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Projekt im Wintersemester 2026/27 (Robin Höning)

Bild: Robin Höning

https://www.youtube.com/shorts/uHmFuGNwuwQ

 

+++ English version below +++

 

FCK DN BDA 

Vergiss, was du gelernt hast.
Vergiss die Vorstellung, dass ein Plan ausreicht.
Vergiss die Vorstellung, dass Regelkonformität dasselbe ist wie Verantwortung.
Vergiss die Vorstellung, dass Architektur neutral bleiben kann.

Diese Zeiten verlangen nach neuen Allianzen.

Während rechtsextreme und faschistische Netzwerke in ganz Europa an Einfluss gewinnen, müssen wir uns anders organisieren — über Disziplinen, Städte, Grenzen und Institutionen hinweg.

Deshalb werden wir eine neues interdisziplinäres, internationales, vielleicht auch geheimes Bündnis gründen. 

Ein Pakt mit eigenen Werten, Codes, Ritualen, Kommunikationsformen und Regeln der Mitgliedschaft. 

Teil1: Ein Bündnis gründen

Wir werden eine Allianz aufbauen.
Wir werden interessante Menschen in ganz Europa finden und sie besuchen.
Wir werden uns sehr schnell nahekommen.
Wir werden ein Manifest schreiben.
Wir werden ein Vokabular entwickeln.
Wir werden Symbole und Rituale schaffen.
Wir werden die Regeln der Mitgliedschaft verhandeln.
Wir werden Wege erfinden, über Distanz hinweg zu kommunizieren.
Wir werden einen geschützten Raum für unfertige Gedanken schaffen.
Wir werden ein europäisches Netzwerk aufbauen.
Wir werden persönliche Bindungen zwischen uns und möglichen Mitgliedern schaffen.
Wir werden uns zusammenschließen und uns in unsicheren Zukünften sicherer fühlen.

Gemeinsam entscheidet ihr, wie die Allianz geschützt bleiben kann, ohne sich abzuschotten; wie sie verbindlich werden kann, ohne dogmatisch zu werden; und wie sie öffentlich handeln kann, ohne Vertrauen zu verlieren.

Dieses Projekt bietet dafür einen Rahmen, kritische Impulse, organisatorische Unterstützung und Zugänge. Aber niemand wird dieses Bündnis für euch gründen.

Es wird von denen gestaltet, die den Mut haben zu suchen: von euch.

Teil 2: Verbündete finden

Wenn der grobe Rahmen steht, sucht ihr nach Verbündeten: In kleinen, selbstorganisierten Teams verfolgt ihr in ganz Europa Spuren von Menschen, Projekten und Kollektiven, die an Fragen arbeiten, die uns betreffen und mit denen wir uns verbünden wollen. Ihr recherchiert, folgt Hinweisen, schreibt Nachrichten, stellt Fragen, nehmt Kontakt auf und entscheidet, wen ihr treffen wollt.

Kleine Teams brechen anschließend auf: zu Hochschulen, Werkstätten, Ateliers, Initiativen, Küchen, Nachbarschaften und Orten, die auf keiner üblichen Exkursionsroute liegen. Ihr begegnet diesen Menschen persönlich, teilt Ideen, Zweifel und Erfahrungen — und ladet sie ein, unsere Verbündeten zu werden. Aus Recherche wird Begegnung. Aus Begegnung wird Vertrauen. Aus Vertrauen wird ein Pakt. 

QSL-Mittel und Reiseförderung der Pfeiffer-Stiftung stehen zur Verfügung, um diese ausgewählte Recherche-Reisen und persönliche Besuche zu unterstützen!

Die Mission ist einfach:

**Findet die anderen.
Trefft sie persönlich.
Baut das Netzwerk.**

Die Frage lautet: Welche Art von Netzwerk müssen wir jetzt erfinden?

FCK DN BDA ist ein studentisch getragenes Projekt und internationales Netzwerkexperiment.

Deine Rolle: Du nimmst nicht einfach an einem Projekt teil. Du wirst Gründungsmitglied. Du entscheidest, wofür die Allianz steht, wen sie kontaktiert, wie sie arbeitet und was aus ihr wird.

Was es braucht: Neugier, Eigeninitiative und die Bereitschaft, fremde Menschen zu kontaktieren, zu reisen, fachübergreifend zusammenzuarbeiten und mit Fragen zu arbeiten, auf die es noch keine klaren Antworten gibt.

Wann: Jeden Donnerstag, 14:00–18:00 Uhr
Erstes Treffen: 15.10.2026
Ort: Geheim

Wenn wir erfolgreich sind, organisieren wir in einem Folgeprojekt im Sommersemester 2027 ein großes Treffen in Kassel.

 


 

FCK DN BDA

Forget what you have learned.
Forget the idea that a plan is enough.
Forget the idea that compliance is the same as responsibility.
Forget the idea that architecture can remain neutral.

These times call for new alliances.

As far-right and fascist networks gain influence across Europe, we need to organise differently — across disciplines, cities, borders and institutions.

This is why we will found a new interdisciplinary, international, perhaps even secret alliance.

A pact with its own values, codes, rituals, forms of communication and rules of membership.

Part 1: Founding the Alliance

We will build an alliance.
We will find interesting people across Europe and visit them.
We will get to know one another quickly.
We will write a manifesto.
We will develop a vocabulary.
We will create symbols and rituals.
We will negotiate the rules of membership.
We will invent ways of communicating across distance.
We will create a protected space for unfinished thoughts.
We will build a European network.
We will create personal bonds between ourselves and potential members.
We will unite and feel safer in uncertain futures.

Together, you will decide how the Alliance can remain protected without becoming closed; how it can become committed without becoming dogmatic; and how it can act publicly without losing trust.

This project provides a framework, critical input, organisational support and access. But no one will found this Alliance for you.

It will be shaped by those who have the courage to search: by you.

Part 2: Finding Allies

Once the basic framework is in place, you will search for allies.

In small, self-organised teams, you will follow traces across Europe: people, projects and collectives working on questions that concern us — and with whom we may wish to form an alliance. You will research, follow leads, write messages, ask questions, initiate contact and decide whom you want to meet.

Small teams will then set out: to universities, workshops, studios, initiatives, kitchens, neighbourhoods and places that do not appear on ordinary study-trip itineraries. You will meet these people in person, share ideas, doubts and experiences — and invite them to become our allies.

Research becomes encounter.
Encounter becomes trust.
Trust becomes a pact.

QSL funding and travel grants from the Pfeiffer Foundation are available to support selected research trips and in-person visits.

The Mission

**Find the others.
Meet them in person.
Build the network.**

The question is: What kind of network must we invent now?

FCK DN BDA is a student-led project and an international network experiment.

Your role: You are not simply taking part in a project. You become a founding member. You decide what the Alliance stands for, whom it contacts, how it works and what it becomes.

What it requires: Curiosity, initiative and a willingness to contact strangers, travel, collaborate across disciplines and work with questions that do not yet have clear answers.

Every Thursday, 14:00–18:00
First meeting: 15 October 2026
Location: Secret

If we succeed, we will organise a large gathering in Kassel as part of a follow-up project in the summer semester of 2027.

Projekt im Sommersemester 2026 (Ben Pohl)

Bild: Ben Pohl

Städtebau als sozio-materielle Praxis fragt nach dem Zusammenspiel von Menschen, Dingen, gebauter Welt, Ökonomie, Ökologie und Kultur. Räume sind in dieser Perspektive keine neutralen Behälter — sie werden durch Praktiken hervorgebracht und strukturieren zugleich, welche Praktiken möglich sind. Public Houses — Wirtshäuser, Kaffees und Kneipen — zählten historisch zu jenen Orte, an denen diese Produktion von Raum am dichtesten stattfand: als Zentralitäten des Urbanen, als Versammlungorte, Nachrichtenbörsen und Ursprünge politischer Öffentlichkeit.

Jürgen Habermas hat in Strukturwandel der Öffentlichkeit (1962/1990) gezeigt, wie Kaffeehäuser, Salons und Tischgesellschaften im 17. und 18. Jahrhundert zu den materiellen Bedingungen bürgerlicher Öffentlichkeit wurden. Die jüngere Forschung zeigt zudem die räumlich-körperliche Dimension auf: Rudolf Schlögl prägt den Begriff der «Vergesellschaftung unter Anwesenden» und zeigt, dass nicht Printmedien, sondern «Körper und die Dinge in ihrem Arrangement, der Raum und die Zeit» die zentralen Medien frühneuzeitlicher Stadtöffentlichkeit waren (Schlögl, in: Schwerhoff 2011, S. 33).

Der Historiker Beat Kümin hat in Drinking Matters (2007) das empirische Fundament dieser These gelegt. Public Houses waren weit mehr als Ausschankorte — «civic sociability, political exchange, long-distance commerce and legitimate gatherings of people were simply unthinkable without an adequate network of inns and drinking establishments» (Kümin 2007, S. 158). Dabei waren diese Räume nie planerisch vorgegeben, sondern stets ko-produziert: «forever under construction and always contested» (Kümin 2007, S. 196). Zusammen mit Kirche und Rathaus bildete das Wirtshaus ein Dreieck kommunaler Grundinfrastruktur — Ortschaften ohne dieses Dreieck galten historisch nicht als vollwertige Gemeinwesen (Kümin 2007, S. 176–177).

Das Projekt ist eingebettet in die Gastprofessur  Nachhaltige Städte und Gemeinden. Karl Hermann Tjaden hat einen Begriff der Nachhaltigkeit als Nicht-Gewaltsamkeit vorgeschlagen: als die Fähigkeit einer Gesellschaft, ihre Lebensgrundlagen — ökonomisch, ökologisch, sozial — zu reproduzieren, ohne sie zu untergraben (Tjaden 2002). Public Houses lassen sich in dieser Perspektive als Orte lesen, an denen die soziale Reproduktion des Gemeinwesens konkret stattfinden kann. 

Heute, in einem Moment schwindender Verlässlichkeit medialer Öffentlichkeiten, unklarer demokratischer Grundhaltungen und politischer Konfrontationen stellt sich die Frage nach dieser Raumtypologie neu. Nicht als Nostalgie, sondern als städtebauliche Aufgabe: Welche Räume ermöglichen die körperliche, multifunktionale, unvermittelte Begegnung, auf die demokratische Gesellschaften angewiesen sind? Der Soziologe Rainald Manthe argumentiert jüngst, dass Begegnungsorte auf eine Stufe «mit Straßen und Schienen, mit Parteien und Medien, mit Kommunikationsnetzen und Wasserleitungen» gehören — als Infrastruktur, ohne die Demokratie nicht funktionieren kann (Manthe 2024, S. 52–53).

Kassel dient uns vor diesem Hintergrund als 1:1-Modell: Wir untersuchen, wie die Wirkungsgefüge urbaner Begegnungsräume zu verstehen sind — welche Materialitäten, Praktiken und Ökonomien sie tragen — und wo Ansatzpunkte für gestalterische Eingriffe liegen.

Wir laden alle Disziplinen ASL ein, ausgehend von ihren Kompetenzen und Motiven dieser Frage nachzugehen. Für die Planer:innen: Wie stehen soziale, materielle und ökonomische Alltagspraktiken in Wechselwirkung mit rechtlichen und planerischen Rahmungen? Für die Architekt:innen: Welche konkreten räumlichen (An)Ordnungen und Typologien werden durch Alltagspraktiken der Versammlung hervorgebracht und wie wirken sie auf diese zurück? Für die Landschaftsarchitekt:innen: Welche Wechselwirkungen zeigen sich zwischen den Praktiken der Versammlung, den konkreten Orten, den Trinkkulturen, den Freiräumen und den produktiven Landschaften bis hin zu den Kaffeeplantagen oder Weinbergen? 

Methodisches Vorgehen

Eine minimale Struktur von fünf Fragen strukturiert das Projekt: Wie organisieren wir uns als interdisziplinäres Team? Wie finden wir Zugang zu den Trink-, Ess- und Begegnungsräumen Kassels und wie folgen wir den infrastrukturellen sozio-materiellen und sozio-ökonomischen Zusammenhängen? Wie lesen wir das gewonnene Material als sozio-materielle Assemblagen? Wie schärfen wir daraus städtebauliche Fragen und eigene Motive? Wie machen wir die entdeckten Potenziale verfügbar und legen unser Vorgehen offen?

Lernziele

Das Projekt entwickelt folgende Kompetenzen:

  • Sozio-materielle Analyse: Fähigkeit, gebaute Räume als Zusammenspiel von Materialität, Praktiken und sozialen Beziehungen zu lesen
  • Typologisches Denken: Sensibilisierung für die städtebauliche Relevanz unterschätzter Raumtypologien wie Public Houses
  • Historisch-gegenwärtige Perspektive: Kompetenz, historische Perspektiven für zeitgenössische Fragen produktiv zu machen
  • Relationalräumliches Denken: Sensibilisierung für komplexe urbane Handlungszusammenhänge
  • Umgang mit Offenheit: Kompetenz im Umgang mit Unbestimmtheit und ergebnisoffenem Arbeiten

Ergebnis

Als physisches Ergebnis entsteht ein Katalog sozio-materieller Infrastrukturen der Begegnung in Kassel — in Buchform.

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Projekt im Sommersemester 2025 (Robin Höning)

Wie kann es gelingen, flexible, modulare und anpassungsfähige Strukturen und bauliche Formen für einen kollektiv und ko-kreativ gestaltet und gewachsenes Quartier zu entwickeln? Welche Lösungsansätze lassen sich in der direkten Auseinandersetzung situativ und ortsspezifisch entwickeln? Kann ein städtebaulicher Entwurf mit Architektur- und Stadtplanungstudierenden an einem Institut für Urbane Entwicklung entstehen, der trotzdem der Logik von „Architecture without Architects“[1] folgt? Wer plant eigentlich die Planung[2]? Wer bestimmt, was geplant wird (und was nicht)? Wir finden es zusammen raus.

In diesem Projekt entwickeln wir visionäre großmaßstäbliche informelle und experimentelle Entwurfskonzepte für die nächste Phase des PLATZprojekts in Hannover.

Das PLATZprojekt ist ein Ort für Ideen, die sonst keinen Platz in der Stadt finden. Auf einer ehemaligen Industriebrachfläche in Hannover hat sich in den letzten Jahren ein einzigartiges, selbstorganisiertes Experimentierfeld entfaltet – mit Schiffscontainern, temporären Bauten und einer Kultur des Machens jenseits von Normen und Vorschriften. Hier werden Unternehmungen erprobt und Soziale und Kulturelle Projekte finden einen Platz, die anderswo in der Stadt an finanziellen, rechtlichen oder planerischen Hürden scheitern würden. Das Projekt ist inzwischen international bekannt, vielfach ausgezeichnet und ein Best-Practice-Beispiel für informelle, experimentelle Stadtentwicklung. https://platzprojekt.de/aktuelles/

Anfang 2025 hat die Stadt Hannover das Gelände erworben und dem Projekt eine 40-jährige Erbpacht (mit Option auf Verlängerung) eingeräumt. Nach 13 Jahren ohne Planungssicherheit und wildem Bauen kann das PLATZprojekt jetzt weiterdenken, größer denken, die Zukunft ganz anders gestalten.

 

Zielsetzungen: Wir wollen einen baulichen Vorschlag erarbeiten, wie es sich auch mindestens die nächsten 40 Jahre radikal, flexibel und experimentell weiterentwickeln kann.

Die entwickelten Vorschläge sollen so gestaltet sein, dass sie flexibel erweitert und an neue Nutzungsbedürfnisse angepasst werden können. Dabei sollen modulare und adaptive Planungskonzepte im Mittelpunkt stehen, die es ermöglichen, bestehende Strukturen schrittweise und iterativ zu transformieren und zu erweitern – immer mit dem Ziel, Normen zu hinterfragen und Raum neu zu denken und PLATZ zu schaffen, den es sonst in der Stadt nicht gibt.

 


[1] Ballard, L., Rudofsky, B., Ransom, H. S., Mumford, L., Moore, H. T. & Deutsch, K. W. (1966). Architecture without Architects. Journal Of Aesthetics And Art Criticism

[2] Wer plant die Planung? (1974) ist ein Textbeitrag von Lucius Burckhardt, erstmals erschienen in:

Fezer, Jesko/ Schmitz, Martin (Hg.) (2004): Lucius Burckhardt: Wer plant die Planung? Architektur, Politik und Mensch. Berlin: Martin Schmitz Verlag, s. 71-88