Grundlagen der ePortfolioarbeit
Potenziale der ePortfolioarbeit
Kompetenzorientiertes Lehren und Lernen in der Hochschuldidaktik bedeutet einen Wandel von der Input- zu einer Outcome-Ausrichtung, entsprechend kann das Arbeiten mit ePortfolio bei der Gestaltung kompetenzorientiert ausgerichteter Lehre einen wertvollen Beitrag liefern. Das ePortfolio verfolgt das Ziel, die vielfältigen und für den weiteren Professionalisierungsweg bedeutsamen Erfahrungen aus den Praxisphasen auf reflexive Weise dokumentieren und den Wissenserwerb reflexiv zu begleiten. Portfolios als materiale Grundlage ermöglichen „die Darstellung eigener Leistungen (sowie Kompetenzen, Interessen usw.), die Planung und die Rekonstruktion des dahin führenden Lern- und Arbeitsprozesses sowie die begleitende und abschließende Reflexion und Einschätzung des eigenen Lernens und seiner Ergebnisse. So betrachtet, steht der Portfolioansatz für einen bestimmen Lern-, Denk- und Arbeitsstil“ (Häcker & Seemann, 2013, S. 75). Als webbasierte Lernumgebung implementiert, wird die Speicherung, Präsentation und die Zusammenarbeit an einer Vielzahl von Dokumenten ermöglicht (vgl. ebd.). Ein ePortfolio stellt eine Sammlung digitalisierter Arbeiten dar, die aus Produkten wie beispielsweise Texten, Bildern, Audios, Videos usw. bestehen können. Die auf diese Weise entstandenen Arbeiten sind orts- und zeitunabhängig abrufbar. „Die Darstellung, Planung, Rekonstruktion, Reflexion und Einschätzung eigener Lernprozesse sollen die (Lern-)Entwicklung der Lernsubjekte unterstützen“ (Häcker & Seemann, 2013, S. 75). Anspruchsvolle Tätigkeiten wie diese sind alleine kaum zu bewältigen, weshalb Kommunikation zentral und unverzichtbar für die Zusammenarbeit von Lehrenden und Lernenden ist (vgl. ebd.). Damit setzt die Portfolioarbeit auf Kooperation aller Beteiligten, sodass eine weitreichende Partizipation unverzichtbar wird.
Vorteile webbasierter Portfolios
Digitale Medien sind ein fester Bestandteil im Alltag Studierender geworden. Die Digitalisierung durchzieht den Alltag wie nahezu auch alle Bereiche des beruflichen Lebens. Insbesondere für angehende Lehrpersonen ergibt sich die Notwendigkeit, dass sie sich bereits in der ersten Phase des Studiums mit den Möglichkeiten und Herausforderungen bei der Einbeziehung digitaler Medien für schulisches Lehren und Lernen vertraut machen (vgl. Karpa, Kempf & Bosse, 2013). Durch die digitale Variante des Portfolios werden die Potenziale digitaler Medien bei der praktischen Ausgestaltung des ePortfolios integriert. Mit der Digitalisierung entstehen zahlreiche neue Möglichkeiten für die Arbeit mit dem Portfolio. Neben dem allzeit möglichen Zugriff der/s Verfasser*in auf die im eigenen Portfolio eingestellten Inhalte haben Kommiliton*innen, Tutor*innen sowie Lehrende die Möglichkeit zum Feedback. Das besondere Potenzial des [e]-Portfolios besteht vor allem aber auch in der nahezu unbegrenzten Aufnahmekapazität von Artefakten. Unter dem Aspekt des lebenslangen Lernens bietet die digitale Form des Portfolios das Sammeln und Aufbewahren ausgewählter Arbeitsprodukte aus unterschiedlichen Phasen des biografischen Ausbildungsprozesses“ (ebd., S. 271).
Folgende fünf Vorteile von webbasierten gegenüber papierbasierten Portfolios können hervorgehoben werden:
- orts- und zeitunabhängige Nutzung
- leichtere Möglichkeiten der Kommunikation über Lernprodukte
- leichtere Zugänglichkeit für Rückmeldungen
- die Integration multimedialer Produkte
- die Dokumentation von Entwicklungsschritten (vgl. Häcker & Seemann, 2013, S. 80).
Reflexion und Professionalisierung
Die reflektierte Praxis gehört zum professionellen Lehrer*innenhandeln, sodass möglichst im Studium schon Lerngelegenheiten dazu angeboten werden (vgl. Bosse, 2016), auch hinsichtlich einer möglichen Fortführung in der zweiten Ausbildungsphase (Busse & Bosse, 2018). „Eine professionell agierende Lehrperson lebt die reflektierte Praxis, bei der Erfahrungen in schulischen Situationen überdacht, kritisch hinterfragt und ausgewertet werden. Eine reflexive Haltung der eigenen Berufstätigkeit gegenüber ist somit als ein wesentliches Merkmal von Professionalität anzusehen, die Reflexionsfähigkeit bildet den Kern der pädagogischen Handlungskompetenz einer Lehrperson“ (ebd., S. 93). Reflexion ermöglicht den Studierenden Wissen, Können und Erfahrung in Beziehung zueinander zu setzen. In diesem Zusammenhang unterstützt die Erprobung und Etablierung von Portfolio- und ePortfolio-Arbeit den grundlegenden Trend, die universitäre Lehrer*innenbildung stärker lernendenzentriert auszurichten (vgl. ebd.). Universitäre Lehrer*innenbildung zielt u.a. auf die Aneignung theoretisch-konzeptionellen und empirischen Wissens ab, sodass berufspraktisches Können angebahnt werden kann. Hierbei bildet die erworbene Wissensbasis den entscheidenden Reflexionsrahmen für die Entwicklung professioneller Handlungskompetenz (vgl. ebd.). Das besondere Potenzial der ePortfolioarbeit ist in diesem Zusammenhang darin zu sehen, dass mit dem ePortfolio Reflexionsmöglichkeiten für Lernpartner*innen, Tutor*innen, Lehrende und den Lernenden selbst geschaffen werden, und zwar zu unterschiedlichen Phasen im Arbeitsprozess aufgrund ihrer digitalen Verfügbarkeit (vgl. Karpa, Kempf & Bosse, 2013).
Dieser Text wurde im "Handbuch zur Umsetzung des Curriculums für die universitäre Begleitung von Studierenden in ihren Schulpraktika" gedruckt.
Uzunbacak, S. & Bosse, D. & Wedde, S. (2021). ePortfolio in Praxisphasen (unveröffentlichtes Manuskript). Kassel.
Bosse, D. (2016). Digitales Sammeln: Das ePortfolio in der Lehrerbildung - Stärken entdecken, Potentiale entfalten. In M. Kekeritz, B. Schmidt & A. Brenne (Hrsg.), Vom Sammeln, Ordnen und Präsentieren. Ein interdisziplinärer Blick auf eine anthropologische Konstante (S. 85–97). Muenchen: kopaed.
Busse, A. & Bosse, D. (2018). Phasenübergreifende Lehrerbildung – wie sie gelingen kann. Seminar BAK Lehrerbildung und Schule, 2, 132-142.
Häcker, T. & Seemann, J. (2013). Von analogen Portfolios für die Entwicklung von digitalen E-Portfolios lernen. In D. Miller (Hrsg.), E-Portfolio an der Schnittstelle von Studium und Beruf (Medien in der Wissenschaft, Bd. 63, S. 73–90). Münster u.a.: Waxmann.
Hornung-Prähauser, V., Geser, G., Hilzensauer, W. & Schaffert, S. (2007). Didaktische, organisatorische und technologische Grundlagen von E-Portfolios und Analyse internationaler Beispiele und Erfahrungen mit E-Portfolio-Implementierungen an Hochschulen. Salzburg: Salzburg Research Forschungsgesellschaft.
Karpa, D., Kempf, J. & Bosse, D. (2013). Das E-Portfolio in der Lehrerbildung aus Perspektive von Studierenden. In D. Karpa, B. Eickelmann & S. Grafe (Hrsg.), Digitale Medien und Schule. Zur Rolle digitaler Medien in Schulpädagogik und Lehrerbildung (Reihe, Bd. 19, S. 264–281). Immenhausen bei Kassel: Prolog-Verlag.