In­­­te­gra­­ti­­ve Bio­­­phi­­lo­­so­­phie

Die Rol­le mu­sik­theo­re­ti­scher Kon­zep­te für die Er­for­schung der or­ga­ni­schen Na­tur in der zwei­ten Hälf­te des 19. und ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts

Projektleitung: Dr. Carsten Kries

Projektbeschreibung:

Die Erforschung des Organischen verweist nach den Worten Helmuth Plessners - gegenüber einer physikalisch orientierten Betrachtungsweise des Lebendigen - auf ein „Plus jener rätselhaften Eigenschaft des Lebens“. Die naturwissenschaftliche Forschung und die Naturphilosophie haben verbunden mit dieser Einsicht einige komplexe Ansätze entwickelt, um dieses Plus des Organischen wissenschaftlich greifbar zu machen, bzw. überhaupt als das Lebendige in den Blick zu bekommen. Hierzu finden wir in der Naturphilosophie und Biophilosophie des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts vereinzelte Ansätze und Hinweise des Versuches, ein an der Musik orientiertes Denken / musiktheoretische Konzepte für die Erforschung und das Verstehen des Lebendigen nutzbar zu machen. Ansätze dazu liefern vorlaufend bereits metaphysischen Systeme, wie v.a. das von Arthur Schopenhauer (1788-1860), aber ebenso die an konkreten biologischen Forschungsarbeiten orientierten Überlegungen, wie diejenigen von Karl Ernst von Baer (1792-1876) und Jakob von Uexküll (1864-1944). Zudem spielen derartige Reflexionen auch in spezifischen philosophischen Disziplinen eine Rolle, wie der philosophischen Anthropologie, wobei hier insbesondere die Arbeiten Helmuth Plessners (1892-1985) zu nennen sind. Von einem überwiegend geschlossenen Forschungsprogramm oder einer Strömung der naturphilosophischen Reflexion des Organischen mithilfe eines „musikalischen Denkens“ oder gar der Etablierung eines der Musik entlehnten Instrumentariums für die Erforschung der organischen Natur kann gegenwärtig jedoch keineswegs gesprochen werden.

Vor diesem skizzierten Hintergrund besteht die Aufgabe meines gegenwärtigen Forschungsprojektes darin, insbesondere die Naturphilosophie (mit Schwerpunkt der 2. Hälfte des 19. und 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts) auf die o.g. an der Musik orientierten Forschungsansätze und Reflexionsbegriffe hin zu untersuchen; d.h. solche Versuche zu sammeln, zu analysieren, zu ordnen und so ein umfassendes Bild dieses hochinteressanten Ansatzes für ein zweifellos auch gegenwärtig noch weitgehend unbearbeitetes aber fruchtbares Forschungsfeld kenntlich zu machen.