Seminare

Seminare im Sommersemester 2026 (Ben Pohl)

Bild: Ben Pohl

Wie veröffentliche ich eine Arbeit, ein Buch, einen Text? Dieser Frage wollen wir an konkreten eigenen Beispielen im Seminar nachgehen. Dazu knüpfen wir an die Arbeiten aus dem Projekt «Kassel, was machst du?» im WiSe 2025/26 an. Eine Aufgabe liegt darin, den Katalog der Recherche aus dem Projekt im Wintersemester in die Publikation zu bringen. Dazu schauen wir uns an, wo noch kleine gestalterische und inhaltliche Bearbeitungen oder Schärfungen nötig sind, wie eine ISBN- oder DOI-Nummer beschafft wird, was es bräuchte, um einen eigenen Verlag zu gründen, und welche Möglichkeiten es für Self-Publishing und Print on Demand gibt. Die zweite korrespondierende Aufgabe besteht darin, den Katalog aus dem Projekt «Kassel, was machst du?» in eine kleine Ausstellung im Kulturbahnhof zu integrieren und einen Abend zu gestalten, an dem die im Katalog aufgerufenen Fragen öffentlich verhandelt werden. Das Seminar ist besonders geeignet für Studierende, die im vergangenen Semester das Projekt «Kassel, was machst du?» gewählt haben. 

Gäste: 

Dr. Anna Richter, Corresponding Editor, Journal: City – Analysis of Urban Change, Theory, Action; T&F (https://www.tandfonline.com/journals/ccit20)

Prof. Martin Schmitz, Kunsthochschule Kassel, Verleger Martin Schmitz Verlag (https://www.martin-schmitz-verlag.de)

Daten:

Zeit: dienstags, siehe Seminarplan
Ort: siehe Seminarplan
Prüfungsleistung: Präsentation Bachelor
Module: A/B/C/D-1.0-10, A/B/C/D-2.0-10

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Bild: Ben Pohl

Im Seminar wollen einen Ort schaffen, der raumtheoretische Dimensionen ganz alltäglich – beim gemeinsamen Kochen und Essen – greifbar macht. Leopold Kohr hat in den 1960er und 70er Jahren vorgeschlagen, die Settings und Situationen des Lernens und der Wissensproduktion neu zu arrangieren — raus aus den Räumen der Massenuniversität, hinein in Orte des Alltags. Sein Akademisches Wirtshaus denkt er als einen Raum, in dem Lehrende und Lernende auf Augenhöhe diskutieren. Kohr greift dabei bewusst auf das griechische Symposion zurück — wörtlich: das Zusammentrinken —, eine körperlich-räumliche Praxis, in der Erkenntnis und Vergemeinschaftung untrennbar mit dem gemeinsamen Essen und Trinken verbunden waren. In diesen Situationen, so Kohr, «nahmen die Universitäten ihren Anfang.» Was Kohr dabei übergeht: Sein Akademisches Wirtshaus ist ein idealisierter Raum — er fragt nicht, welche Stimmen in dieser Gemeinschaft nicht vorkommen. Wo das Wirtshaus historisch ein männlich codierter Raum war, öffnet der Salon eine andere Tradition — die der Salonnièren des 18. Jahrhunderts, die Räume schufen, in denen gesellschaftliche und geschlechtliche Ordnungen verhandelbar wurden. Die Salons waren dabei ebensowenig herrschaftsfreie Gegenräume wie die Wirtshäuser; sie blieben an bürgerliche Milieus gebunden und produzierten eigene Ausschlüsse. Was sie aber ermöglichten, war eine Form der Verhandlung, die anderenorts unmöglich war. Auch ein Küchensalon zu Raumtheorie ist kein herrschaftsfreier Raum, aber er nimmt sich den Fragen des Raumes explizit an und verhandelt Raumtheorie nicht nur theoretisch, sondern als eigene räumliche Praxis. Beim Kochen, der Arbeitsteilung, den Sprecher:innen-Rollen und den Situation am Tisch entsteht relationaler Raum, der sich nicht von den Körpern, den Zuschreibungen und Handlungen trennen lässt, die ihn hervorbringen und vice versa.

Ausgehend von raumtheoretischen Arbeiten u.a. von Martina Löw begeben wir uns gemeinsam auf eine Reise durch Texte und nutzen die räumliche Praxis im Seminar als 1:1 Modell eigener Raumproduktion.

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