Mehr als Effizienz: KI erfüllt soziale und spielerische Bedürfnisse im Beruf
Bild: Sonja Rode. Bisher untersuchte die Forschung meist nur, wie häufig KI zum Einsatz kommt oder wie Anweisungen, sogenannte Prompts, formuliert werden. Ein Team um die Kasseler Wirtschaftspsychologin Prof. Dr. Sandra Ohly hat nun das wissenschaftliche Messinstrument „WHAI-w“ (Why Humans Use GenAI at Work) entwickelt und an zwei deutschen Stichproben validiert. Der neunteilige Fragenkatalog erfasst gezielt die psychologischen Beweggründe hinter der KI-Nutzung und liefert Führungskräften wie Personalverantwortlichen konkrete Ansatzpunkte für die Praxis.
Drei Gründe treiben den KI-Einsatz an
Für die Studie befragte das Team Beschäftigte in Deutschland, die wöchentlich mit generativer KI arbeiten. Die Auswertung belegt drei zentrale Motive. Zum einen nutzen Beschäftigte KI ganz pragmatisch, um Aufgaben schneller zu erledigen und Probleme effizient zu lösen. Zum anderen hilft die Technologie im Miteinander. Viele Beschäftigte nutzen KI, um Texte feinfühliger zu formulieren, Missverständnisse in Mails zu vermeiden und die Kommunikation im Team zu verbessern. Schließlich spielt auch die Freude am Ausprobieren eine große Rolle. Der spielerische Umgang mit KI weckt die Neugier und bringt Abwechslung in den Büroalltag.
Spielraum und Kommunikation steigern die Motivation
Wird KI als Hilfe für die tägliche Kommunikation genutzt, greifen Beschäftigte im Alltag deutlich häufiger und dauerhafter darauf zurück. Das gilt ganz unabhängig davon, wie ausgeprägt die eigenen KI-Kenntnisse sind. Während der reine Wunsch nach mehr Tempo im Arbeitsalltag stark schwankt, bleiben der Wunsch nach besserer Zusammenarbeit über Monate hinweg stabil. Zudem hängen alle drei Beweggründe mit höherer Motivation und Engagement bei der Arbeit zusammen.
„Wer KI in Unternehmen nur als Mittel zur Leistungssteigerung versteht, übersieht ihr größtes Potenzial“, erklärt Ohly. „Wenn Beschäftigte KI nutzen, um besser zu kommunizieren, greifen sie lieber darauf zurück. Dies kann zu spürbaren Verbesserungen im Team führen.“
Über die Studie:
Neben Ohly waren auch die Kasseler Wissenschaftlerin Katharina Neufeld sowie Forschende der Universität Mainz und des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung beteiligt. Die Untersuchung basiert auf Befragungen deutscher Beschäftigter (N = 355 und N = 162). Das entwickelte Messverfahren wies in den Analysen eine hohe Verlässlichkeit und Aussagekraft auf.
Link zur Veröffentlichung: https://psycnet.apa.org/fulltext/2028-32442-001.html
Kontakt:
Prof. Dr. Sandra Ohly
Fachgebiet Wirtschaftspsychologie
E-Mail: ohly[at]uni-kassel[dot]de
Was bedeutet das zusammengefasst?
- Neben Effizienz nutzen Beschäftigte generative KI im Beruf vor allem für bessere Teamkommunikation und spielerisches Ausprobieren.
- Das von der Uni Kassel entwickelte Tool „WHAI-w“ erfasst erstmals gezielt die psychologischen Motive hinter der KI-Nutzung.
- Soziale Aspekte und Experimentierfreude verankern KI dauerhaft im Berufsalltag und steigern das Arbeitsengagement.