Pro­mo­ti­ons­vor­ha­ben

Arbeitstitel:

Ansätze einer Theorie der Textbaupläne und ihrer Didaktik

Texte des Deutschunterrichts, die zur Grammatikvermittlung eingesetzt werden, sind häufig künstlich – das betrifft sowohl ihre inhaltliche als auch ihre grammatische Gestalt. Denn die Lehr-Lernmaterialien werden häufig allein für Lehrzwecke konzipiert, damit gewisse syntaktische Strukturen dominieren. Daraus folgt mitunter, dass diese Texte, die als sprachliche Mustertexte für Lernende fungieren, paradoxerweise über ein ganz anderes bzw. ganz andere grammatische Muster verfügen als Texte der außerschulischen Textwelt, die nicht für schulische Zwecke erarbeitet bzw. bearbeitet wurden (vgl. Henckel 2018). Bei der Auseinandersetzung mit den Lehr-Lernmaterialien liegt der Fokus dann meist allein auf grammatischen Gesichtspunkten. Inhaltsbezogene und den jeweiligen kommunikativ-pragmatischen Rahmen reflektierende grammatische Analysen sind in Lehrwerken selten angelegt, obwohl die Förderung einer umfassenden Textkompetenz zu den zentralen Zielen des Deutschunterrichts zählt.

Ausgehend von diesen Beobachtungen widmet sich das Promotionsvorhaben der übergeordneten Frage, welches Lehr-Lernmaterial zielsprachliches Grammatisches Lernen (Feilke/Tophinke 2016) für alle Schüler:innen ermöglicht. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den grammatischen Strukturen von Texten des Erst-, Zweit- und Fremdsprachenunterrichts Deutsch. Darüber hinaus werden die Aufgaben und Übungen innerhalb von Grammatik-Lehr-Lerneinheiten reflektiert. Es wird angenommen, dass nach dem anfänglichen ‚Geburtsfehler der Deutschdidaktik‘ und der jahrzehntelangen Ausdifferenzierung von Erst- und Fremdsprachendidaktik nun ein intensiver Abgleich beider Forschungsbereiche vor dem Hintergrund innerer und äußerer Mehrsprachigkeit sinnvolle Erkenntnisse und theorie- sowie praxisbezogene Impulse bringen kann.

Aufgrund der angestrebten Interdisziplinarität fußt die Arbeit dabei auf unterschiedlichen sprachwissenschaftlichen und sprachdidaktischen Theorien und Konzepten, darunter: Satzbaupläne der signifikativen Semantik (Ágel/Höllein 2021), Gegenstände der varietätenlinguistischen Forschung (Bildungssprache, Schulsprache, Fachsprache), Textprozeduren und literale Praktiken (Feilke 2016, 2014, 2011, 1996) sowie linguistische und didaktische Auffassungen zu Textkompetenz (Coseriu 1988/2007, Bildungsstandards).