Lau­fen­de For­schungs­pro­jek­te

Pro­jekt: „Ar­beits­lo­sig­keit und Be­hin­de­rung un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Co­vid-19-Pan­de­mie und ih­rer Be­wäl­ti­gung (Al­oBe­hind­CO­VID)“

(Förderung durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen des Fördernetzwerkes Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung/FIS.03.00077.21)

Projektzeitraum: vom 01.12.2021 bis 30.11.2024

Kooperationspartner: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)


Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Frage möglicher Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf den Erwerbsstatus von Menschen mit Behinderung. Es wird zum einen untersucht, ob sich für die besonders vulnerable Gruppe der Beschäftigten mit Behinderungen nach Einsetzen der Pandemie eine im Vergleich mit der Erwerbsbevölkerung besonders ausgeprägte Zunahme von Stellenverlusten nachweisen lässt und welche Faktoren Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit des Arbeitsplatzverlustes nehmen. Zum anderen werden die Veränderungen der Wiederbeschäftigungschancen bei Arbeitslosen mit Behinderung und ihre Protektiv- und Risikofaktoren analysiert. Dabei werden demografische und erwerbsbezogene Merkmale (wie Migrationsstatus, Bildungsgrad, Qualifikationsniveau und Geschlecht) sowie soziale Faktoren als mögliche moderierende Faktoren untersucht. Außerdem werden drei mögliche Wirkfaktoren des Effektes der Pandemie auf die Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Behinderung näher analysiert, nämlich COVID-19-bezogene Sorgen und Befürchtungen, Selbstwirksamkeitserwartungen sowie soziale Unterstützung. Die Auswertungen berücksichtigen den unterschiedlichen Schweregrad der amtlich anerkannten Behinderungen und weitere Selbstangaben zum subjektiven Gesundheitszustand sowie Krankheitsgruppen. Die Datengrundlage für das Forschungsprojekt bilden die faktisch anonymisierten Daten des Panels Arbeitsmarkt und soziale Sicherung (PASS).

Pro­jekt „Ar­beit und Ge­sund­heit bei So­zi­al- und Ge­sund­heits­be­ru­fen in Deutsch­lan­d“ (Fi­nan­zi­el­le För­de­rung durch die Hans-Böck­ler-Stif­tung)

Projektzeitraum 1.10.2021 bis 15.11.2023


Das Forschungsvorhaben zielt darauf, für die Erwerbstätigen in den Sozial- und Gesundheitsberufen in Deutschland die spezifischen Arbeitsanforderungen und -bedingungen empirisch zu beschreiben und die Gesundheitsbelastungen nach sozio-demografischen Merkmalen und Arbeitsbedingungen zu analysieren. Das Vorhaben untersucht, ob die Sozial- und Gesundheitsberufe überproportional stark durch ihre beruflichen Tätigkeiten belastet sind. Im Fokus stehen zentrale Fragen zum Arbeitsplatz wie Tätigkeitsschwerpunkte, Arbeitsanforderungen, Arbeitsbelastungen und Zufriedenheit etc. und die Assoziationen mit Gesundheitszustand und Krankenstand. Die Beanspruchung und die gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Sozial- und Erziehungsberufe werden im Vergleich zu allen Erwerbstätigen exploriert. Die Analyse zielt aber nicht nur auf Risikofaktoren, sondern auch auf die Identifikation von Schutzfaktoren, beispielsweise soziale Unterstützung, Handlungsspielräume oder Betriebsklima.  Die Datenbasis für die Studie ist die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 in Deutschland. Über die Gesundheit und die Häufigkeit psychosomatischer Beschwerden ist in den Sozial- und Erziehungsberufen relativ wenig bekannt. Darunter konzentrieren sich die Analysen auf die Berufe in der Sozialen Arbeit sowie die Erzieher und Erzieherinnen. Bei den Gesundheitsberufen liegt der Fokus auf den Berufen in der Krankenpflege und in der Altenpflege. Auf Basis der Analysen werden Implikationen für Wissenschaft, Politik und Praxis abgeleitet.



Literatur

Hollederer, A. (2022). Working conditions, health and exhaustion among social workers in Germany. European Journal of Social Work, Ahead-of-print, pp. 1-12. https://doi.org/10.1080/13691457.2022.2063813

Pro­jekt „Stu­di­en­er­folg bei Krank­heit und Be­hin­de­rung durch Nach­teils­aus­gleich, Be­ra­tung, Ge­sund­heits­för­de­rung und In­klu­si­on (Er­fol­gIn­klu­siv)“ (BMBF/DLR FKZ: 01PX21016)

Projektzeitraum: 01.09.2021 bis 31.08.2024


Projektleitung: Prof. Dr. Alfons Hollederer, FG Theorie und Empirie des Gesundheitswesens


Teilprojektleitung: Prof. Dr. Felix Welti, FG Sozial- und Gesundheitsrecht, Recht der Rehabilitation und Behinderung


Teilprojektleitung: Dr. Shweta Mishra, International Centre for Higher Education Research (INCHER-Kassel)



Das Ziel des Vorhabens ist es, den Studienerfolg von Studierenden mit chronischen Krankheiten und Behinderungen am Beispiel der Universität Kassel zu untersuchen und die Wirksamkeit insbesondere von Nachteilsausgleich bei Prüfungen, psychosozialer Beratung, Gesundheitsförderung, behinderungsbezogenen Sozialleistungen und sozialen Netzwerken von Studierenden auf den Studienerfolg bzw. Studienabbruch zu analysieren. Die Studie ist im Mixed-Methods-Design angelegt und besteht aus 3 Modulen. Modul 1 basiert auf einem quantitativen empirischen Forschungsdesign. Es werden alle ca. 25.000 Studierenden der Universität Kassel zu Gesundheit und Studienerfolg, Nachteilsausgleich, studienbezogener und psychosozialer Beratung, Gesundheitsförderung und sozialer Inklusion zu 2 Messzeitpunkten befragt. Modul 2, das auf einem qualitativen Design basiert, verwendet die „Grounded Theorie“ für die Analyse und konzentriert sich auf den Nachteilsausgleich, die Sozialleistungen, soziale Netzwerke und Einfluss auf den Studienerfolg. In Modul 3 wird eine umfassende Recherche und Analyse des deutschen und hessischen Rechts für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen an Hochschulen und seiner Anwendung geleistet. Die Ergebnisse zur rechtlichen Situation werden den Ergebnissen aus Modul 1 und 2 gegenübergestellt. Die Studie integriert sowohl quantifizierbare Einflussfaktoren als auch subjektive Bewertungen der Studierenden sowie deren Wahrnehmung der sozialen Unterstützung und Netzwerke. Eine andere Besonderheit ist die interdisziplinäre Herangehensweise und Kooperation aus den Bereichen Gesundheitswissenschaften, Hochschulbildung, Rehabilitation und Behindertenrecht. Am Ende werden aus den Erkenntnissen Vorschläge für „best practices“ zum Ausgleich von Nachteilen und zu Sozialleistungen entwickelt, um den Studienerfolg von Studierenden mit Behinderungen und Krankheiten nachhaltig zu fördern.

BMG-Pro­jekt: „Die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on zur Durch­füh­rung ei­nes Schwan­ger­schafts­ab­bruchs im Kran­ken­haus­sek­tor in Deutsch­land (Med­Ver­sKH)“

Projektzeitraum: 01.11.2020 bis 31.10.2023


Über die medizinische Versorgungssituation bei Schwangerschaftsabbrüchen im Krankenhaussektor ist in Deutschland trotz der hohen Zahl an betroffenen Frauen in Wissenschaft und Praxis relativ wenig bekannt. Das Informationsdefizit und die mangelnde Transparenz stellen sowohl das Gesundheitssystem als auch die betroffenen Frauen, das Fachpersonal und Beratungsstellen vor sehr große Herausforderungen. Das Forschungsprojekt MedVersKH soll daher wissenschaftliche Erkenntnisse zum aktuellen medizinischen Versorgungsangebot rund um das Thema Schwangerschaftsabbrüche in Krankenhäusern erarbeiten. Das Projekt ist Teil des Förderschwerpunkts „Psychosoziale Situation und Unterstützungsbedarf von Frauen mit ungewollter Schwangerschaft“. Mithilfe des Projekts sollen Daten zur Versorgungsituation gesammelt und analysiert werden. Diese Daten sollen mit Blick auf regionale Unterschiede in den einzelnen Bundesländern sowie Stadt- und Landkreisen, der Trägerschaft des jeweiligen Krankenhauses, der Bettengrößenklasse etc. ausgewertet werden. Dazu soll eine deutschlandweite Analyse für die Krankenhäuser durchgeführt werden. Grundlage dafür sind die Qualitätsberichte des Jahres 2018, die von den rund 2.200 Krankenhäusern in Deutschland für die Forschung vorliegen. Zusätzliche Auswertungen des Statistischen Bundesamts sollen eine umfassende Untersuchung der Versorgungsqualität ermöglichen. Es werden die rechtlichen Voraussetzungen, darunter Beratungsregelungen sowie medizinische Indikationen, die Art des Eingriffs und dokumentierte Komplikationen der erfassten Schwangerschaftsabbrüche in den Blick genommen. Mit den in diesem Forschungsprojekt gewonnenen Erkenntnissen wird ein umfassender Sachstandsbericht zur Versorgungsqualität bei Schwangerschaftsabbrüchen in Krankenhäusern inklusive regionaler Unterschiede sowie daraus abzuleitende Verbesserungspotenziale möglich.

Pro­jekt: „Die Ef­fek­ti­vi­tät von In­ter­ven­tio­nen zur Ge­sund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on bei Ar­beits­lo­sen – ei­ne Me­ta­ana­ly­se“ (BMBF/DLR FKZ: 01EL2037a)

Projektzeitraum: 01.09.2020 bis 31.12.2021


Ziel der Metaanalyse ist eine quantitative Einschätzung der Effektivität zur Prävention und Gesundheitsförderung für die Zielgruppe der Arbeitslosen. Für Arbeitslose besteht ein besonders hoher Präventionsbedarf, da sie im Vergleich zu Beschäftigten erhöhte Risiken für Krankheit und vorzeitliche Sterblichkeit sowie ein ungünstigeres Gesundheitsverhalten aufweisen. Eine quantitative Metaanalyse solcher gesundheitsbezogener Interventionen steht bisher noch aus, obwohl sich inzwischen über 50 entsprechende Studien identifizieren lassen. Neben der Berechnung einer durchschnittlichen metaanalytischen Effektstärke, die die Wirksamkeit solcher Interventionen abbildet, soll mithilfe von Moderatoranalysen ermittelt werden,


(1) welche theoretischen Ansätze, auf denen die Interventionen aufbauen, mit größerer oder geringerer Effektivität einher gehen;


(2) welche Merkmale der Implementation der Maßnahmen (z.B. Lebensweltansatz, Settings der Gesundheitsförderung, Einzel- vs. Gruppensetting, Umfang der Intervention in Stunden etc.) die Effektivität beeinflussen, und


(3) welche soziodemografischen Merkmale der Stichprobe die Effektivität beeinflussen (z.B. Alter und Geschlecht, aber insb. auch Aspekte der aktuellen Lebenslage wie Dauer der Arbeitslosigkeit, Vermittlungshemmnisse etc.).



Aus den Befunden der Metaanalyse lassen sich Empfehlungen für Wissenschaft und Praxis zur zukünftigen Gestaltung der Zugangswege und Setting-Ansätze der Gesundheitsförderung und Erforschung gesundheitsbezogener Interventionen für Arbeitslose und potentiell weiterer mehrfach sozial benachteiligter Personengruppen, ableiten.

BMBF-Pro­jekt: „JOBS Pro­gramm Deutsch­land zur Ge­sund­heits­för­de­rung bei Ar­beits­lo­sen in der kom­mu­na­len Le­bens­welt mit Ein­be­zug der Ein­rich­tun­gen der Ar­beits­för­de­run­g“ (BMBF/DLR FKZ: 01EL2001)

Projektzeitraum: 01.02.2020 bis 31.01.2023


Das Präventionsprogramm „Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung in der kommunalen Lebenswelt“ von GKV-Spitzenverband und gesetzlichen Krankenkassen, der Bundesagentur für Arbeit, des Deutschen Landkreistages und des Deutschen Städtetages zielt auf die systematische Verbesserung der Gesundheit von arbeitslosen Menschen. Sie werden schwer von der Gesundheitsförderung erreicht. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) koordiniert die konzertierten Aktivitäten an 129 Standorten. Sie plant dabei, das vom Michigan Prevention Research Center (MPRC) entwickelte multimodale „JOBS Program“ mit Elementen von sozialen Lernens und Selbstwirksamkeit zu transferieren und in Trainings zu integrieren. Die konzeptgetreue Schulung von Trainern wird durch das Finnish Institute of Occupational Health gewährleistet. Für das wissenschaftliche Ausgangsprojekt wurden in kontrollierten Interventionsstudien in den USA und Finnland bei Arbeitslosen signifikante positive Gesundheitseffekte und verbesserte Chancen zur Arbeitsmarktintegration nachgewiesen. Es ist aber im internationalen Vergleich zu beachten, dass die Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen stark mit Gesundheits- und Sozialversicherungssystemen sowie Arbeitsmarktstrukturen verbunden ist. Die konfirmatorische Studie soll überprüfen, ob der JOBS Program-Ansatz sich übertragen lässt und die positiven Effekte auch bei Arbeitslosen in Deutschland entsprechend der grundlegenden Forschungsfragen entfaltet. Unter "Realweltbedingungen" wird eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT) mit insgesamt ca. 1.400 Arbeitslosen in Interventions- und Wartekontrollgruppen geplant. Nach Vortest und Informationsveranstaltungen werden CATI-Telefoninterviews zu drei Messzeitpunkten mit Prätest vor der Intervention (ca. 60 einwöchige Trainings), Posttest sowie 6-Monate-Follow up durchgeführt. Für die formative Evaluation sind teilstandardisierte Fragebogenerhebungen bei Trainern sowie Veranstaltern prozessbegleitend vorgesehen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bis zum Jahr 2023 gefördert.


Literatur

Mayer, D.; Hollederer, A. (2022). Gesundheitskompetenzen bei Erwerbslosen – Wie kann Gesundheitskompetenz zur Bewältigung von Erwerbslosigkeit beitragen? Public Health Forum, vol. 30, no. 2, 2022, 91-94. https://doi.org/10.1515/pubhef-2022-0035


Ivassenko, V.; Macnab, A. J.; Di Emidio, D.; Hollederer, A.; et al. (2022). Engaging with People and Populations in Health Promotion Research: A Snapshot on Participatory Processes. In: Louise Potvin und Didier Jourdan (Hg.). Global Handbook of Health Promotion Research. Springer Nature, S. 93–112. DOI: 10.1007/978-3-030-97212-7_8


Jahn, H.J.; Klein, D.; Hollederer, A. (2021). Die Verbesserung der psychischen Gesundheit und der Arbeitsmarktintegration arbeitsloser Menschen durch den „JOBS Program“-Ansatz. In: Hollederer, A. (Hg.). Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen. Fachhochschulverlag, Frankfurt a.M., S. 182-200.


Mayer, D.; Hollederer, A. (2021). „Weil ohne Gesundheit auch keine Arbeit“: Bedürfnisse und Erwartungen an die arbeitsmarktintegrative Gesundheitsförderung in der Perspektive von Langzeitarbeitslosen. In: Hollederer, A. (Hg.). Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen. Fachhochschulverlag, Frankfurt a.M., S. 396-413.


Hollederer, A.; Jahn, H.J.; Klein, D. (2021). JOBS Program Germany for health promotion among the unemployed in the community setting with institutions for employment promotion (JobsProgramDtl): study protocol for a randomized controlled trial. BMC Public Health 21, 261. https://doi.org/10.1186/s12889-021-10251-8

Pro­jekt "Asyl­be­wer­ber­leis­tun­gen und Ge­sund­heit"

Projektzeitraum: 26.09.2019 bis 25.09.2022


Im Rahmen eines FDZ-Forschungsprojektes "Asylbewerberleistungen und Gesundheit" (Projektnr. 3951-2019) werden Forschungsdatensätze der Empfänger von Asylbewerberregelleistungen sowie der besonderen Asylbewerberleistungen für das Berichtsjahr 2018 ausgewertet. Die Sekundärdatenanalyse untersucht die Assoziationen zwischen den soziodemografischen Merkmalen von Asylsuchenden und den gewährten Asylbewerberregelleistungen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland und nach Bundesländern. Von besonderem Interesse sind dabei die ambulanten und stationären Hilfen bei Krankheit, Schwangerschaft, Geburt und ihre Gewährung nach Aufenthaltsstatus, Leistungsbezugsdauer, Träger und Unterbringungsform.


Literatur

Hollederer, A. (2020). Die Gewährleistung von Krankheitshilfen bei asylsuchenden Menschen: Zweiklassenmedizin in Deutschland? Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz. efirst am 22.9.2020. DOI https://doi.org/10.1007/s00103-020-03215-7
[Access: https://link.springer.com/article/10.1007/s00103-020-03215-7]