Gemeinschaftsprojekt

 

A16  Anna / Lettland / Germanistik

Interaktionspartner: deutsche Dozenten
Erhebungszeitpunkt: SS 08


 

Anna, eine lettische Erasmus-Studentin, ist zum Studium der Germanistik nach Deutschland gekommen. Ihr fällt auf, dass die Dozenten in den Seminaren und Vorlesungen sich recht locker gegenüber den Studenten verhalten und teilweise in ziemlich legerer Kleidung auftreten. Dozenten in Jeans, Pullovern oder einem einfachen Hemd sind keine Seltenheit. Die Lockerheit geht manchmal so weit, dass sich der Dozent während der Lehrveranstaltung auf den Tisch setzt. In Lettland wäre das ziemlich ungewöhnlich.


 

1. Wie lässt sich die Verwunderung der lettischen Studentin verstehen?
2. Kann man die Beobachtung der lettischen Studentin verallgemeinern oder gibt es möglicherweise fachspezifische oder alterspezifische Unterschiede bei den Dozenten?




 

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A17  Mohamed / Marokko / Physik

Interaktionspartner: deutsche Studierende
Erhebungszeitpunkt: SS 08


 

Mohamed, ein Student aus Marokko, studiert Physik an einer deutschen Universität. Kurz vor Beginn eines Seminars setzt er sich in den Hörsaal und wartet darauf, dass der Professor erscheint und die Veranstaltung beginnt. Während er wartet, sieht er einen Studenten mit einer Tasse Kaffee hereinkommen. Kurz darauf erscheint der Professor. Mohamed wundert sich, dass der Student seinen Kaffee offen auf dem Tisch stehen lässt, und noch mehr wundert es ihn, dass es den Dozenten nicht zu stören scheint, dass Studenten Kaffee in seine Veranstaltung mitbringen. Jetzt fällt ihm auch auf, dass andere Studenten Cola-Flaschen und andere Getränke auf dem Tisch stehen haben, und er erinnert sich, dass er sogar schon erlebt hat, dass sich ein Student etwas zu Essen mitgebracht hat. So etwas gäbe es in einer marokkanischen Universität nicht.


 

1. Wieso ist der marokkanische Student so verwundert?
2. Gibt es eine Erklärung für das Verhalten der deutschen Studenten, und warum sieht der Dozent sich nicht veranlasst einzugreifen?




 

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A18  Dewi / Indonesien / Fremdsprachen in der Erwachsenenbildung

Interaktionspartner: deutsche Studierende
Erhebungszeitpunkt: SS 08


 

Dewi nimmt nach Abschluss ihres Bachelor-Studiums in Indonesien ein Master-Studium an einer deutschen Universität auf. Zunächst ist alles sehr ungewohnt für sie, doch sie versucht, durch genaue Beobachtung der deutschen Studenten herauszufinden, welche Verhaltensnormen an deutschen Universitäten herrschen. In der ersten Zeit ist sie immer wieder überrascht über die Ungezwungenheit, mit der die deutschen Studierenden sich in den Seminaren bewegen und gegenüber den Dozenten verhalten. Zutiefst geschockt ist sie eines Tages von dem Anblick eines Studenten und einer Studentin, die sich direkt vor ihren Augen mitten im Hörsaal in aller Öffentlichkeit einen Kuss geben. In Indonesien wäre das ein Grund für den Ausschluss aus der Universität.


 

1. Warum ist die indonesische Studentin so entsetzt von dem Verhalten des Studentenpärchens?
2. Wie würden deutsche Studierende das Verhalten des Pärchens einschätzen?




 

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A19  Margarita / Bulgarien / Studiengang unbekannt

Interaktionspartner: deutsche Studierende
Erhebungszeitpunkt: SS 08


 

Die bulgarische Studentin Margarita ist über das Verhalten deutscher Studenten und Studentinnen in den Lehrveranstaltungen entsetzt. Fast in jeder Vorlesung putzt sich jemand ungeniert laut seine Nase. Margarita stört das sehr, und sie kann nicht verstehen, wie man so unverschämt sein kann. Sie ist es aus Bulgarien gewöhnt, dass man sich niemals in der Öffentlichkeit die Nase putzt, sondern sich, wenn das Naseputzen absolut unvermeidbar ist, diskret zurückzieht. Sie kann das seltsame Verhalten der Deutschen nicht akzeptieren, und jedes Mal, wenn sich jemand in ihrer Nähe die Nase putzt, wird ihr ganz schlecht.


 

1. Gibt es einen Grund für Margaritas Empfindlichkeit gegenüber dem öffentlichen Naseputzen?
2. Wie lässt sich erklären, dass das Naseputzen in der Öffentlichkeit in Deutschland nicht als störend empfunden wird und durchaus üblich ist?




 

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A20  Federica / Italien / Sprachwissenschaft

Interaktionspartner: deutsche Studierende
Erhebungszeitpunkt: WS 02/03


 

Federica verbringt ein Studiensemester an einer deutschen Universität. Als sie zu ihrer ersten Lehrveranstaltung geht, wählt sie ein schickes Kostüm aus und macht sich besonders sorgfältig zurecht. In der Uni angekommen, hat sie plötzlich das Gefühl, dass alle sie anstarren und sie geht schnell in den Hörsaal. Doch auch dort scheint sie alle Blicke auf sich zu ziehen, was sie zunehmend verunsichert. Schließlich stellt sie fest, dass die deutschen Studierenden im Gegensatz zu ihr recht einfach und leger gekleidet sind. Federica fühlt sich absolut "overdressed" und schwört sich, am nächsten Tag auch in Jeans zu erscheinen. Doch gleichzeitig ist sie auch ein wenig enttäuscht davon, dass deutsche Studierende offensichtlich so wenig Wert auf ihre äußere Erscheinung legen.


 

1. Welche Einstellung gegenüber der Universität lässt sich hinter dem Verhalten der italienischen Studentin vermuten?
2. Ist legere Kleidung tatsächlich typisch für deutsche Studierende oder lassen sich Unterschiede, z.B. in den verschiedenen Fakultäten, feststellen?




 

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A21  Frau Kleinschmidt / deutsche Dozentin / Ingenieurwissenschaften

Interaktionspartner: chinesische Studierende
Erhebungszeitpunkt: WS 08/09


 

Frau Kleinschmidt, eine deutsche Dozentin, hat durch ihre Lehrtätigkeit in einem internationalen Studiengang viel mit ausländischen Studierenden zu tun. Insgesamt beurteilt sie den Umgang mit ihnen als sehr angenehm: Sie findet, dass die ausländischen Studenten oft viel höflicher sind als ihre deutschen Kommilitonen und den Dozenten mit mehr Respekt begegnen. Aber manchmal findet sie diesen Respekt auch anstrengend. Besonders bei Studierenden aus China ist ihr aufgefallen, dass diese sich aus lauter Höflichkeit und Respekt nicht trauen, etwas zu fragen oder im Kurs kritische Anmerkungen zu machen, obwohl Frau Kleinschmidt sie immer wieder dazu ermutigt. Sie hat häufig den Eindruck, dass die Studenten nicht alles verstanden haben, doch sie stellen trotzdem niemals Fragen. Sie hat den chinesischen Studenten auch schon angeboten, vor einer Klausur in ihre Sprechstunde zu kommen, um inhaltliche Fragen oder Probleme zu klären, aber auch dieses Angebot wird kaum wahrgenommen. Frau Kleinschmidt kann dieses Verhalten nicht nachvollziehen.


 

1. Was stört Frau Kleinschmidt am Verhalten der chinesischen Studierenden?
2. Was könnte der Grund dafür sein, dass die chinesischen Studenten niemals Fragen stellen?




 

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A22  Raya / Indonesien / Fremdsprachen in der Erwachsenenbildung

Interaktionspartner: deutsche Studentin, deutsche Dozentin
Erhebungszeitpunkt: SS 07


 

Raya, eine indonesische Studentin, ist im Master-Studiengang einer deutschen Universität eingeschrieben. Sie besucht verschiedene Seminare und setzt sich dabei am liebsten in die letzte Reihe, weil sie von dort das Seminargeschehen am besten beobachten kann. In einem der Seminare beobachtet sie Folgendes: Am Rednerpult steht zu Beginn der Veranstaltung eine Studentin, die an diesem Tag ein Referat halten soll und sich ihre Unterlagen zurecht legt. Als die Professorin in den Raum kommt, beenden alle ihre privaten Gespräche und das Seminar beginnt. Nach einigen einleitenden Worten der Professorin hält die Studentin ihr Referat. Dabei kommt es immer wieder zu lebhaften Diskussionen zwischen der Referentin, den Studenten und der Professorin. Als die Professorin zu einer längeren Erklärung ausholt, setzt sich die Referentin in der Zwischenzeit auf einen Tisch. Raya findet dieses Verhalten empörend. Als die Professorin die Referentin schließlich um ihre Unterlagen bittet, um daraus ein Zitat zu wiederholen, gibt diese ihr das Papier mit der linken Hand. Raya kann nicht glauben, was sie da sieht, und wartet auf eine wütende Reaktion der Dozentin. Doch das Seminar geht ohne Zwischenfall weiter, und die Studentin beendet ihr Referat.


 

1. Wie ist Rayas Empörung zu verstehen? Welche kulturellen Normen werden aus ihrer Sicht in der Lehrveranstaltung verletzt?
2. Warum bleibt die Dozentin gelassen und empfindet das Verhalten der Studentin nicht als unangemessen?




 

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A23  Nóra / Ungarn / Studiengang unbekannt

Interaktionspartner: deutscher Dozent
Erhebungszeitpunkt: WS 05/06


 

Nóra verbringt ein Gastsemester an einer deutschen Universität und hat in den Vorlesungen erhebliche Verständnisprobleme. Nach jeder Sitzung bleibt sie mit einer Reihe von offenen Fragen zurück und würde diese Fragen gern mit jemandem besprechen. Sie weiß aber nicht, an wen sie sich wenden kann. Am liebsten würde sie ein höheres Semester fragen, aber woran soll sie erkennen, wer in seinem Studium bereits fortgeschritten ist? Als der Professor eines Tages zu Beginn der Vorlesung berichtet, dass er in der vergangenen Woche einige E-Mails von Studenten erhalten habe, die die Grafik aus der letzten Sitzung nicht verstanden hätten und dass er die Grafik deshalb noch einmal ausführlich erklären werde, ist Nóra schockiert: Wie kann man sich mit seinen Fragen per E-Mail direkt an den Professor wenden? Sie findet das sehr unhöflich, weil es aus ihrer Sicht eine indirekte Kritik an der Präsentation des Professors beinhaltet.


 

1. Welche Grundeinstellung gegenüber Dozenten könnte Nóras Reaktion zu Grunde liegen?
2. Wie ist die Reaktion des Dozenten auf die E-Mail der Studenten einzuschätzen?




 

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A24  Isabel / Spanien / Ingenieurwissenschaften

Interaktionspartner: deutsche Studierende
Erhebungszeitpunkt: SS 08


 

Isabel, eine spanische Studentin, geht für ein Jahr zum Studium an eine deutsche Universität. In den Seminaren ist ihr aufgefallen, dass fast jedes Mal jemand zu spät zur Sitzung kommt und sich ganz offensichtlich nichts weiter dabei denkt. Eigentlich hatte sie gedacht, dass Deutsche immer sehr pünktlich sind, aber nun muss sie feststellen, dass das für deutsche Studierende offensichtlich nicht zutrifft. Einmal ist es sogar vorgekommen, dass ein deutscher Kommilitone eine halbe Stunde nach Seminarbeginn ohne Entschuldigung erschienen ist, und der Dozent nichts dazu gesagt hat. In Spanien würde so ein Verhalten in den meisten Fällen dazu führen, dass der Dozent den Studenten tadelt oder sogar hinauswirft.


 

1. Warum empfindet Isabel das Zu-spät-Kommen der deutschen Studierenden als irritierend?
2. Warum tolerieren die Dozenten dieses Verhalten in den meisten Fällen?




 

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A25  Karim / Marokko / Geschichte

Interaktionspartner: deutscher Student
Erhebungszeitpunkt: SS 09


 

Der Erasmus-Student Karim aus Marokko verbringt ein Auslandssemester an einer deutschen Universität. Unter anderem besucht er ein Geschichtsseminar, das ganz früh am Morgen stattfindet. Gleich zu Beginn seines Aufenthaltes wird im Studentenwohnheim eine so genannte Erasmus-Studenten-Begrüßungsparty veranstaltet. Nachdem Karim bis in die frühen Morgenstunden gefeiert hat, verschläft er am nächsten Tag. In aller Eile macht er sich auf den Weg zur Uni, kommt dort aber erst zu einem Zeitpunkt an, als das Seminar bereits seit einer halben Stunde begonnen hat. Also setzt sich Karim solange in die Cafeteria und begibt sich, als das Seminar beendet ist, vor die Hörsaaltür, um seine Kommilitonen nicht zu verpassen. Die deutschen Studenten sind erstaunt, als sie Karim erblicken, und Klaus, sein deutscher Zimmernachbar im Wohnheim, fragt, warum er denn nicht am Seminar teilgenommen habe. Da erklärt Karim, dass er eine halbe Stunde zu spät auf dem Uni-Gelände eingetroffen sei. Klaus lacht und erklärt dem marokkanischen Studenten, dass er dann doch noch eine Stunde an dem Seminar hätte teilnehmen können und fragt, warum er denn nicht hereingekommen sei. Karim fühlt sich ausgelacht und reagiert mit Empörung auf den Vorschlag von Klaus.


 

1. Was veranlasst Karim, lieber in der Cafeteria zu warten als mit Verspätung in das Seminar zu kommen? Und warum reagiert er mit Empörung auf den Vorschlag des deutschen Studenten?
2. Wie ist die Verwunderung der Kommilitonen zu verstehen?




 

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A26  Natalia / Russland / Fremdsprachen in der Erwachsenenbildung

Interaktionspartner: deutsche Studierende
Erhebungszeitpunkt: SS 08


 

Natalia, eine Studentin aus Russland, absolviert an einer deutschen Universität einen Master-Studiengang. In einem ihrer Seminare macht der Dozent häufig fünf Minuten länger Unterricht. Nachdem dies ein paar Mal passiert ist, beschweren sich die deutschen Studenten bei dem Dozenten und bitten ihn, in Zukunft pünktlich das Seminar zu beenden. Natalia wundert sich sehr darüber. Sie würde einen Dozenten nie direkt kritisieren, schon gar nicht wegen einer Verlängerung des Unterrichts. Besonders unhöflich und respektlos findet sie, dass einige der deutschen Studierenden oft schon fünf Minuten vor dem regulären Veranstaltungsschluss ihre Sachen einzupacken beginnen, während der Dozent noch etwas erklärt. Sie wundert sich, dass der Dozent nichts dazu sagt, zumal sie den Eindruck hat, dass ihn die Unruhe gegen Ende der Veranstaltung durchaus stört.


 

1. Wieso stört Natalia das Verhalten ihrer deutschen Kommilitonen und was erwartet sie von dem Dozenten?
2. Was könnte es für Gründe haben, dass der Dozent das Verhalten der Studierenden toleriert? Gilt diese Toleranz generell?




 

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A27  Agnieszka / Polen / Studiengang unbekannt

Interaktionspartner: deutsche Studierende und Dozenten
Erhebungszeitpunkt: WS 09/10


 

Agnieszka verbringt ein Studiensemester in Deutschland. Als sie zum ersten Mal eine Lehrveranstaltung besucht, bemüht sie sich um äußerste Pünktlichkeit und ist, wie im Vorlesungsverzeichnis angegeben, Punkt 12 Uhr im Hörsaal. Zu ihrem Erstaunen stellt sie fest, dass der Saal ganz leer ist. Erst denkt sie, sie habe sich vielleicht im Raum geirrt und sieht in ihren Unterlagen nach. Doch dann sie stellt fest, dass alles seine Richtigkeit hat. Etwa 10 Minuten später treffen nach und nach auch andere Studierende ein und um viertel nach 12 ist der Hörsaal schließlich voll und der Dozent erscheint. Agnieszka ist empört über die Verspätung. Sie hatte gedacht, dass in Deutschland so viel Wert auf Pünktlichkeit gelegt wird.


 

1. Wie ist es zu erklären, dass die polnische Studentin den an deutschen Hochschulen üblichen Vorlesungsbeginn (c.t. = viertel nach) als Verspätung interpretiert?
2. "Welche Tradition liegt dem ""Akademischen Viertel"" zu Grunde?"




 

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A28  Hakan / Türkei / Studiengang unbekannt

Interaktionspartner: deutscher Student
Erhebungszeitpunkt: WS 08/09


 

Hakan ist Erasmus-Student aus der Türkei. Er verbringt ein Studienjahr an einer deutschen Universität und hat große Schwierigkeiten, sich an den Arbeitsstil in Vorlesungen und Seminaren zu gewöhnen. Das Hauptproblem besteht darin, dass Hakan in den Veranstaltungen vieles nicht versteht, weil er noch nicht so gut Deutsch kann. Anfangs hofft er darauf, dass die deutschen Studierenden, die neben ihm sitzen, ihm von sich aus helfen. Doch er hat den Eindruck, dass niemand seine Probleme überhaupt bemerkt und sieht sich bestätigt in seiner Einschätzung, dass die Deutschen nur an sich selbst denken. Schließlich fasst er sich einmal ein Herz und fragt seinen Sitznachbarn nach einem der Begriffe, die der Dozent gerade gebraucht hat. Der Student erklärt ihm bereitwillig den Begriff und fügt hinzu: "Du kannst mich jeder Zeit fragen, wenn du etwas nicht verstehst!" Der türkische Student ist überrascht und fragt sich, warum der Student ihm nicht schon vorher unaufgefordert geholfen hat.


 

1. Was erwartet der türkische Student von seinen deutschen Kommilitonen?
2. Warum hilft der deutsche Student erst, als er direkt gefragt wird?




 

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A29  Dandu / Kenia / Mathematik

Interaktionspartner: deutscher Student
Erhebungszeitpunkt: SS 09


 

Dandu, ein Student aus Kenia, studiert Mathematik an einer deutschen Universität. Da ihm die Mitschrift der letzten Vorlesungsveranstaltung fehlt, ist er erfreut, als er die Unterlagen auf dem Tisch seines Nachbarn entdeckt. Er bittet den Kommilitonen, ihm kurz mal seinen Ordner auszuleihen, damit er sich die Unterlagen kopieren kann. Der deutsche Student schaut ihn erstaunt an und fragt: "Kennen wir uns?" Als der kenianische Student das verneint, zuckt der deutsche Student die Schultern und sagt: "Dann tut es mir leid!" Dandu ist fassungslos. Vor einiger Zeit ist ihm schon einmal etwas Ähnliches passiert. Er kann nicht verstehen, warum der deutsche Student ihm seine Unterlagen nicht geben will und sehnt sich nach seiner Heimat, wo ein Student dem anderen ohne zu zögern hilft, auch wenn er ihn nicht kennt.


 

1. Wie interpretiert Dandu das Verhalten des deutschen Studenten?
2. Was könnte der Grund für das Verhalten des deutschen Studenten sein?




 

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A30  János / Ungarn / Philosophie

Interaktionspartner: deutsche Studierende
Erhebungszeitpunkt: WS 09/10


 

János verbringt ein Erasmus-Semester an einer deutschen Universität. Dabei ärgert er sich immer wieder über das Verhalten deutscher Studenten und Studentinnen in den Lehrveranstaltungen. Aus ungarischen Universitäten ist er es gewohnt, alle Anwesenden laut zu begrüßen, wenn er einen Seminarraum betritt, egal, ob er sie alle persönlich kennt oder nicht. Wenn er das in deutschen Seminaren macht, antwortet ihm jedoch niemand. János fühlt sich dadurch ausgegrenzt und hat den Eindruck, dass die deutschen Studierenden ihn als Eindringling empfinden. Allerdings hat er auch beobachtet, dass deutsche Studierende sich untereinander ebenfalls nicht alle begrüßen und findet das sehr seltsam.


 

1. Wie lässt sich das Verhalten des ungarischen Studenten erklären?
2. Welche Begrüßungskonventionen sind in deutschen Lehrveranstaltungen die Regel?




 

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A31  Marco / Italien / Germanistik

Interaktionspartner: deutsche Studierende
Erhebungszeitpunkt: WS 01/02


 

Marco ist Austauschstudent an einer deutschen Universität. Gleich in seiner ersten Lehrveranstaltung erhält er die Gelegenheit, sich in einer allgemeinen Vorstellungsrunde als Austauschstudent aus Italien vorzustellen. Als der Kurs zu Ende ist, stehen alle Studierenden auf und gehen davon. Marco bleibt verwundert zurück. Er hatte erwartet, dass die Studierenden ihn nach dem Kurs umringen und alle möglichen Fragen stellen würden, aber er muss feststellen, dass sich niemand für ihn interessiert, obwohl doch alle im Kurs mitbekommen haben, dass er aus Italien kommt.


 

1. Wie lassen sich die Erwartungen des italienischen Studenten an die deutschen Studierenden erklären?
2. Ist das Verhalten der deutschen Studierenden als ganz normal einzuschätzen oder könnte es spezielle Gründe dafür geben, dass sie dem fremden Studenten keine Fragen stellen?




 

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A32  Susanne / Deutschland / Romanistik

Interaktionspartner: portugiesische Studentin
Erhebungszeitpunkt: WS 09/10


 

Susanne, Studentin der Romanistik, besucht einen Spanischkurs an ihrer Universität. Neben ihr sitzt Maria, eine portugiesische Austauschstudentin, die neu dazugekommen ist. Als der Dozent die Studierenden auffordert, ihre Bücher aufzuschlagen, schnappt sich Maria, ohne zu fragen, Susannes Buch und schlägt die angegebene Seite auf. Dann schiebt sie das Buch in die Mitte zwischen Susanne und sich. Die deutsche Studentin ist verärgert: Wie kommt die portugiesische Studentin dazu, einfach ihr Buch zu nehmen, ohne vorher zu fragen?


 

1. Welche Verhaltensnormen sieht die deutsche Studentin verletzt und worin sind diese Normen begründet?
2. Wie ist das Verhalten der portugiesischen Studentin zu erklären?




 

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A33  Herr Dömmer / deutscher Dozent / Ingenieurwissenschaften

Interaktionspartner: internationale Studierende
Erhebungszeitpunkt: WS 08/09


 

Herr Dömmer, Dozent im Bereich Ingenieurwissenschaften, ist Ansprechpartner für die ausländischen Studenten und Koordinator eines internationalen Studiengangs. Um den ausländischen Studierenden auch die Arbeitswelt außerhalb der Universität zeigen zu können, organisiert er eine kostenlose Firmenbesichtigung in einem Unternehmen der Region. Damit er den Tag besser planen kann, gibt er im Seminar eine Liste durch die Reihen, in die sich alle eintragen sollen, die an dem Tag mitkommen möchten. Als er am Ende die Liste wieder einsammelt, haben sich fast dreißig Personen eingetragen. Herr Dömmer gibt diese Informationen an das Unternehmen weiter. Als sich die Gruppe schließlich an dem verabredeten Datum trifft, um gemeinsam zu der Firma zu fahren, ist nur knapp die Hälfte der Studenten anwesend. Herr Dömmer ist bitter enttäuscht. Als sie bei dem Unternehmen ankommen, merkt er, wie viel Arbeit sich die Verantwortlichen dort gemacht haben: Sie haben extra zwei Personen abgestellt, um die Studenten in zwei Gruppen herumführen zu können. Außerdem ist ein großes Mittagessen für 30 Personen vorgesehen. Herrn Dömmer ist die Situation überaus peinlich. Es macht ihn wütend, dass so viele der internationalen Studenten trotz schriftlicher Anmeldung nicht erschienen sind.


 

1. Welche Bedeutung hatte die Anmeldeliste für Herrn Dömmer?
2. Was könnte der Grund dafür sein, dass so viele Studenten nicht erschienen sind, obwohl sie sich in die Liste eingetragen hatten?




 

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A34  Sven / Deutschland / Germanistik

Interaktionspartner: türkischer Student
Erhebungszeitpunkt: WS 09/10


 

Sven, ein deutscher Student der Germanistik, ist gut befreundet mit Burak, einem türkischen Studenten. Sie besuchen viele Seminare zusammen, und Sven hilft Burak, so gut er kann. Einmal muss Burak in einem Seminar eine Präsentation halten und ist deswegen sehr aufgeregt. Sven macht ihm Mut und gibt ihm, als Burak schließlich vorne steht und seinen Vortrag gerade beginnen möchte, ein Zeichen der Aufmunterung. Dabei streckt er die Hand hoch und bildet mit Daumen und Zeigfinger einen Kreis. Burak verwirrt dieses Zeichen jedoch sehr und er blickt seinen Freund wütend an. Es dauert eine ganze Weile, bis er sich schließlich so weit gefasst hat, dass er mit seiner Präsentation beginnen kann.


 

1. Was will Sven seinem Freund mit dem Fingerzeichen zu verstehen geben?
2. Wie interpretiert der türkische Student das Zeichen?




 

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A35  Dennis / Deutschland / Romanistik

Interaktionspartner: englische Studentin
Erhebungszeitpunkt: SS 07


 

Dennis, ein Student der Romanistik, ist mit einer englischen Austauschstudentin befreundet. Als in einem der Seminare eine Klausur zurückgegeben wird, will Dennis seiner englischen Freundin, die weiter hinten im Raum sitzt, mitteilen, dass er für seine Arbeit die Note 2 erhalten hat. Er streckt zwei Finger in die Luft und hält dabei die Außenseite der Hand in Richtung der englischen Studentin. Diese ist sichtlich entsetzt über die Geste!


 

1. Welche Bedeutung hat die Geste aus Sicht des deutschen Studenten?
2. Wie interpretiert die englische Studentin die Geste?




 

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A36  Frau Kohlhaas / deutsche Dozentin / Ingenieurwissenschaften

Interaktionspartner: indische Studierende
Erhebungszeitpunkt: WS 08/09


 

Frau Kohlhaas ist Dozentin im Bereich Ingenieurwissenschaften und hat in ihren Seminaren oft mit ausländischen Studierenden zu tun. Eigentlich empfindet sie das Unterrichten der internationalen Studenten als angenehm, aber die indischen Studenten bereiten ihr auch Sorgen: Fast immer, wenn sie etwas erklärt, wiegen die indischen Studenten bedächtig den Kopf hin und her. Frau Kohlhaas fragt sich dann immer, wie sie den Sachverhalt anders beschreiben kann, damit die Studenten es besser verstehen, und versucht, alles noch einfacher zu erklären. Wenn sie anschließend nachfragt, ob es jetzt verstanden wurde, wiegen die indischen Studenten ihren Kopf wieder hin und her. Frau Kohlhaas irritiert dieses Verhalten sehr.


 

1. Wieso irritiert Frau Kohlhaas das Verhalten der indischen Studenten?
2. Was bedeutet das Wiegen des Kopfes bei den indischen Studenten?




 

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A37  Frau Seiffert / deutsche Dozentin / Ingenieurwissenschaften

Interaktionspartner: chinesische und taiwanesische Studierende
Erhebungszeitpunkt: WS 08/09


 

Frau Seiffert unterrichtet als Dozentin im ingenieurwissenschaftlichen Bereich. In ihren Vorlesungen und Seminaren sitzen viele ausländische Studierende, vor allem Studenten und Studentinnen aus China und Taiwan. Vor ihnen fühlt sich Frau Seiffert immer etwas unsicher, weil sie nie weiß, was sie denken. Bei deutschen Studenten kann sie aus den Gesichtern ablesen, ob sie aufmerksam zuhören oder geistig abwesend sind, ob sie alles verstanden haben oder nicht und ob sie zustimmen oder Kritik anbringen möchten. Bei den asiatischen Studierenden hingegen kann sie in den Gesichtern keinerlei Reaktion erkennen, denn die Mienen bleiben während der gesamten Lehrveranstaltung unbeweglich, und sie fragt sich immer wieder, ob die Studierenden sie überhaupt verstanden haben.


 

1. Warum fällt es Frau Seiffert schwer, die Gedanken und Emotionen ihrer chinesischen und taiwanesischen Studierenden einzuschätzen?
2. Warum lassen die chinesischen und taiwanesischen Studierenden keine Reaktionen erkennen?




 

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A38  Joanna / Polen / Sozialwissenschaften

Interaktionspartner: deutsche Studierende
Erhebungszeitpunkt: WS 09/10


 

Joanna ist eine Erasmus-Studentin aus Polen, die ein Studienjahr an einer deutschen Universität verbringt. Von einigen Verhaltensnormen in den Lehrveranstaltungen ist sie entsetzt. Jedes Mal, wenn die Studierenden am Ende einer Lehrveranstaltung auf die Tische klopfen, zuckt sie ein wenig zusammen. In ihren Augen signalisiert das Klopfen Unzufriedenheit mit dem Dozenten und Kritik. In Polen bedanken sich die Studierenden, wenn ein Professor seine Veranstaltung beendet hat, durch Klatschen, und nach dem Redebeitrag eines Studenten wird auch applaudiert. Auf die Tische klopfen würde als grobe Respektlosigkeit gegenüber dem Dozenten empfunden. Mittlerweile weiß Joanna natürlich, dass das Klopfen der Studierenden in deutschen Universitäten eine Beifallsbekundung ist. Sie hat sich auch allmählich daran gewöhnt und beteiligt sich selbst daran, doch einen kleinen Schreck jagt es ihr trotzdem immer wieder ein.


 

1. Warum ist der polnischen Studentin das Klopfen unangenehm?
2. Woher stammt der Brauch des Klopfens an deutschen Hochschulen?




 

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