Safe­Bike: Ein Ver­kehrs­si­cher­heits­pro­gramms für Rad­fah­ren­de zwi­schen 11 und 14 Jah­ren mit dem Fo­kus auf me­ta­ko­gni­ti­ven Fä­hig­kei­ten

SafeBike ist ein Programm für Schulen zur Radverkehrsbildung in der Sekundarstufe I und wurde zur Förderung der Verkehrssicherheit von 11- bis 14-Jährigen entwickelt.
Jedes Jahr verunglücken in Deutschland knapp 30.000 Kinder im Straßenverkehr. Die Jahrgänge mit den meisten Unfallopfern sind dabei die 11- bis 14-Jährigen, von denen wiederum etwa die Hälfte mit dem Fahrrad verunglückt (ca. 5.800 Kinder). Die Zahl der verunglückten Radfahrenden steigt nach dem Wechsel von der Grundschule auf die weiterführende Schule stark an. Dies ist auf ein geändertes Mobilitätsverhalten nach dem Schulwechsel im Vergleich zur Grundschulzeit zurückzuführen. Viele Schülerinnen und Schüler beginnen nach dem Wechsel auf die weiterführende Schule, mit dem Rad zur Schule zu fahren. Gleichzeitig sind in diesem Alter aber noch nicht alle Fähigkeiten zum sicheren Radfahren ausgeprägt. Insbesondere Wahrnehmungsfehler treten bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren im Vergleich zu anderen Altersgruppen besonders häufig auf. Weiterhin finden mit der beginnenden Pubertät umfangreiche Verhaltensänderungen statt, bei denen unter anderem die Gefahrenwahrnehmung abnimmt und die Risikobereitschaft steigt. Allerdings gibt es bisher an weiterführenden Schulen kaum Verkehrserziehungs- und Mobilitätsbildungsmaßnahmen. Diese Lücke wird nun mit SafeBike geschlossen.
SafeBike ist ein Verkehrssicherheitsprogramm für den Schulunterricht der Sekundarstufe I (Klassen fünf bis neun), das klassenweise in einer Doppelstunde durchgeführt werden kann. Es basiert auf Beobachtungsverfahren, Selbstreflexion und Eigenverantwortung. SafeBike schärft insbesondere das Bewusstsein der Kinder und Jugendlichen für Gefahrenwahrnehmung beim Radfahren, was zu einem erhöhten Sicherheitsempfinden führt. Dabei geht es explizit nicht darum, die Kinder und Jugendlichen aufzuklären oder auf bestehende Verkehrs- oder Verhaltensregeln hinzuweisen, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Stärken und Schwächen sowie verschiedene Risikofaktoren in ihrem eigenen Fahrverhalten zu erkennen und zu berücksichtigen.

Im Programm werden der Zielgruppe verschiedene Verkehrssituationen aus ihrem Alltag präsentiert, deren Eindrücke sie einschätzen sollen. Im Anschluss wird gemeinsam in der Klasse über die Situationen und Eindrücke gesprochen. Dadurch sollen zukünftig deutlich weniger der 11- bis 14-Jährigen mit dem Fahrrad verunglücken.
SafeBike wurde 2020 erstmals in einem Pilotversuch an zwei kooperierenden Schulen durchgeführt und bzgl. seiner Wirkungen evaluiert. Dabei nahmen rund 500 Kinder und Jugendliche am Programm teil. In den sich anschließenden Erhebungen wurde festgestellt, dass die Personen, die an SafeBike teilnahmen, nur noch halb so viele Fahrfehler begingen oder Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern verursacht haben wie ihre Mitschüler und Mitschülerinnen, die nicht am Programm teilgenommen haben. Insbesondere bei den in Vorher-Erhebungen besonders häufig auftretenden Fahrfehlern (u.a. mangelndes Umschauen, kein Handzeichen, Vorfahrt nicht beachtet) wurden deutliche Rückgänge erzielt.