Forschungszentrum „Rohstoffwelten - Kulturen im Umbruch“ in Kassel eröffnet
Bild: Uni Kassel.Das neue Forschungszentrum der Universität Kassel begrüßte zugleich die ersten internationalen Gastwissenschaftler/innen, die ab Oktober ihre gemeinsame Forschungsarbeit in Kassel aufnehmen. Im Fokus der ersten Jahre steht die Energiewende. Es wird erforscht, zu welchen tiefgreifenden Veränderungen dieser Umbruch in der Rohstoffnutzung führt, wie sie gewonnen und verarbeitet werden, welche Auswirkungen sie auf Natur und Mensch haben.
Der gegenwärtige Wandel hin zu einer postfossilen Zukunft geht weit über die Frage hinaus, welche Energieträger und Technologien Kohle, Öl und Gas ersetzen werden. Mit dem Austausch von Rohstoffen verschwinden keinesfalls die Strukturen und Ungleichheiten des fossilen Zeitalters. Das Kolleg untersucht, wie neue Rohstoffwelten entstehen: wie sie in Wirtschaft und Politik eingebunden werden, welche gesellschaftlichen Praktiken sich um sie entwickeln und welche Vorstellungen, Narrative und kulturellen Bedeutungen mit ihnen verbunden sind.
Deshalb sind Kunst und Kultur für die Arbeit des Kollegs unverzichtbar. Das Kolleg bringt Perspektiven aus den Geistes- und Sozialwissenschaften mit künstlerischen Formen der Forschung zusammen, um die Transformation von Rohstoffwelten aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu untersuchen. Die Eröffnungsveranstaltung machte diesen interdisziplinären Anspruch unmittelbar erfahrbar: Nach der Begrüßung und einer Vorstellung des Kollegs folgte im Theatersaal eine künstlerische Intervention.
Die ersten sieben internationalen Fellows aus den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie den Künsten forschen bis Juli 2027 gemeinsam in Kassel. Zu ihnen gehören: Kathleen Ditzig (National Gallery Singapore) untersucht die Verbindungen zwischen Erdöl, Philanthropie und Ästhetik in der zeitgenössischen Kunstwelt. Joan Grandjean (Université Rennes 2) beschäftigt sich mit kontrafaktischen und dekolonialen Perspektiven auf die arabische Kunstgeschichte. Rose-Anne Gush (TU Graz) untersucht Europas erste Lithiummine als Schauplatz gegenwärtiger Rohstoffgewinnung und ihrer globalen Verflechtungen. Andrea Angourakis (Ruhr-Universität Bochum) entwickelt computergestützte Modelle historischer Energietransformationen. Robert Frau (TU Bergakademie Freiberg) fragt, welche Bedeutung die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl für das heutige europäische Rohstoffrecht haben kann. Jesús Alejandro García (UC Berkeley) untersucht am Beispiel Kolumbiens, warum Beschäftigte in fossilen Industrien dem Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas Widerstand entgegensetzen. Jeta Mulaj (Toronto Metropolitan University) beschäftigt sich aus philosophischer Perspektive mit dem Verhältnis zwischen Stabilität und Instabilität im Kapitalismus.
Pressekontakt: Nick Houde und Florian Bremer
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