Georg-Forster-Gesellschaft

Georg Forster 1754-1794

Weltumsegler – Naturforscher – Essayist – Reiseschriftsteller – Demokrat

Seine Tabuisierung im 19. Jahrhundert hat zwar die Erinnerung an einen der bedeutendsten deutschen Universalgelehrten und Schriftsteller der Spätaufklärung nicht auszulöschen vermocht, dessen politische Ansichten in Deutschland im ausgehenden 18. wie im 19. Jahrhundert und darüber hinaus zumeist unverstanden blieben und dank ihrer Modernität erst im ausgehenden 20. Jahrhundert ihre Entsprechung fanden. Doch angesichts dieses verschütteten Erbes gilt es heute mehr denn je, ob nun von den Naturwissenschaften, der Ethnologie oder Anthropologie, ober ob von der Geschichte oder der Germanistik wie überhaupt von den Sprach- und Kulturwissenschaften einschließlich Kunst und Politik ausgehend, das geistige Erbe Georg Forsters neu zu entdecken.

Am 27. November 1754 in Nassenhuben bei Danzig als Sohn des Predigers Johann Reinhold Forster geboren, begleitete Georg Forster seinen Vater 1765 auf einer Inspektionsfahrt im Auftrag der russischen Regierung an die Wolga und von dort auf der Suche nach einer Anstellung über St. Petersburg nach London. Nach entbehrungsreichen Jahren harter Arbeit durfte er seinen Vater auf der 2. Weltreise von James Cook von 1772-75 begleiten, die seinen Ruhm als Naturforscher und Reiseschriftsteller begründete. Nach einer Reise nach Paris, wo Georg Forster u.a. mit Buffon und Franklin zusammentraf, kam er 1778 nach Kassel, wo er eine Anstellung als Professor für Naturkunde am Collegium Carolinum erhielt, dessen Prorektor er 1779 wurde. Während seiner fünf Kasseler Jahre stand er im engen wissenschaftlichen Austausch mit den wichtigsten Göttinger Gelehrten, traf mit Goethe, Herder, Wieland u.a. führenden Vertretern des deutschen Geisteslebens zusammen und pflegte intensiven Kontakt mit Freimaurern. 1784 folgte Forster einem Ruf an die polnische Universität Wilna und heiratete im Jahr darauf die Tochter des bedeutenden Göttinger Altphilologen Christian Gottlob Heyne, Therese Heyne.

Der Plan einer mehrjährigen wissenschaftlichen Expedition nach Indien im Auftrag der Zarin Katharina II. zerschlug sich, worauf Forster Ende 1788 die ihm angebotene Stelle eines Bibliothekars der Universitätsbibliothek Mainz annahm. Von Mainz aus unternahm er 1790 mit dem jungen Alexander von Humboldt eine dreieinhalbmonatige Reise über Holland nach England, wobei er auf dem Rückweg über Paris die erste direkte Bekanntschaft mit der Französischen Revolution machte, der er sich sogleich anschloß, als französische Truppen im Oktober 1792 in Mainz einrückten. Forster trat dem Mainzer Jakobinerclub bei und war bald deren Präsident. Als Vizepräsident des “Rheinisch-deutschen Nationalkonvents” reiste er am 25. März 1793 nach Paris, um den Antrag des Konvents auf Anschluß der Mainzer Republik an die französische Republik vorzutragen. Aufgrund der Rückeroberung von Mainz durch preußische Truppen blieb Forster als überzeugter Demokrat, dem die Rückkehr nach Deutschland, wo ihm der Kerker drohte, verwehrt war, in Paris. Vereinsamt starb er hier im Alter von 39 Jahren am 10. Januar 1794, in Deutschland politisch umkämpft, doch weit darüber hinaus bewundert und geachtet als der Autor der Reise um die Welt und der Ansichten vom Niederrhein sowie einer Fülle kleinerer Abhandlungen und oft meisterhafter Essays naturwissenschaftlichen Inhalts bzw. zur Kunst und Literatur, zu Philosophie, Zeitgeschichte und Politik neben einer Fülle von Übersetzungen, darunter Sakontala, und Rezensionen.

Info

Neuerscheinung:
Georg-Forster-Studien XXIII: Briefkultur der Spätaufklärung, kassel university press 2022.