Dr. Ju­lia Schö­ne­berg

Universität Kassel
Fachbereich Gesellschaftswissenschaften
Nora-Platiel-Str. 1
34127 Kassel

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Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin im DFG-Pro­jekt "Zur Neu­er­fin­dung der Ent­wick­lungs­theo­rie"

Julia Schöneberg studierte Sozialökonomie und Friedensforschung in Hamburg und Lancaster. Sie war Junior Researcher am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) in Bonn, wissenschaftliche Mitarbeiterin der European Association of Research and Training Institutes (EADI), und hat in Bonn, Rhein-Waal, Salzburg und Kassel gelehrt. Ihre Forschungsschwerpunkte sind praktische Post-Development Ansätze, soziale Bewegungen und Widerständigkeiten, sowie dekoloniale Ansätze der Wissensproduktion und Pädagogik im weiteren Sinne.

Als Post-Doc in dem von der DFG geförderten Projekt 'Towards a Reinvention of Development Theory: Theorizing Post-Development'untersucht Julia die verschiedenen theoretischen Grundlagen des Post-Development. Das Projekt geht von einer skeptischen Post-Development-Position aus (im Gegensatz zu ihrer neopopulistischen Variante), die Eurozentrismus, (epistemische) Machtassymetrien und koloniale Kontinuitäten in den Fokus nimmt, während gleichzeitig die Notwendigkeit und den Wunsch nach größerer globaler materieller Gleichheit und der Abschwächung struktureller Ungerechtigkeiten auf lokaler, nationaler, regionaler und globaler Ebene anerkannt wird.

Gemeinsam mit Dr. Juan Telleria (Universität Baskenland) leitet Julia die EU COST Action CA19129 - Decolonising Development: Forschung, Lehre und Praxis. Die COST Action besteht aus mehr als 150 Wissenschaftler*innen und Forschenden aus 27 verschiedenen Ländern. Die Action DecolDEV stellt sich der Herausforderung, das Konzept und die Praxis der Entwicklung nach ihrer Dekonstruktion zu rekonstruieren. Sie zielt auf eine Neuordnung und Diversifizierung der Akteure, Strukturen, Institutionen und Räume ab, in denen Wissen über und für 'Entwicklung' produziert, geteilt, angefochten und in die Praxis umgesetzt wird. Die COST Action formuliert und erforscht Alternativen in drei Bereichen: Forschung, Lehre und Praxis.

Darüber hinaus analysiert Julia die (asymmetrischen) Strukturen in denen (akademisches) Wissen produziert wird, und erforscht und hinterfragt kritisch die Bedingungen unter denen Wissenschaftler*innen zu transformativen und pluriversellen Prozessen von Wissensproduktion, -Verbreitung und -Anwendung beitragen können. Julia ist Mitgründerin von www.convivialthinking.org, einem wissenschaftlich-aktivistischen Kollektiv, mit dem Ziel Räume für inklusive, interdisziplinäre und alternative Ansätze zu schaffen, besonders im Kontext von 'Entwicklung'.

Weitere wissenschaftliche Kooperationen

Bridging EU Studies and Postdevelopment (mit Prof Dr Jan Orbie und Assistant Prof Dr Sarah Delputte, beide Centre for EU Studies (CEUS), Universität Gent, Belgien) 

Obwohl ein Großteil der Forschung über die EU als "Entwicklungs"-Akteurin als "kritisch" gegenüber der EU-Politik und ihren Ansätzen verstanden werden kann, sind Postdevelopment- und dekoloniale Debatten in der Diskussion über die globale Rolle der EU bisher weitgehend missachtet worden. Im Einklang mit der Forderung von Manners & Whitman (2016) nach mehr dissidenten Stimmen in der Theoriebildung über Europa, erforschen wir wie Post-Development-Ansätze  EU-(Entwicklungs-)Politik und die Gestaltung ihrer Beziehungen zum Globalen Süden informieren und potenziell verändern können. Ein Ergebnis der Zusammenarbeit ist eine Blog-Serie zu EU und Post-Development.

Interkulturelle Philosophie und Kritische Entwicklungstheorie im Dialog (mit Prof DDr Franz Gmainer-Pranzl, Universität Salzburg)

Als kooperatives Mitglied des Zentrums für Interkulturelle Theologie und Religionswissenschaft an der Paris Lodron Universität Salzburg arbeitet Julia mit an einem Dialog zwischen interkultureller Philosophie und kritischer Entwicklungstheorie. Dieser Dialog kann beide Disziplinen bereichern: Die interkulturelle Philosophie kann durch die Konfrontation mit sozial-, politik- und wirtschaftswissenschaftlichen Forschungen eine stärkere empirische Basis gegenüber globalen Herausforderungen gewinnen, während die (kritische) Entwicklungstheorie die philosophischen Grundannahmen bestimmter Politik- und Globalisierungskonzepte deutlicher erkennen kann. Ein konkretes Ergebnis ist die Ausgabe 44 von "POLYLOG. ZEITSCHRIFT FÜR INTERKULTURELLES PHILOSOPHIEREN".

Monographien

(2016) Making Development Political. NGOs as Agents for Alternatives to Development, Nomos: Baden-Baden 2016. DOI: 10.5771/9783845272887

Herausgabe

(im Erscheinen) Dekolonisierung der Entwicklungszusammenarbeit und Postdevelopment Alternativen – Akteur*innen, Institutionen, Praxis, Baden-Baden: Nomos, zusammen mit Aram Ziai

(im Erscheinen) Intercultural Philosophy and Critical Development Theory in Dialogue, POLYLOG – Zeitschrift für Interkulturelles Philosophieren, zusammen mit Franz Gmainer-Pranzl

(2020) “How do we “know” the World – Critical Scholarship in the Social Sciences”, acta academica, zusammen mit Lata Narayanaswamy

Aufsätze in Zeitschriften mit anonymem Gutachtenverfahren

(2021) Why Positionalities Matter: Reflections on Power, Hierarchy, and Knowledges in “Development” Research, Canadian Journal of Development Studies, mit Arda Bilgen and Aftab Nasir

(2017) NGO partnerships in Haiti: clashes of discourse and reality, Third World Quarterly, Vol. 38 (3), 2017. DOI: 10.1080/01436597.2016.1199946

Aufsätze in Sammelbänden mit anonymem Gutachtenverfahren

(2019) Imagining Postcolonial-Development Studies – Reflections on Positionality and Research Practices, in: Baud, Isabelle, Tiina Kontinen, Elisabetta Basile (Hrsg.): Building Development Studies for the New Millennium. Palgrave MacMillan: London. DOI: 10.1007/978-3-030-04052-9_5

(2019) Manoeuvering political realms: Alternatives to Development in Haiti, in: Elise Klein, Carlos Eduardo Morreo (Hrsg.) Post-Development in Practice, Routledge: London.

Aufsätze in sonstigen Sammelbänden

(im Erscheinen): Global Citizenship Education - Bildung für eine pluriverse Welt?, in: Bettina Brandstetter, Ulrike Greiner, Franz Gmainer-Pranzl (Hrsg.) Von „schöner Vielfalt“ zu prekärer Heterogenität, Salzburger interdisziplinäre Diskurse, Peter Lang Verlag: Frankfurt a.M.

(2020): Méte Tét Ansanm – Auf der Suche nach Alternativen zur Entwicklung in Haiti, in: Anita Rötzer, Franz Gmainer-Pranzl (Hrsg.): Shrinking Spaces - Mehr Raum für globale Zivilgesellschaft!, Salzburger interdisziplinäre Diskurse, Peter Lang Verlag: Frankfurt a.M.

(2016) INGOs in Haiti: Entwicklungsakteure als Promotoren von Alternativen zur Entwicklung? In: Gmainer-Pranzl, Franz und Angela Schottenhammer (2016) Hrsg: Wissenschaft und globales Denken, Salzburger interdisziplinäre Diskurse - Band 7. Frankfurt am Main: Peter Lang.

Aufsätze in Zeitschriften

(2020) ‘Development’: False promises, questionable term, mit Aram Ziai, Development + Cooperation,  e-Paper no. 9 2020, 2020/09

(2018) Manevwe domèn politik la: Sipòte lit la a travè finasman chanjman sosyal lan, in: Chantiers, Revue des Sciences humaines et sociales de l'Université d'état d'Haïti Numéro spécial "Les ONG en Haïti : vers de nouveaux paradigmes explicatifs", Port-au-Prince.

Rezensionen

(2019) „ Global Development and Colonial Power. German Development Policy at Home and Abroad “(Daniel Bendix), in: Peripherie Nr. 154/155, 313-315. 

Blogs und Onlinebeiträge

(2020) Why a firm postcolonial stance is fundamental for the future of ‘development’ NGO work, Convivial Thinking

(2020) It is time to abandon 'development' goals and demand a post-2030 Utopia, with Mia Kristin Häckl, Ghent Centre for Global Studies Blog

(2020) Alternatives to what?: From 'The Divide' towards the 'Pluriverse', Convivial Thinking

(2020) Eine Frage der Gerechtigkeit, globaleverantwortung.at

(2019) 'Development': a failed project, Blog for Open Democracy

(2019) Tough questions for new EU 'development' commissioner EUobserver, zusammen mit Sarah Delputte und Jan Orbie

(2019) Why a decolonial lens must be at the heart of all those who claim to research and teach 'development', Debating Development Research Blog, EADI. 

(2019) How Do We 'Know' the World - Why does the question matter?, Convivial Thinking, zusammen mit Lata Narayanaswamy

(2018) Problems of 'development' and 'development' as a problem, Global Development Institute Blog, zusammen mit Henning Melber

(2018) Alternatives to 'development' as a universal project?, Convivial Thinking

(2018) Why I refuse to rethink 'development', Convivial Thinking 

Working Papers

(2016) Partnership and cooperation in Haiti: Clashes of reality and construction. DPS Working Paper Series No. 4, Department for Development and Postcolonial Studies, University Kassel.

(2015) NGOs: Development actors as agents for alternatives to development? Exploring the case of Haiti. ZEF Research in Brief, Zentrum für Entwicklungsforschung, Bonn, September 2015.