Hannah Maria Kühn (geb.Gritschke)

Da entwickelt sich was!

Individuelle Lernprozesse im entwicklungspolitischen Freiwilligendienst "weltwärts" in Benin (abgeschlossen)

Hannah Maria Kühn (geb.Gritschke) hat Kulturwissenschaft mit den Nebenfächern Politik und Französisch an der Humboldt-Universität zu Berlin studiert. Auslandssemster in Rom/Italien und Abomey-Calavi/Benin. Seit 2007 ist sie als freie Trainerin in der Bildungsarbeit tätig. 2009/2010 arbeitete sie als Regionalbearbeiterin/Südliches Afrika bei weltwärts mit dem DED. Ihre Dissertation in Erziehungswissenschaften schrieb sie im Rahmen der von Prof. Dr. Bernd Overwien betreuten Nachwuchsforschungsgruppe. Diese wurde von der Hans-Böckler-Stiftung von 2010 bis 2014 gefördert.

In ihrer Studie erforschte sie den Kompetenzerwerb junger "weltwärts"-Freiwilliger. Sie fragte danach, inwiefern die Freiwilligen eine nachhaltigkeitsbewusste Handlungskompetenz erwerben, die es ihnen ermöglicht, ihr persönliches und zukünftiges berufliches Handeln im Sinne einer nachhaltigen und gerechten Entwicklung zu gestalten. Sie arbeitete heraus, dass sie neben einer deutlichen Erweiterung ihrer Selbst-, sozial- und fachlichen sowie Fremdsprachenkompetenzen ein Bewusstsein für ungleich verteilte Privilegien und Rassismen entwickelten. Auf Grundlage dieser empririschen Ergebnisse und in Anbetracht der theoretischen und praktischen Notwendigkeit plädiert sie für eine stärkere Thematisierung und Bearbeitung dieser ungleichen Machtverhältnisse in die politische Bildungsarbeit und insbesondere im entwicklungspolitischen Freiwilligendienst. Dieser sei von vielfältigen Ambivalenzen geprägt, die stets sichtbar gemacht werden sollten. Erst dann könnten sie verhandelt und bearbeitet werden. Der Nutzen des "weltwärts"-Programms für alle Beteiligten sollte zusätzlich an den Wirkungen und Chancen der 2014 eingeführten Süd-Nord-Komponente gemessen werden. Ein Erfolg wäre es, wenn die Freiwilligen aus dem Globalen Süden und dem Globalen Norden an einem neuen "Entwicklungs"modell mitdenken- und wirken würden, welches vom klassischen Entwicklungsparadigma und einem einseitigen ökonomischen Wachstumsdenken Abstand nimmt.