NRVP 2020 - Welche Kosten verursachen verschiedene Verkehrsmittel wirklich? - Weiterentwicklung der Methode für den Vergleich von Erträgen und Aufwendungen verschiedener Verkehrsmittel anhand von kommunalen Haushalten und Entwicklung eines Tools

Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer
Dipl.-Ing. Daniel Leonhäuser
M.Sc. Assadollah Saighani

Die Höhe der Aufwendungen und Erträge, die einer Kommune aufgrund des städtischen Verkehrs entstehen, sind i.d.R. bisher ebenso unbekannt, wie dessen Aufteilung auf die verschiedenen Verkehrssysteme. Das Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrssysteme der Universität Kassel hat aufgrund dessen im Vorgängerprojekt "NRVP - Kostenvergleich zwischen Radverkehr, Fußverkehr, motorisiertem Individualverkehr und ÖPNV anhand von kommunalen Haushalten" eine entsprechende Methode entwickelt. Diese ermöglicht die Quantifizierung und Aufteilung aller verkehrsbezogenen Aufwendungen und Erträge einer Kommune auf Fuß-, Rad-, Kfz-Verkehr und ÖPNV.

Im vorliegenden Projekt wurde diese Methode in Form eines IT-gestützten Tools inklusive eines Anwenderleitfadens aufbereitet, um

  • den Aufwand für die Anwendung der Methode für die Kommunen zu reduzieren,
  • das Vorgehen soweit möglich zu standardisieren (Vergleichbarkeit der Ergebnisse),
  • Fehler bei der Anwendung der Methode zu verhindern.

Das Tool wurde zunächst basierend auf der bisherigen Methode entwickelt und anschließend von zwei Kommunen eigenständig angewandt. Dieser Test sollte die eigenständige Anwendbarkeit des Tools demonstrieren und durch die Rückmeldungen der Anwender hinsichtlich Bedienung und Nutzerführung optimiert werden.

Zeitgleich mit diesem Praxistest wurde das Verfahren weiterentwickelt und um einen weiteren Baustein ergänzt. Die Weiterentwicklung umfasste eine differenziertere Betrachtung des Kfz-Verkehrs: Da der Schwerverkehr die Infrastruktur im Allgemeinen stärker beansprucht als der Pkw-Verkehr, wird der bisherige Anteil des gesamten Kfz-Verkehrs an den Aufwendungen und Erträgen differenziert für Lkw- und Pkw-Verkehr ermittelt. Um die praktische Anwendung des Verfahrens zu demonstrieren, wurde die weiterentwickelte Aufteilungsmethode exemplarisch für drei Städte (Freie Hansestadt Bremen, Stadt Kassel und Landeshauptstadt Kiel) angewandt.

Neben dieser Verfeinerung der Methode wurde durch den Einbezug externer Effekte ein weiterer Baustein ergänzt, der neben der rein betriebswirtschaftlichen Sicht eine volkswirtschaftliche Betrachtung ermöglicht. Denn zusätzlich zu den Aufwendungen, die direkt in kommunalen Rechnungsunterlagen enthalten sind, verursacht der Verkehr auch volkswirtschaftliche Kosten, die nicht vom Verursacher, sondern von der Allgemeinheit getragen werden müssen (externe Kosten durch Lärm-, Luftschadstoffemissionen etc.). Darüber hinaus generiert der nicht-motorisierte Verkehr bei häufiger Nutzung externe Nutzen, da regelmäßige Bewegung sich im Allgemeinen positiv auf das kardiovaskuläre System auswirkt und somit volkswirtschaftliche Kosten z. B. für die Behandlung von Krankheiten oder Ausfall von Arbeitsleistung vermindert werden.

Die Weiterentwicklung und der neue Baustein wurden sukzessive in das bestehende Tool integriert und beispielhaft für die Städte Bremen, Kassel und Kiel angewendet, für die auch im Vorgängerprojekt bereits die bestehende Methode getestet wurde. Die Erkenntnisse aus dem Praxistest des Tools gingen ebenfalls in das Tool und den Anwenderleitfaden ein.

 
Das Forschungsprojekt wurde im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert. 

Laufzeit: 08/2015 bis 12/2017