Mehr als Bügel – Lösungen für sicheres und attraktives Fahrradparken
Bild: Simeon UhlDie Studierenden stellten fest, dass die aktuelle Fahrradparkinfrastruktur in Kassel zwar in Teilen gut ausgebaut ist, aber erhebliche Defizite aufweist. Besonders kritisch ist die Qualität der vorhandenen Anlagen: Viele Standorte verfügen noch über veraltete Vorderradhalter, die das Fahrrad nicht sicher halten und die Felgen beschädigen können. Zudem fehlt es an ausreichendem Witterungsschutz, Beleuchtung und Diebstahlsicherheit – besonders an Haltestellen und in Wohngebieten. „Die Akzeptanz von Fahrrädern hängt auch davon ab, dass sie sicher und ordentlich im städtischen Raum abgestellt werden können“ betont Prof. Dr.-Ing. Uwe Altrock, Leiter des Fachgebiets Stadterneuerung und Planungstheorie. „Hierfür braucht es einen weiteren Ausbau der Infrastruktur basierend auf einem gesamtstädtischen Konzept. Die vorliegende Publikation gibt dafür einen sachlichen Anstoß.“
Konkrete Vorschläge für die Praxis
Die Studierenden entwickelten für die einzelnen Stadtteile konkrete Vorschläge:
In Kirchditmold und Harleshausen: An Schulen und Kindertagesstätten wurden überlastete Anlagen und wild geparkte Fahrräder dokumentiert. Die Studierenden schlagen daher die Umwandlung von Pkw-Stellplätzen in sichere, überdachte Anlagen mit Querholmen vor, die auch Lastenräder und E-Bikes gut aufnehmen können.
An der RT-Haltestelle Jungfernkopf: Die bestehenden Rahmenhalter wurden als ungeeignet für Kinder- und Sonderfahrräder identifiziert. Als Lösung wird die Ersetzung durch Anlehnbügel mit Querholm, die Erhöhung der Kapazität und die Einrichtung einer Reparaturstation vorgeschlagen.
Am Bahnhof Wilhelmshöhe: Hier wurde ein dringender Bedarf an einem zugangsgesicherten Fahrradparkhaus mit Werkstatt, Lademöglichkeiten und einem Café identifiziert. Die Studierenden schlagen ein Modell vor, das sich an den Best-Practice-Beispielen aus Tübingen orientiert.
Im Vorderen Westen: An der Haltestelle Friedenskirche und am zukünftigen Technischen Rathaus sollen Abstellanlagen nicht nur die Kapazität erhöhen, sondern auch die Aufenthaltsqualität durch Gestaltung, Beleuchtung und Serviceangebote verbessern.
Lena Knacker vom Fachgebiet Stadterneuerung und Planungstheorie stellt heraus, dass „Fahrradabstellanlagen zu attraktiven Stadträumen beitragen können, wenn sie multifunktional gestaltet sind und weitere Nutzungsmöglichkeiten wie beispielsweise Sitzgelegenheiten, verschiedene Mobilitätsformen oder kulturelle Angebote bieten. Die Arbeiten der Studierenden zeigen die Räume für Verbesserungen in Kassel klar auf."
Zukunftsfähige Lösungen für eine klimaneutrale Stadt
Die Ergebnisse der Umfrage „Wie parken Sie Ihr Fahrrad? Was macht für Sie einen attraktiven Fahrradstellplatz aus?“ unter 349 Teilnehmenden bestätigen die Studienbefunde: Die Mehrheit der Radfahrenden schätzt die Nähe zum Ziel und die einfache Nutzung als wichtig. Gleichzeitig wird der fehlende Witterungsschutz und die mangelnde Diebstahlsicherheit als größtes Problem gesehen. Die Befragten würden bei besseren Anlagen auch teurere Fahrräder über Nacht parken und Zubehör wie Helm oder Taschen lassen.
„Die Ergebnisse zeigen klar: Verbesserte, sichere und witterungsgeschützte Fahrradabstellanlagen würden das Abstellverhalten deutlich verändern“, sagt Prof. Dr. Angela Francke, Professorin für Radverkehr und Nahmobilität an der Universität Kassel. „Die öffentliche Teilnahme an unserer Umfrage und die Mitarbeit der Studierenden vor Ort waren entscheidend, um die vorgeschlagenen Lösungen auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Nutzenden abzustimmen. Gemeinsam können wir den Radverkehr verbessern und die Mobilität der Zukunft gestalten.“
Die Rolle des SDG+ Labs als Verbindungsstück
Die Programme des SDG+ Labs, dem Nachhaltigkeitslabor von UniKassel Transfer, spielten eine zentrale Rolle als Innovations- und Dialogplattform, die Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenbringt, um gemeinsam nachhaltige Lösungen für regionale Herausforderungen zu entwickeln. So entstand die Idee zu diesem interdisziplinären Projekt bei der Bearbeitung der Frage: Wie kann Kassel eine attraktive, energiesouveräne Modellregion werden? „Das Projekt „Fahrräder parken in Kassel“ zeigt, dass die Zusammenarbeit der Universität mit der Gesellschaft zu praxisorientierten Lösungen für reale Orte und echte Herausforderungen des Alltags auch für große, strategische Fragestellungen führen kann. Wir werden uns weiter aktiv dafür einsetzen, Räume für sachlichen Dialog in Veränderungsprozessen zu schaffen“, so Katharina Leinius und Dr. Maximilian Spiegelberg vom SDG+ Lab.
Die Publikation wird vorgestellt – Mitwirkung ist gefragt
Die Ergebnisse des Projekts werden am 5. Mai 2026, von 10:00 bis 12:00 Uhr, im UNI:Lokal, Wilhelmsstraße 21, Kassel, öffentlich vorgestellt. In einem kleinen Podium werden die Autor:innen wichtige Erkenntnisse aus der Publikation vorstellen und anschließend in einen Austausch mit dem Publikum treten. Die Veranstaltung ist Teil der „Kasseler Fahrradwochen“, welche dazu einlädt, aktiv an der Gestaltung einer fahrradfreundlichen Stadt mitzuwirken. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter: https://sdgpluslab.de/fahrraeder-parken
Kontakt für Rückfragen:
Gianna Dalfuß (Presse & Öffentlichkeitsarbeit) und Katharina Leinius (operative Leitung SDG+ Lab)
Universität Kassel
E-Mail: presse.sdgpluslab[at]uni-kassel[dot]de
Tel: +49 561 804-3567