An­thro­po­zän­kü­che

Der Begriff des Anthroprozän benennt den Umstand, dass das menschliche Handeln die Erde im globalen Maßstab maßgeblich verändert und umgestaltet. Dieses Wirken geht nicht auf singuläre Entscheidungen und Handlungen zurück, sondern auf die Akkumulation einer sehr großen Zahl individueller und kollektiver Entscheidungen, die sich in zivilisatorischen Mustern manifestieren. Die globale Wirkungen menschlichen Handelns sind zudem i.d.R. nicht intendiert, sondern Nebenfolgen von Handlungen mit anderen Zielsetzungen. Während des Handelns werden diese Wirkungen nicht wahrgenommen, mehr noch, sie sind in herkömmlicher Weise nicht wahrnehmbar. Daraus ergibt sich das Dilemma, das relevante Handlungsfolgen für den Handelnden bei seinen Handlungsentscheidungen in konventioneller Weise nicht überschaubar sind.

Das Projekt Anthroprozänküche verbindet diese Beobachtung mit einer zentralen Ebene des menschlichen Handelns, der Ernährung. Mit ihr gestaltet der Mensch seine direkte (körperliche) stoffliche Beziehung zur Umwelt. Die Ernährung gewährleistet die Energieversorgung für den menschlichen Körpern. Die Küche ist der Ort der Nahrungszubereitung und mithin der Ort, wo die stoffliche und energetische Mensch-Umwelt-Beziehung gestaltet wird. Zugleich ist die Küche gemeinsam mit dem Eßplatz zentraler sozialer Ort des Wohnens.

Das Projekt Anthroprozänküche verbindet den globalen Maßstab der Stoffflüsse (und der energetischen, sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen Beziehungen) mit dem lokalen Maßstab des Individuums. Es benennt hiermit zugleich eine Handlungs- und Gestaltungsperspektive. Die Wirkung des individuellen Handelns auf die Umwelt soll dem unbewussten enthoben, bewusst gemacht, reflektiert und bewusst gestaltet werden.

Das Teilprojekt „Wie wir essend die Welt gestalten. Ernährung, Haus, Stadt und Welt am Beispiel Berlin seit 1700“ untersucht am Beispiel Berlins das Dispositiv der städtischen Ernährung insbesondere in Hinsicht auf seine Ausformung in Architektur und Stadtgestalt. Die historische Analyse anhand dreier Zeitschnitte (1700, 1880, 2000) bildet die Basis für die Konzeption der Gestaltung des Ernährungsdispositives in der Zukunft.

Weitere Teilprojekte mit Phosphor als elementarer Grundstoff der menschlichen Ernährung unter Leitung von Reinhold Leinfelder befassen sich mit der Küche und ihren Schnittstellen unter Leitung von Prof. Joachim Krausse.