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11.06.2026 | Porträts und Geschichten

Was mich antreibt – Roman Hinz

Kasseler Promovierende und ihre Themen: Nachhaltige und sozial gerechte Landnutzung in Ghanas Agrarlandschaften

Roman Hinz vor afrikanischer Landschaft schaut lächelnd in die KameraBild: CSIR-Forestry Research Institute of Ghana (CSIR-FORIG)

In Ghana ist die Landwirtschaft für viele Haushalte die wichtigste Einkommensquelle und zugleich tief in Identität und Kultur verankert. Eine zentrale Rolle spielt der Kakaoanbau, denn Ghana gehört weltweit zu den größten Produzenten. Viele Bäuerinnen und Bauern bewirtschaften ihre Felder seit Generationen. Gleichzeitig verändert sich die Lebensrealität: Entwaldung schreitet voran, der Klimawandel zeigt sich in unregelmäßigeren Niederschlägen und häufigeren Extremwetterereignissen. Die Landwirtschaft ist davon nicht nur betroffen, sondern trägt durch Landnutzungswandel auch selbst zu Treibhausgasemissionen bei. Gleichzeitig kann sie durch nachhaltige Praktiken Kohlenstoff binden und zum Klimaschutz beitragen. Sie steht damit im Zentrum internationaler und nationaler Klimapolitik. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie eine nachhaltige und zugleich sozial gerechte Landnutzung in Ghana gelingen kann – aus Sicht der Menschen vor Ort. 

Genau damit beschäftige ich mich in meiner Promotion am Kassel Institute for Sustainability und am Fachgebiet Nachhaltige Landnutzung und Klimaschutz. Grundlage meiner Arbeit sind bereits vorhandene naturwissenschaftliche Basisdaten, etwa zu Kohlenstoffspeichern in Böden und Vegetation oder zu landwirtschaftlichen Emissionen. Ich bereite die Daten auf, verknüpfe sie mit gesellschaftlichen Perspektiven und analysiere zukünftige Entwicklungen. Mein Fokus liegt dabei auf sozialgeografischen Fragen im Kontext interdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung: Wie entstehen emissionsarme Praktiken? Wie und wo werden sie umgesetzt? Wer entscheidet über ihre Einführung? Welche Interessen spielen dabei eine Rolle und wie verteilen sich Nutzen und Lasten? 

Methodisch verbindet meine Doktorarbeit mehrere Bausteine. Zunächst habe ich in Ghana mit Vertreterinnen und Vertretern aus Zivilgesellschaft, Ministerien, internationalen Institutionen, Entwicklungsorganisationen, landwirtschaftlichen Verbänden sowie lokalen Wissensnetzwerken gesprochen, um politische und institutionelle Perspektiven auf nachhaltige Landnutzung zu verstehen. Ergänzt wurde dies durch Fokusgruppen mit Landwirtinnen und Landwirten sowie Haushaltsbefragungen zu Wahrnehmungen und Umgangsweisen mit dem Klimawandel. Die Ergebnisse fließen sowohl in wissenschaftliche Publikationen als auch in Zukunftsszenarien und in ein Landnutzungsmodell ein, mit dem sich mögliche Entwicklungen simulieren lassen. So kann ich abschätzen, wie sich konkrete Maßnahmen, etwa Agroforstsysteme, auf Landnutzung, Emissionen und ländliche Lebensgrundlagen in verschiedenen Regionen Ghanas auswirken oder welche Folgen unterschiedliche Klimaszenarien haben könnten. 

Mich motiviert vor allem die enge Zusammenarbeit mit Menschen vor Ort und der interkulturelle Austausch. Neben Ghana war ich auch in Mexiko und an der Universität Cambridge, um mich mit anderen Forschenden auszutauschen und Sichtweisen zu vergleichen. Mein Ziel ist es, lokale Perspektiven stärker einzubeziehen und die Situation differenziert zu verstehen. Langfristig möchte ich dazu beitragen, dass Klimaschutz nicht nur ökologisch wirksam und ökonomisch tragfähig, sondern auch sozial gerecht gestaltet wird.

 

Dieser Beitrag erschien im Universitäts-Magazin publik 2026/2. Protokoll: Hannah Eichenberg