Forschung

Forschungsprojekte

Werkstattarbeit

Studienwerkstätten bieten Räume für forschend-entdeckendes Lernen und Begegnung. Studierende verschiedener Studiengänge können hier eigene Zugänge zu Fachinhalten und didaktischen Fragestellungen sowie zu Lehr-Lern-Materialien und Förderkonzepten finden und kreative Ideen für deren Einsatz, Adaption und Weiterentwicklung erarbeiten. Durch Transferformate entstehen zudem Verbindungen zu außeruniversitären Akteur*innen. So werden Innovationsgedanken in die schulische Praxis getragen – und zugleich fließen Impulse aus der Praxis in die universitäre Lehre zurück. Eine solche Werkstatt an der Universität Kassel ist die Integrierte Studienwerkstatt Sprachen (ISW), deren Profil seit 2025 um die sprachliche Grundbildung erweitert wurde.

Die Werkstattarbeit des Fachgebiets Förderschwerpunkt Lernen mit Schwerpunkt sprachliche Grundbildung ist an der ISW verortet. Die ISW verbindet Erst-, Zweit- und Fremdsprachendidaktik und fokussiert sprachliche Bildung unter Bedingungen von Mehrsprachigkeit. Seit 2025 steht zusätzlich die sprachliche Grundbildung und damit die Förderung sprachlicher Basiskompetenzen im Fokus. Das Angebot der ISW umfasst die Komponenten Lehre, Forschung und Transfer in die Region.

Darüber hinaus bestehen Kooperationen mit der Studien- und Forschungswerkstatt Diversität, Heterogenität und Inklusion (StuDIo) am Fachbereich 01. Der gemeinsame Fokus liegt auf sprachlicher Vielfalt und Vielfalt in Sprache.


Werkstattgespräche mit Mentor Nordhessen

In Kooperation mit dem Verein Mentor Nordhessen e.V. findet an der Integrierten Studienwerkstatt Sprachen (ISW) ein regelmäßiges Transferformat statt, das Theorie und Praxis der Lese- und Rechtschreibförderung eng miteinander verzahnt. Verantwortet wird das Format vom Fachgebiet Förderschwerpunkt Lernen mit Schwerpunkt sprachliche Grundbildung. Durch Kooperationen mit weiteren Mitgliedern des ISW-Direktoriums fließen zusätzlich unterschiedliche fachliche Perspektiven ein.

Etwa einmal im Monat (Informationen zu zukünftigen Terminen und Themenschwerpunkten finden Sie hier) kommen ehrenamtliche Lesementor*innen an die Universität, um sich zu Kindern mit Schwierigkeiten im Lesen und/oder Rechtschreiben auszutauschen. Da sich diese Schwierigkeiten sehr unterschiedlich äußern und in ganz verschiedene Bedingungsgefüge eingebettet sein können, steht die gemeinsame Fallarbeit zu individuellen Förderansätzen im Mittelpunkt. Dabei spielen auch Themen wie Mehrsprachigkeit und Bildungsgerechtigkeit eine Rolle. Das Format ist bewusst bidirektional angelegt: Die Mentor*innen bringen wertvolle Praxisbeispiele und Erfahrungen aus der Einzelförderung mit, während Wissenschaftler*innen gemeinsam mit Studierenden diagnostische Expertise und evidenzbasierte Förderprinzipien einbringen.

Einbindung der Studierenden

Studierende des Moduls LER4, das sich mit Schwierigkeiten im Erwerb der (Schrift-) Sprache befasst, sind aktiv in das Projekt eingebunden. Sie begleiten eine*n Mentor*in zu einer Fördereinheit in die Schule und lernen so eines der geförderten Kinder kennen. In einem weiteren Besuch führen sie eine Lernstandserhebung im Bereich Lesen oder Rechtschreiben durch. Auf Grundlage dieser Befunde entwickeln die Studierenden passgenaue Fördermaterialien, indem sie evidenzbasierte Förderansätze adaptieren und auf den spezifischen Kontext der Mentor*innenarbeit zuschneiden. Die erarbeiteten Materialien werden im Rahmen der Werkstattgespräche vorgestellt – und nicht selten berichten die Mentor*innen dort später vom erfolgreichen Einsatz.

Das Projekt ist als Service-Learning-Format konzipiert und lebt von einem bidirektionalen Transfer: Studierende bringen diagnostisches Wissen und evidenzbasierte Förderansätze ein, während die Mentor*innen ihre Praxiserfahrung und konkrete Fallbeispiele aus der Einzelförderung teilen. So profitieren beide Seiten voneinander. Zugleich erleben die Studierenden als angehende Lehrkräfte, wie wertvoll Austausch und Zusammenarbeit über professionelle Grenzen hinweg sein kann. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels an Schulen gewinnt gesellschaftliches Engagement so bereits in der Ausbildung an Bedeutung.


Entwicklung eines Testverfahrens zur Erfassung der Schreibkompetenz

In Kooperation mit: Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek; Prof. Dr. Jörg Jost; Prof. Dr. Markus Linnemann, Prof. Dr. Christian Rietz, Prof. Dr. Alfred Schabmann & Dr.in Barbara Schmidt

Schreiben ist eine der Schlüsselfertigkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe, deren Förderung erklärtes Bildungsziel sein muss. Eine adäquate Förderung kann jedoch nur gelingen, wenn im Vorfeld eine individuelle Diagnose der Fähigkeiten stattgefunden hat. Zurzeit existieren in Deutschland jedoch keine Testverfahren zur (förder-)diagnostischen Erfassung der Schreibkompetenz. Es sind lediglich didaktisch orientierte Bewertungsraster vorhanden, die jedoch den testtheoretischen Gütekriterien nicht genügen. Im englischsprachigen Raum hingegen liegen verschiedene Testverfahren vor, welche aber im Hinblick auf die Konstrukterfassung limitiert sind. Daher würde ein Transfer dieser in den deutschen Sprachraum den Projektzielen nicht entsprechen.

Vor diesem Hintergrund wird die Notwendigkeit des Vorhabens deutlich. Auf Grundlage bisheriger Forschungsbefunde sollen im angestrebten förderdiagnostischen Instrument sowohl Einzeldimensionen der Schreibkompetenz als auch prozedurale Abläufe während des Schreibens erfasst werden. Das neue Testverfahren soll das Konstrukt Schreibkompetenz möglichst umfangreich erfassen und den testtheoretischen Gütekriterien genügen. Methodisch soll der Zugang zum Konstrukt Schreibkompetenz sowohl über textferne Items (z.B. Aufgaben im Multiple-Choice-Format) als auch über Langtexte (Verfassen eines informierenden Textes) erfolgen.

Weitere Informationen:

https://www.pedocs.de/volltexte/2019/16599/pdf/ESP_2018_3_Hennes_et_al_Schreibkompetenz_diagnostizieren.pdf


Standards zur Feststellung von Förderbedarf und universelle Förderung Basel-Landschaft (StaFF-BL)

In Kooperation mit: Prof. Dr. Dennis Christian Hövel, Prof. Pierre-Carl Link, Prof. Dr. Fabio Sticca & Dr.in Neele Bäker

Gefördert durch: Amt für Volksschulen, Kanton Basel-Landschaft

Projektbeschreibung:

Die Kriterien zur Feststellung der Notwendigkeit von sonderpädagogischen Maßnahmen im Bereich Verhalten sind uneindeutig. Für eine Schule ohne Diskriminierung bedarf es jedoch einer fairen, das heißt einheitlichen und validen Diagnostik. Diese dient dazu, Unterrichtsangebote und Fördermaßnahmen auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler*innen anzupassen.

Das Projekt skizziert die Pilot-Implementation eines diagnostischen Entscheidungsbaums in Schulen im Kanton Basel-Landschaft. Im Zentrum des Entscheidungsbaums stehen sowohl der prozesshafte Charakter als auch die Kind-Umwelt-Interaktion, damit Diagnostik, Unterricht und Förderung eng miteinander verbunden werden.

Weitere Informationen unter: 

https://www.hfh.ch/projekt/standards-zur-feststellung-von-foerderbedarf-und-universelle-foerderung-basel-landschaft-staff-bl


StaFF – Standards zur Feststellung sonderpädagogischer Förderbedarfe (abgeschlossen 2022-2025)

In Kooperation mit: Prof. Dr. Alfred Schabmann, Dr.in Barbara Schmidt, Prof. Dr. Wolfgang Dworschak, Prof. Dr. Dennis Christian Hövel & Prof.in Dr.in Prisca Stenneken 

Das Projekt StaFF (gefördert durch das Ministerium für Bildung des Landes Schleswig-Holstein) entwickelte Prozessstandards zur Feststellung sonderpädagogischer Förderbedarfe in den Förderschwerpunkten Lernen, Geistige Entwicklung, Emotionale und Soziale Entwicklung sowie Sprache.

Ausgangslage

Vor dem Projekt existierten weder in Schleswig-Holstein noch in anderen Bundesländern eindeutige Kriterien, anhand derer sonderpädagogische Förderbedarfe festgestellt werden konnten. Diese Situation führte dazu, dass Gutachter*innen einen erheblichen Ermessensspielraum hatten und Verfahren häufig nicht ergebnisoffen geführt wurden. Die Folge: steigende Förderquoten und große regionale Unterschiede, die nicht durch Unterschiede in der Schülerschaft selbst erklärbar sind. Da die Zuschreibung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs gravierende Konsequenzen für den Bildungs- und Lebensweg von Kindern und Jugendlichen haben kann, war eine Standardisierung dringend erforderlich.

Die Notwendigkeit kategorialer Zuschreibungen wird im Projekt kritisch reflektiert. Die entwickelten Standards berücksichtigen daher folgende Aspekte:

  • Förderbedarfen liegen individuelle Bedingungsgefüge zugrunde. Neben Kriterien zur Zuordnung zu Förderschwerpunkten benennen die Standards deshalb auch Fragestellungen zur Planung individueller Fördermaßnahmen.
  • Förderbedarfe lassen sich selten trennscharf einzelnen Förderschwerpunkten zuordnen. Über Querverbindungen zwischen den Förderschwerpunkten rücken die individuellen, förderschwerpunktübergreifenden Bedarfe in den Fokus.
  • Das eigentliche Ziel sonderpädagogischer Diagnostik ist die zielgerichtete Planung individueller Fördermaßnahmen – nicht die Zuschreibung selbst. Das Konzept lässt sich daher auch losgelöst von der Feststellung distinkter Förderschwerpunkte oder sonderpädagogischer Förderbedarfe nutzen.

Vorgehen

Die Prozessstandards wurden in drei Schritten entwickelt: Zunächst erfolgte eine Bedarfs- und Ist-Stand-Analyse durch Befragungen von Diagnostiker*innen und Gutachtenanalysen. Darauf aufbauend wurden auf Basis intensiver Literaturrecherche förderschwerpunktübergreifende Prozessketten konzipiert. Abschließend wurden die Standards in einer formativen Evaluation erprobt und an die Bedürfnisse der Praxis angepasst.

Weitere Infos unter: https://osf.io/8gp5k/overview