Dr. Bet­ti­na Mu­ni­mus

People’s Parties in retirement? The large number of senior citizens in CDU and SPD

The German political parties – most notably CDU and SPD – age stronger and faster than society as a whole. In 2011, almost half of both large parties' members were aged 60 years and older. Adolescents and young adults constituted less than eight percent of all members. What does this development of the age structure towards older members imply for CDU and SPD?

The study examines this question from three different angles. The first focus lays on the representation of 60plus members within party panels and parliaments on federal- as well as federal state level. Despite their large proportion in the overall membership body there is a representation gap: They are underrepresented as functionaries and members of parliament. This aspect can be explained with help of the so-called "Representation Theory", which holds that to date, senior citizens have felt their political interest sufficiently represented by younger generations.

The second step in the context of this study – due to the existing organizational structures – is a detailed analysis of the senior citizen organizations "Senioren-Union" (senior union) of the CDU and the "Arbeitsgemeinschaft 60plus" (workgroup 60plus) of the SPD. The formation of these organizations signified the institutionalization of higher age within established party structures. Both Senior-Union and AG SPD 60plus, in their function as sub- and auxiliary organizations, are meant to exert influence on the strategically important voter segment and supposed to advertise the interests of their respective parties. It is discussed whether, in face of this numerical imbalance, a growing senior-political activism can be expected from these organizations. With help of four qualitative case studies conducted in the federal state capitals of Stuttgart and Hannover, and in the rural small towns of Northeim and Freudenstadt, it was empirically tested how the smallest organizational entities of the member parties, local clubs, and local chapters deal with their aging party structures. Based on the model "Members as strategic organizational resource", by Elmar Wiesendahl, it is illustrated, which resources and gratifications are significant for active party engagement in regard to the aged participation cohorts of the 1960s and 1970s. A central finding of this analytical angle is the wish for perpetuation of the biographic continuity and social participation within grown party structures, while aspirations towards new modes of participation or power ambitions are not apparent – albeit the wealth of resources in terms of time, education, experience, and material wealth that comes with retirement.

Die deutschen Parteien – allen voran CDU und SPD – altern stärker und schneller als die Gesellschaft im Allgemeinen. Im Jahr 2011 war nahezu die Hälfte aller Mitglieder beider Großparteien sechzig Jahre oder älter. Jugendliche und junge Erwachsene bis 35 Jahre stellen hingegen nicht einmal acht Prozent der Gesamtmitgliedschaft. Was bedeutet die altersstrukturelle Verschiebung zugunsten der älteren Mitglieder für die Mitgliederparteien CDU und SPD?

Die Studie geht dieser Frage aus drei unterschiedlichen Perspektiven nach. Der erste Fokus richtet sich auf die Vertretung der über 60-Jährigen in den Parteigremien und Parlamenten auf Bundes- wie Landesebene. Trotz ihres hohen Anteils an der Gesamtmitgliedschaft kann von einer Repräsentationslücke gesprochen werden: Als Funktionäre und Mandatsträger sind sie unterproportional vertreten. Erklären lässt sich dies mit der sogenannten Repräsentationsthese, wonach sich Ältere in ihren politischen Interessen von Jüngeren bislang adäquat vertreten fühlen.

Im Rahmen der Untersuchung wird – bedingt durch die vorhandenen Organisationsstrukturen – im zweiten Schritt auf die Seniorenorganisationen Senioren-Union der CDU und die Arbeitsgemeinschaft 60plus der SPD (AG SPD 60plus) ein besonderes Augenmerk gelegt. Mit der Gründung dieser Organisationen wurde das fortgeschrittene Alter innerhalb der etablierten Parteistrukturen institutionell verankert. Senioren-Union und AG SPD 60plus haben als Unter- bzw. Nebenorganisationen die Aufgabe, in das strategisch wichtige Wählersegment hineinzuwirken und für die Anliegen ihrer jeweiligen Partei zu werben. Es wird diskutiert, ob angesichts des numerischen Übergewichts ein wachsender seniorenpolitischer Aktionismus von diesen Organisationen ausgeht.

Mittels vier qualitativer Fallstudien in den Landesmetropolen Stuttgart und Hannover sowie den ländlich geprägten Kleinstädten Northeim und Freudenstadt wurde empirisch untersucht, wie die kleinsten Organisationseinheiten der Mitgliederparteien, Ortsvereine und Ortsverbände, mit der Überalterung ihrer Strukturen umgehen. Auf der Basis des Modells "Mitglieder als strategische Organisationsressource" von Elmar Wiesendahl wird ein illustratives Bild gezeichnet, welche Ressourcen und Gratifikationen für die gealterten Partizipationskohorten der 1960er und 1970er Jahre für ein aktives Parteiengagement von Bedeutung sind. Zentrales Ergebnis dieser Untersuchungsperspektive ist der Wunsch der Aufrechterhaltung der biografischen Kontinuität und sozialen Teilhabe innerhalb der gewachsenen Parteistrukturen, ohne dass sich im fortgeschrittenen Alter – trotz günstiger Ressourcenausstattung in Form von Zeit, Bildung, Erfahrung, materieller Absicherung im Ruhestand – neue Partizipations- gar Machtambitionen erwachsen.

"Volksparteien im Ruhestand? Die große Zahl von Älteren in CDU und SPD"

Die Dissertationsschrift ist 2012 im transcript Verlag erschienen:
Munimus, Bettina (2012): Alternde Volksparteien – Neue Macht der Älteren in CDU und SPD?, Bielefeld: transcript Verlag.
Link zur Publikation

Seit Februar 2012 ist Bettina Munimus als Projektmanagerin an der Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) in Berlin tätig.

Kon­takt

Ver­öf­fent­li­chun­gen

Monographien

  • Munimus, Bettina, 2012: Alternde Volksparteien – Neue Macht der Älteren in CDU und SPD?, Bielefeld: transcript Verlag (im Erscheinen)
  • Munimus, Bettina, 2010: Seniorenpolitik im Wandel. Verbände und Gewerkschaften als Interessenvertreter der älteren Generation, Frankfurt a. M.: Campus Verlag (gemeinsam mit Wolfgang Schroeder und Diana Rüdt)
  • Munimus, Bettina, 2010: Heide Simonis – Aufstieg und Fall der ersten Ministerpräsidentin Deutschlands, Stuttgart: Ibidem Verlag

Aufsätze in Zeitschriften und Büchern

  • Munimus, Bettina, 2012: Alternde Mitgliedschaften als Herausforderung und Auftrag für Gewerkschaften, in: Kohler, Harald; Schmid, Josef (Hrsg.): Der demografische Wandel als europäische Herausforderung. Lösungen durch Sozialen Dialog, Baden-Baden: Nomos Verlag, S. 115-132 (gemeinsam mit Wolfgang Schroeder)
  • Munimus, Bettina, 2012: Von einer quantitativen Mehrheit zur qualitativen Macht? Die Interessenvertreter der älteren Generation, in: Journal für Generationengerechtigkeit, 1/2012 (Peer-Review)
  • Munimus, Bettina, 2012: Wie walten die Alten? Zukunftsvisionen einer ergrauten Gesellschaft, in: INDES – Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, Heft 2, S. 123-125
  • Munimus, Bettina, 2011: Gewerkschaften als Interessenvertreter der älteren Generation?, in: WSI Mitteilungen, 2/2011, S. 107-114 (gemeinsam mit Wolfgang Schroeder) (Peer-Review)
  • Munimus, Bettina, 2010: Alles nur Zufälle? in: Hensel, Alexander; Kallinich, Daniela; Rahlf, Katharina (Hrsg.): Parteien, Demokratie und gesellschaftliche Kritik. Jahrbuch des Göttinger Instituts für Demokratieforschung 2010, Stuttgart: Ibidem Verlag, S. 155-156
  • Munimus, Bettina, 2010: Der harte Weg der Ministerpräsidentinnenkür, in: Hensel, Alexander; Kallinich, Daniela; Rahlf, Katharina (Hrsg.): Parteien, Demokratie und gesellschaftliche Kritik. Jahrbuch des Göttinger Instituts für Demokratieforschung 2010, Stuttgart: Ibidem Verlag, S. 247-249
  • Munimus, Bettina, 2009: Die Parteien verdorren von innen her, in: Berliner Republik, 6/2009, S. 88-89.
  • Munimus, Bettina, 2009: Die Graue Koalition  Wie Deutschlands Volksparteien altern, in: Butzlaff, Felix; Harm, Stine; Walter, Franz (Hrsg.): Patt oder Gezeitenwechsel? Deutschland 2009, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften S. 237-266 (gemeinsam mit Oliver D'Antonio)
  • Munimus, Bettina, 2009: Interessenvertretung für Ältere und mit Älteren: „Ist der Generationen-vertrag in Gefahr?“ Gastkommentar in: Gesellschaftsforschung. Aktuelle Themen und Nachrichten, Newsletter des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung Köln, Nr. 1, S. 16-17, Köln (gemeinsam mit Wolfgang Schroeder und Diana Rüdt) (Peer-Review)
  • Munimus, Bettina, 2009: Ergreifen die Alten die Macht? in: Berliner Republik, 1/2009, S. 79-81
  • Munimus, Bettina, 2008: Integrierende oder separierende Interessenvertretungspolitik? Zum Selbstverständnis der Akteure der deutschen Seniorenpolitik – Sozialverbände, Gewerkschaften und Parteien im Vergleich, in: Zeitschrift für Sozialreform, 54, Heft 3, S. 225-250 (gemeinsam mit Wolfgang Schroeder und Diana Rüdt)
  • Munimus, Bettina, 2008: Hessens Ministerpräsidenten im Profil, in: Schroeder, Wolfgang (Hrsg.): Parteien und Parteiensystem in Hessen. Vom Vier- zum Fünfparteiensystem? Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 284-312 (gemeinsam mit Stephan Klecha und Nico Weinmann)

Online-Veröffentlichungen 

  • Munimus, Bettina, 2011: Seniorenpolitik im Wandel – Interessenvertreter der älteren Generation, Redemanuskript zum gehaltenen Vortrag im Rahmen des Schleswig-Holsteinischen Altenparlaments am 23. September 2011 in Kiel, einzusehen unter: www.landtag.ltsh.de/export/sites/land tagsh/service/altenparl /ap-2011/data/BettinaMunimus_Seniorenpolitik-im-Wandel.pdf
  • Munimus, Bettina, 2010: Der harte Weg zur Ministerpräsidentin, in: Die ZEIT online, 14.07.2010
  • Munimus, Bettina, 2010: Ein Buch für die sieben Enkel, in: vorwärts online, 8.10.2010
  • Munimus, Bettina, 2010: Heimweh nach einem Land der Erinnerungen, in: vorwärts online, 9.10.2010
  • Munimus, Bettina, 2010: Das Dilemma bleibt, in: vorwärts online, 11.10.2010
  • Munimus, Bettina, 2008: „Alt, aber nicht egoistisch“, Die ZEIT online, 29.04.2008

Le­bens­lauf

2001-2007

Studium der Politikwissenschaft, Medien- und Kommunikationswissenschaft und BWL in Würzburg, Göttingen und St. Petersburg (Russland)

2007-2009

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Alternde Gewerkschaften und Organisationen für Ältere – Gewerkschaften und Sozialverbände in nationaler und internationaler Perspektive (gefördert durch die Hans-Böckler-Stiftung) an der Universität Kassel

2009-2012

Graduiertenstipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung

2010-2011

Redaktionsassistentin, BERLINER REPUBLIK – Das Debattemagazin

seit 2012

Projektmanagerin, EAF | Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin