Mehr Bewegung, weniger Gewicht? – Chancen und Grenzen der Bewegungstherapie bei Adipositas

Die Veranstaltung „Mehr Bewegung, weniger Gewicht? – Chancen und Grenzen der Bewegungstherapie bei Adipositas“ widmete sich der Frage, welche Rolle körperliche Aktivität im Umgang mit Adipositas spielen kann und wo ihre Grenzen liegen. Ausgehend von aktuellen Erkenntnissen der Adipositasforschung wurde das Krankheitsbild als komplexes und langfristiges Geschehen eingeordnet, das nicht durch einfache oder kurzfristige Maßnahmen zu bewältigen ist.

Dr. Claudia Braun machte deutlich, dass Adipositas nicht ausschließlich auf individuelles Fehlverhalten zurückzuführen ist, sondern dass sehr unterschiedliche Faktoren ursächlich sein können. Zu Beginn wurden grundlegende Zusammenhänge zur Funktion von Fettgewebe im menschlichen Körper sowie zu gesundheitlichen Risiken einer langfristig erhöhten Fettmasse erläutert. Vor diesem Hintergrund wurde nachvollziehbar, warum stark vereinfachte Lösungsansätze und mediale Erfolgsnarrative, etwa aus bekannten Showformaten, keinen nachhaltigen Umgang mit Adipositas ermöglichen und häufig an der Komplexität der Erkrankung vorbeigehen.

Im Zentrum der Veranstaltung stand die Einordnung wissenschaftlicher Befunde zur Wirkung von Bewegung bei Adipositas. Dr. Claudia Braun zeigte auf, dass körperliche Aktivität für sich genommen meist nicht ausreicht, um eine deutliche und dauerhafte Gewichtsreduktion zu erzielen. Nachhaltige Effekte ergeben sich vielmehr aus der Kombination von Bewegung und einer moderaten, langfristig umsetzbaren Ernährungsreduktion, die gemeinsam ein Kaloriendefizit ermöglichen. Bewegung übernimmt dabei eine zentrale Funktion, um dieses Defizit zu stabilisieren und gesundheitliche Effekte unabhängig vom reinen Gewichtsverlust zu fördern.

Auf dieser Grundlage rückte die Gestaltung von Bewegungsangeboten in den Fokus. Entscheidend sind realistische Zielsetzungen, die Vermeidung von Überforderung und die Orientierung an den individuellen Voraussetzungen der Teilnehmenden. Nachhaltige Bewegungstherapie wurde nicht als kurzfristige Maßnahme oder Diät verstanden, sondern als langfristiger Prozess, der Freude an Bewegung fördert und zur Stabilisierung gesundheitsbezogener Verhaltensweisen beiträgt.

 

Take Home Message:
Nachhaltige Effekte im Umgang mit Adipositas entstehen durch das Zusammenspiel von körperlicher Aktivität und langfristig tragfähiger Ernährungsreduktion. Bewegung entfaltet ihren größten Wert, wenn sie realistisch gestaltet ist, Überforderung vermeidet und dauerhaft in den Alltag integriert werden kann.