Ab­ge­schlos­se­ne Lehr­for­schungs­pro­jek­te

Der globale Kaffeemarkt orientiert sich an Menge und Güte der lieferbaren Kaffeebohnen. Europa, Japan und die USA gelten als größte Abnehmer, die Hauptherkunftsländer sind u.a. Brasilien, Kolumbien, Äthiopien und Mexiko. Insbesondere der Kaffee aus dem mexikanischenSüden spielt in der weltweiten Kaffeeproduktion eine große Rolle. Als Alternative zu konventionellem oder kollektiv organisiertem Kaffeeanbau bieten zapatistische Gemeinden ihren Kaffee auf dem Weltmarkt an. In den Fokus geraten so auch Arbeitsbedingungen und soziale Effekte kommunitären Wirtschaftens, die sie gerade auch für eine sozialwissenschaftliche Forschung interessant machen. Im Fokus des Lehrforschungsprojektes standen infolge dessen 1) die Produktionsbedingungen für Kaffee, insbesondere in den zapatistischen Kooperativen im Vergleich zu den traditionellen Kaffee-Fincas und 2) ob und inwiefern ein Social Upgrading in der Agrikultur zu beobachten ist (decent-work?)

Der mexikanische Süden weist im landesweiten Vergleich eine der höchsten Raten an soziostrukturellen Marginalisierungsmerkmalen auf, die als Push-Faktoren für die ansteigenden Migrationen auf der Suche nach ökonomischem Auskommen und der Verbesserung der eigenen Lebenssituationen zu sehen sind. Vor allem in den ländlichen und indigen geprägten Kontexten haben sich seit den letzten 15 Jahren Migrationsregionen herausgebildet, in denen die Formen saisonaler sowie zirkulärer Migration zunehmen. Gleichzeitig ist die Region des Soconusco in Chiapas aufgrund der landwirtschaftlichen Produktionsstätten (Kaffee- und Obstplantagen) ein traditioneller Anlaufpunkt für die saisonale Pendelmigration aus den angrenzenden Regionen wie Guatemala und zunehmend auch aus Honduras, El Salvador und Nicaragua. Diese und weitere Einflussfaktoren auf Migrationsformen und -akteure zu untersuchen sowie den komplexen Diversifizierungsprozessen von Migrationen nachzuspüren, soll am Beispiel der Südregion im Rahmen des Lehrforschungsprojekts erfolgen. Mit Blick auf den Themenkomplex Migration-Menschenrechte-Geschlecht sollen verschiedene Lebensrealitäten in und an der südmexikanischen Borderregion in qualitativ-empirischen Projekten seitens der Studierenden analysiert werden.

Konzeption und Organisation des Fachtags "Handle with Care - Männlichkeit undSorgearbeit im Migrationskontext", gefördert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Hessen e.V. und aus den Sondermitteln der FG Soziologie

Im Rahmen des Lehrforschungsprojekts werden wir auf dem Weg an die Südgrenze in Mexiko-Stadt, Oaxaca, San Cristóbal und Tapachula Stationen einlegen und jeweils Interviews und Gespräche mit renomierten SozialwissenschaftlerInnen, Mitgliedern und RepräsentantInnen von MigrantInnen- und Frauenorganisationen und sozialen Organisationen (NGOs) und mit Migrierenden führen. Im Lehrforschungsprojekt werden wir uns mit dem Border-Regime an der mexikanischen Südgrenze, mit den im Migrationskontext sich verändernden ländlichen und lokalen Strukturen sowie mit den Lebensrealitäten der (Trans)Migrierenden, ihrer Familien und Kinder in der Herkunftsregion auseinandersetzen. Besondere thematische Relevanz für das Lehrforschungsprojekt erhalten die Auswirkungen von Migrationen auf lokale Geschlechterverhältnisse sowie die Einflüsse von Geschlecht auf (Trans-)Migrationen (Wege, Formen und Gründe). Im Kontext intersektionell aufeinander bezogener Ausgrenzungsstrukturen (wie race, class, gender etc.) sind es vor allem die Frauen aus den indigenen Gemeinden, die hierbei im Fokus der Reise stehen.