Lutz Seiler
Bild: Amrei-Marie (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lutz_Seiler_2.jpg)Lutz Seiler bei der Vorstellung seines Romans Kruso auf dem Erlanger Poetenfest 2014
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Die GPP-Veranstaltungen mit Lutz Seiler finden an den folgenden Terminen statt
- Mi., 17. Juni 2026, 18–20 Uhr: öffentliche Poetik-Vorlesung
- Do., 18. Juni 2026, 12–14 Uhr: Poetik-Seminar (für Kasseler Studierende mit Voranmeldung)
- Do., 18. Juni 2026, 18–20 Uhr: öffentliche Lesung
– Stefanie Kreuzer | Stand: 3. März 2026 –
Lutz Seiler: Grimm-Poetikprofessor 2026
Lutz Seiler (*1963) zählt zu den derzeit wichtigsten deutschsprachigen Gegenwartsautoren. Ursprünglich als Lyriker hervorgetreten hat er neben seinen bisher fünf sprachexperimentellen Lyrik-Bänden – berührt/geführt (1995), pech & blende (2000), vierzig kilometer nacht (2003), im felderlatein (2010) und schrift für blinde riesen (2021) – auch Erzählungen, zwei Romane und Essays vorgelegt.
Lutz Seilers lyrische Texte zeichnen sich durch einen sprachlich experimentellen und zugleich intertextuell anspielungsreichen Stil aus, mit dem er tentativ Seelenlandschaften und vergangene Zeiten im Privaten ebenso wie im Gesellschaftlich-Politischen erkundet.
Als Romancier greift er historische DDR-Themen zur Zeit des Mauerfalls und der Wendezeit auf, die der im thüringischen Umland von Gera aufgewachsene ostdeutsche Schriftsteller als Zeitzeuge der Wiedervereinigung Deutschlands auch noch in seiner Studienzeit in Halle und Berlin selbst erlebt hat. So ist sein Romandebüt Kruso (2014) um das Jahr 1989 auf der Ostseeinsel Hiddensee angesiedelt und erzählt von einer Gruppe von Aussteigern, Sonderlingen und DDR-Flüchtlingen um den titelgebenden Anführer ›Kruso‹ und der Utopie von Freiheit jenseits des realsozialistischen Alltags. Kruso ist als Wenderoman gelesen worden, der ebenso »durch seine vollkommen eigenständige poetische Sprache« wie durch »seine sinnliche Intensität und Welthaltigkeit« (Begründung der Jury zur Verleihung des Deutschen Buchpreises) überzeugt hat.
Sein zweiter Roman Stern 111 (2020) knüpft teilweise an das Geschehen und Personal seines ersten Romans an, spielt in den Monaten nach dem Mauerfall. Er fokussiert eine ostdeutsche Familie, die versucht, sich ein neues Leben in Westdeutschland aufzubauen, dabei getrennt wird, wodurch Vater, Mutter und der erwachsene Sohn sich zunehmend entfremden. Themen der ostdeutschen und wiedervereinigten deutschen Erinnerungskultur treten in beiden Romanen deutlich hervor. Zugleich entwerfen die Texte allerdings auch anachronistische Utopie und Dystopien des menschlichen (Zusammen-)Lebens, die zeitlich und räumlich entrückt erscheinen. Somit dokumentieren Seilers stellenweise autobiografischen Texte einerseits die historische Wendezeit, andererseits sind sie aber überzeitlich und poetisch als philosophische Reflexionen über Freiheit und (Lebens-)Gemeinschaft zu lesen.
Als Gegenwartsautor ist Lutz Seiler mittlerweile international bekannt. Seine Texte sind in über 25 Sprachen übersetzt. Kruso wurde filmisch unter dem gleichnamigen Titel KRUSO (D 2018) in der deutschen Produktion unter der Regie von Thomas Stuber adaptiert. Zudem hat Lutz Seiler bereits viele renommierte Literaturpreise erhalten, darunter 2007 den Ingeborg-Bachmann-Preis für die Erzählung Turksib (2008), 2014 den Deutschen Buchpreis für Kruso und 2020 den Leipziger Buchpreis für Stern 111. 2023 ist er sowohl mit dem Berliner Literaturpreis als auch mit dem Georg Büchner-Preis für sein Gesamtwerk geehrt worden. Ferner hatte Lutz Seiler bereits 2015 die Heidelberger Poetikdozentur inne, danach folgten die Bamberger Poetikdozentur (2023) sowie die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik an der Freien Universität Berlin (2023/24) und schließlich 2026 die Kasseler Grimm-Poetikprofessur.