Mel­dung

Zurück
22.12.2021 | Aktuelles

Na­tur­schutz oh­ne Gren­zen

„Schaf schafft Landschaft“ und Partner aus Thüringen arbeiten in Sachen Naturschutz Hand in Hand

Auf Flächenschau in Thüringen

Das Werratal mit Hohem Meißner und Kaufunger Wald im Dreiländereck Hessen, Thüringen und Niedersachsen ist ein Hotspot der biologischen Vielfalt. Die vielgestaltige Landschaft beheimatet zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die andernorts verschwunden sind. Davon profitiert auch der nachhaltige Tourismus, der durch die vielen Angebote auf seine Kosten kommt. Ein entscheidender Faktor für diese positive Bilanz ist die engagierte Naturschutzarbeit: „Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit im Sinne des Naturschutzes über Verwaltungs- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg ist in dieser Region außergewöhnlich hoch. Das gilt für Akteure aus Praxis, Verwaltung und Wissenschaft gleichermaßen“, erzählt die Koordinatorin vom Projekt „Schaf schafft Landschaft“ aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt, Dr. Anya Wichelhaus von der Uni Kassel.

Der Schwerpunkt des Hotspotgebiets liegt in der nordhessischen Werra-Meißner-Region. Hier haben die Projektpartner von „Schaf schafft Landschaft“, die Uni Kassel, der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land und der Werra-Meißner-Kreis, gemeinsam mit den ansässigen Schäfereien in den beiden vergangenen Projektjahren bereits einiges für den Naturschutz bewegt: Zusammenhängendes Weideland wurde für den Biotopverbund gesichert, Lebensräume aufgewertet und Hilfsmittel für eine naturschutzgerechte Beweidungspraxis angeschafft. „Durch unseren neu gewonnenen Partner, den Landschaftspflegeverband Eichsfeld-Hainich-Werratal e.V., wird unsere Arbeit nun auch nach Thüringen getragen,“ erklärt Wichelhaus. Der genannte Landschaftspflegeverband hat durch seine engagierten Mitglieder ein größer angelegtes Kooperationsprojekt auf die Beine gestellt: Unter dem Titel „Offenhaltung der (Halb)trockenrasen in FFH-Gebieten in Westthüringen durch Schaf- und Ziegenbeweidung mit Förderung des Biotopverbundes“ ist das Projekt, welches durch Gelder des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums und durch den Freistaat Thüringen finanziert wird, zusammen mit der offiziellen Kooperation im Mai diesen Jahres gestartet.

Damit die Planung und Umsetzung der Naturschutzmaßnahmen bundesländerübergreifend Hand in Hand gehen, bedarf es regelmäßiger Planungstreffen und eines stetigen Informationsaustauschs. Letzteres soll u. a. über eine gemeinsam gepflegte Datenbank erreicht werden – eine weitere Herausforderung, der sich die Partner in naher Zukunft stellen wollen. „Solche Strukturen existieren unseres Wissens bislang nicht, obwohl sie eigentlich essenziell sind, um Naturschutzmaßnahmen effektiv aufeinander abzustimmen“, meldet sich Frau Dr. Kerstin Wiesner zu Wort, die Projektleiterin beim Landschaftspflegeverband Eichsfeld-Hainich-Werratal e.V. ist. Dies gelte vor allem für die angestrebten großräumig angelegten Biotopverbundmaßnahmen, an denen viele Akteure beteiligt werden müssen. Wichtig im Rahmen der gemeinsamen Projektarbeit sei deshalb auch der Aufbau gemeinsamer Akteursnetzwerke: „Wir beginnen hier nicht bei null, sondern bauen auf die langjährige vertrauensbildende Arbeit aller beteiligten Partner auf“, so Wiesner. Pragmatischer geht es an die Finanzierung der gemeinsam geplanten Maßnahmen: „Schaf schafft Landschaft“ übernimmt die Kosten für die Maßnahmenumsetzung auf hessischer Seite und das Kooperationsprojekt finanziert die Umsetzung im thüringischen Teil des Hotspots.

Die Kooperation trägt Früchte: Im Bereich Wanfried wurde der erste Beweidungskorridor einer Schäferei länderübergreifend erweitert. Der dortige Schäfer zieht nun von seinen nordhessischen Weiden zu bislang brachliegenden Grünlandflächen im Bereich des Grünen Bandes nahe Hildebrandshausen in Thüringen. Um die Beweidung zu ermöglichen, wurden zunächst in Teilbereichen Gehölze zurückgeschnitten. Dabei betont Wichelhaus: „Bei der Maßnahmenplanung und Umsetzung haben wir immer auch die anderen Naturschutzziele mit im Blick. Für gebüschbrütende Vögel und schutzsuchende Wildtiere bleiben ausreichend Gehölze stehen. Wir schaffen Struktur- und Nischenvielfalt.“ In den kommenden Jahren werden weitere gemeinsame Naturschutzmaßnahmen folgen. Dafür sind bereits jetzt zahlreiche Flächen am Grünen Band und Umgebung identifiziert, die in Beweidungskorridore eingebunden werden sollen. „Außerdem steht die Erarbeitung eines Leitfadens zur länderübergreifenden Beweidung auf unserer Agenda“, ergänzt Wiesner. „Wir wollen die kooperierenden tierhaltenden Betriebe in Förderfragen unterstützen und die damit verbundenen nicht unerheblichen bürokratischen Hürden für die Betriebe etwas herabsetzen.“ Weitere gemeinsame Initiativen zur Weiterentwicklung der Naturschutzarbeit im Hotspot 17 sind in der Pipeline.