Lehre von Jakob Roschka, M.A.

Sommersemester 2024

Comment: 

In this seminar we will investigate the intersection of energy and society.

Energy and energy infrastructures are not merely physical matters but are highly politicised and subject of social negotiations around infrastructures, production, consumption practices, and sustainability. In the early days of sociological theorising, ”energy” was a basic concept of the discipline. With the establishment of sociology after the two world wars, questions about the environment, energy, resources, and infrastructures were increasingly detached from the social sciences. However, with the emergence of science and technology studies (STS) and actor-network theory (ANT), the energy humanities have produced new innovative theories and studies over the last three decades, which also point to the need for sociological research and action.

In the first part of the seminar, we will gather different theoretical concepts and methods from technic ethnography, STS and ANT. We will then look at current social science studies on topics such as the energy transition, self-sufficiency, smart electrification, and energy saving. In the third part of the seminar, we will go on short excursions to actors from the energy sector, e.g. a smart city show-case project of the municipal utilities, the energy infrastructures of the university, an organic farm, the low-energy building sector, etc. We will discuss what contribution sociological perspectives and methods can make to infrastructure design.

The academic achievement for all seminar participants is the submission of four reading responses to the texts discussed in the seminar on Moodle as well as support in the preparation of one of the excursions in small groups. The examination is the documentation of one of the excursions in the form of a research report. The prerequisite for participation is the willingness to actively participate in the seminar and to read texts in English.

Selected References:
– Abram, Simone, Brit Ross Winthereik, und Thomas Yarrow. 2019. Electrifying Anthropology: Exploring Electrical Practices and Infrastructures. Bloomsbury Academic. 
– Boyer, Dominic. 2011. Energopolitics and the Anthropology of Energy. Anthropology News 52: 5–7. 
– Boyer, Dominic. 2019. Energopolitics: wind and power in the Anthropocene. Durham: Duke University Press. 
– Mitchell, Timothy. 2011. Carbon democracy: political power in the age of oil. London ; New York: Verso. 
– Nye, David E. 1990. Electrifying America: social meanings of a new technology, 1880-1940. Cambridge, Mass: MIT Press. 
– Özden-Schilling, Canay. 2021. The Current Economy: Electricity Markets and Techno-Economics. Stanford University Press.

Kommentar: 

In diesem Seminar rekonstruieren wir die Entwicklung der soziologischen Theorie rund um den Begriff „Verantwortung”. Was verstehen unterschiedliche Theorien darunter, Verantwortung zu übernehmen oder abzugeben? Wer kann Verantwortung haben? Was kann verantwortet werden und was nicht? Dabei versuchen wir v.a. mit Beiträgen aus feministischen und ökologischen Theorien einen Verantwortungsbegriff zu erarbeiten, der Verantwortung mit Verhältnissen des Antwortens verknüpft. Danach ginge es weniger um die Einhaltung ethischer Prinzipien, sondern um die Etablierung von und Sorge um Beziehungen gegenseitiger Antwortfähigkeit.

Wir lesen Autor*innen wie Max Weber (Verantwortungsethik vs. Gesinnungsethik), Emile Durkheim (Verantwortung als Teil der „moralischen Persönlichkeit”), George Herbert Mead (Verantwortung als Fähigkeit zum Ausgleichen verschiedener Rollenerwartungen), Harold Garfinkel (Verantwortung als Zurechnungsfähigkeit und Rechtfertigung), Niklas Luhmann (Verantwortung als Form des Vertrauens oder des Gewissens zur Reduzierung von Komplexität), Ulrich Beck (organisierte Unverantwortlichkeit und Ökologie), Bernhard Waldenfels (Responsive Verantwortungsethik), Hannah Arendt (Verantwortungslosigkeit als alltäglich Gedankenlosigkeit am Beispiel des Eichmann-Prozesses), Donna Haraway (Response-Ability, Verantwortung als Fähigkeit zu Antworten), Maria Puig de la Bellacasa (relationale Sorge-Ethik) sowie Étienne Souriau und Bruno Latour („Verantworten heißt auf einen Ruf zu antworten”).

Studienleistung ist neben der aktiven Teilnahme die Einreichung von 4 „Lektüreantworten” als Reaktionen, die auf die im Seminar zur Diskussion gestellten Texte formuliert werden. Eine weitere Studienleistung ist die Mitarbeit in einer Kleingruppe für die Präsentation in der gemeinsamen Abschlusssitzung aller Seminare im Modul zum Ende des Semesters.

Prüfungsleistung ist eine schriftliche Hausarbeit. Mindestens eine Sprechstunde mit dem Seminarleiter ist dabei zur Abstimmung des Themas und Vorgehens Pflicht.

Es gibt ein begleitendes Tutorium, in dem die behandelten Texte vorbesprochen werden und die Gruppenarbeiten für die Abschlusssitzungen stattfinden.

Sommersemester 2023

Kommentar: 

Als ethnographisch forschende Person wirst du Teil des Feldes, das du beforschst. Deine Erkenntnis entspringt aus der Spannung zwischen Im-Feld-fremd-Sein und darin Einheimisch-Werden. Du lernst den Handlungen aufmerksam zu folgen und eine dokumentarische Form ("fieldnotes") dafür zu finden. Das ermöglicht uns auf Fragen wie diese zu schauen: Welche Dynamiken wiederholen sich in sozialen Beziehungen? Welche (impliziten) Regeln gelten in einer sozialen Situation? Wie stabilisieren oder verunsichern sich (Macht)-Strukturen in einer Interaktion? Welche sozialen Positionen bringen die Teilnehmenden einer Situation dazu so zu handeln, wie sie handeln? 
Dieser Kurs ist hochgradig praktisch angelegt. Ihr bekommt einen großen Korpus an Methodenliteratur und beispielhaften Studien auf Moodle bereitgestellt. Im Seminar selbst lesen wir nur wenige Texte gemeinsam und gehen stattdessen (fast) jede Sitzung auf die Straße oder andere soziale Kontexte um das teilnehmende Beobachten und Schreiben von fieldnotes, später auch das Auswerten und Interpretieren zu üben. Im zweiten Teil des Semesters wählst du dir ein ethnographisches Forschungsprojekt zur selbstständigen Durchführung (auch in Gruppen möglich), das wir in den letzten Semesterwochen beratend voranbringen.

Als Beispiele und Anwendungsfelder werden wir Fälle u.a. aus den Gender Studies, der Technik- und Energiesoziologie sowie der Umweltsoziologie beforschen.
Das Seminar kann auch zur Datenerhebung für daran anschließende Bachelorarbeiten genutzt werden. Wer keine Credits mehr benötigt, aber eine ethnographisch orientierte Bachelorarbeit schreiben möchte, kann dieses Seminar auch als Methodenkurs und Kolloquium für die Bachelorarbeit nutzen.

Literatur: 

Breidenstein, Georg u. a. 2015. Ethnografie Die Praxis der Feldforschung. Stuttgart: utb.
Hirschauer, Stefan & Amann, Klaus 1997. Die Befremdung der eigenen Kultur. Ein Programm. In S. Hirschauer & K. Amann, hg. Die Befremdung der eigenen Kultur: zur ethnographischen Herausforderung soziologischer Empirie. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 7–52.
Przyborski, Aglaja; Wohlrab-Sahr, Monika (2014): Qualitative Sozialforschung: ein Arbeitsbuch, 4., erweiterte Auflage. München: Oldenbourg Verlag (Lehr- und Handbücher der Soziologie).

Kommentar: 

Das Seminar widmet sich dem Begriff sozialer Gestaltung. Die Grundüberlegung ist, dass nichts in der Welt "einfach so ist", sondern die Wirklichkeit dauerhaft konstruiert und von einer Vielzahl von Akteuren (re-)produziert wird. In den soziologischen Theorien gibt es eine viele Begriffe für diese Herstellung oder Hervorbringung von (sozialen) Tatsachen: Konstruktion, Produktion, Arbeit, Performance, Enactment, Formung, Transformation oder eben auch Gestaltung.
Mithilfe von soziologischen Texten aus der (Sozial-)Phänomenologie (Alfred Schütz), Gestalttheorie (Max Wertheimer), aber auch angrenzenden Disziplinen wie Entwicklungspsychologie (Jean Piaget) und (Lebens-)Philosophie (Henri Bergson) wollen wir theoretische Perspektiven kennenlernen, die uns ermöglichen, einen soziologischen Begriff von Gestaltung zu formulieren. Die These lautet, dass die Gestaltungsmöglichkeiten von Individuen oder Kollektiven an ihre Fähigkeit geknüpft ist, soziale Probleme oder Wirklichkeit überhaupt erst wahrzunehmen und darin einen Handlungsspielraum zu öffnen.
Weitere Autor*innen, die wir im Seminarkontext behandeln, sind bspw. Hannah Arendt, Pierre Bourdieu oder Harold Garfinkel. Ich freue mich auch über Literaturhinweise und Wünsche für zu behandelnde Theoretiker*innen von den Teilnehmenden. Schreiben Sie mir dazu gerne eine E-Mail.
Das Seminar ist so aufgebaut, dass Sie bis zum Tutorium am Montag die Texte einmal gelesen (oder zumindest überflogen), grob gegliedert und Fragen an den Text gerichtet haben (Welche Fragen könnte dieser Text mir beantworten?). Dafür lernen Sie im Seminar Lesetechniken kennen. Das Tutorium nutzen Sie, um die Texte aufzubrechen, in Abschnitte einzuteilen, erste Fragen an den Text zu diskutieren und Verständnis- und weitere Diskussionsfragen zu sammeln. Eine Studienleistung ist die Verfassung von vier sog. "Lektüreantworten", in denen Sie genau diese Fragen zusammenfassen und bis Montagabend auf Moodle hochladen. Im Seminar am Dienstag diskutieren wir dann jene Fragen und klären tiefergehende Verständnisfragen, vergleichen theoretische Positionen miteinander und suchen Anwendungsbeispiele und Kritiken. Die Prüfungsleistung ist wie in allen Seminaren in diesem Modul eine Hausarbeit mit 30.000 Zeichen. Das Thema der Hausarbeit formulieren wir gemeinsam. Ich biete eine enge Betreuung von Hausarbeiten in regelmäßigen Sprechstunden an.
 

Literatur: 

Zur wiederholenden Vorbereitung empfehle ich den Blick in Lehrbücher zur Soziologischen Theorie (z.B. "Soziologische Theorien" von Rosa/Strecker/Kottmann (2013) sowie "Sozialtheorie" von Joas/Knöbl (2004)). Darüber hinaus können Sie zur theoretischen Sensibilisierung unter den Stichworten "Gestalt", "Phänomenologie", "Schema_(Psychologie)" und "Habitus" sowie zu den genannten Autor*innen im Internet nach ersten Schlagwörtern suchen.

Wintersemester 2022/23

Kommentar: 

Als ethnographisch forschende Person wirst du Teil des Feldes, das du beforschst. Deine Erkenntnis entspringt aus der Spannung zwischen Im-Feld-fremd-Sein und darin Einheimisch-Werden. Du lernst den Handlungen aufmerksam zu folgen und eine dokumentarische Form ("fieldnotes") dafür zu finden. Das ermöglicht uns auf Fragen wie diese zu schauen: Welche Dynamiken wiederholen sich in sozialen Beziehungen? Welche (impliziten) Regeln gelten in einer sozialen Situation? Wie stabilisieren oder verunsichern sich (Macht)-Strukturen in einer Interaktion? Welche sozialen Positionen bringen die Teilnehmenden einer Situation dazu so zu handeln, wie sie handeln? 
Dieser Kurs ist hochgradig praktisch angelegt. Ihr bekommt einen großen Korpus an Methodenliteratur und beispielhaften Studien auf Moodle bereitgestellt. Im Seminar selbst lesen wir nur wenige Texte gemeinsam und gehen stattdessen (fast) jede Sitzung auf die Straße oder andere soziale Kontexte um das teilnehmende Beobachten und Schreiben von fieldnotes, später auch das Auswerten und Interpretieren zu üben. Im zweiten Teil des Semesters wählst du dir ein ethnographisches Forschungsprojekt zur selbstständigen Durchführung (auch in Gruppen möglich), das wir in Kolloquien im Jan./Feb. beratend voranbringen.
Als Anwendungsfelder ziehen sich Fragen aus der Techniksoziologie und den Gender Studies durch das Seminar. Durch den praktischen ethnographischen Ansatz könnt ihr Themen wie genderspezifische oder patriarchale Verhaltensweisen, Präsenz und Machtwirkung von Technologien oder vergeschlechtlichten Rollenbildern in Alltagssituationen oder auch Überschneidungen von Technologie und Gender beforschen. Gender kann in dem Sinne selbst als governementale Technologie verstanden werden (Biomacht/live politics). Andersherum erscheint die gestaltete Materialität und die Nutzung von Technologien als gendered (queere/feministische STS).
Das Seminar kann auch zur Datenerhebung für daran anschließende Bachelorarbeiten genutzt werden. Wer keine Credits mehr benötigt, aber eine ethnographisch orientierte Bachelorarbeit schreiben möchte, kann dieses Seminar auch als Methodenkurs und Kolloquium für die Bachelorarbeit nutzen.

Ethnographisch forschen allg.:
Breidenstein, Georg u. a. 2015. Ethnografie Die Praxis der Feldforschung. Stuttgart: utb.
Hirschauer, Stefan & Amann, Klaus 1997. Die Befremdung der eigenen Kultur. Ein Programm. In S. Hirschauer & K. Amann, hg. Die Befremdung der eigenen Kultur: zur ethnographischen Herausforderung soziologischer Empirie. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 7–52.
 
Beispielhafte Case Studies:
Hirschauer, Stefan 1993. Die soziale Konstruktion der Transsexualität: über die Medizin und den Geschlechtswechsel. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Hunold, Daniela 2019. „Wer hat jetzt die größeren Eier?!” – Polizeialltag, hegemoniale Männlichkeit und reflexive Ethnografie. In C. Howe & L. Ostermeier, hg. Polizei und Gesellschaft: Transdisziplinäre Perspektiven zu Methoden, Theorie und Empirie reflexiver Polizeiforschung. Wiesbaden: Springer Fachmedien, 47–69.
Schäfer, Dorothee & Blum, Alice 2020. Von Prinzessinnen, Abenteurern und Waisenkindern. Sexismus-, rassismus- und adultismuskritische Befunde einer Ethnografie zu sozialer Freiwilligenarbeit im Globalen Süden. In L. Rose & E. Schimpf, hg. Sozialarbeitswissenschaftliche Geschlechterforschung: Methodologische Fragen, Forschungsfelder und empirische Erträge. Verlag Barbara Budrich, 233–246.
Tsing, Anna Lowenhaupt (Hg.) 2017. Arts of living on a damaged planet. Minneapolis: University of Minnesota Press.
Vannini, Phillip & Taggart, Jonathan 2015. Off the grid: re-assembling domestic life. New York: Routledge.

Sommersemester 2022

Kommentar: 

Was ist damit gemeint und was muss man darunter verstehen, wenn die Soziologie dem Wortsinn nach die »Lehre von der Gesellschaft« ist? Betreibt und studiert man Soziologie, ist man mehr als in anderen Fächern mit dem Problem konfrontiert, den genauen Gegenstandsbereich des eigenen Faches zu bestimmen. Um über »die Gesellschaft« zu forschen, bedarf es daher immer auch theoretischer Grundannahmen darüber, was der Gegenstandsbereich der Soziologie ist (in Abgrenzung etwa zu anderen Fächern) und was die Soziologie erklären soll oder kann. Diese Fragen verweisen auf die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit soziologischer Theorie.

Einen möglichen Zugang zu den verschiedenen Ebenen und Grundpositionen soziologischer Theoriebildung stellen fundamentale Kontroversen bzw. Konfliktlinien dar, die die Soziologie wiederkehrend beschäftigen. Jene Kontroversen stecken auf markante Weise die Problemdimensionen des Fachs ab. Zugleich zeigen sie in exemplarischer Form sowohl die verschiedenen, konkurrierenden Paradigmen als auch die verbindenden Elemente der Soziologie. Anstatt also einzelne Autoren vertiefend zu lesen, soll im Seminar ein spezifischer Problemkreis gesellschaftlicher Wirklichkeitsdeutung erschlossen und diskutiert werden.

Wie könnte die "Theorie" von Praxis aussehen? Was ist eine Praxis von Theorie? Was unterscheidet Praxis und Praktiken? Ist freier Wille möglich? Oder handeln wir nach "eingeschliffenen" Routinen und institutionellen Regeln und lassen uns von Technik beeinflussen? Findet praktisches Handeln innerhalb fester Diskurse statt, in denen wir bloß vorgegebene diskursive Positionen einnehmen? Oder inwiefern trägt die Praxis jedes*jeder Einzelnen nicht auch zur Bildung gesellschaftlicher Diskurse bei? Was ist Performativität? Wie prägen andersherum machtvolle Diskurse unser Denken und Handeln? Wo ergeben sich Brüche? Und wie ist Widerspruch möglich? Diesen und anderen Fragen gehen wir in dem Seminar nach.

Literatur: 

– Giddens, Anthony (1997): Die Konstitution der Gesellschaft: Grundzüge einer Theorie der Strukturierung, 3. Aufl. Frankfurt/Main: Campus-Verl (Theorie und Gesellschaft).
– Laclau, Ernesto; Mouffe, Chantal (2006): Hegemonie und radikale Demokratie: zur Dekonstruktion des Marxismus, Dt. Erstausg., 3. Aufl. Wien: Passagen-Verl (Passagen Philosophie).
– Mol, Annemarie (2017): Krankheit tun, in: Susanne Bauer, Torsten Heinemann, und Thomas Lemke (Hrsg.), Science and Technology Studies. Klassische Positionen und aktuelle Perspektiven, Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 429–469.
– Reckwitz, Andreas (2003): Grundelemente einer Theorie sozialer Praktiken / Basic Elements of a Theory of Social Practices, in: Zeitschrift für Soziologie, Jg. 32, Nr. 4, S. 282–301, doi: 10.1515/zfsoz-2003-0401.

Wintersemester 2021/22

Kommentar: 

Ethnographie lebt davon, dass der*die Forscher*in vollständig in das Feld seiner*ihrer Forschung eintaucht und in ihm teilnimmt. Dennoch bleibt sie*er fremd, um beobachtend und reflexiv Strukturen und Prozesse des Sozialen wahrzunehmen. Ethnographie ist dabei nicht mehr nur Methode der Anthropologie und Völkerkunde. Angestoßen durch phänomenologische und ethnomethodologische Theorien und weiterentwickelt durch selbstkritische Diskurse zum (post)kolonialen Erbe der Ethnographie werden Methoden der Teilnehmenden Beobachtungen heute u.a. in der Geschlechtersoziologie, der Kultursoziologie, der Migrationsforschung, der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung, aber auch den Science and Technology Studies erfolgreich aufgegriffen und angewandt. Das Seminar führt grundlegend in das Teilnehmende Beobachten ein und erprobt dies an praktischen Forschungsprojekten, die die Teilnehmenden über das Seminar selbst entwickeln. Eine (nicht abschließende) Liste an Vorschlägen für Forschungsfelder (field sites) wird in der ersten Seminarsitzung geteilt. Eigene Vorschläge und Ideen sind erwünscht. Das Seminar ist explizit praktisch auf das eigene Forschen ausgerichtet und widmet sich nur einführend sozialtheoretischen und methodologischen Fragestellungen.
Das Seminar findet von Oktober bis Dezember in gestauchter Form statt. Dafür sind für die vier Sitzungen vom 11. November bis 02. Dezember Doppelsitzungen à drei Stunden (14:15 Uhr bis 17:30 Uhr inkl. Pause) vorgesehen. Diese Doppelsitzungen ermöglichen uns in Tiefe Methoden der teilnehmenden Beobachtung sowie des ethnographischen Analysierens und Schreibens auszuprobieren, ihren Gebrauch zu reflektieren und die Ergebnisse zu diskutieren. Nach den Weihnachtsferien gibt es nur noch drei Online-Forschungskolloquien, in denen die Studierenden den Fortgang ihrer Forschungsprojekte besprechen. Die genauen Termine (ca. Ende Jan., Mitte Feb., Anfang März) für diese drei Online-Forschungskolloquien werden zu Beginn des Seminars mit den Studierenden festgelegt.

 

Sommersemester 2021

Kommentar: 

Startend bei der materialistischen Kritik der Politischen Ökonomie (K. Marx) über die klassische Kritische Theorie der Frankfurter Schule (M. Horkheimer, T.W. Adorno) widmen wir uns im weiteren Seminarverlauf Fragen der (De)Konstruktion des Sozialen (M. Foucault, J. Derrida, J. Butler), der Soziologie der kritischen Kompetenz (J. Dewey, L. Boltanski) sowie neueren Erkenntnissen der Science Studies, der politischen Ökologie und der feministischen Kritik (u.a. B. Latour, M.P. de la Bellacasa).

Die Begriffe Kritik und Gestaltung (oder Produktion, Konstruktion, Performance, Praxis, Sorge) geben uns dabei einen Filter, unter dem wir die Theorien nebeneinander oder "durcheinander" lesen können: Was heißt es, Kritik zu äußern? Was heißt es, zu gestalten? Was oder wer wird kritisiert oder gestaltet? Sind es Dinge, Personen, Subjektivitäten, konkrete Wissensbestände oder Verhältnisse? Oder findet in einer Situation der Gestaltung oder Kritik nicht immer auch eine Transformation des gestaltenden oder kritisierenden Subjekts statt? Und welche Aufgabe hat die Soziologie? Soll sie kritisieren? Soll sie gestalten? Und wenn sie gestaltet: Gestaltet sie Wissen oder Räume? Theorie oder Beziehungen?

Theoriearbeit könnte heißen, sich auf die Suche nach kritikwürdigen Phänomenen zu begeben, die eigene Subjektivität dabei nie aus der kritischen Praxis herauswinden könnend, gewillt, die richtigen Begriffe zu finden, die passenden Konzepte zu gestalten, sich selbst hineinwebend, in diese situative, kritische und gestalterische Praxis des Theoretisierens.

Seminarablauf:
Das Seminar wird – wenn möglich – in hybrider Form stattfinden, d.h. all jene, die physisch teilnehmen können und wollen, treffen sich zur Seminarzeit im Seminarraum. All jene, die nur digital teilnehmen können bzw. wollen, werden per Videokonferenz zugeschaltet. Informationen erhalten dazu Sie Anfang April. Für die digitale Teilnahme am Seminar benötigen Sie eine Webcam. Sollte Ihnen die nötige Technik fehlen, richten Sie sich bitte an it5[at]uni-kassel[dot]de.

Das Seminar ist nach dem Blended-Learning Konzept konzipiert. Sie bekommen zur Vorbereitung des Wochenthemas einen kurzen Input (Lektüreleitfaden, kurzes Video oder Podcast), der Ihnen den Kontext und die Grundbegriffe des Wochenthemas erläutert (ab Do. der Vorwoche). Daraufhin setzen Sie sich intensiv mit der wöchentlichen Seminarlektüre auseinander. Im Tutorium (Mo.) diskutieren Sie Ihre Leseeindrücke, vertiefen Ihr Textverständnis und sammeln ungeklärte Fragen für das Seminar. Im Seminar (Mi.) werden bis dahin ungeklärte Fragen geklärt, das Thema in das bisherige Wissen eingebettet, sowie Anwendungsfälle und Kritiken diskutiert.

Die Teilnahme am Tutorium ist – wie in allen Seminaren des Moduls – verpflichtend.

Studienleistung:
– regelmäßige Textlektüre und Teilnahme an der Diskussion im Seminar und Tutorium
– Verfassen von vier Lektüreantworten, in denen Sie Ihre Leseeindrücke schildern, die wichtigen Kernthesen des Textes zusammenfassen und offene Fragen für die Seminardiskussion sammeln (Abgabe bis zum Vorabend des jeweiligen Seminars, zwei Abgaben vor dem 26.05.)
– Vorbereitung eines kurzen Inputs (10 min.) für eine Seminarsitzung (Präsentation, Video, Podcast o.ä.), in dem Sie a) den zu vorbereitenden Text auf 3-5 Kernaussagen destillieren und b) darüber hinaus einen Anwendungsfall (z.B. politisch, historisch, gestalterisch), einen Hintergrund (z.B. zu theoretischen Wurzeln des behandelten Themas) oder eine Kritik aufbereitet darstellen (Abgabe bis zum Vorabend des jeweiligen Seminars, je nach Seminargröße in Kleingruppen von 1-3 Personen, Absprache des Inputs nach der Seminarsitzung in der Vorwoche)

Der Input kann zusammen mit den Lektüreantworten Grundlage für die Hausarbeit bilden.

Prüfungsleistung:
– Hausarbeit im Umfang von ca. 30.000 Zeichen (inkl. Lehrzeichen) (entspricht in etwa 12 Seiten). Siehe auch die Hinweise zum Wissenschaftlichen Arbeiten der Fachgruppe Soziologie auf www.uni-kassel.de/go/hausarbeit

Wintersemester 2020/21

Kommentar: 

Das Zukünftige ist nicht einfach das, was kommt. Es bildet sich in der Gegenwart immer schon ab: in Form von Tendenzen, wiederkehrenden Momenten oder sich formierenden Mustern. Es wird in jeder sozialen Situation hergestellt: Durch Szenarien und Prognosen, Fabulationen, Fiktionen und Spekulationen, Vorhersagen, Versprechen, Wissen oder Wissen um Nichtwissen. Es wird aber auch vom Gegenwärtigen bestimmt: Durch die Trägheit von (Macht-)Verhältnissen, (Infra-)Strukturen und anderen Materialitäten (matter).
In Bildern der "Smart City", der "Neuen Sozialen Marktwirtschaft" oder der "Großen Transformation" stecken zwangsläufig Bilder und Narrative des Zukünftigen. Damit einhergehend stellen sich Fragen wie: Wer gestaltet hier wessen Zukunft und auf welche Weise? Welche Wirkmacht haben Vorstellungen des Zukünftigen auf das Handeln individueller und kollektiver Akteure? Und was heißt es, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen?
Das Seminar "Ethnographie alternativer Zukünfte" zielt einerseits auf die Erforschung von Praktiken der Herstellung von Zukunft (Futuring) und andererseits auf die Erkundung möglicher alternativer Zukünfte selbst. Wir verbinden dabei neuere Entwicklungen der Soziologischen Theorie (feministische Technikkritik, posthumane und neomaterialistische Ansätze, Multispecies Ethnography, Akteur-Netzwerk-Theorie) mit Methoden der qualitativen Sozialforschung (teilnehmende Beobachtung, Interviewtechniken, Medien- und Objektanalysen) und Ideen aus der sozialwissenschaftlichen Zukunftsforschung (Szenariobildung, Backcasting, Trendanalyse oder Science Fiction Prototyping).

Literatur: 

– Amman, Klaus/Hirschauer, Stefan 1997, Die Befremdung der eigenen Kultur. Ein Programm. In: dies. (Hg.), Die Befremdung der eigenen Kultur. Zur ethnographischen Herausforderung soziologischer Empirie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 7-41.

– Bryant, Rebecca/Knight, Daniel M. 2019, The Anthropology of the Future. Cambridge: Cambridge Univ. Press.

– Haraway, Donna 2018, Einleitung und Kapitel 1: Fadenspiele mit Art-GenossInnen. In: Unruhig bleiben. Die Verwandschaft der Arten im Chthuluzän. Frankfurt/New York: Campus Verlag, S. 1-45. (i.O. Haraway, Donna 2016, Staying With the Trouble, Durham/London: Duke Univ. Press, S. 1-29.)

– Rilling, Rainer 2014, Transformation als Futuring. In: Brie, Michael (Hg.), Futuring. Perspektiven der Transformation im Kapitalismus über ihn hinaus. Münster: Westfälisches Dampfboot, S. 12-49.

Weiterhin empfehle ich die Literatur von Sozialutopien und Science Fiction. Hier sei insb. auf Ursula Le Guin verwiesen z.B. mit Le Guin, Ursula 2006, Die Enteigneten. Eine ambivalente Utopie (Roman). Bellheim: Ed. Phantasia oder Le Guin, Ursula 2014, Die linke Hand der Dunkelheit (Roman). München: Heyne.

Sommersemester 2020

Kommentar: 

Was ist damit gemeint und was muss man darunter verstehen, wenn die Soziologie dem Wortsinn nach die »Lehre von der Gesellschaft« ist? Betreibt und studiert man Soziologie, ist man mehr als in anderen Fächern mit dem Problem konfrontiert, den genauen Gegenstandsbereich des eigenen Faches zu bestimmen. Um über »die Gesellschaft« zu forschen, bedarf es daher immer auch theoretischer Grundannahmen darüber, was der Gegenstandsbereich der Soziologie ist (in Abgrenzung etwa zu anderen Fächern) und was die Soziologie erklären soll oder kann. Diese Fragen verweisen auf die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit soziologischer Theorie.

Einen möglichen Zugang zu den verschiedenen Ebenen und Grundpositionen soziologischer Theoriebildung stellen fundamentale Kontroversen bzw. Konfliktlinien dar, die die Soziologie wiederkehrend beschäftigen. Jene Kontroversen stecken auf markante Weise die Problemdimensionen des Fachs ab. Zugleich zeigen sie in exemplarischer Form sowohl die verschiedenen, konkurrierenden Paradigmen als auch die verbindenden Elemente der Soziologie. Anstatt also einzelne Autoren vertiefend zu lesen, soll im Seminar ein spezifischer Problemkreis gesellschaftlicher Wirklichkeitsdeutung erschlossen und diskutiert werden.

Die Abgrenzung zwischen Natur und Gesellschaft ist seit Beginn der Soziologie eine Kernfrage der Theoriebildung. Welches Verständnis von Natur oder Natürlichkeit hat eine Disziplin, die sich ihrem Selbstverständnis nach dem Verhältnis sozialer Akteur*innen widmet? Kann auch „die Natur“ als „sozial“ angesehen werden? Sind Gesellschaft, Kultur, das Soziale überhaupt trennbar von „natürlichen“ Tatsachen? Kann man angesichts massiver menschlicher Eingriffe in globale Ökosysteme, der Folgen einer industriellen Produktions- und Konsumweise auf das Weltklima, von Atomtests, Organtransplantationen und globalen Pandemien wie die des Corona-Virus' überhaupt noch von „der Natur“ sprechen? Ist es überhaupt noch adäquat von einem „Verhältnis“ von Natur und Gesellschaft zu reden oder brauchen wir nicht neue Begriffe um uns (und wer ist Wir?) in Welt (oder in/mit wem oder was?) zu fassen?

Literatur: 

Zur Vorbereitung und allgemeinen Einführung in den Gegenstandsbereich der soziologischen Theorie sind empfohlen: 

Jörn Lamla/Henning Laux/Hartmut Rosa/David Strecker (Hg.): Handbuch der Soziologie. Konstanz: UVK (Reihe: UTB), 2014. Hans Joas/ Wolfgang Knöbl: Sozialtheorie. 20 einführende Vorlesungen, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2004 (2. Aufl.). Hartmut Rosa/ David Strecker/ Andrea Kottmann: Soziologische Theorien, Konstanz: UVK, 2013 (2. Aufl.). Georg Kneer/Stephan Moebius (Hg.): Soziologische Kontroversen - Beiträge zu einer anderen Geschichte der Wissenschaft vom Sozialen, Frankfurt: Suhrkamp, 2010. Peter Wagner: Soziologie der Moderne, Frankfurt/NY: Campus, 1995. Lars Gertenbach/Heike Kahlert/Stefan Kaufmann/Hartmut Rosa/Christine Weinbach: Soziologische Theorien, Stuttgart: UTB (Fink), 2009.

Speziell zum Seminarthema wird empfohlen:

Castree, Noel/Braun, Bruce 2001, Social Nature. Malden, Massachusetts: Blackwell.

Hampe, Michael 2011, Die Natur gibt es nicht. In: Neue Zürcher Zeitung. 20.08.2011. URL: https://www.nzz.ch/die_natur_gibt_es_nicht-1.11980223 , zuletzt aufgerufen 18.03.2020.

Kommentar: 

An Kontroversen um Dinge wie das Laborfleisch lassen sich gesellschaftliche Probleme und Konflikte wie unter einem Brennglas studieren. Laborfleisch (oder auch: Cultured Meat, In Vitro Meat oder Clean Meat) steht für "künstlich" gewachsenes "echtes" Fleisch, das aus einer durch Biopsie entnommenen tierischen Stammzelle hervorgeht, die außerhalb des Tierkörpers und damit ohne Tierschlachtung im Labor zum Wachsen gebracht wird. Soziologisch spannend ist diese technische Innovation, weil sich in ihr gesellschaftliche Konflikte manifestieren, etwa der Konflikt zwischen exzessivem Fleischkonsum und der damit einhergehenden Klimabelastung (insbesondere durch Gülle und den Methan-Ausstoß von Wiederkäuern). Darüber hinaus reagiert das Laborfleisch aber auch auf den Konflikt um die industrielle Massentierhaltung und die Frage nach einem angemessenen Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Auch die Frage, inwiefern die heutigen gesellschaftlichen Probleme durch Technik mehr oder weniger unbemerkt (zumindest an der Fleischtheke im Supermarkt) gelöst werden können oder aber umfassende Einstellungs- und Verhaltensänderungen in der gesamten Bevölkerung erfordern, spielt hier hinein. Sodann schließlich auch die Kontroverse über Risiken und unbekannte Auswirkungen einer solchen Umstellung der Fleischproduktion und des Fleischkonsums auf High-Tech-Produkte. Hinzu kommen Konflikte und Differenzen zwischen Religionen und ihren Ernährungstraditionen und -konventionen, Konflikte zwischen Generationen und gesellschaftlichen Subgruppen (etwa Veganismus vs. Hobby-Grillen) usw.

Ziel des Empiriepraktikums ist es, diese Konfliktlandschaft der Kontroverse gemeinsam und arbeitsteilig zu kartographieren und einzuschätzen. Hierfür kommen qualitative Methoden der Situationsanalyse (Adele Clarke) sowie narrativer Interviews und Expert_inneninterviews zum Einsatz, die in der Veranstaltung erläutert und erprobt werden. Die Studierenden sollen sich jeweils einer bestimmten Gruppierung, die in die Konfliktlandschaft einbezogen ist (z.B. Konsumierende, konventionelle Landwirtschaft, Labortechnik oder Tierschutz), zuwenden und deren Haltung zum Laborfleisch vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Praktiken und Interessen erheben und analysieren. Diese Positionen sollen anschließend gemeinsam zueinander ins Verhätnis gesetzt und soziologisch eingeschätzt werden (Arena-Analyse): Welche Positionen setzen sich vermutlich durch? Welche neuen Bündnisse entstehen, welche alten zerfallen? Welchen Einfluss haben die Konflikte auf den Verlauf der Kontroverse um das Laborfleisch?

Literatur:

Clarke, Adele E. (2012): Situationsanalyse. Grounded Theory nach dem Postmodern Turn. Wiesbaden: Springer VS

Wintersemester 2019/20

Kommentar: 

An Kontroversen um Dinge wie das Laborfleisch lassen sich gesellschaftliche Probleme und Konflikte wie unter einem Brennglas studieren. Laborfleisch (oder auch: Cultured Meat, In Vitro Meat oder Clean Meat) steht für "künstlich" gewachsenes "echtes" Fleisch, das aus einer durch Biopsie entnommenen tierischen Stammzelle hervorgeht, die außerhalb des Tierkörpers und damit ohne Tierschlachtung im Labor zum Wachsen gebracht wird. Soziologisch spannend ist diese technische Innovation, weil sich in ihr gesellschaftliche Konflikte manifestieren, etwa der Konflikt zwischen exzessivem Fleischkonsum und der damit einhergehenden Klimabelastung (insbesondere durch Gülle und den Methan-Ausstoß von Wiederkäuern). Darüber hinaus reagiert das Laborfleisch aber auch auf den Konflikt um die industrielle Massentierhaltung und die Frage nach einem angemessenen Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Auch die Frage, inwiefern die heutigen gesellschaftlichen Probleme durch Technik mehr oder weniger unbemerkt (zumindest an der Fleischtheke im Supermarkt) gelöst werden können oder aber umfassende Einstellungs- und Verhaltensänderungen in der gesamten Bevölkerung erfordern, spielt hier hinein. Sodann schließlich auch die Kontroverse über Risiken und unbekannte Auswirkungen einer solchen Umstellung der Fleischproduktion und des Fleischkonsums auf High-Tech-Produkte. Hinzu kommen Konflikte und Differenzen zwischen Religionen und ihren Ernährungstraditionen und -konventionen, Konflikte zwischen Generationen und gesellschaftlichen Subgruppen (etwa Veganismus vs. Hobby-Grillen) usw.

Ziel des Empiriepraktikums ist es, diese Konfliktlandschaft der Kontroverse gemeinsam und arbeitsteilig zu kartographieren und einzuschätzen. Hierfür kommen qualitative Methoden der Situationsanalyse (Adele Clarke) sowie narrativer Interviews und Expert_inneninterviews zum Einsatz, die in der Veranstaltung erläutert und erprobt werden. Die Studierenden sollen sich jeweils einer bestimmten Gruppierung, die in die Konfliktlandschaft einbezogen ist (z.B. Konsumierende, konventionelle Landwirtschaft, Labortechnik oder Tierschutz), zuwenden und deren Haltung zum Laborfleisch vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Praktiken und Interessen erheben und analysieren. Diese Positionen sollen anschließend gemeinsam zueinander ins Verhätnis gesetzt und soziologisch eingeschätzt werden (Arena-Analyse): Welche Positionen setzen sich vermutlich durch? Welche neuen Bündnisse entstehen, welche alten zerfallen? Welchen Einfluss haben die Konflikte auf den Verlauf der Kontroverse um das Laborfleisch?

Literatur:

Clarke, Adele E. (2012): Situationsanalyse. Grounded Theory nach dem Postmodern Turn. Wiesbaden: Springer VS