch den Direktor des Bananenunternehmens Señor Brown, regnet und stürmt es nach dem sogenannten masacre de las bananeras (Bananenmassaker) inmitten der Trockenzeit über vier Jahre. Dieser Klimawandel zerstört die letzten Überreste der Bananenplantagen, bewirkt den Abzug der Firma und mündet am Ende des Romans in einen all-zerstörerischen Wirbelsturm.

Unter Bezugnahme auf den Ecocriticism mit dem Fokus auf die Darstellung der Natur und die Beziehung zwischen Mensch und Natur, der auf das Wetter hin spezifiziert und weitergedacht wird, zeigt sich, dass die zwei Romane narrative Konzeptionen reflektieren, in denen das Wetter zugleich natürliches Phänomen als auch übernatürlichen Ursprungs ist, sich als Reaktion auf die ausbeuterischen Handlungen von Arbeitern und Natur auf den Bananenplantagen verstehen lässt, und letztlich den Einfluss aber auch die Begrenztheit der Menschheit gegenüber dem konkreten Wetter und dem Klima aufzeigt.

Fantastic Oceans

Chair: Melina Heinrichs

Bereits Hans Christian Andersens „kleine Meerjungfrau“ zeugt von dem fehlenden Zugeständnis einer eigenständigen Stimme und damit Mitspracherecht durch das Meer bzw. dessen Bewohner*innen. Christina Henry intensiviert die Stimmlosigkeit in ihrer gothic novel-Adaption des Märchens noch zusätzlich, indem die Meerjungfrau nicht als Bezahlung für die Verwandlung stumm wird, sondern lediglich aus Werbezwecken stumm auftreten soll. Unterdrückungsmechanismen funktionieren durch die fehlende Stimme des Unterdrückten, so auch in der Wahrnehmung des Meeres als sublime Kulisse und dem Umgang mit dem Meer, das als Mülldeponie, Energie-Reservoir und Büffet für den Fischfang, aber kaum als für das gesamte Ökosystem der Welt relevanter Lebensraum anerkannt wird. Diese Stimmlosigkeit widerspricht nicht nur einem „pact naturel“, wie ihn Michel Serres bereits 1990 forderte, sondern zeugt, in der Nachfolge von Alfred Crosbys „Ecological Imperialism“ von einer aus postkolonialistischer und ökokritischer Perspektive zu untersuchenden Haltung des Menschen gegenüber dem Meer als ökologischem Lebensraum.

Das Meer nimmt im Rahmen der Climate Fiction eine ganz eigene Position ein, die sich markant von Climate Fiction unterscheidet, die die Zerstörung des Landes als direktem Lebensraum des Menschen thematisiert: Wenn Frank Schätzing seine Figur Crowe bemerken lässt, „dass man über die Tiefsee noch weniger weiß als über den Weltraum“, obwohl die Erde zu rund 71% von Meeren bedeckt ist, zeigt dies ein Ungleichgewicht in der Bedeutung des Meeres und dessen Wahrnehmung durch den Menschen.

Werke der Climate Fiction, die in diesem Beitrag thematisiert werden sollen, setzen bei diesem ambivalenten Verhältnis an, indem die Sublimität des Meeres durch die Überflutung des Landes (z.B. Waterworld, 2012, Uwe Laubs Blow Out), durch die Verbindung aller Meeresbewohner zu einem Schwarm (z.B. Frank Schätzings Der Schwarm) oder als Einheit unter einer außerirdischen Lebensform (z.B. Nnedi Okorafors Lagoon) verstärkt wird. Einher geht damit ein indirekter Verweis auf den selbstzerstörerischen Umgang des Menschen mit dem Meer, der insbesondere in Werken der Kinder- und Jugendliteratur explizit als Handlungsaufforderung, das Meer und dessen Bewohner zu schützen, umgestaltet wird (z.B. Die Pfefferkörner und der Schatz der Tieefsee, Katja Brandis Ruf der Tiefe sowie Seawalkers).

This presentation explores depictions of the sea in contemporary British literature – its ambivalences, contradictions and how it (metaphorically and literally) plays into configurations of individual and interpersonal relationships, specifically in the context of queer womanhood.

I will analyse two sapphic ocean narratives: Kirsty Logan’s The Gracekeepers and Julia Armfield’s Our Wives Under The Sea. Logan’s novel draws a gently hopeful portrait of benign adaptation that allows the protagonists to carve out ways of living on the water in a post-apocalyptic world that has seen drastically risen sea levels and accordingly shrunken habitable landmasses. Armfield’s novel, in contrast, shows adaptation to the sea as overwhelming, implacable, an unavoidable intrusion of water into once-peaceful, ordinary lives that must end in human capitulation. Sapphic love and longing play an important part in both stories, but where one is in some ways a traditional love story, in which the seas bring together the two protagonists, leading them through trials to a queer utopia, the other makes an almost cynical statement about lost love, showing grieving, the illusion of reunion and grieving again as a repeated – tide-like – process. The sea’s partly antagonistic positioning is complicated by the ways it is often viewed as female-connoted, thanks to its close ties to the moon and monthly rhythms, the fluidity of water and blood and its frequent readings as both life-giving and repugnant, comforting and terrifying. Both novels raise questions on the nature of humanity, hybridity, and the possibility and limitations of empathy, understanding and support for non-human Others.

This presentation adds usefully to the conference topic by exploring one facet of a large factor in Earth’s global ecosystem and climates, the ocean, in its interrelationships with human individuals and interpersonal bonds. Particular attention is paid to questions of bodily identity and conceptualisations of human bodies as relating to, coming from and blending into the sea, and how specific categories of social and individual significance, such as gender and sexual identity, play into the larger picture of humanity’s uneasy and ambivalent relationship to the oceans.

Praised for its stunning visuals, Giant Squid’s 2016 video game Abzû invites its players to take the role of a diver exploring an ocean teeming with wildlife. The diver’s interactions with marine life forms are characterized by mutual curiosity and although the player can grab onto certain animals to move faster, the aquatic creatures are never reduced to mere tools to be used for the player’s advancement or decorative background, as the very purpose of the game is the player exploring and learning more about their environment. Abzû’s narrative is told without any spoken language making room for an experiential way of storytelling that still manages to convey the plot of an environment at risk due to (post)human interventions. This paper focuses on Abzû’s envisioning of interspecies relationships. Building on Donna Haraway’s Staying with the Trouble,I read the representation of more-than-human kinship in Abzû as advocating for a “cultivating of multispecies justice” through practices of “becoming-with” other species (3–4). Combining selected close readings of screenshots from Abzû with an analysis of gameplay mechanics and sound design, this paper employs an ecocritical analytical framework. Apart from Haraway, the analysis is also informed by Alenda Y. Chang’s Playing Nature: Ecology in Video Games, and following her insights I suggest that Abzû uses its ocean setting “to create entirely new sets of relations, outside of those based on dominance or manipulation” (23). By focusing specifically on the opportunities that the game provides for exploring these non-hierarchical sets of relations, this paper supplements both Kate Galloway’s Blue Humanities informed analysis of Abzû’s sound design and Trépanier-Jobin et al.’s reception study of Abzû with an in-depth exploration of how the game imagines more-than-human kinship through having its human players take the role of a posthuman protagonist engaging in practices of becoming-with aquatic wildlife.
 

Works Cited

Chang, Alenda Y. Playing Nature: Ecology in Video Games. Minneapolis, MN: University of Minnesota Press, 2019.

Galloway, Kate. “Climate Games, the Blue Humanities, and Listening to the Deep-Sea Ecosystems in Games in a Time of Ecological Crisis.” AMP: American Music Perspectives (2021) 2 (2): 139–157.

Giant Squid Studios. Abzû. 505 Games, 2016.

Haraway, Donna J. Staying With the Trouble: Making Kin in the Chthulucene. Durham, NC: Duke University Press, 2016.

Trépanier-Jobin, Gabrielle, Maeva Charre-Tchang, and Sylvie Largeaud-Ortega. “The Underrealized Ecocritical Potential of ABZÛ.” Ecogames: Playful Perspectives on the Climate Crisis, edited by L. Op de Beke, J. Raessens, S. Werning, and G. Farca, Amsterdam University Press, 2024, 311-331.

13:30 - 15:00

Mittagspause/Lunch

15:00 - 15:30

Konferenzeröffnung/Opening and Welcome (Campus Center, Moritzstraße 18, Hörsaal 4)

15:30 - 17:00

Keynote Lecture, Andreas Braun

“Welchen Beitrag können soziale Utopien zur Reflexion über Nachhaltigkeit leisten?”

(Campus Center, Moritzstraße 18, Hörsaal 4)

17:00 - 17:30

Kennenlernen

 


Tag/Day 2: Freitag/Friday, 06.09.2024

9:00 - 17:00

Brettspiele weisen nicht nur immer häufiger ökologische und klimabezogene Themen auf, sondern werden auch zunehmend als wissensvermittelnde Kommunikate verstanden und beworben. Dabei wird ihnen eine besondere, wenn nicht sogar zentrale Rolle als „didaktisches Instrument“ (Ventuno/Corridoni 2019) zugeschrieben, wenn es darum geht, Menschen für die Bedrohung der Klimakrise zu sensibilisieren und zu einem nachhaltigen Handeln zu bewegen. Denn in Brettspielen, so die Hoffnung, würden „die Folgen klimarelevanten Handelns für die Spielenden unmittelbar erlebbar“ (Bathiany 2020). Dies sei notwendig, da die bisherige Klimakommunikation „entweder mit zu abstrakten Konzepten [...] operiere[] oder bewusst negative Gefühle wie Angst [...] schüre[]“ (ebd.). Von Brettspielen wird also nur nicht ein geselliger Zeitvertreib, sondern auch ein wissensbezogener Impuls zum besseren Handeln erwartet: „Have fun, and make an impact!“ (Play for the Future 2021). Folgt man der These, dass Fakten in der Debatte um die Klimakrise zwar notwendig, aber nicht hinreichend sind, um ein gesamtgesellschaftliches Handeln im notwendigen Maß stattfinden zu lassen (Böhnert/Reszke 2022a), könnten Spiele an dieser Schnittstelle eine kommunikative Vermittlungsfunktion erfüllen, jenseits der häufig als aufgeheizt wahrgenommenen politischen Debatten. Unser Forschungsinteresse richtet sich auf die Erforschung und Analyse von wissenschaftskommunikativen Praktiken (Böhnert/Reszke 2022a, 2022b) und Prozessen der Wissensproduktion und -rezeption (Böhnert 2022). Brettspiele erachten wir dabei als Anlass und Möglichkeit einer externen Wissenschaftskommunikation (Janich/Kalwa 2018), bei der Lai:innen als Spielende miteinander in Interaktion treten und sich nicht erst nach Abschluss einer Rezepti-onshandlung Raum zur Anschlusskommunikation bietet (vgl. Zinken et al., 2021, Böhm 2023).

Leitfragen sind dabei:

  • produktbezogen: Welches Wissen wird hierbei von den Spieleautor:innen als relevant beurteilt, um es im Spielmaterial für das spielerische Handeln als „unmittelbar erlebbar“ zu modellieren
  • kommunikationsbezogen: Inwiefern wird die Klimakommunikation dabei als monodirektionaler Transfer begriffen, bei dem nur eine spezifische (Klima-)Strategie als erfolgreich konzeptualisiert wird, oder als Mitgestaltung initiiert, die verschiedene Vorgehensweisen gleichberechtigt berücksichtigt
  • handlungsbezogen: Inwiefern werden die Spieler:innen dazu angeregt, bereits vorhandene Wissensbestände zu aktivieren und in Beziehung zu dem Spielmaterial/-geschehen zu setzen?

Weitere Informationen: https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Brettspiele_als_diskursives_Medium_der_klimabezogenen_Wissensvermittlung

Anmeldung:

9:00 - 10:30

Panel III

Theory and Genre

Chair: Murat Sezi

It is a symptom of the cultural Zeitgeist that, with particular sharpness in the last two decades, the genre of the “fantastic” has undergone an important semantic shift: in addressing growing concerns for ecological liveability and its relation to social and environmental justice, the non-mimetic has increasingly shifted from referring to the marvelous to the apocalyptic. Such contradictory meanings, however, are embedded not just in the terms “fantasy” or “fantastic,” but also in “apocalypse,” “marvel” or “wonder,” prompting discussions over the suitability of our jargon as well as over the inherent dichotomies in sff and its studies. This paper seeks to add to the conversation by tracing, in parallel, the histories of Climate Fiction (Cli-Fi) and the theoretical discourse that has surrounded it. To do so, it considers Cli-Fi not as a modern literary development born in the last fifty years out of the necessity to address the concern for global warming, but as a subgenre with a long pre-history (cf. Milner and Burgmann) whose critical approaches likewise merit a longer diachronic analysis that Cli-Fi’s consideration as “sf proper,” with the temporal restrictions that its discourse warrants, has sometimes afforded to give them. By conducting this parallel analysis, this paper hopes to contextualise the presumed novelty of representations of climate change and its critical approximations, arguing that providing historical perspective on how environmental crises have been dealt with in literature and literary criticism can shed light on some of the pitfalls of the contemporary state of the question, and perhaps also go some way towards explaining the “vicious circle of apathy” that surrounds the climate crisis, as well as the ongoing search for representational and critical alternatives to discuss it.

 

References

Milner, Andrew and J. R. Burgmann. “A Short Pre-History of Climate Fiction.” Extrapolation, vol. 59, no. 1, 2018, pp. 1-23.

Magical realism, once confined to the realms of postcolonial and Latin American literature, has emerged as a global phenomenon challenging established boundaries between the human and nonhuman realms. This paper aims to explore magical realism as an “environmental discourse” (Holgate) through an analysis of literary texts spanning from the 19th century to the present day. It contends that magical realism serves as a potent literary strategy; it is not just a decorative fantastic element, but emerges as a form of “artpolitical” writing (Sartwell), challenging the anthropocentric perspective. By redirecting the reader’s attention to nonhuman subjects and their inherent agency, magical realist texts emphasize the complexity of human-nonhuman interactions.
For instance, in “Rappaccini’s Daughter” (Hawthorne), nature and plants assume agency through the enchanting descriptions typical of magical realism, urging readers to reconsider their anthropocentric perspective and embrace a more responsible human-nonhuman relationship, one that goes beyond mere manipulation or idolization. Similarly, contemporary speculative texts by Margaret Atwood or Richard Powers incorporate magical realist elements into their narratives to evoke a sensory immersion in the environment. While the focus mostly lies on their uses of science and cautionary plots, this paper argues for a focus on their magical realist elements, which tend to be ignored. For example, The Overstory begins with the imagery of a pine whose needles scent the air, and “a force hums in the heart of the wood” (Powers 3). The importance of listening becomes apparent in this case, as these texts challenge conventional modes of perception centered on vision and emphasize the importance of a multisensory engagement with nature. Thus, they offer alternative frameworks for understanding human-nonhuman interactions and ecological interconnectedness.
 

Bibliography

Atwood, Margaret. The MaddAddam Trilogy. Bloomsbury, 2003-2013.

Hawthorne, Nathaniel. “Rappacini’s Daughter.” The Norton Anthology of American Literature1820-1865. Ed. Nina Baym. W.W. Norton & Co, 2007, pp. 1313–1333.

Holgate, Ben. Climate and Crises: Magical Realism as Environmental Discourse. Routledge, 2019.

Powers, Richard. The Overstory: A Novel. W. W. Norton & Company, 2018.

Sartwell, Crispin. Political Aesthetics. Cornell University Press, 2010.

Weird Fiction

Chair: Felix Böhm

This paper explores the interconnectedness of three phenomena: the rise of the Anthropocene as a defining era, the emergence of non-human philosophy, and the cultural impact of H.P. Lovecraft's works. Divided into three parts – “Seeds,” “Crops,” and “Excrescence” – the study delves into Lovecraft’s influences, his thematic elements, and their relevance in contemporary discourse.
In the first part, Lovecraft’s roots in gothic and decadent literature are examined alongside the philosophical underpinnings of object-oriented ontology and new materialism. The second part focuses on materiality in Lovecraft’s fiction, exploring themes of topography, object inventory, and ecology, while also discussing the weird amalgamations and phenomena that transcend conventional boundaries. The final section, “Excrescence,” delves into the cultural impact of Lovecraftian themes in the modern world, touching on posthumanism, postsecularism, and the prevalence of oneiric perspectives. Through an analysis of Lovecraft's works, the paper addresses the challenges of a secular, disenchanted world and proposes a dark enchantment as a response. By bridging the gaps left by the onto-taxonomic fallacy, the conclusion synthesizes discussions on weird fiction to offer a bundled response to the challenges of the Anthropocene. It addresses issues such as correlationism, anthropocentrism, linguistic limitations, and discrepancies in our relationship with nature and the cosmos, as well as recent political and environmental developments. Overall, this paper contributes to the understanding of Lovecraft’s work in the context of contemporary philosophical and environmental discourse, shedding light on its relevance in the Anthropocene era.

Seit einigen Jahren fasziniert eine neue Generation von Autoren und Autorinnen die Science-Fiction- und Fantastik-Szene Ungarns. Diese zeichnen sich sowohl durch ihr literarisches Niveau als auch durch die Aktualität ihrer Themen aus, sodass einige bereits den Durchbruch zur breiteren bzw. zur internationalen Öffentlichkeit geschafft haben. Attila Veres (geb. 1985) wurde mit der Novellensammlung The Black Maybe (2022) für den Bram Stoker Award 2023 (Superior Achievement in a Fiction Collection) nominiert, und Anita Moskát (geb. 1989) veröffentlicht auf der Seite Hungarian Literature Online regelmäßig Kurzprosa und Romanauszüge in englischer Übersetzung. Den beiden mit dem Zsoldos-Péter-Preis ausgezeichneten Autor*innen ist gemeinsam, dass sie die Fantastik mit dystopischer Gegenwartsdiagnose verbinden. Veresʼ Figuren agieren vor den Kulissen eines politisch wie ökologisch zugrunde gerichteten fiktiven Ungarn, und Moskáts Novellen sind – vor allem in der Sammlung A hazugság tézisei [The Theses of Lies] (2022) – stark sozialkritisch geprägt. Dabei ist die Überschreitung der Grenzen, sei es des individuellen Körpers und der Geschlechtlichkeit, sei es der Gattung Mensch und der Humanität, ständiges Thema dieser Texte. Insofern ist ihr Arrangement immer ein Kampf zwischen (supra-)biologischer Bestimmung und deterministisch wirkender Sozietät. Die Zusammenwirkung von Gesellschaftskritik (Dystopie), Ökokritik (Postapokalypse) und Fantastik, die bei Veres vor allem als Weird, bei Moskát als Kombination von Biological Fantasy und Speculative Fiction Gestalt gewinnt, bietet für die Analyse interessantes Material und soll im Rahmen des Vortrags in Hinblick auf den Schwerpunkt der Tagung ausgewertet werden.

 

Literatur:

www.thebramstokerawards.com/uncategorized/winners-nominees/

H. Nagy, Péter/Hegedűs, Orsolya: The Origins of Chimaeras. Mobilising the boundaries of species in a contemporary weird fiction novel: Anita Moskát’s Irha és bőr. In: Eruditio-Educatio 2022/1 (17. vol.), 91–97. https://mapopkult.com/posts/tanulmany_hnpho02/
Moskát, Anita: Story of a Firstborn Rabbit, hlo.hu/new-work/anita-moskat-skin-and-hide.html

Moskát, Anita: Short storys on Panodyssey, panodyssey.com/en/creative/room/fiction-snkpu9cwbpan

Rottensteiner, Franz: Attila Veres: The Black Maybe. Liminal Tales […]. Quarber Merkur 124 (2023), 241–244.

Veres, Attila: The Black Maybe. Liminal Tales. Transl. by Luca Karafiáth. Richmond, Virginia: Valancourt Books 2022.

Veres, Attila: Odakint sötétebb [Darker Outside]. Budapest: Agave 2017.

This paper delves into an in-depth analysis of H.P. Lovecraft’s literary philosophy, cosmicism, within the broader contexts of Old and New Weird genres, emphasizing their efficacy in portraying and scrutinizing various environmental, social, and existential crises. Particular attention is devoted to elucidating the portrayal of anxiety embodied by the concept of the “unknown”, as well as explicating the potential for interpreting Lovecraft’s narratives within the framework of posthumanist discourse, notably considering him as a “crisis author” as conceptualized by Daniel Doncel. Timothy Morton further draws from one of Lovecraft’s cosmic entities, “Cthulhu,” to explain his concept of the “hyperobject,” which encapsulates what is beyond human comprehension. Lovecraftian cosmic entities, representing the “unknown” and constituting the “hyperobject,” as well as the anti-narrative elements found in the works of both Old and New Weird serve to explore the unfathomable and emphasize its profound impact on individuals, manifesting as existential dread or anxiety. The presence of ecophobic elements in H.P. Lovecraft and Jeff VanderMeer’s narratives further underscores humanity’s response to danger or threats such as ecological crisis, highlighting the challenges of understanding vast and somewhat abstract phenomena. Thus, the genre not only endeavors to represent the unrepresentable but also analyzes its psychological and physical effects on individuals and highlights the differences in human responses. It provides a fertile ground for narrating intricate and multifaceted concepts such as environmental catastrophes, the climate crisis, and apocalyptic scenarios. Consequently, this paper conducts an analysis of selected works, including H.P. Lovecraft’s two short stories “The Color Out of Space” and “Nyarlathotep” and Jeff VanderMeer’s novel Annihilation along with its cinematic adaptation. Through this examination, the paper aims to deepen our understanding of the pervasive nature of anxiety within each individual and to contextualize it within contemporary philosophical discourse and environmental crisis.

Apocalypse and Crisis

Chairs: Melina Heinrichs und Ann-Christine Herbold

Resulting in a “mile-thick layer of snow and ice” due to a “change in the angle of the sun’s rays” (The Tower of the Swallow, 241f), the ‘Time of the White Cold’ is a catastrophic event prophesied to upset the world’s ecosystems. Yet Sapkowski’s narrative utilization of it noticeably foregrounds the various races’ concern for their own preservation over the ice age’s ecological impact, exemplifying anthropocentric ideology.

Though the Aen Elle elves constitute Sapkowski’s take on the elder elven race archetype, they share none of the ecological stewardship exemplified in Tolkien’s works, instead seeking to leverage the impending crisis in their ongoing war against the humans, planning to leave the world by magic and return once the ice has melted (Swallow, 241). Despite their naturalistic claim on the world, their ideology is characteristically anthropocentric as they separate “human and non-human values and experiences,” unaware of the “interconnectedness” of lifeforms (Hupkes/Hedman 2022, 1). Similarly, emperor Emhyr var Emreis as the representative of the largest human faction is privy to another prophecy proclaiming the saving of the world at the hands of an emperor’s son, which Emhyr uses to justify his military expansionism making up the narrative’s background (The Lady of the Lake, 389). 

Characterized as incidental rather than anthropogenic, and precluding a scientific solution via the generic conventions of fantasy, Sapkowski’s ‘Time of the White Cold’ provides a narrative environment which facilitates the exploration of humanoid agency in the face of speculative extreme climate phenomena. Combining posthumanist and ecocritical perspectives in an interrogation of Sapkowski’s presentation of the setting as well as his conceptualization of anthropocentric reactions, my presentation seeks to pose the question of whether “[wearing] warm britches” represents the extent of options, and how doing so contradicts the protagonist Geralt’s identity as an ecologically interconnected agent (Swallow, 242).

Christian Petzold’s film Roter Himmel (2023) addresses the issue of psychological, social, and institutional complacency in light of the catastrophic effects of global climate change by way of a meta-discursive commentary on the apocalypse as a cinematic genre. In this regard, it asks the question to which degree popular representations of global climate disaster contribute toward public complacency, or, conversely, toward interventionist engagement and activism. While the film signals its allegiance to the disaster film genre on several occasions—a central scene of a group of characters looking worriedly toward the horizon provides the image for one of its promotional posters—it also maneuvers cautiously around the apocalyptic hyperbole that characterizes the genre in its more popular incarnations. At first glance, the central character’s narcissistic self-absorption in moments of environmental crisis registers simply as an indictment of a psychological unwillingness to confront climate change. Meta-discursively, however, the film goes a step further. It posits characters who are not acting in accordance with conventions of cinematic genres. As characters signal their uncertainty about the genre of the film in which they appear, Roter Himmel foregrounds genre conventions themselves as both the means of articulating climate change in the register of popular cinema, and the means to restrict, moderate, and mute this articulation. The film’s willed ambivalence toward cinematic apocalypse makes it a useful instrument to measure, by comparison or contrast—or even to critique and challenge—the effectiveness of more popular cinematic discourse in the cultural mainstream that subscribes to a visually spectacular, generically simplistic, and hyperbolically alarmist take on the destructive impact of global climate change.

Der Beitrag beleuchtet die Darstellung von Klimakatastrophen und Geoengineering am Beispiel zweier Romane: Marc Elsbergs Celsius (2023) und Kim Stanley Robinsons Das Ministerium für die Zukunft (2020). Ziel ist es, darzulegen, dass diese Romane nicht nur der  Unterhaltung dienen, sondern auch als Plattformen für die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse und politischer Ideen fungieren.

In Elsbergs „Celsius“ werden Klimakatastrophen teilweise in Form eines Thrillers präsentiert, der den Leser in eine Welt entführt, in der China die Kontrolle über das Weltklima übernommen hat. Dergestalt wirft der Roman Fragen nach Verantwortung, politischer Handlungsfähigkeit und  potenziellen Auswirkungen von Geoengineering auf. Robinsons „Das Ministerium für die Zukunft“ entwirft wiederum eine Zukunftsvision, die von politischem und gesellschaftlichem Interventionismus geprägt ist. Robinson führt dem Leser vor Augen, wie ein raffiniertes Wechselspiel aus finanzpolitischen Maßnahmen, Eingriffen mit technischen Mitteln (wie Geoengineering) und gewaltsamem politisch-gesellschaftlichem Druck letztlich zur Abnahme der CO2-Konzentration führt und somit eine nachhaltigere Zukunft künftiger Generationen ermöglicht wird. Dabei werden komplexe politische und ethische Fragen rund um das Geoengineering, Umweltschutz und globale Gerechtigkeit gestellt.

Im Beitrag wird untersucht, wie die Romane Celsius und Das Ministerium für die Zukunft einerseits als Instrumente der Wissensvermittlung verwendet werden, indem sie diffizile wissenschaftliche Konzepte und politische Debatten in narrative Strukturen integrieren, und es gleichzeitig schaffen, als politisch-gesellschaftliche Intervention zu fungieren. Ziel meines Beitrags ist es somit zu analysieren, wie mittels narrativer Strukturen und rhetorisch-stilistischer Mittel das Bewusstsein für die Dringlichkeit des Klimawandels geschärft, aber auch Diskurs über mögliche Lösungsansätze angeregt wird.

Im Fokus der Analyse stehen dementsprechend folgende Problemkonstellationen: Welche narrativen Strategien verwenden die Autoren, um komplexe wissenschaftliche Konzepte und politische Debatten einzubeziehen, um so ein breites Publikum anzusprechen? Wie werden Klimakatastrophen jeweils erzählerisch inszeniert? Welche Rolle spielen die Hauptcharaktere bei der Thematisierung von Klimakatastrophen und Geoengineering? Werden bestimmte politische Ideologien oder Weltanschauungen durch die Texte gefördert oder kritisiert? Welche ethischen Überlegungen werden in den Romanen im Zusammenhang mit dem Problem des Geoengineering und dem Umgang mit Klimakatastrophen aufgeworfen?

10:30 - 11:00

Kaffeepause/Break


11:00 - 12:30

Panel IV

Posthumanism

Chair: Murat Sezi

We are indeed “very worried” at the prospect of our world perishing. Yet, this distress merely seems to result in a perpetual state of inertia and adherence to established habits in subjects facing the invincible inevitable monster of the Anthropocene. How, then, can the subject descend its paralysis to familiarize itself with the self-made crisis and acquire new forms of dwelling? How can it avoid the inclination towards an anti-humanist nihilistic yielding to crisis reminiscent of the postmodernist subject amidst crumbling dogma?

To regain agency, this paper proposes that overcoming the climate crisis necessarily requires reconceptualizing subjectivity and embodiment to move away from hubris-driven habits of humanity that work against nature toward a notion of subjectivity that bridges the destructive dichotomy of nature/culture. It turns to speculative fiction as a tool that facilitates the confrontation of the Anthropocene subject with its own climate anxiety while offering a protected space for a renegotiation of subjectivity in posthumanist, symbiotic terms.

In Jeff VanderMeer’s Annihilation (2014), the ecosystem Area X is awash with inconceivable monstrosities. It emerges as a threatening “hyperobject”1 symbolizing the climate crisis and defies human comprehension that relies upon established structures of meaning-making. Similarly, Matt Bell’s Appleseed (2021) displays the inadequacy of traditional dogma, problematizing the tenacious retention of anthropocentric habits in a world deteriorating due to continuous human progress. Survival and agency in both novels depend upon the assimilation to the nonhuman, developing visions of a pluralized posthumanist subject embedded within nature.

Accordingly, this paper delineates the path from postmodernist inertia toward hopeful visions of posthumanism. It extends the postmodernist/poststructuralist deconstruction of metanarratives, reframing the end not as terminal doom of the human but as end of traditional humanism and the dawn of new beginnings, to find – as echoed by Annihilation’s protagonist – “a death that would not mean being dead.”2

 

1 Morton, Timothy. Hyperobjects: Philosophy and Ecology after the End of the World. U of Minnesota P, 2013, p. 2.

2 VanderMeer, Jeff. The Southern Reach Trilogy: Annihilation, Authority, Acceptance. 2014. 4th Estate-Harper Collins, 2017, p. 38.

Im Rahmen des kontinuierlichen Dialogs über die zukünftige Gestaltung unserer Welt, in der die Schnittstellen zwischen Technologie, Gesellschaft und Umwelt zunehmend verwoben sind, gewinnt das Genre der Climate Fiction an Bedeutung. Diese literarische Bewegung stellt nicht nur hypothetische Zukünfte dar, in denen die Menschheit mit den Folgen des Klimawandels ringt, sondern bietet auch einen fruchtbaren Boden für die Exploration der Rolle künstlicher Intelligenz (KI) bei der Bewältigung dieser globalen Herausforderung. Die oftmals kontroverse Darstellung der KI als Instrument im Kampf gegen den Klimawandel innerhalb dieses Genres soll in diesem Vortrag näher betrachtet werden.
Durch eine Analyse verschiedener Cli-Fi-Werke wird beleuchtet, wie KI entweder als Schlüsseltechnologie für die Errichtung utopischer Idyllen, in denen der Klimawandel erfolgreich bewältigt wird, oder als Katalysator für dystopische Szenarien, in denen die Maschine über die Menschheit herrscht, dargestellt wird. Diese divergenten Narrative reflektieren nicht nur die Ambivalenz gegenüber der technologischen Entwicklung und ihren potenziellen Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und Umwelt, sondern werfen auch fundamentale ethische, ökologische und philosophische Fragen auf: „Die Selbstentmachtung des Menschen durch sein eigenes Geschöpf wäre die Vollendung eines Aufbruchs, der mit dem Griff nach der Erkenntnis begann. [...] Ist es die Heimkehr ins Paradies? Wäre ein solches Paradies wünschenswert?“1
Es soll gezeigt werden, dass die Darstellung von KI in der Climate Fiction Implikationen für unser Verständnis von Technologie, Natur und menschlichen Absichten hat, denn die Literatur beeinflusst nicht nur die Angst vor dystopischen Konsequenzen der KI-Entwicklung, sie reproduziert gleichermaßen deren Funktionsweisen. Durch die Verknüpfung von literarischen Ansätzen, Technikphilosophie und Umweltethik soll also ein differenzierter Blick auf das komplexe Verhältnis zwischen KI und Klimawandel geworfen werden und einen Beitrag zur Diskussion über die Gestaltung unserer kollektiven Zukunft entstehen.

 

1 Simanowski, Roberto. Todesalgorithmus. Passagen Verlag, 2020. S. 8.

Steven Eriksons Erstkontakt-Roman Rejoice – A Knife to the Heart als Akteur im Latour'schen Sinne erforschend, wird der Vortrag hinterfragen, wie Narrativ und Realwelt zusammenspielen, um den Prozess des menschengemachten Klimawandels aus dem bekannten Kreislauf aus Überforderung, Apathie und Resignation auf Grund multikausaler und -faktorieller Prozesse heraus zu lösen und für Leser greifbar zu gestalten. 

Die allegorische Parallelisierung der Hyperobjekte (nach Morton) extraterritorialer Kontakt und Klimawandel erlaubt dabei einerseits eine situationsbezogene Reflexion von Ursache und Wirkung bei gleichzeitiger Entpersonalisierung, und fordert andererseits erprobte Genre-Grenzen heraus. Konträr zum Großteil der bekannten Erstkontakt-Narrative steht die human-zentristische hinter einer posthumanen, am Gesamt-Biom des Planeten ausgerichteten Auseinandersetzung zurück und begleitet den Transit vom Ist-Zustand der Welt hin zu einer post-Knappheit-Gesellschaft. Ob von einer Utopie gesprochen werden kann, wird zu diskutieren sein.

Darauf aufbauend wird einerseits die Verwendung narrativer Strukturen und bekannter Tropen, sowie der aktive Bruch mit einhergehenden Erwartungen und Schemata zu hinterfragen sein, um gleichermaßen das Gesamtnetzwerk der Komposition zu erforschen, als auch Rückschlüsse über die narrative Verarbeitung einer zukunftsgewandten Auseinandersetzung mit dem Thema Klimawandel ziehen zu können. Hierbei wird besonders das Potenzial phantastischer Literatur herauszustellen sein.

Game Studies

Chair: Lisa Hinterleitner

“I fear the vermin, but it’s nothing compared to my fear of others. I’m terrified by what remains of us.” Julien Blondel chose this tagline for his pen&paper RPG Vermin 2047 (2022). He has carefully monitored the development of our societies and ongoing multiple and interconnected crises we have been inflicting on the biosphere ... and each other. Using the popularity of dystopian, post-apocalyptic narratives, his extrapolation is based on “the demographic, geopolitical, technological and environmental state of our world in the late 2010s” (2022, 10). Rather than a single, civilisation-disrupting megaevent, here the collapse is a cascade of climate change, natural disasters, and epidemics resulting in converging food-, humanitarian, and economic crises and political radicalisation (Blondel 2022, 10). The Vermin have replaced humanity on top of the food chain, and the “invisible, natural principles underlying evolution and the behaviour of all living things” (58) manifest in totems structuring an emerging world. Vermin 2047 negotiates collapse, embeddedness, and scarcity in its eco-horror post-Anthropocene.

  Using theoretical frameworks of the environmental humanities (Marshall 2002, Rose et al. 2012) and collaborative storytelling (O’Gorman et al. 2019; Shenk, Franz, and Gutowski, jr. 2023), this paper investigates how Blondel’s RPG can be an impactful vector for change. Horror, with its visceral effect on audiences (Stableford 2009, 204) and paradoxical nature to attract and repulse (Carroll 1990, 195), transcends ideological boundaries (206). It moves us on a fundamental human level with the power of affect, increasingly the focus of game studies (Anable 2018). Agency, the responsible configuration of designed possibility spaces (Bódi 2023, 30), fosters systemic awareness and ideally ethical and political change (Schallegger 2017). With Vermin 2047, Blondel harnesses these interconnected dimensions to create a highly topical game and conduit for transformational impulses in a shared and co-creative learning space, questioning “what remains of us” in post-anthropocentric embeddedness.

 

References

Anable, Aubrey. 2018. Playing with Feelings: Video Games and Affect. Minneapolis/MN and London/Engl.: University of Minnesota Press.

Blondel, Julien. 2022. Vermin 2047 – Survival Kit. La Garenne Colombes: Studio Agate.

Bódi, Bettina. 2023. Videogames and Agency. London/Engl. and New York/NY: Routledge.

Carroll, Noel. 1990. The Philosophy of Horror, or Paradoxes of the Heart. New York/NY and London/Engl.: Routledge.

Marshall, Alan. 2002. The Unity of Nature: Wholeness and Disintegration in Ecology and Science. London/Engl.: Imperial College Press.

O’Gorman, Emily, et al. 2019. “Teaching the Environmental Humanities: International Perspectives and Practices”. Environmental Humanities 11:2 (November 2019). 427-460.

Rose, Deborah Bird, et al. 2012. “Thinking Through the Environment, Unsettling the Humanities”. Environmental Humanities 1 (2012). 1-5.

Schallegger, René Reinhold. 2017. “Choices and Consequences: Videogames, Virtual Ethics, and Cyber-Citizenship”. Post-doctoral Thesis. University of Klagenfurt (Austria).

Shenk, Linda, Kristie J. Franz, and William J. Gutowski, jr. 2023. “Minding the Gaps: How Humanists, Climate Scientists, and Communities Can Become Collaborating Storytellers”. Environmental Humanities 15:3 (November 2023). 83-103.

Stableford, Brian. 2009. The A to Z of Fantasy Literature. Lanham/MD, Toronto/ON, and Plymouth/Engl.: The Scarecrow Press.

“Are digital games doing––or could they be doing––anything similar to what cli-fi does in a literary context to contribute to our response to the ongoing climate crisis?” (Abraham & Jayemanne 2017, 76) Reckien and Eisenack already identified over 52 video- and boardgames dealing with climate change in 2011 and the multitude of following games like Fate of the World (2011); Keep Cool Online (2015) or the recent Terra Nil (2023) demonstrate an ongoing trend. Games can deal with the climate crisis both as a central or peripheral topic where they “locate[] the player within a particular vision or idea of the future, one that is not necessarily consciously engaged with, but which is nevertheless sensibly or cognitively apprehend.” (Abraham 2015, 3) Edugames like Minecraft’s Sustainable City (2021) or NASA’s Climate Kids choose a didactic approach of conveying information via games thereby fostering an “Interdiskurs” (Endl, Preisinger 2018, 204) between sciences and the public. While these games address kids and try to simplify and gamify the conveyed information, climate change as a ‘wicked problem’ poses the challenge of varying factors contributing to the problems and possible solutions (Endl & Preisinger 2018, 211). Commercial games therefore often use strategy or simulation genres to investigate perspectives on possible ‘futures of scarcity’ (Kelly & Narda 2014) via games. These genres still frequently rely on the economic logic of constant growth and exploitative resource management encapsulated by the term ‘4x’ which can lead to a ludonarrative dissonance. The talk aims to explore this disjunction between game mechanics and storytelling, focusing on examples of current climate strategy games.

Coping with Climate Change

Chair: Melina Heinrichs

The paper’s purpose is to theorize futurity/ futurism by juxtaposing, on the one hand, the ideologies of humanity’s compulsory survival in postapocalyptic/ eco-catastrophic narratives, and, on the other hand, queer critiques of the so-called “reproductive futurism” (Edelman 2004), an imperative to bring children into the world to assure a future and to protect the child from any non-reproductive forms of sexual enjoyment. The paper focuses on narratives that do not comply with – or at least question – compulsory survivalism in the face of climate-related or other kinds of human extinction, such as in Terry Gilliam’s 12 Monkeys (1995), with the movie’s unforgettable images of wild animals roaming city streets after human beings have disappeared from the Earth’s surface. The motif of “ecoterrorism” combined with antihumanism  – as in Gilliam’s movie or Margaret Atwood’s Oryx and Crake, for example  – will be the paper's main focus. That kind of “eco-centric antihumanism” will be compared with discourses involving “homoterrorism”  – a term used mostly in a derogatory way by conservatives and right-wingers to describe LGBTQ rights movements, but also – on a much smaller scale – as a strategic tool in radical queer theory, fiction and activism. As anti-LGBTQ circles have it, giving in to “homoterrorism” will lead to nothing less than humanity’s species-wide suicide (which, incidentally, shows the fragility of the construction of reproductive heterosexuality in that it must be actively maintained and ordained). Contrary to a common-sense repudiation of self-destructive tendencies (with voluntary childlessness as a special case thereof), radical queer cinema has been exploring an ethics and aesthetics of self-extinction as driven by the inseparable jouissance/death drive dyad; examples include Gregg Arkis’s early 1992 classic The Living End or Alain Guiraudie’s 2013 By the Lake. The paper explores how the two kinds of discourses and imaginaries – both anti-futuristic and anti-human, so to speak – permeate, inform, enhance or contradict each other.

"[E]veryone was trapped in its fouled and collapsing lungs":1 the planet is dying – and so is Anna's mother. But what appears to be a catastrophe is only the latest in a chain of crises and for Anna, numbed by doomscrolling and an overexposure to imminent disasters, merely poses another nuisance to be disregarded. Not even the disappearance of her finger can penetrate her (emotional) apathy: "There was no immediate sense of ache or loss. There was just a vanishing."2 Incapable of confronting complex feelings of dread and loss, Anna and her brother Terzo decide to exert control over the incontrollable and put their mother's death 'on hold'. It is only when the 'vanishings' continue that Anna slowly begins to accept the losses in her life and thus becomes able to mourn and move on.

Published in the context of Australia's 2019/2020 bushfire crisis, Flanagan's novel captures "the ensuing sense of spiritual and moral destitution compounded with a new register of anxiety and dread".3 His protagonist's initial apathy and refusal to accept and mourn the losses in her world mirrors the complex emotional response that climate change elicits. Yet, as Lesley Head points out in Hope and Grief in the Anthropocene (2016), the experience of grief and mourning is a necessary process "pivotal to a fundamental reconceptualisation of the human self".4 Similarly, Cunsolo and Ellis (2018) argue in their research of ecological grief that grief as a response to loss and mourning as a process of transition after loss create and expose connections between humans and nature.5

In my talk I will explore how the novel's different dimensions of loss and grief make ecological grief more palpable and, combined with its magical realism that employs 'vanishings' as a representation of the unimaginable and obliterating qualities of loss, expose the characters' meaningful or lack of connections with other humans and the nonhuman world.


[1] Flanagan, Richard. The Living Sea of Waking Dreams. Vintage, 2022, p. 13.

[2] Flanagan, Richard. The Living Sea of Waking Dreams. Vintage, 2022, p. 15.

[3] Harris, Stephen. "Fear and Loathing in the Anthropocene: Grief, Compassion, and the Benefits of Literature." Emotions: History, Culture, Society, 4.1, 2020, p. 171.

[4] Harris, Stephen. "Fear and Loathing in the Anthropocene: Grief, Compassion, and the Benefits of Literature." Emotions: History, Culture, Society, 4.1, 2020, p. 174.

[5] Cunsolo, Ashlee and Neville R. Ellis. "Ecological Grief as a Mental-Health Response to Climate Change-Related Loss." Nature Climate Change, 8.4, 2018, pp. 275-76.


The ever-evolving discourse surrounding climate change necessitates innovative communication strategies to effectively engage diverse audiences and inspire concrete action. Given the partly linguistic-discursive character of social and cultural processes, the way a medium communicates facts becomes crucial. This study explores the communication strategies employed by It’s Freezing in LA! (2019), a biannual print and online independent climate change magazine from the UK. Positioned at the intersection of science and activism, the magazine aims to explore the multifaceted impacts of climate change on society and provoke critical reflections on environmental issues.

It’s Freezing in LA! emerges as a distinctive voice within the realm of climate change discourse, challenging traditional narratives through its unique blend of unconventional storytelling techniques, thought-provoking content, stylized visual design, hand-rendered illustrations, and bold new climate writing. Applying Multimodal Discourse Analysis, this paper examines how the magazine integrates various communication modes—language, imagery, and visual design—to construct an impactful discourse that conveys complex climate change messages and engages audiences. This analysis of the magazine’s innovative engagement strategies and content reveals how It’s Freezing in LA! pioneers a fresh narrative style that resonates with diverse audiences, fostering a deeper understanding of climate realities and amplifying the urgency of climate action. Furthermore, to contextualize the analysis, the research will consider conducting semi-structured interviews with the magazine’s editors. This approach aims to gain insights into their editorial strategies and the broader socio-political context that shapes the magazine’s operations.

12:30-14:00

Mittagspause/Lunch

14:00-16:00

Mitgliederversammlung

16:00-17:30 Uhr:

Keynote Lecture, Ilija Trojanow

Schreiben über Katastrophen: Ästhetische Antworten auf politische Fragen

(Campus Center, Moritzstraße 18, Hörsaal 4)


Tag/Day 3: Samstag/Saturday, 07.09.2024

Panel V

Ungehiure crêatiuren: Fantastisch, mittelalterlich, posthuman

Chair: Vanessa-Nadine Sternath

Do gesach ich sitzen einen man in almitten under in:
Daz getrôste mir den sin.
Dô ich aber im nâher kam

Und ich sîn rehte war genam, dô vorht ich ihn alsô sêre sam diu tier, die mêre. 

(Iwein, 418-424)

Da sah ich einen Menschen
mitten unter den Tieren sitzen,
das flößte mir wieder Zutrauen ein. Doch als ich mich ihm näherte, und ihn genau sehen konnte, fürchtete ich ihn ebenso sehr
wie die Tiere oder gar mehr.

So beschreibt Kâlogrenant in seiner aventiure-Erzählung zu Beginn des Artusromans Iwein die Begegnung mit einem waltman (Waldmann) im Wald von Breziljân (V. 263). Die Gestalt dieses „wilden” Mannes wird als ungehiure crêatiure (unheimliches Wesen) (V. 985 f.) beschrieben und weist sowohl menschliche als auch tierliche Attribute auf. Kâlogrenant zeigt sich erschrocken über das Erscheinungsbild des waltmans, der sich selbst allerdings zweifellos als ein man, als dû gesihest nû (Ein Mensch, wie du siehst) (V. 488), versteht.
Mit Todorovs Theorie wären solche Begegnungen mit posthumanen Wesen in der mediävistischen Literatur dem Bereich des unvermischten Wunderbaren oder des Allegorischen und nicht dem der Fantastik zuzuordnen, denn er behauptet: „Das Fantastische liegt im Moment [der] Ungewißheit“.1 Das christlich geprägte Mittelalter nimmt diesen allerdings durch die Erklärbarkeit von allem durch göttliches Wirken vorweg. Dieser Vortrag wird anhand der waltman-Begegnung und mithilfe von Ansätzen der Emotionsforschung und Raumtheorie den Begriff der Fantastik für das Mittelalter so weit operationalisieren, dass fantastische Momente trotzdem identifiziert werden können. Der Fokus wird dabei einerseits auf dem Moment der Irritation liegen, wie sie Kâlogrenant angesichts des Anblicks des „Anderen“ zeigt, obwohl er ihn sich durch göttliches Wirken erklären können sollte. Andererseits werden Räume, die wie der Wald von Brezilijân erst die Voraussetzung für Imaginationen des „Anderen" schaffen, eine Rolle für die Identifizierung fantastischer Momente spielen.

1 Todorov, Tzvetan. Einführung in die fantastische Literatur. Wagenbach, 2018, S. 34.

Der iemer und iemer solde weln, ern fünde sô ungehiure deheine krêatiure (wer jemals (aus allen Wesen) auswählen sollte, der fände niemals ein so unheimliches Wesen, V. 1896-1898): So beschreibt die Erzählstimme im Daniel von dem Blühenden Tal (1. Hälfte d. 13. Jh.), einem späten, parodistischen Artusroman des Strickers, die seltsamen Kreaturen, auf die Daniel auf seinen âventiuren trifft. Ob rote, kahle Bluttrinker, bauchlose Medusenähnliche oder Riesenzauberer aus dem Orient, Erzählstimme und Figuren zeigen sich anhand dieser posthumanen Erscheinungen verblüfft. Dabei müssten diese Hybride für das Mittelalter doch als Schöpfungen des christlichen Gottes erklärbar sein? Wenn das Werk nicht in Gänze fantastisch ist, wo findet sich das Fantastische dann vor dem Hintergrund mittelalterlicher Denkmuster? Im Daniel werden fantastische Momente über Erzählstimme und Figurenrede erschaffen, nur wenig über den manchmal verwunderlich stoischen Protagonisten Daniel. Anthropozentrisch als menschliche Hybride gesehen, wird die Sonderbarkeit verschiedener monstra, auf die der Ritter Daniel trifft, und ihres klimatisch „anderen“ Lebensraums imaginationsreich beschrieben. Fremder Raum und posthumaner Körper werden hier fantastisch; denn nur im fremden Raum gibt es krêatiuren, die so sonst nirgends zu finden sind.
Es gilt daher, den zuvor ausgearbeiteten Ansatz zu fantastischen Momenten in mittelalterlichen Texten auf einen noch zu wenig erforschten Artusroman anzuwenden. Dafür wird eine ökofeministische Lesart ergänzend herangezogen, stellen Erzählstimme und Figuren in teils verselangen Beschreibungen das körperlich und räumlich „Andere“ doch mit Schrecken und Verwunderung dar. Relevant ist hierfür der Raum, ein orientalisch-fremdes Paradies, in dem posthumane Figuren leben und gedeihen können – bis Daniel kommt. Denn: Wer im Daniel die ungehiure krêatiure ist, ist eine Frage der Perspektive.

„Hier sind wüste Einöden und unmenschlich erscheinende mißgestaltete Völker. Die einen haben keine Nase und ein völlig flaches, häßliches Gesicht. Anderen ist der Mund zusammengewachsen und sie nehmen durch ein dünnes Schilfrohr Nahrung auf.“

So werden in einer Inschrift auf der Ebstorfer Weltkarte (c. 1300) die Wundervölker auf dem Kontinent Afrika beschrieben. Mittelalterliche Weltkarten (mappae mundi) bilden, im Gegenzug zu geographisch-präzisen modernen Weltkarten, die imaginierte Welt der Menschen ab. Dabei inkludieren sie kulturelle und religiöse Elemente, die die mittelalterliche Weltvorstellung widerspiegeln.

Die Ebstorfer Weltkarte erfuhr bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert Aufmerksamkeit in der historischen Mediävistik. Während der Großteil der frühen Forschung ab den 1970er Jahren vor allem die Autorenschaft und Entstehung diskutiert, wird seit den letzten 20 Jahren vermehrt kulturhistorisch an der Karte geforscht. Kulturwissenschaftlich gedacht, können mittelalterliche Weltkarten einen Einblick in die Weltbilder der Menschen geben. Daran anschließend wird dieser Vortrag die historisch-kartographische Forschung um eine kultur- und literaturwissenschaftliche Perspektive erweitern.

Fantastische Figuren wie die Syrbotae – ein äthiopisches Volk von 12 Fuß (etwa 3,70 m) großen Wesen – werden auf Weltkarten nicht nur abgebildet, sie werden zudem geographisch verortet. Besonders die geographische Verortung und somit klimatische Zuordnungen sollen in Bezug auf die Wundervölker analysiert werden. Denn ganz eindeutig ist, dass posthumane Figuren weg vom Lebenszentrum der Menschen in ferne und fremde Gegenden imaginiert werden. Mithilfe eines ökokritischen, ökofeministischen Ansatzes und der Theorie von fantastischen Momenten soll am Beispiel einer historischen Quelle erprobt werden, inwiefern mittelalterliche Weltkarten fantastische Momente aus dem ersten Vortrag dieses Panels beinhalten und ökokritisch gelesen werden können, wenn Erzählstimme und Figurenrede wegfallen. So werden im Prozess des Othering den Wundervölkern posthumane, fantastische Merkmale zugeordnet und im mittelalterlichen Weltbild abgrenzend am Rand der Ebstorfer Weltkarte verortet.

Ecohorror

Chair: Maria Hornisch

This paper examines the Gothicisation of Nature in Game of Thrones (2011-2019) and proposes that the application of ecoGothic to the critical reading of fantasy fiction enhances the exploration of ecocritical discourses inherent in the genre. In this way, the effectiveness of “the negative sublime” (Botting 48) in addressing issues and processing emotions related to anthropogenic climate change is illuminated. In the negative sublime, Nature is established as animate and marked as chaotic, monstrous, and beyond human control. As Gothic Nature becomes “a symbolic whole” in stark contrast to human nature, the re-mystification of Nature is enabled, which foregrounds the anxieties and concerns “that haunt our relationships to the non-human world” (Parker 20). In Game of Thrones, the ever-present threat of consumption through the Walkers becomes an uncanny manifestation of the negative sublime that denies the audience the ability to distance themselves from the non-human, inanimate world––insofar as the deadly threat posed by the ‘ice zombies’ that induce climate change is revealed to be “none other than us” (9). Furthermore, the arctic Gothic Nature ‘beyond the Wall’ and the portrayal of the White Walkers as both agents of Nature and eerie hyperobject (Morton) in the fantastical Terracene (Mameni) of Westeros re-enchants Nature and reveals those emotions “that are often ignored and/or repressed” (Baker 39). Applying Alaimo’s trans-corporeality to the Gothicised Nature of Game of Thrones, it can be argued thatthe negative sublime negates an anthropocentric focus, in favour of Haraway’s Chthulucene and the collapse of the boundaries between humans and nature. At “a time when global warming turns the sheltering ice and starving bears into victims of hubris rather than the monsters of the yore” (Smith and Hughes 6), the White Walkers as arctic Gothic monsters are an apt trope for exposing human complicity in climate change (300).

 

Works Cited

Alaimo, Stacy. Bodily Natures: Science, Environment, and the Material Self. Indiana University Press, 2010. 

Baker, Daniel. "Why We Need Dragons: The Progressive Potential of Fantasy." Journal of the Fantastic in the Arts 23.3 (2012): 437-459.

Botting, Fred. Gothic. Routledge, 1996.

Haraway, Donna. "Tentacular Thinking: Anthropocene, Capitalocene, Chthulucene." E-flux Journal 75 (2016):
1-14. 

Mameni, Salar. Terracene: A Crude Aesthetics. Duke University Press, 2023.

Morton, Timothy. Hyperobjects: Philosophy and Ecology after the Ende of the World. University of Minnesota Press, 2013. 

Parker, Elizabeth. The Forest and the EcoGothic. The Deep Dark Woods in the Popular Imagination. Palgrave Macmillan, 2020. 

Smith, Andrew and William Hughes. Ecogothic. Manchester University Press, 2013.

This paper will look at so-called ‘nature strikes back’ or ‘eco-horror’-narratives in fiction and film, in which ‘representatives’ of nature (animals, plants, small organisms) or entire ecological systems (forests, oceans, fields) begin to target and kill humans for invading, vandalizing or entirely destroying nature. Although this kind of narrative begins to form as a popular genre in the 1950s (mostly in the USA, but also in the UK and Japan, for example with Tarantula or Godzilla), it massively proliferates only in the 1970s, which is unsurprising given the historical context (e.g. the first Club of Rome report in 1972). While the genre has been productive ever since, the last two decades have seen another “proliferation phase” with novels such as Frank Schätzing’s The Swarm or films such as The Happening, The Bay or, recently, Black Demon.

While it is obvious that the generic script and the individual narratives come with a fundamental ecocritical and political investment, it is worthwhile looking at what precisely that investment looks like and how it is ‘spelled out’ or narrativized – at a closer look, as the paper argues, it turns out that in these recent narratives, individual and systemic/societal accountability and responsibility are actually formulated in quite different ways and with radically different (political) implications. This talk will discuss exemplarily what these are and what that means for wider cultural narratives of climate change, ecology, and political activism.

Der Kern des Pflanzenhorrors, als Teil des Öko-Horrors, hat seine Wurzeln in der menschlichen Angst vor der Wildnis der pflanzlichen Natur, die als unzähmbar, undurchdringlich und in ihrem Wachstum als schwer zu kontrollieren angesehen wird. Pflanzen verkörpern eine Andersartigkeit, die die menschliche Kultur ständig zu zähmen, dem Menschen zugänglich zu machen, versucht. Diese Versuche des Ordnens, der Beherrschung bis hin zur Unterwerfung von Natur sind Reaktionen des Menschen auf die pflanzliche Andersartigkeit. PlantHorror dreht sich um die vom Menschen geschaffene Dichotomie von (pflanzlicher) Natur und (menschlicher) Zivilisation und konzentriert sich auf Verletzungen und -überschreitungen dieser Grenzziehung. Diese Überschreitungen sind symbolische Überschreitungen, die als Vergrößerungsglas für die Brüchigkeit einer anthropozentrischen Weltordnung dienen. PlantHorror kritisiert den Anthropozentrismus der Welt, die selbstauferlegte Besonderheit des Menschen, die mit der Zerstörung, Ausbeutung und Abwertung alles Nicht-Menschlichen einhergeht (vgl. Keetley/ Tenga 2016; Tidwell/ Soles 2021). Das Pflanzliche im PlantHorror steht symbolisch für all das, was von Menschen verdrängt und unterdrückt wird - und wird so zu einem Moment der Reflexion über das Verhältnis des Menschen zur Natur. In seiner historischen Dimension reicht der EcoHorror bzw. PlantHorror in Diskursfelder von Rachel Carsons Silent Spring (1962) oder des Berichts an den Club of Rome The Limits to Growth (1972) hinein und ist somit eng verbunden mit Diskursen um Umweltzerstörung, Artensterben und Klimawandel. Mit dem Fokus auf Öko-Horror und Pflanzenhorror im Besonderen möchte dieser Beitrag anhand ausgewählter Filme wie The Girl with all the Gifts (Colm MacCarthy, 2016), Annihilation (Alex Garland, 2018), The Day of the Triffids (Steve Sekely/ Freddie Francis, 1963), Invasion of the Body Snatchers (Philipp Kaufman, 1978) sowie Serien wie The Last of Us (Various, 2023-) das Potenzial pflanzlicher “Monster” zur Reflexion und Neuperspektivierung von Natur-Mensch-

Beziehungen aufzeigen. Hierbei legt der Beitrag einen besonderen Fokus auf die historisch-

gesellschaftliche Dimension des PlantHorror-Films von den 1960er Jahren bis heute.

 

Filme

Annihilation (2018): Directed by: Alex Garland; Written by: Alex Garland/ Jeff VanderMeer;

Production: Andrew MacDonald/ Alion Reich; Country/ Countries: USA.

 

Invasion of the Body Snatchers (1978): Directed by: Philip Kaufman; Written by: W.D.

Richter; Production: Robert H. Solo; Country/ Countries: USA.

 

The Girl with all the Gifts (2016): Colm McCarthy; Written by: Mike Carey; Production:

Camille Gatin/ Angus Lamont; Country/ Countries: United Kingdom.

 

The Day of the Triffids (1963): Directed by: Steve Sekely/ Freddie Francis. Written by:

Bernard Gordon/ Philip Yordan. Production: George Pitcher/ Philip Yordan; Country/

Countries: UK.

 

The Last of Us (2023-): Directed by: Various; Written by: Craig Mazin/ Neil Druckmann;

Production: Various; Country: USA.

 

Literatur

Keetley, Dawn; Angela Tenga (2016) (Eds.): Plant Horror. Approaches to the

Monstrous Vegetal in Fiction and Film. New York: Palgrave MacMillan.

 

Tidwell, Christy; Carter Soles (2021) (Eds.): Fear and Nature. Ecohorror Studies in the

Anthropocene. University Park: University of Pennsylvania Press.

Film and Multimedia

Chair: Murat Sezi

This paper delves into the symbolic parallels between the fictional planet Arrakis from Frank Herbert’s renowned science fiction series Dune and the potential fate of planet Earth. Through an exploration of environmental degradation, resource exploitation, and societal consequences, the paper elucidates how the narrative of planet Arrakis as portrayed in Herbert’s story and Villeneuve’s cinematic adaptations (Dune: Part One 2021; Dune: Part One 2021; Dune: Part 2 2024) serves as a poignant allegory for the challenges humanity faces. Drawing upon themes of ecological collapse, cultural resilience, and the pursuit of power (Kennedy 2022), the narrative of Arrakis offers profound insights into the precarious balance between human civilization and the natural world. By examining the intricate interplay of politics, ecology, and technology on Arrakis, this article explains how the planet’s destiny mirrors the potential trajectory of Earth toward desolation.
Through an analysis of the socio-political dynamics on Arrakis based on the first Dune novel and Villeneuve’s movies this paper presents the parallels with Earth’s geopolitical landscape, where resource scarcity and rivalries exacerbate conflicts and perpetuate cycles of violence. Moreover, the ecological transformation of Arrakis through terraforming projects underscores humanity’s hubristic attempts to control and manipulate the natural world, often with unforeseen consequences. This idea is elaborated on by drawing upon the support of the chaos-theory as described by Palumbo (1997).
The symbolism embedded within the narrative of Arrakis offers a cautionary tale for the future of planet Earth. By examining the parallels between Arrakis and Earth, this article highlights the urgent need for collective action to address environmental degradation, promote sustainable development, and foster socio-ecological resilience. Drawing upon the lessons of Arrakis, humanity can strive to forge a more harmonious relationship with the planet, recognizing the interconnectedness of all life and the imperative of stewardship for future generations. As the fate of Arrakis hangs in the balance, so too does the destiny of planet Earth, underscoring the profound significance of the symbolism encapsulated within Herbert’s visionary masterpiece (Senior 2007).

Dieser Beitrag möchte den Film Annihilation (dt. Auslöschung, R: Alex Garland, US/UK 2018) als – nicht explizite – Parabel für die Herausforderungen des Menschen im Anthropozän lesen. 

Das Anthropozän ist ein zeitgeistliches Konzept komplexer, interdependenter Relationalität von menschlichen wie nicht-menschlichen Entitäten auf lokal wie planetarisch environmentalen Ebenen. In diesem Konzept wird deutlich, dass der Mensch sich in seinem Selbstverständnis als „Herrscher“ über die Natur und in seiner dualistischen Abgrenzung von dieser zu sehr überhöht hat und seine Abhängigkeit von ihr anerkennen muss. Dies erfordert einen Wendepunkt in dem traditionalisiert distanzierten und objektifizierenden Denken über die Welt und dem Handeln mit der Welt, mithin auch eine Einsicht in den menschlichen Einfluss auf die (unprädizierbare) Weltgestaltung durch systemische Veränderungen. Ein sozialpolitischer Konflikt ergibt sich dabei in der Vereinbarkeit einer planetarisch-biosphärischen Zukunft des Menschen mit dem provinziellen status quo des Wohlstandes und Überflusses, erschwert dadurch, dass wir erst beginnen, die Natur als egalitären Interaktionspartner zu verstehen. Pluralistische und flexible Denkbilder und Erfahrungsräume müssen her, die eine Selbstverortung des Menschen im Anthropozän und In-der-Welt ermöglichen und dafür gelungene Skalenübersetzungen leisten; also die die Komplexität des Anthropozäns vereinfachen, aber nicht reduktionistisch arbeiten, die das Planetarische auf wahrnehmbare Größe eingrenzen, aber nicht den Blick auf das Ganze verwehren.

Hier will der Beitrag ansetzen: Der Film Annihilation verbildlicht theoretische, kritische Punkte des Anthropozändiskurses, vor allem des Mensch-Umwelt-Verhältnisses, sodass sich eine Geschichte über das Anthropozän erzählen ließe. In einen Leuchtturm, symbolisch für (geistes)wissenschaftliche Paradigmen, schlägt ein extraterrestrisches Quasiobjekt ein und eine Sphäre (der „shimmer“) breitet sich aus, innerhalb der sich die Flora und Fauna aufs Absonderlichste jenseits wissenschaftlich-logischer Erklärung verändern. Da sich das Areal nicht mit militärischer (sozusagen exekutiver) Gewalt kontrollieren lässt und sich auch dem wissenschaftlich-empirischen Blick „von außen“ entzieht, ist es erforderlich, den Shimmer als Erfahrungsraum anzunehmen und ihn von innen her zu erforschen. Hier nimmt der Film Anschluss an die Kritik an der anthropozentrisch-verklärten Hegemonialität des Menschen und der daraus erfolgten Entfremdung von der Natur, in der diese objektifiziert und als Grenzbegriff genutzt wird. 

Der Film, der viele biologische Formen im Shimmer als Echo humaner Prägung erscheinen lässt und das Motiv des Konflikts des Menschen mit sich selbst zum Höhepunkt führt, entzieht sich zwar nicht einem anthropozentrischen Standpunkt, zeigt aber die Verwobenheit des Menschen nicht nur in seiner sozialen, sondern auch biosphärischen, verwandelten und wandlungsfähigen Umwelt und nicht zuletzt mit seinen Bezügen zur Evolution auf einen Punkt Malcolm Miles‘ Ökozentrismus‘: „Form and consciousness are outcomes of an ever-incomplete process of becoming.“ Damit präsentiert der Film auch die Anforderungen an die Perspektive des Menschen, in den derzeitig diskursiv virulenten Umweltkrisen Natur und Menschen als stets unvollendetes Miteinander zu betrachten und in seinem Erkennen und Handeln dynamisch zu sein.

Simon C. Estok’s theorizing of the word ‘ecophobia’ as a means to challenge “the modus operandi of a profit-based system” has been gaining currency in ecocritical studies in response to the openness of the field and to problematize how representations of certain nonhuman others can and have indeed bred their irrational fear. In configuring and conceptualizing the ecophobia, Estok seeks to promote the urgency of the matter through promulgating a kind of activism whose scope might seem too vast, yet whose possibility will “eventually,” to borrow his own term, become perceptible and subject to action. Not only is ecophobia represented in various media, but with the advent of multimedia franchises, it has been reproduced and dispersed across multiple representations. This tradition of reproduction as a form of entertainment has left us with a body of misdirected fears and ecophobic mentality. Therefore, this study, as part of a bigger project of critiquing the transmedia franchise as an institutionalized practice of ecophobia, takes the multimedia franchise of Swamp Thing, first appearing as a comic book in the 70s and its perpetual reproduction over the years to the most recent form as a TV series and investigates the manifold ways through which a natural place such as a swamp is demonized. Examining the shift in representations and critiquing the constant reproduction of such a rebuke of a nonhuman other is meant to bring ecophobia to the fore of literary and cinematic discussions so that, as misogyny is fought by feminism, ecophobic representations could be addressed and challenged by ecocritics as well. Apart from the theoretical analysis of ecophobic discourse, my presentation will encompass a detailed visual map of these representations as well with the purpose of providing a clear picture of what it means to reproduce an ecophobic notion.

10:30 - 11:00

Kaffeepause/Break

11:00 - 12:30 Uhr

Keynote Lecture, Sylvia Mayer

Klimaresilienz und die Transformationen utopischen Imaginierens: Ursula K. Le Guin, literarische Spekulation und der nordamerikanische Klimawandelroman

(Campus Center, Moritzstraße 18, Hörsaal 4)

12:30 - 14:00

Mittagspause/Lunch


14:00 - 15:30

Panel VI

Reimagining Time and Space

Chair: Melina Heinrichs

Canadian author Rebecca Campbell’s 2022 novella Arboreality has been variously described as near-future cli-fi or speculative fiction and over the course of about a century follows a community on Vancouver Island, the lives of whose members are dramatically changed by climate change. This paper argues that Campbell reconceptualises literary temporality to create a narrative more appropriate to a long-term, large-scale catachronistic understanding of climate change. She achieves this through the blending of various narrative focalisers — it is difficult to identify one main character — and a blending of structure and genre — the text could be described as a novella or as a short story cycle, so disparate are the chapters. This paper employs Badia et al.'s use of the metaphor of the time lapse as a way of reading climate fiction and Caren Irr’s understanding of time and the climate crisis as catachronistic. Furthermore, this paper argues that this reconceptualising of temporality in Campbell’s novella becomes a tool of resilience and resistance. By refusing to think only in terms of the immediate consequences of their actions or their immediate surroundings, while also prioritising their communities and living in the restricted space of one island, Campbell’s characters demonstrate “glocal” resilience to the effects of climate change. In Judith Butler’s terms, this allows the characters to be actively — rather than passively — vulnerable in the face of things they as individuals have little power to change. Added to this is the important concept of “material afterlives” which means that objects and non-human living things, most notably trees, become important motifs for this reconceptualising of time in Arboreality. The text is an important example of how literary temporality can be disrupted — and to what end — in contemporary works of fiction about the climate crisis.

 

Bibliography

Badia, Lynn, et al. “Introduction to Climate Fiction.” Climate Realism: The Aesthetics of

Weather and Atmosphere in the Anthropocene, Routledge, Abingdon, Oxon, 2021. 

Butler, Judith. “Rethinking Vulnerability and Resistance.” Vulnerability in Resistance, edited

by Judith Butler, Zeynep Gambetti, Leticia Sabsay, Duke University Press, 2016, pp. 12-27.

Campbell, Rebecca. Arboreality. Stelliform Press, 2022.

Fraile-Marcos, Ana. “Introduction: Glocal Narratives of Resilience and Healing.” Glocal

Narratives of Resilience, Routledge, 2021, pp. 1–18.

Irr, Caren. "Climate Fiction in English." Oxford Research Encyclopedia of Literature.  February

27, 2017. Oxford University Press. Accessed 24 October 2023.

https://oxfordre.com/literature/view/10.1093/acrefore/9780190201098.001.0001/acrefore-9780190201098-e-4 

Recent scholarship repeatedly notes that the Anthropocene enforces a rethinking of supposed binaries such as “human” history and “natural” history (e.g. Chakrabarty) as human beings have become geological agents and the Earth itself an archive to be read (e.g. Colebrook). N. K. Jemisin’s award-winning series The Broken Earth centres on the intersections of race, the inhuman, colonialism and geology. Set on an alternate Earth that threatens its inhabitants with permanent geo-climatological crises, the so-called Fifth Seasons, the three volumes focus on the materiality of the Earth, its stratifications and deep time. This paper turns to Jemisin’s trilogy to ask how deep time can be thought (with) and represented. How can “human” and “natural” history be thought together through the geological inhuman? Who can read the archive of the Earth and how is it being read? Imagining forms of exploitation of resources that are based on colonial enslavement and the a priori commodification and extraction of inhuman life, Jemisin creates the orogenes, a racialised category of inhuman life, who have the ability to influence geologic strata of the Earth itself and cause or prevent earthquakes. Held and trained in bondage or living in death-like states of enslavement, orogenes are subjugated for their “usefulness” to the empire of “the Stillness”; or killed by other members of their communities. Drawing on conceptualisations of extractivism and the geologic inhuman, this paper investigates Jemisin’s orogenes from a lithic point of view (Cohen) and understands them as representations of racialised geologic agency and deep time. In this vein, Jemisin questions the universalising narratives of the Anthropocene “we” that often forget “that the geological record of human footprints […], is actually a series of human footprints literally stepping on other human lives” (Erickson 115) and thus flatten racialised power imbalances.

 

Works Cited

Chakrabarty, Dipesh. “The Climate of History: Four Theses.” Critical Inquiry, vol. 35, no. 2, 2009, pp. 197–222. 

Cohen, Jeffrey Jerome. Stone: An Ecology of the Inhuman. U of Minnesota P, 2015.

Colebrook, Claire. Death of the PostHuman: Essays on Extinction, Vol. 1. Open Humanities Press, 2014. Critical Climate Change.

Erickson, Bruce. “Anthropocene Futures: Linking Colonialism and Environmentalism in an Age of Crisis.” Environment and Planning D: Society and Space, vol. 38, no. 1, 2020, pp. 111–28. doi:10.1177/0263775818806514

By the end of the 19th century, domestic horticulture was a well-established bourgeois pastime, with indoor cultivation of plants made possible, firstly, by a proliferating industry of plant importation from England’s colonies, and, secondly, closely glazed glass cases which allowed for the protected transfer of plants. Named after their inventor, Nathaniel Ward, these cases revolutionised indoor gardening; the Victorian bourgeoisie were ecstatic about (re)creating nature under glass. Against the backdrop of increasing urban pollution and a plethora of botanical writings insinuating that the Victorian home had become a toxic space, Wardian cases were enclosed environments in which the laws of nature could be reproduced and performed. Building on Jesse Oak Taylor’s conceptualisation of the ‘abnatural’ as characterising moments in which nature appears “other to itself, beside or outside to itself” (5), speaking both to its absence and uncanny persistence, denoting a manufactured environment wherein everything bears the traces of human action, this paper focuses on Victorians’ conceptualisations of Wardian cases as (ab)natural spaces in which ecologies were conceived of in relation to, and contention with, their polluted atmosphere. Reading key texts of mid-century horticulture by Nathaniel and Stephen Ward, Joseph Paxton, and Shirley Hibberd against ecocritical perspectives on Victorian and fin de siècle writing (i.e., Dickens’s Bleak House or H.G. Wells’s The Flowering of the Strange Orchid), it traces radical nineteenth century visions for future urban existence informed by glasshouse culture, and probes both the destabilising and formative force of ‘cultivating climates’ under glass.

 

#abnatural #anthropocene #ecocriticism #glassworlds
 

Taylor, Jesse Oak. The Sky of Our Manufacture: The London Fog in British Fiction from Dickens to Woolf. U of Virginia Press, 2016.

The multiple environmental crises of the Capitalocene are accompanied by a ‘crisis of imagination’ (Buell), as the massive temporal and spatial distribution of climate change’s effects, its slow violence, and the collision of disparate scales exceed human imagination. Plants have played a pivotal role in this era, whether as commodities in (neo-)colonial extractivism or as fossil fuels. By placing greater emphasis on their world-creating ability and their participation in multispecies networks instead, they could show us new (and more sustainable) ways of collaborative survival. Plants already cultivate what Sumana Roy calls ‘tree time’ or Anna Tsing describes as ‘polyphony’ – a multiplicity of rhythms that resists the linear time of capitalist progress and bears a disruptive potential when acknowledged. 

The transformation of cultural imaginations regarding climate change intertwines with performative practices that do not disembody experience and knowledge but rather convey them directly and situated. Artistic endeavors such as Katie Paterson’s hundred-year ‘Future Library’ or Amanda White’s installation ‘Infinite Silences’ explore a performative practice where humans are no longer solely at the center. Instead, plants inscribe themselves into the projects, molding them through their rhythms and temporalities, prompting speculative fabulations on (lost) futures, human-vegetal entanglements, and transspecies care practices. How might we reimagine more-than-human relationships in and through the performing arts? What might an aesthetics of transspecies care look and feel like? 

Both ‘Future Library’ and ‘Infinite Silences’ engage with living and speculative plants, that not only transform the projects aesthetically, but also expand our perception to strange temporalities and entangled ecologies. The presentation explores how, relying on the mode of speculative fabulation and the plant as both media and material witness, the projects enable reflections on the hauntings of deep pasts and the potentialities of futures beyond human lifespan, thus opening the possibility for imagining (climate) change.

Indigenous Literature

Chair: Annika Rink

This paper will discuss Cherie Dimaline’s novel The Marrow Thieves (2017), which is set in a dystopian future when the catastrophic consequences of anthropogenic climate change have led to the collapse of North American societies. Imagining a post-apocalyptic world in which a new disease robs the non-indigenous population of the ability to dream, the novel relies on the conventions of speculative fiction in order to render the effects of anthropogenic climate change tangible in psychological as well as social terms. According to this future scenario, the novel’s indigenous protagonists are on the run from government institutions created to extract their bone marrow as an effective cure for the new disease. This resurgence of genocidal and settler colonialist policies, the novel suggests, is a result of the climatic changes that occur in a historical continuum of Canadian settler colonialism spanning the past, present, and future. While the novel thus offers a cautionary tale about the disastrous social and political consequences of climate change for Indigenous communities, it also emphasizes the importance of Indigenous cultural practices to redress these catastrophic consequences. In the novel, storytelling is presented as an important vehicle for preserving individual and collective memories and identities in Indigenous communities. Storytelling disrupts the speculative reality of the story-world and prepares the grounds for anti-colonial resistance and cultural survival. As this paper will argue, the novel’s depiction of storytelling creates, to borrow from Todorov’s famous definition of the fantastic, a “hesitation” in choosing between Western conceptualizations of rational causation and alternative epistemic and explanatory frameworks. This opposition emerges as a central feature of the novel’s critique of Canadian settler colonialism, its logic of resource extraction, as well as its future human and environmental consequences.

This paper aims to present an ecocritical reading of Harold R. Johnson’s 2015 novel Corvus, a dystopia set in a world changed by climate change. Authored by an Indigenous author and lawyer, the novel offers a unique perspective on matters of climate change, climate justice and human-non-human relations that highlight the subversive potential of Indigenous perspectives in tackling these global, yet locally heterogenous issues. The cli-fi novel explores the aftermath of an Intra-American war over resources and critiques the Western notions of progress and humanity that resulted in the climate catastrophe leading up to said violent escalation. The protagonists of different Indigenous and non-Indigenous backgrounds negotiate between the predominant Western paradigm of human-nature relations that informs the extant dystopian system held in place by their occupations as lawyers, and alternative views on the world, such as Indigenous or other marginalised groups’ perspectives, as they attempt to survive in and come to terms with a world drastically altered by climate change. Informed by an ecocritical lens critical of anthropocentrism and based on research on Indigenous knowledges and climate fiction, this paper aims to foreground the subversive potential of Indigenous future scenarios in the context of climate change. Corvus at its core revolves around the different ways in which humans negotiate climate change and its causes, anthropocentrism among others, from Indigenous and Western perspectives alike. The paper argues that the novel uses its ecocritical dystopian setting to highlight the necessity of considering the differing impact of climate change on privileged and lesser privileged people, such as the rich and the poor, Western and Indigenous, healthy and sick, and, in doing so, fosters an awareness of the necessity of climate justice, which is particularly salient against the backdrop of the author’s Indigenous heritage and occupation as a lawyer.

Over the last two decades, Indigenous and postcolonial literatures depicting magical figures that symbolize a close relationship with nature and the environment have gained popularity. Legends, folk tales, and myths often function as a source of inspiration for such contemporary speculative fiction. This paper comparatively analyzes Cherie Dimaline’s dystopia The Marrow Thieves (2017) and the Indigenous futurist novel A Snake Falls to Earth (2021) by Darcie Little Badger through the lenses of postcolonial theory, posthumanism, and ecocriticism. Set in a post-apocalyptic Canada, Dimaline’s novel tells the story of how Indigenous people are persecuted with the goal to extract their bone marrow, the source of dreaming, an ability that is lost to the general population due to environmental destruction. The novel centers on a Métis boy traveling northwards in the hope of finding a resistance camp while he learns about the mythological heritage and oppression of Anishinaabe culture. The analysis focuses on the portrayal of environmental degradation, which is closely linked to Indigenous exploitation. In Darcie Little Badger’s novel, in turn, the trope of exploitation of the environment is reimagined through the suffering of animals. It is told from the perspectives of a Lipan Apache girl in modern-day Texas and a cottonmouth snake person in the Reflecting World, a spirit realm inhabited by shape-shifting animal people, whose worlds collide and who need to rely heavily on each other to ensure their survival. The paper investigates how both stories draw attention to the cultural importance of mythology and mythological beings in Native American oral storytelling. Furthermore, it discerns the functions of the magical in the context of eco-fiction and shows how the texts establish sustainable relationships through learning about Native American mythologies.

15:30 - 16:00

Verabschiedung/Finishing Remarks

Zur Literaturwissenschaft Anglistik/Amerikanistik

Zur Gesellschaft für Fantastikforschung

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