Press Releases

GPN Press Releases

Das Programm zur “Hochschulexzellenz in der Entwicklungszusammenarbeit” (exceed) unterstützt seit 2009 den Aufbau von Hochschulnetzwerken mit dem globalen Süden in verschiedenen thematischen Schwerpunkten. Ziel ist, Forschungs- und Lehrkooperationen der Hochschulen besser für die Entwicklungszusammenarbeit und die globalen Ziele nachhaltiger Entwicklung (SDGs) nutzbar zu machen. Eine 2024 erfolgte Evaluation des Programms bescheinigte ihm hervorragende Ergebnisse. Anfang diesen Jahres wurden den Zentren der Förderperiode seit 2020 Gelder für eine zweite fünfjährige Phase (2025-29) zugesagt, erneut über 30 Mio. €.
Trotz der positiven Evaluation und unterschriebender Zuwendungsverträge kam Mitte Dezember der Schock: Ab Januar sollte eine 53%-ige Mittelkürzung für alle Zentren erfolgen, auch in den nächsten Jahren werden drastische Kürzungen vorgenommen. Und bis 7.1. sollte ein neuer, fertig ausgearbeiteter und mit den Hochschulleitungen abgestimmter Finanzplan für die Jahre 2026-29 vorgelegt werden.
Mit diesen Mittelkürzungen, so sind sich die Sprecher*innen der Zentren einig, ist ihre inhaltliche Arbeit fast unmöglich. Der restliche Etat reicht kaum noch für Personal und Stipendien. Sämtliche Forschungsprojekte, Workshops, Gastprofessuren und Konferenzen sind schlichtweg nicht mehr finanzierbar. Die Zentren existieren zwar weiterhin nominell aber sind durch diese Kürzungen faktisch gelähmt und weitestgehend arbeitsunfähig. Finanzierungszusagen an die Südpartner für das nächste Jahr mussten zurückgenommen werden – eine verlässliche Partnerschaft haben diese sich sicher anders vorgestellt. Dies wirft ein katastrophales Licht auf die deutsche Entwicklungszusammenarbeit und deren Stellenwert in der Bundespolitik.
Offener Brief
7. Oktober 2020: Wangari-Maathai-Professur

Jedes Semester soll eine Gastprofessur am Forschungsinstitut den internationalen Austausch und die Vermittlung fördern und im Rahmen des GPN die Wissensproduktion in Partnerschaft und gegenseitiger Zusammenarbeit ermöglichen und stärken. In diesem Sinne ist die GPN-Gastprofessur nach der kenianischen Umwelt- und Frauenrechtsaktivistin Wangari Maathai benannt.
In ihrer Person vereinte sie starke und vielfältige Eigenschaften, die als starkes Vorbild dienen. Mit dieser Widmung möchte das Global Partnership Network diese Qualitäten würdigen. Als internationale Wissenschaftlerin und Aktivistin steht sie symbolisch für die Relevanz des Austauschs zwischen Globalem Norden und Globalem Süden. Darüber hinaus engagierte sie sich von Anfang an in der Zivilgesellschaft, setzte sich für Menschenrechte und insbesondere für Frauenrechte ein und wurde zur zentralen Figur der Frauenbewegung in Kenia, deren Frauenrat sie viele Jahre lang leitete. Unter diesen Umständen gelang es ihr, einen wichtigen Grundstein zu legen, der verschiedene Themen verbindet, die auch dem GPN am Herzen liegen: ökologische, soziale, feministische und demokratische Anliegen. 1977 gründete sie die Green Belt Movement, die sich seitdem zu einer panafrikanischen Bewegung entwickelt hat. Durch das Pflanzen von Millionen von Bäumen konnte diese beeindruckende Bewegung eine Vielzahl von Problemen angehen. Die Wiederaufforstung ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern hat auch die Arbeits- und Lebensbedingungen der lokalen Bauern verbessert und ein bewussteres Umgang mit der Natur gefördert. Dieser Erfolg wurde jedoch nicht durch internationale Entwicklungsprogramme erzielt, sondern durch lokale Gemeinschaften und Basisbewegungen, die auf einer Weltanschauung basieren, in der der Mensch die Natur nicht ausbeutet, sondern als Quelle des Lebens anerkennt.
Im Jahr 2004 erhielt sie als erste afrikanische Frau den Friedensnobelpreis für ihr Engagement in der Bewegung. Im Kontext der aktuellen Debatte über den Klimawandel wurde Maathai als eine Person ausgewählt, die sich für eine Welt eingesetzt hat, die unserem Klima gerecht wird. Mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hat sie sich auch für die Bewegung eingesetzt, die mit der Pflanzung neuer Bäume begann und wuchs. In ihrem Leben als Aktivistin verschmelzen der Kampf der Frauen und die Umweltbewegung und bilden die Wurzeln einer Bewegung, die seitdem erfolgreich geworden ist. Mit der Benennung der Gastprofessur nach Wangari Maathai lässt sich das GPN von einer großen Persönlichkeit als Vorbild für seine Prioritäten in der Entwicklungszusammenarbeit, der Weltwirtschaft im Kontext der Klimagerechtigkeit sowie der Wissensproduktion und der Ermöglichung und Stärkung von alternativem Wissen von unten inspirieren.
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1. September 2020: Thomas Sankara-Stipendium

Das Global Partnership Network (GPN) wurde 2020 gegründet und besteht aus Partnern aus dem Hochschulbereich und der Zivilgesellschaft aus Burkina Faso, Jamaika, Südafrika, Senegal, Uganda, Ghana, Haiti, Indien, Äthiopien und Deutschland. Das GPN macht auf die Mängel, Grenzen und problematischen Aspekte internationaler Partnerschaften aufmerksam, die historisch durch koloniale Beziehungen zwischen Nord und Süd geprägt wurden und diese manchmal noch immer widerspiegeln. Um diese historische Dynamik zu korrigieren, muss das Konzept hin zu einer Partnerschaft umgestaltet werden, die auf gegenseitiger Anerkennung und Solidarität basiert und dem multipolaren und postkolonialen 21. Jahrhundert angemessen ist.
Neben der Erstellung von E-Learning-Tools, der Förderung von Forschungskooperationen und der Durchführung einer Vielzahl von Workshops ist das Graduiertenprogramm eine der Kernaktivitäten des GPN. Das GPN vergibt 12 Stipendien ausschließlich an Doktoranden aus dem globalen Süden, um die Wissensproduktion im Hochschulbereich des Südens zu unterstützen.
Unser Wunsch, die Stipendien nach dieser herausragenden Persönlichkeit, Thomas Sankara, zu benennen, geht auf seinen wegweisenden Ansatz für globale Partnerschaften zurück, den wir als Inspiration für unser eigenes kritisches Engagement in den Nord-Süd- sowie Süd-Süd-Beziehungen betrachten. Sein Widerstand gegen den Neokolonialismus und seine Beiträge zur Emanzipation und Selbstbestimmung der Burkinabè und weiterer afrikanischer Völker inspirieren bis heute die afrikanische und internationale Jugend. In nur vier Jahren Präsidentschaft machte Sankara das Land unabhängig von Lebensmittelimporten, brachte zahlreiche Frauen in die Politik, bekämpfte rigoros Elitismus und Korruption, bemühte sich um die Dezentralisierung und Demokratisierung der Staatsmacht, lehnte unzumutbare Schulden ab, initiierte den Bau der großen grünen Mauer in Burkina Faso und ersetzte die Regierungsflotte von Mercedes Benz durch Kleinwagen, während er selbst mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr.
Da sie sich als Organisation und soziale Bewegung mit einer sankaristischen Tradition verstehen, ist unser burkinischer CSO-Partner, der Balai Citoyen (auf Deutsch: Bürgerbesen), sicherlich am besten geeignet, um herausragendes Fachwissen über Sankaras wegweisende Visionen und Politik zu vermitteln. Daher wird die Einladung eines Redners des Balai Citoyen zu einem virtuellen Graduiertenseminar eine der ersten Maßnahmen unseres Graduiertenkoordinators sein.