Promotionen

Laufende Promotionen

Die Inszenierung des Unpolitischen. Eine linguistische Untersuchung zur impliziten politischen Bedeutungsproduktion und Normalisierung rechtspopulistischer Deutungsmuster in digitalen Weiblichkeitsinszenierungen.

Linda Leuschen

Das Promotionsprojekt untersucht, wie politische Bedeutungen in digitalen Kommunikationsräumen über scheinbar unpolitische Lifestyle-Inhalte erzeugt und normalisiert werden. Im Fokus stehen deutschsprachige Weiblichkeitsinszenierungen auf Social-Media-Plattformen, insbesondere sogenannte Tradwife-Videos, die traditionelle Vorstellungen von Familie, Geschlecht und gesellschaftlicher Ordnung ästhetisch inszenieren und dabei Anschlussstellen für rechtspopulistische Deutungsmuster eröffnen, etwa durch die Aufwertung bestimmter Familienmodelle, die Konstruktion gesellschaftlicher Krisen oder die Abwertung emanzipatorischer Positionen.

Aus einer linguistischen und multimodalen Perspektive analysiert das Projekt, wie sprachliche, visuelle und auditive Ressourcen zusammenwirken, um politische Positionen und Weltdeutungen implizit zu vermitteln. Besonderes Interesse gilt den Strategien, durch die entsprechende Inhalte als unpolitischer Alltag oder Lifestyle erscheinen, während zugleich bestimmte gesellschaftliche Ordnungsvorstellungen plausibilisiert und normalisiert werden. Ziel ist es, die Mechanismen sichtbar zu machen, mit denen politische Bedeutungen in digitalen Öffentlichkeiten über die Inszenierung des Unpolitischen produziert und verbreitet werden.


Verschwörungstheorien. Sprachliche Muster ihrer Plausibilisierung (Arbeitstitel)

Hanna Poloschek

Das Dissertationsprojekt stellt im Kontext der noch jungen linguistischen Erforschung von Verschwörungstheorien deren Plausibilität durch argumentative Strukturen in den Vordergrund des Erkenntnisinteresses. Verschwörungstheorien, im Anschluss an wissenssoziologische Forschung verstanden als spezifische Wissensbestände, stellen in heutigen gesellschaftlichen Zusammenhängen qua definitionem nicht anerkannte Wissensbestände dar. Dass sie gleichwohl Potential zur Plausibilität haben, zeigen u.a. die Wahlerfolge populistischer bis (rechts-)extremer politischer Gruppen, in Deutschland insbesondere der in Teilen gesichert rechtsextrem eingestuften Partei AfD, in deren politischer kommunikativer Strategie der Einsatz verschwörungstheoretischer Argumentation regelmäßig zum Tragen kommt (vgl. u.a. Römer/Stumpf 2019, Stumpf 2020). Die Regelmäßigkeit und Musterhaftigkeit solcher Topoi lässt sich als topologische Diskursformation (im Anschluss an Römer 2017) empirisch nachweisen. Im Rahmen der Dissertation werden verschiedene inhaltlich definierte Verschwörungstheorien mithilfe einer linguistischen Toposanalyse auf ihre spezifischen argumentativen Strukturen hin untersucht und vergleichend übergreifende Muster herausgearbeitet, die der Plausibilisierung dienen. Als Datengrundlage dient das im DFG-Projekt „Sprache in Verschwörungstheorien“ erarbeitete Verschwörungstheorien-Referenzkorpus (VerReKo).

Abgeschlossene Promotionen

Die diskursive Aushandlung von Katzenhaltungsformen

Momo Musterkatze

Ist denn das auf zwei Füßen aufrecht Einhergehen etwas so Großes, daß das Geschlecht, welches sich Mensch nennt, sich die Herrschaft über uns alle, die wir mit sichererem Gleichgewicht auf vieren daherwandeln, anmaßen darf? Aber ich weiß es, sie bilden sich was Großes ein auf etwas, was in ihrem Kopfe sitzen soll und das sie die Vernunft nennen. Ich weiß mir keine rechte Vorstellung zu machen, was sie darunter verstehen, aber so viel ist gewiß, daß wenn, wie ich es aus gewissen Reden meines Herrn und Gönners schließen darf, Vernunft nichts anderes heißt, als die Fähigkeit, mit Bewußtsein zu handeln und keine dummen Streiche zu machen, ich mit keinem Menschen tausche. — Ich glaube überhaupt, daß man sich das Bewußtsein nur angewöhnt; durch das Leben und zum Leben kommt man doch, man weiß selbst nicht wie. Wenigstens ist es mir so gegangen, und wie ich vernehme, weiß auch kein einziger Mensch auf Erden das Wie und Wo seiner Geburt aus eigner Erfahrung, sondern nur durch Tradition, die noch dazu öfters sehr unsicher ist. Städte streiten sich um die Geburt eines berühmten Mannes, und so wird es, da ich selbst nichts Entscheidendes darüber weiß, immerdar ungewiß bleiben, ob ich in dem Keller, auf dem Boden, oder in dem Holzstall das Licht der Welt erblickte, oder vielmehr nicht erblickte, sondern nur in der Welt erblickt wurde von der teueren Mama.