Ge­stal­tung der Ar­beits­welt der Zu­kunft durch Er­reich­bar­keits­ma­nage­ment (SAN­DRA)

Forschungsfeld

Die zunehmende Verbreitung verschiedener Informations- und Kommunikationstechnologien hat die Arbeitswelt durchdrungen und verändert. Smartphones, Tablet-PCs und andere Mobile-Devices mit dazu passenden Applikationen prägen und bestimmen mittlerweile die Gestaltung und Organisation des Arbeitslebens. Solche technischen Innovationen können zum einen den Arbeitsalltag erleichtern, indem sie zu mehr Flexibilität und Autonomie bei der individuellen Arbeitszeitgestaltung führen. Sie bergen jedoch auch Risiken wie potenzielle Überlastung aufgrund einer dauerhaften Kommunikationsbereitschaft oder das Vermischen von Arbeits- und Freizeit. Ein zentrales Problem der Digitalisierung der Arbeitswelt ist die daraus resultierende Gefahr der ständigen technikbedingten Erreichbarkeit. Dieser versuchen bereits einige Unternehmen entgegenzuwirken, indem sie ihre Server nach Feierabend abschalten oder berufliche E‑Mails im Urlaub automatisch löschen. Solche arbeitnehmerfreundlichen Lösungen können das Problem der ständigen Erreichbarkeit jedoch nur bedingt lösen, da sie sich meist nur auf eine zeitweilige Unterbrechung der Kommunikationsverbindungen beschränken.

Ziele des Forschungsprojekts

Ziel des Projekts „Gestaltung der Arbeitswelt der Zukunft durch Erreichbarkeitsmanagement“ (SANDRA) ist es, Modellösungen für Beschäftigte und Unternehmen zu entwickeln, die die Balance zwischen Arbeits- und Privatleben in Hinsicht auf ständige Erreichbarkeit verbessern. Diese sollen den Mitarbeitern unterbrechungsfreie Ruhepausen – ohne die Störung durch E‑Mails oder Telefonanrufe – verschaffen und im Ergebnis ihre Leistungsfähigkeit nachhaltig verbessern. Damit dies erreicht werden kann, müssen die Lösungen zum einen daran mitwirken, dass die Beschäftigten und Unternehmen individuell besser mit Informations- und Kommunikationstechnologien umgehen, damit sich die Work-Life-Balance der Mitarbeiter verbessern kann. Zum anderen kann aber auch eine solche Technologie selbst dazu beitragen ein effektives Erreichbarkeitsmanagement zu schaffen. Im Rahmen des interdisziplinären Projekts (Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaften und Informationstechnik) sollen daher geeignete Konzepte für die Mobiltelefonie und den E-Mail-Verkehr auch als Softwaredemonstrator umgesetzt werden. Die Modelllösung soll dabei aktuelle arbeitnehmerfreundliche Regeln beachten und in rechtskonformer Weise abbilden. Zugleich soll sie eine Anpassung an die spezifischen Anforderungen der unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Rollen in den Unternehmen ermöglichen.

Teilvorhaben der Universität Kassel

Im Zusammenhang mit einem Erreichbarkeitsmanagement kommen zahlreiche rechtliche Fragestellungen auf. Die Aufgabe der „Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung“ (provet) im Wissenschaftlichen Zentrum für Informationstechnik-Gestaltung der Universität Kassel (ITeG) besteht darin, schon bei der Entwicklung der Modelllösungen auf die Einhaltung rechtlicher Anforderungen, insbesondere aus dem Datenschutzrecht und Arbeitsrecht, zu achten und diese von Beginn an in die Lösungen einfließen zu lassen. So soll das wesentliche Grundgerüst für die Praxistauglichkeit sowie die rechtsverträgliche Gestaltung und Anwendung des Erreichbarkeitsmanagements geschaffen werden. Hierfür sind die rechtlichen Anforderungen für dessen Gestaltung und Anwendung auszuarbeiten sowie zu implementieren, damit eine effiziente Funktion und Usability des Erreichbarkeitsmanagers garantiert werden kann. Darüber hinaus sind Fragen aus dem Betriebsverfassungsrecht zu beantworten, die sich aus der Implementierung der Modelllösung in Betrieben ergeben. Die rechtwissenschaftliche Begleitung von Beginn der Entwicklung an, ermöglicht es den Erreichbarkeitsmanager möglichst rechts- und verfassungsverträglich zu gestalten. Auf diese Weise werden insbesondere die Interessen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Einklang gebracht und der Schutz ihrer Grundrechte gefördert. Dies gilt schließlich auch für Dritte, die durch die Kommunikation mit den Beschäftigten von der Modelllösung betroffen sind.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Bekanntmachung „Arbeit in der digitalisierten Welt“ im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprogramms „Zukunft der Arbeit“ als Teil des Dachprogramms „Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen“ gefördert.

 

Projektpartner

Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) (Koordination):

Uwe Laufs

Technische Universität Darmstadt (TU Darmstadt):

Prof. Dr. Ruth Stock-Homburg

Goethe Universität Frankfurt am Main (Goethe Uni)

Prof. Dr. Oliver Hinz

Hochschule der Medien (HdM Stuttgart):

Prof. Dr.-Ing. Johannes Maucher

AGILeVIA GmbH (AGILeVIA):

Dr.-Ing. Dietmar Fischer

AK Reprotechnik GmbH (ak repro):

Jörg Armbruster

 

Pro­jek­t­in­fos

Förderung:
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Europäischer Sozialfonds für Deutschland (ESF)      

Laufzeit:
April 2017 – Juni 2020

Projektverantwortlicher:
Prof. Dr. Alexander Roßnagel

Ansprechpartner:
Paul C. Johannes
Nadine Miedzianowski, LL.M.

Pro­jekt­ver­lauf