Professionalisierung im Lehr-Lern-Labor

Die Forschungsarbeit wurde als Teilprojekt (Prof. Dr. Volker Scheid, Dr. Andreas Albert und Dr. Tobias Hillebrand) im Kontext von PRONET2 (PROfessionalisierung durch VerNETzung – Fortführung und Potenzierung) durchgeführt, mit dem die Universität Kassel an der zweiten Förderphase der Qualitätsoffensive Lehrerbildung (2019-2013) partizipierte. Im Rahmen des Teilprojekts entstand die im Folgenden dargestellte Dissertation von Tobias Hillebrand (2024) unter dem Titel Professionalisierungsprozesse im Lehr-Lern-Labor Sportpädagogik – Eine empirische Studie mit angehenden Sportlehrkräften.

Mit der Konzeption und Einrichtung des Lehr-Lern-Labors Sportpädagogik verfolgt der Arbeitsbereich Erziehung und Unterricht am Institut für Sport und Sportwissenschaft die Zielsetzung, unterrichtsrelevante Themen an universitären und schulischen Lernorten einer pädagogischen Begründung, didaktischen Erprobung und gemeinsamen Reflexion zu unterziehen. Theoretische Bezugspunkte sind zum einen die professionelle Handlungskompetenz und zum anderen die Unterrichtsqualität. Pädagogisches Handeln sollte sich auf wissenschaftliche Theorien sowie eigene Handlungserfahrungen stützen. Deshalb ist die Förderung eines wissenschaftlich-reflexiven Berufshabitus durch eine enge Verzahnung von theoretischen Inhalten und unterrichtlicher Praxis die wesentliche Zielstellung der Arbeit im Labor (siehe auch Abschnitt Konzeption und Anwendung).

Die Forschungsarbeit verfolgt das Ziel, durch die Institutionalisierung des Lehr-Lern-Labors Sportpädagogik Lehramtsstudierenden frühzeitig Praxisbezüge in einem reflektierenden Kontext zu ermöglichen und damit eine qualitativ hochwertige Lehre anzubieten. Die Wirkungen Das Lehrangebot soll eine Professionalisierung der teilnehmenden Sportstudierenden fördern, Wirkungen werden bezüglich des Professionswissens, der Selbstwirksamkeitserwartungen und der Reflexionsleistungen erwartet.

Der theoretische Zugang der Studie erfolgt über die vorliegenden Ansätze zur Professionalisierung in der Lehrkräftebildung und fokussiert das Modell der professionellen Handlungskompetenz (Baumert & Kunter, 2013). Während sich Lehr-Lern-Labore als neues hochschuldidaktische Format in den letzten Jahren bereits in verschiedenen Unterrichtsfächern etabliert haben (Bosse et al., 2020), existieren in der Sportpädagogik bislang erst wenige vergleichbare Labore. Dementsprechend sind die Erkenntnisse zur Wirksamkeit dieser Veranstaltungsformate im Fach noch gering.

Zur Untersuchung dieser Wirkungen wurde ein Pre-Post-Untersuchungsdesign gewählt und im Rahmen des Lehramtsstudiums eingesetzt. In zwei Vorstudien wurden insgesamt 58 Studierende aus vier Seminaren einbezogen und in der Hauptstudie wurden 98 Studierende aus ebenfalls vier Seminargruppen untersucht. Die Analyse umfasste Fragebögen zu den drei Wissensfacetten (pädagogisches Wissen, Fachwissen, fachdidaktisches Wissen) sowie zu ausgewählten Aspekten der Selbstwirksamkeitserwartungen hinsichtlich des unterrichtlichen Handelns. Zur Erfassung der Reflexionsleistungen wurden verschriftlichte Reflexionen zu einem Unterrichtsvideo mit dem ERTO-Modell von Krieg & Kreis (2014) qualitativ und quantitativ ausgewertet.

Aufgrund der Untersuchungsergebnisse lässt sich folgendes Fazit ziehen: Studierende im Lehr-Lern-Labor verzeichnen nach dem Besuch der Lehrveranstaltung bessere Ergebnisse in den Wissenstests und zeigen stabilere Selbstwirksamkeitserwartungen als die Probanden der Kontrollgruppe. Die Reflexionsleistungen der Labor- und Kontrollgruppe unterscheiden sich nicht statistisch relevant (siehe auch Albert, Scheid & Hillebrand, 2022; Scheid, Albert & Hillebrand, 2022).