Ringvorlesung Rohstoffwelten | Doreen Mende: Relationales Kapital? Über den Werttransfer von Rohstoff zur Kunst

Achtung: Neuer Ort
Dr. Doreen Mende, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Der Vortrag geht von dem Forschungsvorhaben min(d)ing: das relationale Kapital an den Staatlichen Kunstsammlungen aus. Damit ist geplant, historische Bestände naturwissenschaftlich auf ihre Materialprovenienz hin zu untersuchen und entlang ihrer Zirkulation globalhistorisch einzuordnen. So soll ein Archiv von Methoden entstehen, das den Werttransfer vom Rohstoff zum Kulturobjekt für die Gegenwart lesbar macht. Silber, Gold und Kupfer prägten Sachsen in der Frühen Neuzeit als Teil weltweiter Zirkulationen. Heute steht Lithium im Zentrum von Begehren, die von Globalität bis Souveränität reichen. Welchen Kulturwert seine Allokation jedoch tragen kann, bleibt eine offene und kritische Frage, der die Beteiligten erst gemeinsam nachgehen. Anhand künstlerischer Werke von Harun Farocki, Goldin+Senneby, Natascha Sadr Haghighian, Su Yu Hsin, u. a. widmet sich der Beitrag Formen der Umwandlung von Rohstoff in Artefakt. Ein besonderer Fokus liegt auf Infrastrukturen des Ausstellens und der Rolle des Museums als Technologie der Moderne. Mit Dagmar Schäfers Konzept des „life cycle“ eines Objekts bezieht das Projekt die geologische Zeit in den Erkenntnisgewinn der musealen Arbeit ein. Zur Diskussion steht eine Geomacht des Ausstellens, die das Verhältnis von Natur und Kultur grundlegend bestimmt. Lässt sich das, was Institutionen dabei akkumulieren, als Kapital aus Beziehungen lesen, und wem wäre es geschuldet?
Doreen Mende leitet die Abteilung „Forschung“ der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) mit Schwerpunkten in Provenienzforschung, Naturwissenschaft und Kuratorik. Von 2015-25 war sie Professorin an der HEAD Genève mit Leitung des CCC Research Master / PhD Forum und verantwortete „Entangled Internationalism“ (2019-24, SNFS). Sie ist an der Universität Basel und dem Graduate Institute in Genf weiterhin forschend affiliiert, in 2026 zudem verschiedene Forschungsaufenthalte in Ghana, Schweden und Singapur. Zu ihren Ausstellungen zählen „The Missed Seminar“ (2022/23) mit Steve McQueen, „Forensic Architecture: Der deutsch-koloniale Genozid in Namibia“ (2024) und „Candida Höfer: Contexts“ (2024). Sie veröffentlichte u. a. „Navigation Beyond Vision“ (mit Tom Holert, 2022) und „Stannaki Forum“ (2024). Mende promovierte zur Geopolitik des Ausstellens am Goldsmiths, University of London. 2015 gründete sie mit anderen das Harun Farocki Institut in Berlin.
Ringvorlesung des Käte Hamburger Kollegs: Rohstoffwelten | Konturen der Zukunft
Die Welt ist aus den Fugen. Internationale Auseinandersetzungen drehen sich immer häufiger um Rohstoffe. In Teilen der Welt beobachten wir einen massiven Ausbau regenerativer Energien,anderenorts wird verstärkt auf Öl und Gas gesetzt. Dies sind Facetten eines gewaltigen Umbruchs, den wir in seiner ganzen Größe noch zu wenig wahrnehmen: Wir stehen am Anfang eines postfossilen Rohstoffzeitalters.Dieser fordert Bereiche wie Wirtschaft, Politik, Technik- und Stadtentwicklung, Mobilität oder Landwirtschaft heraus. Es wird neue Gewinner und Verlierer geben, Ablehnungskulturen werden stärker, Unsicherheit, Demokratieverdrossenheit und Zukunftsangst wachsen. Gleichzeitig sprießen Ideen und Innovationen.Das Käte-Hamburger Kolleg Rohstoffwelten: Kulturen im Umbruch der Universität Kassel wird in Vorträgen von ausgewählten Expertinnen und Experten das gesamte Bild des Umbruchs in den Blick nehmen. Wir identifizieren Probleme und diskutieren, wie wir die Herausforderungen von heute für die Welt von morgen gemeinsam meistern.
In Kooperation mit: SDG+ Lab, Staatstheater Kassel
Gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt