Computermodelle für den Amazonas: Land, Klima und Gesellschaft zusammendenken
Bild: Sonja Rode. Im Fokus der Forschung stand die grenzüberschreitende MAP-Region zwischen Peru (Madre de Dios), Brasilien (Acre) und Bolivien (Pando).
Die Ergebnisse der Kasseler Forschenden deuten darauf hin, dass gezielte politische Steuerungsmechanismen den Waldverlust effektiver begrenzen können als rein räumliche Nutzungsverbote. Die entwickelten Szenarien setzen daher weniger auf weitere Flächenexpansion als auf die qualitative Aufwertung bestehender Flächen – etwa durch Agroforstsysteme, gestärkte regionale Wertschöpfung und verlässliche Governance. Zudem zeigen die Simulationen, dass gezielte Wiederbewaldung die regionalen Niederschlags- und Temperaturmuster spürbar stabilisieren kann.
Partizipative Forschung trifft auf Klimamodellierung
Methodisch verknüpfte das Team Computermodelle mit empirischer Arbeit vor Ort. In Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg koppelten die Forschenden das erweiterte Landnutzungsmodell LandSHIFT mit dem regionalen Klimamodell WRF, um veränderte Land-Klima-Wechselwirkungen zu berechnen. Parallel dazu entwickelten sie in partizipativen Workshops gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft konkrete Pfade für eine entwaldungsfreie Zukunft.
„Rein naturwissenschaftliche Klimamodelle zeigen uns zwar die dramatischen Folgen des Waldverlusts, lassen aber oftmals die entscheidenden gesellschaftlichen Stellschrauben außen vor“, betont Prof. Dr. Rüdiger Schaldach, Leiter des Teilprojekts an der Universität Kassel. „Indem wir die in den Szenarien partizipativ entwickelten Rahmenbedingungen mit den Simulationsergebnissen verknüpfen, liefern wir einen wertvollen Beitrag zur Erweiterung des Orientierungswissens für Entscheidungsträger und die Zivilgesellschaft vor Ort. Dieses Vorgehen zeigt, wie Modelle in Kombination mit transdisziplinären Ansätzen dabei unterstützen können, Wege aus der Krise aufzuzeigen.“
Die im Projekt erarbeiteten Ansätze fließen nun in internationale Fachdiskurse ein und bilden die Grundlage für weiterführende Publikationen zur Zukunft tropischer sozial-ökologischer Systeme.
Abschlussbericht: https://oa.tib.eu/renate/server/api/core/bitstreams/2be3c293-7c7e-477d-8cc1-ee9e9327bb20/content
Szenarienpaper Peru: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0016328726001424
Kontakt:
Rüdiger Schaldach (Apl. Prof. Dr.)
Center for Environmental Systems Research
Leiter der Forschungsgruppe Globale und Regionale Dynamiken
Telefon: 0561 804-6130
E-Mail: schaldac[at]uni.kassel[dot]de
Was bedeutet das zusammengefasst?
Wirkungsvoller Schutz: Institutionelle Reformen und nachhaltige Agroforstsysteme schützen den Amazonas effektiver als bloße Flächenbegrenzungen.
Innovativer Modellansatz: Forschende der Uni Kassel verknüpften das Landnutzungsmodell LandSHIFT mit dem Klimamodell WRF und gesellschaftlichen Daten der grenzüberschreitenden MAP-Region.
Klima-Stabilisierung: Die Simulationen zeigen, dass gezielte Wiederbewaldung und eine qualitative Aufwertung bestehender Flächen die regionalen Niederschlags- und Temperaturmuster spürbar stabilisieren können.