In­te­gra­ti­ve Bio­phi­lo­so­phie

Bio­phi­lo­so­phie: Kon­stel­la­tio­nen und Si­gna­tu­ren

Projektleitung: Prof. Dr. Dr. Kristian Köchy

Projektbeschreibung

Das Projekt sucht das komplexe Netzwerk der Biophilosophie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in ausgewählten Bezugnahmen zu rekonstruieren. Dabei geht es sowohl darum, die engen Beziehungen zwischen philosophischen und biologischen Positionen, Personen und Problemen aufzuzeigen (Konstellationen), als auch die komplexe innere Struktur der jeweiligen Forschungsprogramme in ihren charakteristischen Kernelementen (Signaturen) zu bestimmen. Das Projekt wurde bisher an bestimmten Konstellationen und Signaturen als ausgewählten Fäden des Netzwerks umgesetzt.

Ausgewählte Veröffentlichungen

  • Köchy (2022) Biologie als verstehende Wissenschaft. Zur Rezeption von Goethes Morphologie in Kurt Goldsteins ‚Der Aufbau des Organismus‘, in: R. Becker, S. Freyberg, R. Müller, T. Reinhardt, M. van Vliet, & M. Wunsch (Hg.), Morphologie als Paradigma in den Wissenschaften. Beiheft 3, Allgemeine Zeitschrift für Philosophie. Stuttgart-Bad Cannstatt, 251-281.

  • Michelini, F. and K. Köchy, (2020), Jakob von Uexküll and Philosophy. Life, Environments, Anthropology. New York: Routledge, siehe hier
  • Köchy (2018) Von der Ökologie der Forschung zu Forschungsumwelten. Bedingungen und Möglichkeiten einer erweiterten Lesart der Wechselbeziehung zwischen Forschenden und ihren ‚Forschungsgegenständen‘ in der Tierforschung, in: M. Wunsch, M. Böhnert, K. Köchy (Hg.), Philosophie der Tierforschung, Band 3, Milieus und Akteure, Freiburg/München: Verlag Karl Alber, 25-92, siehe hier
  • Köchy (2016a) ‚Scientist in Action‘. Jean Henri Fabres Forschungsprogramm, in: M. Böhnert, K. Köchy, M. Wunsch (Hg.), Philosophie der Tierforschung, Band 1: Methoden und Programme, Freiburg/München: Verlag Karl Alber, 81-148, siehe hier
  • Köchy (2016b) Organismen und Maschinen. Das historische Fallbeispiel der Debatte von Plessner, Driesch und Köhler, in: G. Toepfer, F. Michelini (Hg.), Organismen. Die Erklärung der Lebendigkeit, Freiburg/München: Verlag Karl Alber, 163-188, siehe hier
  • Köchy (2015) Plessners Biophilosophie als Erweiterung des Uexküll-Programms, in: K. Köchy, F. Michelini (Hg.), Zwischen den Kulturen. Plessners Stufen des Organischen im zeithistorischen Kontext, Freiburg/München: Verlag Karl Alber, 25-64, siehe hier
  • Köchy (2010) Vielfalt der Wissenschaften bei Carnap, Lewin und Fleck. Zur Entwicklung eines pluralen Wissenschaftskonzepts, in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 33 (1), 2010, 54-80. DOI: 10.1002/bewi.201001450

Monografie: Beseelte Tiere

Die Einzelstudien bilden die Basis für die derzeit im Druck befindliche Untersuchung: Beseelte Tiere. Netzwerke und Umwelten der Tierpsychologie.

Die Tierpsychologie zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist eine prominente Forschungsrichtung zwischen Biologie, Psychologie und Philosophie. Sie fragt nach psychischen Vermögen von Tieren. In essayhaften Studien zu namhaften Protagonisten werden im Buch Forschungskontexte der Tierpsychologie vorgestellt. Versammelt ist eine Reihe von Arbeiten zu Forscherpersönlichkeiten wie Henri Bergson, Jean-Henri Fabre, Jakob von Uexküll, Helmuth Plessner, Frederik Buytendijk, Wolfgang Köhler, Kurt Lewin und Kurt Goldstein.

Alle ausgewählten Positionen verstehen menschliche Wahrnehmung ebenso gestalthaft wie die Forschungsgegenstände, die Tiere in ihren Umwelten. Das Buch untersucht historische Beziehungen von Philosophie und Wissenschaft, skizziert aber zudem eine eigenständige Philosophie der Tierforschung, die die Interaktion von menschlichen und tierlichen Subjekten anerkennt.

Die in den Kapiteln des Buches untersuchten Themenfelder bilden ausgewählte Knotenpunkte eines Netzwerks von Beziehungen und stehen in vielerlei Hinsichten miteinander in Verbindung. Es geht es darum, diese Verbindungslinien zwischen Akteuren, Fragestellungen, Methoden, Disziplinen, Situationen und Überzeugungen in ihrem Zusammenhang wiederzugeben. Das Buch konzentriert sich dazu auf ausgewählte Stränge dieses Netzwerks. Zu beachten ist zudem, dass der Eindruck, mit dem Fokus auf die forschenden Menschen sei zugleich ein auf Menschen beschränkter, anthropozentrischer Standpunkt eingenommen, trügen würde. Im Gegenteil weicht die Darstellung gezielt vom anthropozentrischen Muster ab. In jedem Kapitel steht nicht die menschliche Forscherpersönlichkeit im Fokus, sondern der Kontext, das Feld, in dem sie agiert. Dieses Feld wird in seine vielfältigen Filiationen verfolgt. Dabei werden die Tiere als Akteure im Feld sichtbar. Sie werden zu Protagonisten der praktischen Forschungen und theoretischen Exkurse. Köhlers Schimpansen auf Teneriffa gehören ebenso in das Netzwerk der Tierpsychologie wie der Kluge Hans, Fabres Sandwespen, Uexkülls Seeigel, Buytendijks Kröte oder Volkelts Spinne.