Lehre von Damaris Lehmann, M.A.
Sommersemester 2023
Kommentar:
Die Soziologie hat sich seit ihren Anfängen mit dem Kräfteverhältnis zwischen dem Individuum und dem Kollektiv auseinandergesetzt. Welche Rolle spielt das Individuum und welche das Kollektiv bei der Herstellung von sozialer Ordnung und der Gestaltung sozialen Wandelns?
Das Seminar geht diesen Fragen nach und befasst sich mit einer Reihe von soziologischen Klassikern, deren Theorien und Beobachtungen auf unterschiedlichen Annahmen über die conditio humana und die Konstitution sozialer Ordnung beruhen.
Wintersemester 2022/23
Kommentar:
Das Seminar setzt sich mit drei Grundkonzepten soziologischer Theorien auseinander, die für das Verständnis der Entstehung und des Wandels sozialer Ordnung entscheidend sind. Diesen Konzepten liegt die Vorstellung zugrunde, dass in demokratischen Gesellschaften soziale Ordnung durch permanente Aushandlungen von Einigungs- und Gerechtigkeitsprinzipien, durch interpretative Rahmungen und durch Bezugnahme auf Konventionen hergestellt wird. Diese Praktiken erfordern ihrerseits einen Bezug auf gesellschaftlich geteiltes Wissen. Damit ist Beteiligung an der Werdung sozialer Ordnung voraussetzungsvoll; sie erfordert nicht nur einen gekonnten Zugriff auf situationsrelevantes Wissen, sondern auch kritisch-reflexive Bewertungskompetenzen.
Ziel des Seminars ist es, diese drei Grundkonzepte und ihre Voraussetzungen zu verstehen und zu unterscheiden. Dabei wird der Fokus auf Praktiken der Rechtfertigung und Framing-Prozesse in der Debatte um das Geoengineering gelegt. Im weiteren Verlauf des Seminars soll der Blick für die Kompetenzen von beteiligten Akteurinnen geschärft werden. Den Hintergrund dieser Analyse bildet der Umstand, dass Politik und Kultur den technologischen Entwicklungen hinterherhinken, d.h. Zeit brauchen, um sich zu adaptieren, aber auch um die Probleme und Nebenfolgen von neuen Technologien zu realisieren. Diese zeitversetzte Realisierung, der sogenannte cultural lag (Ogburn 1964) bildet den Ausgangspunkt zu den weiteren Überlegungen zu innovativen und maximal invasiven Technologien; sie erfordern eine frühzeitige Involvierung kollektiver Intelligenz bei der Problemformierung und der Etablierung von Lösungen.
Literatur
Boltanski, Luc/ Thévenot, Laurent (2007): Über die Rechtfertigung. Eine Soziologie der kritischen Urteilskraft. Hamburg: Hamburger Edition.
Diaz-Bone, Rainer (2011): Einführung in die Soziologie der Konventionen. In: Ders.: Soziologie der Konventionen. Grundlagen einer pragmatischen Anthropologie, S. 9-41. Frankfurt am Main, New York: Campus.
Diaz-Bone, Rainer/ Thévenot, Laurent (2010): Die Soziologie der Konventionen als ein zentraler Bestandteil der neuen französischen Sozialwissenschaften. In: Trivium (5), S. 1-19.
Goffman Erving (1977): Rahmen-Analyse. Ein Versuch über die Organisation von Alltagserfahrungen. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Jasanoff, Sheila (2004): States of Knowledge. The Co-Production of Science and Social Order. London, New York: Routledge.
Ogburn, William F. (1964): On culture and social change. Chicago: University of Chicago Press.