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28.08.2026 | Pressemitteilung

Auf der „Kasseler WELLE“ zum Schwimmerfolg

Rund 1.400 Kinder, über 50 Studenten, 30 Lehrkräfte und über 90 Stunden Wassergewöhnung: Nach drei Wochen frühzeitiger Schwimmförderung für die zweiten Klassen der städtischen Grundschulen ist klar, die „Kasseler WELLE“ ist eine Erfolgswelle. Das zeigen die Begeisterung der Kinder und die erhobenen Zahlen.

Kinder im Wasser.Bild: Weber/Stadt Kassel

„Die ‚Kasseler WELLE‘ hat schon bei ihrem ersten Durchgang eindrucksvoll gezeigt, was möglich ist, wenn wir Kindern die Zeit, die Aufmerksamkeit und die bestmöglichen Bedingungen geben, die sie zum Lernen brauchen. Es ist beeindruckend zu sehen, wie aus behutsamer Wassergewöhnung Schritt für Schritt echte Wasser- und Schwimmkompetenz entstehen kann. Aber die ‚WELLE‘ hat noch viel mehr erreicht: Sie hat Kindern Selbstvertrauen gegeben, Freude am Element Wasser – obwohl einige von ihnen noch nie in einem Schwimmbad waren“, so Oberbürgermeister Dr. Sven Schoeller und Bürgermeisterin Nicole Maisch begeistert. 

Seit dem 10. August 2026 konnten 1.400 Zweitklässlerinnen und Zweitklässler aus 19 Kasseler Grundschulen das Auebad eine Woche lang täglich rund neunzig Minuten als sicheren Ort zum Lernen und Sammeln eigener Erfahrung im Wasser nutzen. Die sogenannte Säule 1 des Kasseler Pilotprojektes verbindet eine Untersuchung zu Beginn der Übungswoche, die die Wasserfähigkeiten der Kinder feststellt, mit einem klar aufgebauten Unterricht der schwimmerischen Grundbildung durch geschulte Studierende der Uni Kassel. Ziel ist es, allen Kindern – unabhängig davon, aus welchem sozialen oder kulturellen Umfeld sie kommen oder ob sie gesundheitliche Einschränkungen haben – die gleichen Chancen zu geben, grundlegende Fähigkeiten und Sicherheit im Wasser zu lernen. Daher wurden auch typische kritische Situationen mit den Kindern im Wasser geübt wie etwa das Umkippen der Luftmatratze oder das Rauskommen aus dem Wasser ohne Hilfsmittel.

Was hat eine Eule mit Schwimmen zu tun?

Die wissenschaftliche Begleitung erfolgte durch das Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Kassel. Alle 1.400 Kinder nahmen gleich am ersten Tag ihrer Wasserwoche am sogenannten EulenCHECK teil. Dieses Analyse-Tool erhebt anhand fünf standardisierter Aufgaben den individuellen Lernstand der Kinder. Dabei mussten die Zweitklässlerinnen und Zweitklässer beispielsweise zeigen, ob sie mit dem Kopf unter Wasser tauchen können – ohne sich die Nase zuzuhalten. 

Danach konnten die Kinder in vier Gruppen eingeteilt werden: Von rosa für „ängstlich“ bis blau für „souverän“, so dass auch die Studierenden jederzeit einschätzen konnten, auf welchem Stand das jeweilige Kind ist. Sobald sich die Kinder im Wasser sicherer fühlen, erhalten sie ein gelbes Band. Damit ist klar: Sie können im Wasser schweben – fast wie ein Astronaut. Kinder mit einem grünen Band können sich im Wasser schon gut fortbewegen. Blau steht für die Kinder, die sich im Wasser bereits richtig sicher fühlen. „Es waren Kinder dabei, die durch ihre Fluchterfahrung Angst vor dem Wasser hatten, andere konnten schon schwimmen, wieder andere mussten erst lernen, ihre eigenen Fähigkeiten richtig einzuschätzen und sich nicht selbst zu überschätzen“, erzählt Boris Reichenbach, Leiter des städtischen Amts für Schule und Bildung. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitenden koordinierte er das Pilot-Projekt. „Umso schöner war die Beobachtung am Ende einer Woche: Plötzlich standen Kinder aus der ängstlichen Gruppe kurz vor dem Seepferdchen. Und Kinder, die am ersten Tag noch gar nicht ins Wasser wollten, standen am fünften Tag dank der guten Arbeit der Studierenden und der individuellen Betreuung lachend im Becken.“ 

Erste Zahlen belegen Erfolg

Die Motorik-Modul-Studie (MoMo) ermittelte für den Erhebungszeitraum 2018 bis 2020, dass bundesweit 22 Prozent der Grundschulkinder im Alter von fünf bis zehn Jahren überhaupt nicht schwimmen können. In der Teilstichprobe der sieben- bis achtjährigen Kinder, dem Alterssegment der zweiten Klassen, steigt dieser Nichtschwimmeranteil laut MoMo sogar auf rund 30 Prozent. 

Die aktuell erzielten Werte der „Kasseler WELLE“ liegen, trotz des sehr jungen Alters der teilnehmenden Kinder, deutlich über den bundesweiten Referenzdaten. „Bereits 85,2 Prozent der getesteten Kasseler Zweitklässlerinnen und Zweitklässler konnten am Ende ihrer Wassergewöhnungswoche sicher untertauchen und verfügen somit über eine grundlegende Wasservertrautheit. 44 Prozent der Kinder beherrschten nach unseren Kursen das stabile Schweben in Bauch- und Rückenlage, während 30,7 Prozent sich in beiden Lagen eigenständig fortbewegen“, erläutert Dr. Sebastian Fischer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Kassel. Über 50 Sportstudentinnen und Sportstudenten lernten unter seiner Anleitung in einer eigens für die „Kasseler WELLE“ konzipierten Lehrveranstaltung die Vermittlung und Diagnostik von Schwimmkompetenzen. 

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich eine frühzeitige, systematische Diagnostik lohnt, weil sie häufig offenlegt, dass bei vielen Kindern bereits zentrale Grundlagen der schwimmerischen Grundbildung vorhanden sind und anschließend gezielt weiterentwickelt werden können. Durch die Auswertung der spielerischen Tests konnten die Studierenden und unterstützenden Lehrkräfte aus den Kasseler Grundschulen schon am zweiten Tag der Wasserwoche Aufgaben passgenau auf jedes Kind abstimmen. Die höhenverstellbaren Unterwasserplattformen des Auebads erlaubten es zudem, die Wassertiefe flexibel an die Bedürfnisse der Lernenden anzupassen. 

„Die wissenschaftliche Evaluation setzen wir jetzt fort, um die Entwicklung innerhalb der Woche zu diagnostizieren sowie deren Nachhaltigkeit der erreichten Lernfortschritte zu überprüfen und das Modell für eine flächendeckende Anwendung weiterzuentwickeln. Dazu werden tausende Datensätze nach verschiedenen Kriterien ausgewertet“, so Fischer weiter.

„Kasseler WELLE“ erregt bundesweit Interesse

Während der drei Wochen waren immer wieder Profischwimmerinnen und -schwimmer sowie Fachleute zu Besuch, um sich das deutschlandweit einmalige Projekt anzuschauen. Auch der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) ist von der „Kasseler WELLE“ beeindruckt und sieht in dem Projekt eine bundesweite Vorreiterrolle, das in ganz Deutschland umgesetzt werden sollte. „Die Kasseler Welle ist ein fantastisches Projekt. Es ist außerordentlich gut durchdacht, mit fachlicher Kompetenz seitens der Universität und der Stadtverwaltung. Und man bemerkt neben der nötigen politischen Unterstützung die Detailliebe und den Willen, das so gut zu machen, wie es nur geht. Das gilt für so viele Beteiligte, die ich im Wasser und am Beckenrand gesehen habe. Wir werden nun gemeinsam überlegen, wie wir daraus eine ‚neue deutsche Welle‘ entstehen lassen, fußend auf der Kasseler Welle. Da sehe ich eine Menge an Potenzial, wenn man neben denjenigen, die sich hier zusammengefunden haben, an anderen Orten noch mehr engagierte und kluge Leute findet“, ist Jan Pommer, Vorstandsvorsitzender des DSV, überzeugt.

Fortsetzung in den Herbstferien

Nachdem die erste Säule „Kasseler WELLE – Wasser Erleben Lernen, Leben Erhalten“ für 2026 abgeschlossen ist, beginnt in den Herbstferien die zweite Säule „Kasseler WELLE – Gemeinsam sicher Schwimmen“. 

 

Pressekontakt:

Sebastian Mense
Universität Kassel
Kommunikation und Marketing 
Tel.: +49 561 804-1961
E-Mail: presse[at]uni-kassel[dot]de
www.uni-kassel.de