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03.08.2026 | Pressemitteilung

Biomasse reicht nicht aus, um fossile Rohstoffe zu ersetzen

Setzen sich die heutigen Verbrauchstrends fort, reicht die nachhaltig verfügbare Biomasse nicht aus, um fossile und andere nicht erneuerbare Ressourcen vollständig zu ersetzen. Das zeigt eine neue Studie von Forschenden der Universität Kassel. Sie zeigt außerdem, dass die ökologischen Fußabdrücke der deutschen Bioökonomie die berechneten Richtwerte für eine global sichere und gerechte Ressourcennutzung deutlich überschreiten. Die Forschung entwickelt verschiedene Vergleichsmaßstäbe, um den Ressourcenverbrauch Deutschlands im Verhältnis zu globalen Belastungsgrenzen, zum weltweiten durchschnittlichen Ressourcenverbrauch sowie zu nachhaltigen nationalen Versorgungskapazitäten einzuordnen.

Natürliche Ressourcen sind eine wichtige Grundlage der Bioökonomie – ihre nachhaltig verfügbare Menge ist jedoch begrenzt.Bild: Dr. Meghan Beck-O'Brien
Natürliche Ressourcen sind eine wichtige Grundlage der Bioökonomie – ihre nachhaltig verfügbare Menge ist jedoch begrenzt.

Die Bioökonomie verfolgt das Ziel, fossile Rohstoffe schrittweise durch biologische Ressourcen zu ersetzen. „Unsere Studie stellt die Frage: Wie viel ist zu viel? Eine nachhaltige Bioökonomie kann nur gelingen, wenn wir auch berücksichtigen, wie viel wir in Deutschland verbrauchen und wie viel ökologisch sicher und sozial gerecht verfügbar ist“, erklärt Dr. Meghan Beck-O’Brien vom KIS. 

Vergleich von fünf ökologischen Fußabdrücken
Als einen der entwickelten Vergleichsmaßstäbe verglich das Forschungsteam die ökologischen Fußabdrücke der deutschen Bioökonomie mit global sicheren und gerechten Richtwerten für fünf Umweltkategorien: Ackerlandnutzung, nachhaltige Holzernte, Biomasseproduktion, Wasserverbrauch und Treibhausgasemissionen. 

Alle fünf untersuchten ökologischen Fußabdrücke der deutschen Bioökonomie liegen oberhalb des definierten Rahmens für eine global sichere und gerechte Ressourcennutzung. Konkret überschreiten die deutschen Fußabdrücke die geschätzte untere Grenze des Bereichs um das 1,6- bis 4,2-Fache. Auch die obere Grenze wird laut den Berechnungen um das 0,9- bis 3-Fache überschritten. Deutschland weist damit ein überdurchschnittlich hohes Verbrauchsniveau auf.

Vorschlag für ein regelmäßiges Monitoring 
Deshalb empfehlen die Forschenden ein regelmäßiges Monitoring, das den direkten und indirekten Ressourcenverbrauch Deutschlands sowie die nachhaltig verfügbaren Ressourcen erfasst. Die Daten sollen politische Entscheidungen unterstützen und den gesellschaftlichen Diskurs darüber stärken, was nachhaltiger Konsum bedeutet.

Über das Projekt SYMOBIO:
Die Studie entstand am Kassel Institute for Sustainability (KIS) im Verbundprojekt SYMOBIO (Systemisches Monitoring und Modellierung der Bioökonomie). Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Verbundprojekt vereint acht Partnerorganisationen unter der Koordination der Universität Kassel. Weitere Informationen zum Projekt: www.monitoring-biooekonomie.de 

Die PublikationQuantifying overconsumption: Deriving safe and equitable benchmarks to evaluate the environmental footprints of Germany's bioeconomy” ist im Fachjournal Sustainable Production and Consumption frei zugänglich: https://doi.org/10.1016/j.spc.2026.05.009 

 

Kontakt: 
Dr. Meghan Beck-O'Brien
Kassel Institute for Sustainability
Universität Kassel
E-Mail: meghan.beck-obrien[at]uni-kassel[dot]de

 

Was bedeutet das zusammengefasst?

  • Setzen sich die heutigen Verbrauchstrends fort, reicht die nachhaltig verfügbare Biomasse nicht aus, um fossile und andere nicht erneuerbare Ressourcen vollständig zu ersetzen.
  • Deutschlands ökologische Fußabdrücke der Bioökonomie überschreiten in allen untersuchten Bereichen die berechneten global sicheren und gerechten Richtwerte. 
  • Die Forschenden empfehlen ein regelmäßiges Monitoring, um Deutschlands direkten und indirekten Ressourcenverbrauch im Verhältnis zu nachhaltig verfügbaren Ressourcen transparent zu bewerten und politische Entscheidungen zu unterstützen.