WiSe 25/26

Einführungsprojekt | Räume er/finden | Wunderkammer reloaded

Jeder Mensch hat „Dinge”, die eng mit seiner Person verbunden sind und somit auch etwas über ihn erzählen. Die historische Wunderkammer der Spätrenaissance präsentierte erstmals die unterschiedlichsten „Dinge” von Interesse und Leidenschaft einer Privatperson in einem eigens dafür geschaffenen Raum, um sie unter anderem Gästen zu zeigen und vorzuführen. Es handelte sich dabei oftmals um neue technische Errungenschaften oder kunsthandwerkliche Meisterwerke, die auch als Anstoß zu Diskussionen dienten. Die Wunderkammer ist somit der Ursprung unserer heutigen Museen. 

In diesem Sinne habt ihr in diesem Semester die Möglichkeit, aus dem Fundus einer Architekt:in eurer Wahl eine Wunderkammer zu entwerfen, die die von euch ausgewählten „Dinge” aus dem Werk, aber auch aus den persönlichen Vorlieben der Architekt:in widerspiegelt und entsprechend in eurer Wunderkammer in Szene gesetzt werden. Zusätzlich soll es auch Platz für weitere Dinge aus eurem Interessensfeld geben. 

Die „Wunderkammer reloaded” ist jedoch mehr als nur ein Ort der Präsentation. Es ist ein Ort, der Räume eröffnet, die zugleich Ausstellung, Bar, Treffpunkt und Ort des Austauschs sind. Sie bildet ein Gefüge, das künstlerische Impulse aufnimmt und in neue Formen des Zusammenkommens überführt.

Im Mittelpunkt steht ein kompaktes Volumen von fünf mal fünf mal fünf Metern. Darin entsteht ein dichter Raum, der gestalterische Prinzipien, biografische Spuren und inhaltliche Bezüge miteinander verwebt. Uns interessiert nicht die Repräsentation, sondern die Interpretation – eine architektonische Erzählung, die Begegnung, Austausch und Reflexion anregt. Kassel bildet den städtischen Rahmen für diese Auseinandersetzung. Die Stadt steht für künstlerische Interventionen, experimentelle Bauten und öffentlich geführte Debatten. In diesem Kontext verstehen wir die Wunderkammer als Ort, der Dialoge eröffnet und Denkweisen in Form bringt.

Im Studio entwickeln wir Räume, die aus eigener Beobachtung, Haltung und Interpretation entstehen. Die Wunderkammer wird dabei nicht nur zur Reflexion, sondern auch zur Setzung: ein Ort, der aus dem eigenen Denkuniversum heraus Funktionen und Themen formuliert. Gearbeitet wird mit Zeichnung, Modell und digitalen Medien. Schritt für Schritt entsteht ein Projekt, das nicht nur interpretiert, sondern eigenständig setzt, öffnet und erzählt.

 

Lehrende: Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs, Harun Faizi
Tutor:innen: Julius Wadsacks, Alina Ditenbir