Gesundheit lernen!? Gesundheitsförderung aus pädagogischer Perspektive

In der Veranstaltung „Gesundheit lernen!? Gesundheitsförderung aus pädagogischer Perspektive“, referiert von Dr. Katharina Pöppel, stand die Frage im Mittelpunkt, wie Gesundheit aus pädagogischer Perspektive verstanden und gefördert werden kann. Deutlich wurde, dass Gesundheitsförderung über die reine Vermittlung von Informationen hinausgeht. Entscheidend ist, wie Lernprozesse gestaltet werden, damit Menschen befähigt werden, gesundheitsbezogene Entscheidungen selbstbestimmt und reflektiert zu treffen.

Zu Beginn wurde die gesellschaftliche Bedeutung von Gesundheit und Bewegung eingeordnet. Anhand aktueller Daten zum Bewegungsverhalten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zeigte sich, dass ein großer Teil der Bevölkerung die empfohlenen Bewegungsumfänge nicht erreicht. Gleichzeitig wurde herausgestellt, dass Gesundheit nicht eindeutig definiert ist, sondern im Sinne eines biopsychosozialen Verständnisses betrachtet werden kann, in dem körperliche, psychische und soziale Faktoren zusammenwirken.

Ein zentraler Schwerpunkt lag auf dem Konzept der Gesundheitskompetenz (Health Literacy) sowie der sportbezogenen Gesundheitskompetenz. Dabei wurde deutlich, dass Gesundheitskompetenz die Fähigkeit umfasst, gesundheitsbezogene Informationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und für das eigene Handeln zu nutzen. Wissen allein führt dabei selten zu gesundheitsförderlichem Verhalten. Insbesondere bei jungen Zielgruppen spielen Motivation, Selbstwirksamkeit, soziale Einbindung und die Passung zu ihren Lebenswelten eine entscheidende Rolle. Pädagogische Settings stehen hier vor der Herausforderung, Health Literacy systematisch aufzubauen und gleichzeitig unterschiedliche Ausgangslagen mitzudenken.

Darauf aufbauend wurden didaktische Prinzipien für eine wirksame Gesundheitsförderung herausgearbeitet. Lernprozesse sollten nicht belehrend angelegt sein, sondern Mitbestimmung, Individualisierung und wertschätzende Beziehungen ermöglichen. Anhand von Beispielen aus Forschung und Praxis wurde gezeigt, wie ganzheitliche Bewegungsförderung gelingen kann, wenn qualitative Bewegungserfahrungen, Reflexion und eine langfristige Begleitung zusammengedacht werden. Gleichzeitig wurde betont, dass die Förderung von Health Literacy eine kontinuierliche Qualifizierung der Anleitenden erfordert und stets an die jeweilige Zielgruppe angepasst sein sollte.

 

Take Home Message:
Wirksame Gesundheitsförderung entsteht dort, wo pädagogische Lernprozesse Menschen dazu befähigen, ihre Gesundheit eigenverantwortlich, reflektiert und im Einklang mit ihren Lebensbedingungen zu gestalten. Wissen ist dafür notwendig, wird aber erst durch passende und unterstützende Lernumgebungen handlungswirksam.