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03.07.2026 | Pressemitteilung

Nachhaltiges Lernen statt „Bulimielernen“: DFG verlängert erfolgreiche Forschungsgruppe

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die bundesweite Forschungsgruppe „Lasting Learning“ für eine weitere Phase bis 2030. Die Universität Kassel ist in der zweiten Förderphase mit insgesamt drei Teilprojekten maßgeblich an dem Verbund beteiligt. Im Fokus steht die Frage, wie Schulwissen langfristig im Gedächtnis verankert werden kann. Die Forschungsgruppe setzt dabei auf sogenannte „wünschenswerte Erschwernisse“ beim Lernen. In der zweiten Förderphase wird nun untersucht, wie wirksam diese Methoden im echten Schulalltag sind.

Prof. Dr. Ralf RummerBild: Uni Kassel.
Prof. Dr. Ralf Rummer

Viele kennen das Phänomen aus der eigenen Schul- oder Studienzeit: Kurz vor der Prüfung wird intensiv gelernt, meist indem der Lernstoff immer wieder durchgelesen wird, doch kurz danach ist ein Großteil des Wissens wieder vergessen – ein als „Bulimielernen“ bekanntes Verhalten. Wie es anders geht und welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Lernen dauerhaftes und flexibel einsetzbares Wissen zur Folge hat, erforscht die Forschungsgruppe bereits seit 2022 unter der Sprecherschaft des Würzburger Psychologen Prof. Dr. Tobias Richter.

Erfolg für die Kasseler Lehr-/Lernforschung

Die erneute Zusage der DFG wird auch im Präsidium der Universität Kassel positiv aufgenommen. „Dass die Universität Kassel gleich mit drei Teilprojekten in diesem bundesweiten Verbund vertreten ist, bestätigt die Kontinuität und Qualität unserer empirischen Bildungsforschung“, erklärt Prof. Dr. Michael Wachendorf, Vizepräsident für Forschung. „Die Weiterförderung ermöglicht es den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, ihre erfolgreiche Arbeit langfristig fortzusetzen und wichtige Impulse für die Gestaltung künftiger Lehr-Lernszenarien zu liefern.“

Koordiniert wird die Zusammenarbeit vor Ort von Prof. Dr. Ralf Rummer, Leiter des Fachgebiets Allgemeine Psychologie. „Wir freuen uns sehr über das erneute Vertrauen der DFG. Die vergangenen vier Jahre haben gezeigt, wie fruchtbar die interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Fachdisziplinen an unserem Standort ist. Und natürlich war die Durchführung unserer Untersuchungen nur durch die Mitarbeit der regionalen Schullandschaft möglich“, so Rummer.

Die kognitiven Grundlagen: Drei „Erschwernisse“ für den Lernerfolg

In der ersten Förderphase untersuchte das Konsortium primär die Effekte von drei sogenannten „wünschenswerten Erschwernissen“: das verteilte Lernen (Übungen aufgeteilt auf mehrere Phasen statt Pauken am Stück), das verschachtelte Lernen (Inhalte abwechselnd statt in starren Blöcken) sowie das Training des Abrufs (wiederholte Abfragen während der Lernphase).

Kassel brachte sich hier bereits mit einem Teilprojekt ein, das untersuchte, inwieweit sich der aktive Abruf des Lernstoffs während der Lernphase (sog. Abrufübung) sich auf das Lernen mit Texten auswirkt. Es zeigte sich ein sogenannter Testungseffekt: Die Lernleistung war besser, wenn eine solche Abrufübung stattfand, als wenn der Text lediglich wiederholt gelesen wurde. In den letzten Jahren wurde vermehrt diskutiert, ob diese Methode auch bei komplexen Lernmaterialien wirksam ist. Die in Kassel und Erfurt durchgeführte Forschung belegt nun, dass dies der Fall ist.

Die erste Förderphase hat somit gezeigt, dass die untersuchten wünschenswerten Erschwernisse nachhaltiges Lernen wirksam unterstützen können – insbesondere dann, wenn sie mit verständnisfördernden Lernformen kombiniert werden. In der zweiten Phase geht es nun an die Vertiefung: „Nachdem wir in den ersten vier Jahren die grundlegenden Mechanismen nachhaltigen Lernens untersucht haben, wollen wir nun die kognitiven Prozesse, die den einzelnen wünschenswerten Erschwernissen zugrunde liegen, genauer verstehen“, erklärt Rummer. „Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem selbstregulierten Lernen und der Frage, wie Lernende nachhaltige Strategien eigenständig entwickeln, anwenden und mit anderen Ansätzen kombinieren. Zudem geht es um die stärkere Einbettung dieser Methoden in reale Unterrichtssituationen.“

Fächerübergreifender Ansatz

In allen Teilprojekten sind experimentelle Studien in verschiedenen Schulformen in den Fächern Biologie, Mathematik, Deutsch und Physik verankert. Dabei arbeiten Forscherinnen und Forscher aus der Psychologie, den Erziehungswissenschaften und verschiedenen Fachdidaktiken eng zusammen.

Neben drei Teilprojekten an der Universität Kassel sowie der koordinierenden Julius-Maximilians-Universität Würzburg sind Forschende der Universitäten Duisburg-Essen, Erfurt, Freiburg, Gießen, München, Münster, Osnabrück, Potsdam sowie Tübingen an weiteren Forschungsprojekten beteiligt.

 

Kontakt:
Prof. Dr. Ralf Rummer
Tel.: +49 561 804-3592
E-Mail : rummer[at]uni-kassel[dot]de

 

Was bedeutet das zusammengefasst?

  • Die bundesweite Forschungsgruppe „Lasting Learning“ wird für eine zweite Phase bis 2030 gefördert.
  • Die Universität Kassel bringt sich in der zweiten Förderperiode mit insgesamt drei Teilprojekten in den Verbund ein.
  • Untersucht wird, wie Schulwissen durch gezielte „wünschenswerte Erschwernisse“ beim Lernen langfristig im Gedächtnis verankert werden kann, statt nur für die nächste Prüfung gelernt zu werden („Bulimielernen“).
  • Nach den kognitiven Grundlagen der ersten Jahre steht in der neuen Förderphase die Wirksamkeit dieser Methoden direkt im realen Unterrichts- und Schulalltag im Mittelpunkt.