Teil­pro­jek­te

Das soziologische Teilvorhaben greift insbesondere auf die Forschungsrichtung der Soziologie der Konventionen zurück. Diese betont, dass monetäre Wertgesichtspunkte nicht die einzigen Maßstäbe zur Wertvermittlung sind; vielmehr geht es im Rahmen komplexer gesellschaftlicher Zusammenhänge stets um die Koordination und Vermittlung einer Pluralität von Wertgesichtspunkten. Das Teilprojekt verfolgt mit diesem soziologischen Ansatz das Ziel, durch interdisziplinäre Kooperation mit den Verbundpartnern aus dem Feld der Wirtschaftsinformatik und Informatik, aber auch durch Rückgriff auf Expertise der Praxispartner die sozialen, technischen und ökonomischen Konstellationen der Wertvermittlung in den Blick zu nehmen. Dabei leistet das soziologische Teilprojekt für jeden der drei Ansätze zur Ko-Valuation einen zentralen Beitrag: So wird die Perspektive der Soziologie der Konventionen zur Erforschung der Potenziale und Grenzen des Verrechnungsansatzes, zur Erforschung von Wertkonflikten und deren Auflösung bei der Umsetzung des Designansatzes und zur Förderung von kritischen Kompetenzen von Verbraucher*innen zur Bewertung und fairen Vermittlung von Wertkonflikten im Rahmen des Kultivierungsansatzes herangezogen.

Das Teilvorhaben in der Gruppe Gender/Diversity in Informatiksystemen nimmt insbesondere die Design-Ebene in den Blick. Diese untersucht, inwiefern durch Einsatz von ökonomischer Organisations- und Gestaltungsmacht mit technischen Mitteln der Trennung und Verkopplung eine faire Koexistenz verschiedener Wertordnungen realisiert werden kann. Hierzu werden die Potenziale von IT-basierten Werkzeugen erforscht, welche bei der Entwicklung fairer digitaler Dienste unterstützend sein können. Fairness und demokratische Werteorientierung im Kontext digitaler Dienste berühren nicht nur Fragen der Vermittlung und der Regulation, sondern sie stellen auch eine Herausforderung für die Informationstechnik-Gestaltung selbst dar. In der Informatik gibt es verschiedene Gestaltungsverfahren, die dezidiert werteorientierte Entwicklung zum Ziel haben oder, für die, wie beim partizipativen Design, eine Demokratisierung von digitalen Artefakten und ein Empowerment von Nutzer*innen grundlegend sind. Ziel des Teilvorhabens ist es, an diese Gestaltungsrichtungen anzuknüpfen und sie für den Gegenstand des Gesamtvorhabens nutzbar und anwendbar zu machen. D.h. vorhandene Methoden der partizipativen IT-Entwicklung müssen im Hinblick auf faire Geschäftsmodelle aktualisiert, sowie vorhandene IT-Werkzeuge geprüft und ggf. weiterentwickelt werden. Der besondere Fokus des Teilvorhabens liegt auf dem Umschlagplatz technischer Entwicklung und gesellschaftlicher, normativer Werte.

Unternehmen, die digitale Produkte oder Dienstleistungen vermarkten, stehen oft vor dem Dilemma, dass ihr Interesse an Kundendaten dem Wunsch der Kundinnen und Kunden nach Privatheit entgegensteht. Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher reagieren sensibel, wenn sie zu viele Daten preisgeben sollen. Hier werden neue Ansätze benötigt, die dies bei der Geschäftsmodellentwicklung berücksichtigen und einen fairen Kompromiss für beide Seiten bieten. In dem Projekt wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt, der sowohl soziologische als auch (wirtschafts-)informatische Aspekte beinhaltet. Es werden faire Geschäftsmodelle untersucht, die auf Kooperation und Wertevermittlung zielen. Hierzu gilt es u.a. zu prüfen, inwiefern mittels Social Media- oder Plattformarchitekturen durch die Auslagerung von Wertkonflikten und damit verbundenen Bewertungsfragen eine Kultur der Fairness ökonomisch befördert werden kann. Zur Unterstützung dieses Ansatzes wird das Fachgebiet Wissensverarbeitung basierend auf der mathematischen Ordnungstheorie ein Paradigma zur Visualisierung von Wertkonflikten entwickeln.

Das Teilvorhaben des Instituts für Digitales Management und Neue Medien bringt die betriebswirtschaftliche Perspektive in das Verbundvorhaben ein. Die aufgeworfenen Fragestellungen und betrieblichen Herausforderungen werden hierbei primär aus einer Unternehmenssicht heraus beleuchtet. Etablierte Formen des Wertausgleichs zwischen Unternehmen und Konsumenten, die sich über Jahrzehnte hinweg stabilisiert haben, scheinen nicht ohne Weiteres auf die Datenökonomie übertragbar und fordern somit eine Anpassung an die Besonderheiten des digitalen Raums. Dieser ist von einer Vielzahl von miteinander verknüpften Akteuren und sich ständig wandelnder Umgebungsbedingungen gekennzeichnet. Dabei stehen insbesondere Fragen nach fairen digitalen Geschäftsmodellen und den damit verbundenen Erlösmodellen im Vordergrund, die sowohl forschungsseitig als auch im engen Austausch mit den Praxispartnern erörtert werden. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit solcher Modelle stellt eine zentrale Anforderung dar, um eine faire Datenökonomie auch unternehmerisch attraktiv gestalten zu können. Hierbei drängt sich die Frage auf, ob faires Handeln auch strategische Vorteile für Unternehmen mit sich bringen kann.