For­schung

For­schungs­schwer­punk­te

Mirja Kutzer


  • Theologische Anthropologie
  • Theologische Erkenntnislehre
  • Kulturwissenschaftliche Methoden/Kategorien in der Systematischen Theologie
  • Theologie und Literatur
  • Feministisch-Systematische Theologie und Genderforschung
  • Theologie der Liebe

Mareike Schlehahn


  • Emotionen in der theologischen Ethik

Johannes Thüne


  • ‚Mystische‘ Theologie
  • Theologiegeschichte

Be­treu­te Pro­mo­tio­nen

Lau­fend

Mareike Schlehahn: Wer urteilt, lässt seine Emotionen schweigen? Zur Relevanz einer aktuellen moralphilosophischen Debatte für die theologische Ethik


Patrick Marek Smigiel M. A.: Die Gemeinschaft der Theologen. Eine wissenschaftstheoretische Untersuchung der katholischen Theologie aus der Perspektive von Ludwik Fleck


Johannes Thüne: ‚Mystische‘ Theologie in Epigrammen. Zum theologischen Denksystem von Angelus Silesius

Ab­ge­schlos­sen

Manuel Raabe: "God Was Never on Your Side!" Gottesbilder und Religionskritik in der Rock- und Metal-Musik - eingereicht im August 2018
Rigorosum am 9. Mai 2019

For­schungs­se­mi­na­re

Jacques Dupuis - eine christliche Theologie des religiösen Pluralismus

Die Frage nach der theologischen Anerkennung nichtchristlicher Religionen gehört zu den aktuell drängenden Fragen. Die „Theologie der Religionen“, die dieses Thema bearbeitet, scheint aktuell allerdings zu einer Art Stillstand gekommen sein. Inklusivismus und Pluralismus markieren zwei Positionen, zwischen denen die Grenze von Rechtgläubigkeit und Häresie ausgemacht wird. Doch die Frage ist dabei keineswegs vom Tisch: Wäre eine tatsächliche Öffnung des Christentums gegenüber anderen Religionen denkbar, ohne Gefahr zu laufen, das genuin Christliche zu verlieren?

Der belgische Jesuit und Theologe Jacques Dupuis (1923-2004) hat Anstöße gegeben, deren Potentiale wenigstens im deutschsprachigen Raum erst langsam entdeckt werden. In seinem zentralen Werk Unterwegs zu einer christlichen Theologie des religiösen Pluralismus begreift er die Religionen als gottgewollten Reichtum, der nicht „ertragen“, sondern aus tiefster christlicher Überzeugung positiv bewertet werden muss.

Das Forschungsseminar widmet sich der Lektüre zentraler Abschnitte dieses Buches. 

Rassismus und Religion

Zu Beginn des neuen Jahrtausends ist in den westlichen, demokratischen Staaten eine „neue religiöse Intoleranz“ (Martha Nussbaum) auszumachen: Menschen erfahren persönliche oder institutionelle Diskriminierung bis hin zu körperlicher Gewalt aufgrund einer Religionszugehörigkeit, die sichtbar ist oder die ihnen auch nur zugeschrieben wird. Dabei ist die Zunahme an antisemitischen und antiislamistischen Straftaten auch in Deutschland nur die Spitze des Eisbergs. Grundlegender sind (kultur)rassistische Denkhaltungen, die den Angehörigen von Minderheitsreligionen bestimmte Eigenschaften zu- oder absprechen und daraus ein entsprechendes Verhalten ihnen gegenüber ableiten. Solche Denkhaltungen werden auch unter Bezugnahme auf „christliche Werte“ vertreten und finden sich auch in christlichen, etwa rechtskatholischen Kreisen bis hin zu ranghohen kirchlichen Amtsträgern. Das Forschungsseminar geht den grundlegenden Erscheinungsformen, Denkstrategien und Motiven des religiösen Rassismus nach, beleuchtet theoretische Erklärungsmodelle und diskutiert Gegenstrategien.

Gott erzählen - Narrative Theologie

Christliche Theologie muss eine erzählende Theologie sein. Denn nur eine erzählende Theologie koppelt sich nicht ab von den Ereignissen der Geschichte. Und nur die Erzählung ist fähig, auch die Erinnerung an deren Opfer wach zu halten. Mit diesen Thesen zu einer narrativen Theologie hatte sich der jüngst verstorbene Johann Baptist Metz gegen Formen systematischer Theologie gewandt, die den Gehalt des Christentums in die Zeitlosigkeit des Begriffs bzw. diskursiv verfasster Systeme zu überführen suchen. Aber sind erzählende Texte tatsächlich eine alternative theologische Denkform zur etablierten Diskursivität? Wie formen sie theologische Inhalte? Wie ist es zu bewerten, dass es sich bei dem überwiegenden Teil der biblischen Texte um (fiktionale) Erzählungen handelt? Und was sind Erzählungen überhaupt? Das Forschungsseminar setzt sich zur Beantwortung dieser Fragen mit theologischen Positionen zur narrativen Theologie, aber auch mit literaturwissenschaftlicher Narratologie und philosophischen Erzähltheorien auseinander und erprobt diese anhand von biblischen Texten.

(Geschlechter)Diversität und Gerechtigkeit

Die Lebenswelten heutiger Menschen, Kinder, Jugendlicher, Erwachsener sind (mehr oder weniger stark) durchdrungen von Diversität. Einige dieser Verschiedenheiten prägen das Zusammenleben seit je wie etwa eine durch die Zeiten hinweg unterschiedlich dramatisierte Differenz zwischen den Geschlechtern. Andere rücken durch das Zusammenwachsen der Kulturen in einer globalisierten, von Migration geprägten Welt und der Pluralisierung der Gesellschaft heute neu in den Blickpunkt.

Zum Thema der Theologie wird Diversität nicht zuletzt deshalb, weil damit unausweichlich die Frage nach Gerechtigkeit angesprochen ist: Denn Diversität stellt an Gerechtigkeit die Anforderung zu berücksichtigen, dass eben Gleiches nicht das Gleiche für Menschen in unterschiedlichen Situationen bedeutet. Dabei ist in einer theologischen Perspektive Diversität nicht von vornherein unproblematisch. Die theologische Tradition hat, in der Auseinandersetzung mit verschiedenen philosophischen Systemen, Diversität vor allem als Abweichen vom Wahren und Guten verstanden. Dies prägt bis heute die eher negative Einschätzung von Diversität – etwa in den Vorbehalten gegenüber von unterschiedlichen Lebensentwürfen (im Gegensatz zum klassischen Familienideal) oder dem beharrlichen Festhalten an Geschlechterstereotypen.

Im Oberseminar werden verschiedene philosophische und theologische Texte zur aktuellen Diskussion um Diversität behandelt, u.a. Homi Bhabha, Gayatri Spivak, Judith Butler, Papst Franziskus, Kwok Pui Lan, Mayra Rivera Rivera.

Begehren (appetitus, desiderium) ist eine Grundkategorie in der christlich-theologischen Rede vom Menschen. Der Mensch genügt sich nicht selbst. Er begehrt Dinge, andere Menschen, um ein Gefühl von Ganzheit, von Fülle, von Sinn zu erreichen. Letztlich, so beschreibt es die christliche Tradition spätestens seit Augustinus, findet der Mensch diese Erfüllung in Gott. Das Begehren, das mit dem sexuellen Begehren zu tun hat, aber umfassenderes meint, wird so zum Schlüssel der Gottesbeziehung.

Begehren spielt gegenwärtig aber auch in säkularen, psychoanalytisch inspirierten Philosophien und Kulturtheorien eine zentrale Rolle. Als permanente Suche nach Sinn macht Begehren den Menschen kulturproduktiv, lässt ihn nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten und Sinngebungen suchen. Das Seminar sucht nach Verbindungen zwischen den theologischen wie den philosophisch-kulturwissenschaftlichen Thematisierungen des Begehrens anhand einschlägiger Texte, u.a. Augustinus, Thomas von Aquin, Sigmund Freud, Julia Jacques Lacan, Gilles Deleuze.

Die Offenbarungskonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils Dei Verbum hat Offenbarung als Selbstmitteilung Gottes näher bestimmt. Gott teilt nicht in erster Linie etwas mit, also nicht oder zumindest nicht in erster Linie bestimmte Inhalte. Vielmehr bedeutet Offenbarung eine personale Begegnung. Diese Begegnung wiederum wird wesentlich über Texte vermittelt – die der Bibel, aber auch der theologischen und spirituellen Texte der Christentumsgeschichte. Wie aber kann vernünftig gedacht werden, dass in der Lektüre von Texten eine andere Person, dass Gott begegnet? Um dies plausibel zu machen, wird im Seminar Bezug genommen auf aktuelle Texttheorien und deren Anwendbarkeit auf theologische/biblische Texte diskutiert.

Die Frage nach dem Umgang mit dem Fremden gehört zu den zentralen Themen unserer Zeit. In einer globalisierten Welt bleibt der Fremde nicht „draußen“ und man selbst immer seltener „daheim“. Menschen, die einander als „anders“ empfinden und benennen, müssen Wege finden, mit- oder nebeneinander zu leben. Dabei erscheint der Fremde ebenso faszinierend wie bedrohlich. Auf befremdliche Weise, so notiert es die französische Philosophin und Psychoanalytikerin Julia Kristeva, ist der Fremde in uns selbst. Er ist die verborgene Seite unseres Selbst und verhindert, dass wir fixierbare Ich- oder Wir-Identitäten ausbilden. Schließlich zeigt sich Gott, biblisch vielfach belegt, als Fremder, in der Fremde. Wenn wir uns konsequent vom Fremden abschotten – wie dann Gott begegnen?
Das Forschungsseminar behandelt philosophische wie theologische Texte zum Fremden (u.a. Arendt, Camus, Kristeva, Spivak, Levinas, Appel). Vorausgesetzt ist die eigenständige Lektüre der Texte, die dann in den Sitzungen diskutiert werden.  

Die Phänomene der Macht stellen für die Theologie eine unausweichliche Herausforderung dar. Das Christentum organisiert ein Weltverhältnis. Es macht ein Orientierungsangebot für den Menschen, der nach Leitlinien seines Handelns sucht. Im Licht des Glaubens erscheinen Machtverhältnisse als legitim oder illegitim, erfahren Bestätigung oder Kritik. Als außerordentlich machtproduktiv wird dabei die Eigenart der monotheistischen Religionen wahrgenommen, sich auf ein Absolutes zu beziehen. Wie konkretisieren sich die Verbindungen zur Macht? Mit welchem Machtbegriff lässt sich ihnen auf die Spur kommen? Wie gehen verschiedene christliche Konfessionen mit dem Thema um? Das Seminar geht diesen Fragen anhand der Lektüre ausgewählter Texte nach, u.a. von Michel Foucault, Jan Assmann und L.V. Litvinova.