Di­dak­ti­scher An­satz

Das Projektstudium Solarcampus wird jedes Semester für Studierende der Fachbereiche 15 (Thermische Energietechnik) und 07 (Wirtschaftswissenschaften) angeboten. Als praxisnah ausgerichtete Veranstaltung gibt es TeilnehmerInnen die Möglichkeit, ihr erlerntes Wissen im "geschützten Umfeld" der Universität praktisch anzuwenden.

Anders als in klassischen Lehrveranstaltungen agieren die Studierenden im Stile eines Ingenieurbüros. Dies erfordert ein hohes Maß an Eigeninitiative und Selbstorganisation. So eignen sich die TeilnehmerInnen nicht nur aufgabenspezifisches Fachwissen an, sondern erlernen auch typische Abläufe und Fähigkeiten, die vielfach in ihrem zukünftigen Berufsleben vorausgesetzt werden.

In aller Regel lassen sich die zu bearbeiteten Fragestellungen nicht in einem Semester abschließend beantworten, weshalb mehrere Studierendengenerationen in den Bearbeitungsprozess eingebunden werden. Um die inhaltliche Kontinuität zu gewährleisten und Informationsverluste zwischen den Semestergruppen zu verhindern, ist für Solarcampus ein abgestimmtes Ablaufschema entwickelt worden:

Der nahtlose Übergang zwischen TeilnehmerInnen aufeinanderfolgender Semester erfolgt im Rahmen einer Übergabeveranstaltung, die jeweils zu Beginn eines Semesters stattfindet. In dieser präsentieren die Arbeitsgruppen des vorangegangenen Semesters neben ihren Ergebnissen auch einen Überblick der noch zu beantworteten Fragestellungen. Zudem geben sie wichtiges Detailwissen an die nachfolgenden Studierenden weiter. Die Übergabeveranstaltung ist je nach Semesterperspektive sowohl Abschluss- als auch Auftaktveranstaltung.

Trotz der geforderten Selbstständigkeit sind regelmäßige Projekttreffen mit den Lehrenden wichtig für den Bearbeitungserfolg. Allerdings agieren die Lehrenden eher als Diskussionspartner und Berater, die unterstützend tätig sind und nur steuernd eingreifen, wenn es nötig ist. Ein wesentlicher Bestandteil des Lehrkonzeptes ist zudem die intensive Betreuung mit dem Schwerpunkt "Projektmanagement" durch einen professionellen Trainer. In intensiven Kleingruppentreffen tauschen die Studierenden während des Semesters ihre Erfahrungen im Projekt und als Team mit dem Trainer aus. So lassen sich eventuell auftretende Probleme schnell angehen und inhaltliche Wünsche der Studierenden berücksichtigen.

Erfahrungsgemäß nehmen zwischen 10 und 20 Studierende pro Semester an der seit dem WS 05/06 angebotenen Lehrveranstaltung teil. Dabei können zwischen zwei und sechs Credit Points erworben werden - je nach individuell festgelegtem Arbeits- und Zeitaufwand (30 Stunden = 1 CP). Der Arbeitsaufwand wird wie in einem Ingenieurbüro durch Stundenzettel dokumentiert. Die von den Studierenden zu erbringende Prüfungsleistung umfasst die aktive Teilnahme and Gruppentreffen, Vorträge während des Semesters, die Erstellung eines Abschlussberichtes sowie die Ergebnispräsentation vor dem Auftraggeber und die Übergabe an nachfolgende Semestergruppen. Im Projektstudium Solarcampus haben die Studierenden die Möglichkeit, sich und ihre Leistung im Kontext der Gruppe selbst einzuschätzen und realistische Notenvorschläge abzugeben. Diese stimmen meist erstaunlich gut mit den final von den Lehrenden vergebenen Einzelnoten überein.

Die Interdisziplinarität der Veranstaltung bringt verschiedene Kompetenzen zusammen. Studierende aus den Master-Studiengängen Maschinenbau, Regenerative Energien, Nachhaltiges Wirtschaften sowie Wirtschafts- und Ingenieurwesen arbeiten gemeinsam in Kleingruppen (i.d.R. 3 bis 4 pro Semester) an den Aufgabestellungen. Neben technisch-ausgerichteten Projektteams, gibt es auch eher wirtschaftlich-orientierte Arbeitsgruppen, die sich mit der Finanzierung und Umsetzung von identifizierten Maßnahmen, verhaltensökonomischen Untersuchungen und der Erstellung von Klimabilanzen befassen. Durch den Fokus auf Energieeffizienz leistet das Projektstudium Solarcampus zudem einen Beitrag für die nachhaltige Entwicklung und zum Klimaschutz in der Region.