Lehre von Dr. Jonathan Kropf

Sommersemester 2024

Kommentar: 

Die multiplen Krisen der Gegenwart scheinen die Öffentlichkeit vor eine Zerreißprobe zu stellen. Zu denken ist hier etwa an die Polarisierung öffentlicher Debatten (etwa in Fragen der Migration, in Bezug auf Diversität und Gender oder Klimaschutz), den Einfluss sozialer Medien auf die öffentliche Meinungsbildung (und assoziierte Phänomene, wie Fake News oder Hate Speech) oder die vermeintlich zunehmende Spaltung in ein rechtes und ein linkes gesellschaftliches Lager.

Ziel des Seminars ist es vor diesem Hintergrund einen Schritt zurückzutreten und anhand klassischer und neuerer soziologischer Texte den folgenden exemplarischen Fragen nachzugehen: Was ist (aus verschiedenen theoretischen Perspektiven) überhaupt unter „öffentlich“ und „Öffentlichkeit“ zu verstehen? Welche (demokratische) Rolle kommt der Öffentlichkeit dabei jeweils zu? Wie verändert sich Öffentlichkeit in der Gegenwartsgesellschaft?

Kommentar: 
Auseinandersetzungen mit dem Verhältnis von Wahrheit und Konstruktion haben nicht nur eine lange innerwissenschaftliche Tradition, sondern spielen auch in gegenwärtigen öffentlichen Debatten eine wichtige Rolle. Letzteres drückt sich beispielsweise in der Rede von einem „postfaktischen Zeitalter” aus, in dem „Fake News” an Bedeutung gewinnen. Aber auch die Verbreitung von Verschwörungsmythen und die Angriffe auf Wissenschaft und Presse, etwa während der Corona-Pandemie, sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

Die einfache Forderung in öffentlichen Debatten „zurück zu den Fakten” zu kehren, verkennt aber nicht nur die Rolle, die Lügen schon immer in der Politik gespielt haben, sie blendet zudem die umfangreichen wissenschafts- und demokratietheoretischen sowie wissenssoziologischen Beiträge aus, die sich schon seit vielen Jahrzehnten mit dem Status und der sozialen Konstruktion des (wissenschaftlichen) Wissens beschäftigen oder die Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Politik behandeln. Gleichzeitig mehren sich die Stimmen, die die Konjunktur des „Postfaktischen” auch mit bestimmten Formen des Sozialkonstruktivismus und der kritischen Gesellschaftstheorie in Verbindung bringen.

Um diese hier nur skizzierten Debatten besser zu verstehen und ein größeres Differenzierungsvermögen in der Frage nach dem Verhältnis von „Wahrheit” und „Konstruktion” zu gewinnen, werden wir uns im Seminar mit soziologischer Literatur etwa aus den Bereichen der Wissenschafts- und Technikforschung, der Wissenssoziologie oder des Poststrukturalismus beschäftigen. Aber auch neuere Beiträge, z.B. zu „Fake News”, sollen Gegenstand des Seminars sein (ein ausführlicher Seminarplan wird in der ersten Sitzung verteilt).

Wintersemester 2023/24

Kommentar: 

Die gegenwärtigen Krisen der Öffentlichkeit sind in aller Munde: Fake News, Filterblasen, Hate Speech, Überwachung und Manipulation sind nur einige der Stichworte, die in diesem Zusammenhang regelmäßig fallen und die mit Prozessen der Digitalisierung unmittelbar in Verbindung gebracht werden. Auch in der soziologischen (und disziplinär angrenzenden) Literatur ist in den letzten Jahren eine verstärkte Auseinandersetzung mit diesen Phänomenen und der Öffentlichkeit im Allgemeinen festzustellen. Als zentraler Bezugspunkt hat sich dabei die erstmals 1962 erschienene Habilitationsschrift von Jürgen Habermas zum „Strukturwandel der Öffentlichkeit” etabliert (vgl. u.a. Bedford-Strohm et al. 2019; Binder/Oelkers 2017; Eisenegger et al. 2021; Seeliger/Sevigniani 2021), deren tentative Erneuerung Habermas (2022) jüngst selbst vorgenommen hat.

Das Seminar nimmt dies zum Anlass, um gegenstandsbezogen in die Öffentlichkeitstheorie von Jürgen Habermas einzuführen und diese mit den gegenwärtigen Krisenphänomenen der Öffentlichkeit zu konfrontieren. Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung mit dem Strukturwandel der Öffentlichkeit und weiterer Schriften von Habermas widmet sich das Seminar dafür verschiedenen aktuellen Texten, die (meist unter direkter Bezugnahme auf Habermas) den gegenwärtigen Transformationen der Öffentlichkeit auf die Spur zu kommen versuchen. Dabei gerät neben der Plattformisierung der Öffentlichkeit und der Rolle Sozialer Medien auch die gegenwärtige Krise der Faktizität in den Blick. Selbstverständlich werden wir zum Abschluss auch Habermas‘ eigene Überlegungen zu einem erneuten Strukturwandel der Öffentlichkeit diskutieren.

Zitierte Literatur:

Bedford-Strohm, J.; Höhne, F.; Zeyher-Quattlender, J. (Hg.) (2019): Digitaler Strukturwandel der Öffentlichkeit: interdisziplinäre Perspektiven auf politische Partizipation im Wandel. Baden-Baden: Nomos.

Eisenegger, M./ Prinzing, M./ Ettinger, P./ Blum, R. (Hg.) (2021): Digitaler Strukturwandel der Öffentlichkeit: Historische Verortung, Modelle und Konsequenzen. Wiesbaden: Springer.

Habermas, J. (2022): Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik. Berlin: Suhrkamp.

Oelkers, J.; Binder, U. (Hg.) (2017): Der neue Strukturwandel von Öffentlichkeit. Reflexionen in pädagogischer Perspektive. Weinheim: Beltz.

Seeliger, M./Sevignani, S. (Hg.) (2021): Leviathan Sonderband 37: Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit? Baden-Baden: Nomos.

Literatur: 

Zur Vorbereitung können im Vorfeld folgende Texte gelesen werden:

Leggewie, C. (2021). Eine überfällige Adjustierung der Debatte: Rezension zu „Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit?” von Martin Seeliger und Sebastian Sevignani (Hg.). Soziopolis: Gesellschaft beobachten. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-78860-5

Bauer, M. (2022). Strukturwandel 2.0: Rezension zu „Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik” von Jürgen Habermas. Soziopolis: Gesellschaft beobachten. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-82565-2

Sommersemester 2021

Kommentar: 

Die Ökonomie der Konventionen (frz. économie des conventions, EC) ist eine Spielart der Wirtschaftssoziologie, die in den 1980er Jahren in Frankreich entstand und mittlerweile eine weitverzweigte, internationale und interdisziplinäre Forschungsrichtung darstellt. Im Seminar werden wir klassische und neuere Texte der EC lesen und deren Anwendbarkeit in den Bereichen der Nachhaltigkeits- und der Digitalisierungsforschung diskutieren.

Literatur: 

Zur Vorbereitung empfohlen:
Für eine knappe Definition der Ökonomie der Konventionen siehe: 
https://conventions.hypotheses.org/12095
Für eine ausführlichere Einführung siehe:
Diaz-Bone, R. (2009): Économie des conventions. In: Beckert, J. und C. Deutschmann (Hg.), Wirtschaftssoziologie (Sonderheft der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 49). Wiesbaden: VS, S. 176-193.

 

Sommersemester 2020

Kommentar: 

genauen Gegenstandsbereich des eigenen Faches zu bestimmen. Um über »die Gesellschaft« zu forschen, bedarf es daher immer auch theoretischer Grundannahmen darüber, was der Gegenstandsbereich der Soziologie ist (in Abgrenzung etwa zu anderen Fächern) und was die Soziologie erklären soll oder kann. Diese Fragen verweisen auf die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit soziologischer Theorie.

Einen möglichen Zugang zu den verschiedenen Ebenen und Grundpositionen soziologischer Theoriebildung stellen fundamentale Kontroversen bzw. Konfliktlinien dar, die die Soziologie wiederkehrend beschäftigen. Jene Kontroversen stecken auf markante Weise die Problemdimensionen des Fachs ab. Zugleich zeigen sie in exemplarischer Form sowohl die verschiedenen, konkurrierenden Paradigmen als auch die verbindenden Elemente der Soziologie. Anstatt also einzelne Autoren vertiefend zu lesen, soll im Seminar ein spezifischer Problemkreis gesellschaftlicher Wirklichkeitsdeutung erschlossen und diskutiert werden.

Mit dem (vermeintlichen) Gegensatz von Atomismus und Holismus sind zwei grundlegende Perspektiven auf Gesellschaft angesprochen. Während "atomistische Theorien" den Blick auf die Teile richten, aus denen Gesellschaft sich zusammensetzt (Individuen/Handlungen), begreifen "holistische Theorien" die Gesellschaft und ihre Strukturen als emergente Ganzheiten, die nicht ohne Weiteres aus den Einzelteilen erklärt werden können. Einige neuere Theorien versuchen dagegen den vermeintlichen Widerspruch aufzulösen, indem bspw. von einer "Dualität von Handlung und Struktur" (Giddens) ausgegangen wird. Ziel des Seminars ist es, diese unterschiedlichen Zugänge zum Sozialen anhand zentraler Theoriepositionen aufzuarbeiten und damit gleichzeitig eine exemplarische Einführung in soziologische Theoriebildung zu geben.

Literatur: 

Jörn Lamla/Henning Laux/Hartmut Rosa/David Strecker (Hg.): Handbuch der Soziologie. Konstanz: UVK (Reihe: UTB), 2014. (hieraus insbes. der Beitrag "Atomismus versus Holismus: Wie entsteht das Soziale?" von I. Schulz-Schaeffer, S. 99-115)
Hans Joas/ Wolfgang Knöbl: Sozialtheorie. 20 einführende Vorlesungen, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2004 (2. Aufl.). 
Hartmut Rosa/ David Strecker/ Andrea Kottmann: Soziologische Theorien, Konstanz: UVK, 2013 (2. Aufl.). 
Georg Kneer/Stephan Moebius (Hg.): Soziologische Kontroversen - Beiträge zu einer anderen Geschichte der Wissenschaft vom Sozialen, Frankfurt: Suhrkamp, 2010. 
Peter Wagner: Soziologie der Moderne, Frankfurt/NY: Campus, 1995. 
Lars Gertenbach/Heike Kahlert/Stefan Kaufmann/Hartmut Rosa/Christine Weinbach: Soziologische Theorien, Stuttgart: UTB (Fink), 2009.

Wintersemester 2019/20

Kommentar: 

Das Buch "Über die Rechtfertigung. Eine Soziologie der kritischen Urteilskraft" von Luc Boltanski und Laurent Thévenot gilt als moderner Klassiker der Soziologie. Im Seminar werden wir uns den schwierigen Theorietext in Gänze vornehmen und über gemeinsame Diskussionen erschließen. Es wird daher empfohlen, das Buch käuflich zu erwerben (in der Ausgabe der Hamburger Edition: 20 € Print; 15,99 € pdf).

Aus der Beschreibung des Verlags:

"Boltanski und Thévenot entwickeln eine ebenso anregende wie ambitionierte »pragmatische Soziologie«, die nicht nur eine neue Sichtweise auf soziale Interaktion eröffnet, sondern als wegweisendes soziologisches Paradigma in Frankreich intensiv debattiert wird.
Menschliches Miteinander ist einerseits von Konflikten durchzogen und anderseits von dem Bedürfnis nach Konsens geprägt. Auf welche Weise verständigen sich die Mitglieder einer Gesellschaft über die wesentlichen Aspekte des Zusammenlebens und welches Bindeglied sorgt für ein harmonisches und allseits akzeptiertes Miteinander?
Die Autoren arbeiten sechs konstitutive Rechtfertigungsprinzipien heraus und überprüfen ihr Modell der Rechtfertigungsordnungen u.a. an Managementhandbüchern, die Leitlinien für professionelles Verhalten vermitteln.
Als Synthese sozialphilosophischer, soziologischer, organisationstheoretischer und ökonomischer Ansätze bietet das Buch eine innovative Perspektive auf Grundfragen der Sozialwissenschaften, die theoretisch reizvoll und zugleich von weitreichender politischer Relevanz sind."

Literatur zur Vorbereitung: 

Bogusz, T. (2010): "Über die Rechtfertigung". In: Dies., Zur Aktualität von Luc Boltanski. Einleitung in sein Werk. Wiesbaden: Springer, S. 45-58.

Celikates, R. (2007): Gerechtigkeit im Plural. Frankfurter Rundschau, verfügbar auf fr.de vom 09.10.2007: https://www.fr.de/kultur/literatur/gerechtigkeit-plural-11615671.html (abgerufen am 30.07.2019).

Knoll, L. (2017): Luc Boltanski und Laurent Thévenot: Über die Rechtfertigung. In: Kraemer, K., Brugger, F. (Hg.), Schlüsselwerke der Wirtschaftssoziologie. Wiesbaden: Springer, S. 437-443.

Sommersemester 2019

Kommentar: 

Was ist damit gemeint und was muss man darunter verstehen, wenn die Soziologie dem Wortsinn nach die »Lehre von der Gesellschaft« ist? Betreibt und studiert man Soziologie, ist man mehr als in anderen Fächern mit dem Problem konfrontiert, den genauen Gegenstandsbereich des eigenen Faches zu bestimmen. Um über »die Gesellschaft« zu forschen, bedarf es daher immer auch theoretischer Grundannahmen darüber, was der Gegenstandsbereich der Soziologie ist (in Abgrenzung etwa zu anderen Fächern) und was die Soziologie erklären soll oder kann. Diese Fragen verweisen auf die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit soziologischer Theorie.

Einen möglichen Zugang zu den verschiedenen Ebenen und Grundpositionen soziologischer Theoriebildung stellen fundamentale Kontroversen bzw. Konfliktlinien dar, die die Soziologie wiederkehrend beschäftigen. Jene Kontroversen stecken auf markante Weise die Problemdimensionen des Fachs ab. Zugleich zeigen sie in exemplarischer Form sowohl die verschiedenen, konkurrierenden Paradigmen als auch die verbindenden Elemente der Soziologie. Anstatt also einzelne Autoren vertiefend zu lesen, soll im Seminar ein spezifischer Problemkreis gesellschaftlicher Wirklichkeitsdeutung erschlossen und diskutiert werden.

Die Frage nach dem Verhältnis von Objektivität und Kritik stellt sich in der Soziologie bereits seit ihrer Entstehung. Einerseits konstituiert sich das Fach wesentlich als Reaktion auf gesellschaftliche Krisen und möchte einen Beitrag zu deren Lösung leisten. Andererseits ist fraglich, inwiefern eine notwendig wertende Kritik sich mit dem Ideal wissenschaftlicher Objektivität verträgt. Die Situation der Soziologie ist darüber hinaus eine spezifische, da sie selbst Teil des Gegenstands („die Gesellschaft”) ist, den sie untersucht. Ist es dann überhaupt möglich eine objektive und wertfreie Perspektive einzunehmen? Im Seminar werden wir in dieses Problemfeld exemplarisch anhand klassischer und neuerer soziologischer Kontroversen eintauchen. Konkret behandeln wir, nach einer allgemeinen Einführung in das Thema, vertiefend den Werturteilsstreit, die neuere Debatte über eine "Soziologie der Kritik" (im Gegensatz zur kritischen Soziologie) sowie die Diskussionen um eine "public sociology".

Literatur: 

Jörn Lamla/Henning Laux/Hartmut Rosa/David Strecker (Hg.): Handbuch der Soziologie. Konstanz: UVK (Reihe: UTB), 2014.

Hans Joas/ Wolfgang Knöbl: Sozialtheorie. 20 einführende Vorlesungen, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2004 (2. Aufl.).

Hartmut Rosa/ David Strecker/ Andrea Kottmann: Soziologische Theorien, Konstanz: UVK, 2013 (2. Aufl.).

Georg Kneer/Stephan Moebius (Hg.): Soziologische Kontroversen - Beiträge zu einer anderen Geschichte der Wissenschaft vom Sozialen, Frankfurt: Suhrkamp, 2010.

Peter Wagner: Soziologie der Moderne, Frankfurt/NY: Campus, 1995.

Lars Gertenbach/Heike Kahlert/Stefan Kaufmann/Hartmut Rosa/Christine Weinbach: Soziologische Theorien, Stuttgart: UTB (Fink), 2009.

Kommentar: 
In den letzten Jahren ist eine massive Ausweitung von Bewertungen und Empfehlungen in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen zu beobachten. Ob es um Ärzte, Konsumartikel, Hochschulen oder potenzielle Partner geht – alles und jeder kann zum Objekt der Bewertung werden und immer öfter begegnen wir der Aufforderung selbst Likes und Sternchen zu verteilen oder Rezensionen zu verfassen. Dieser Trend spiegelt sich gegenwärtig in der Bemühung eine genuine "Soziologie der Bewertung" zu begründen und dafür die entsprechenden theoretischen Grundlagen zu legen. Im Seminar werden wir beides in den Blick nehmen: Erstens sollen zentrale theoretische Referenzen aufgearbeitet werden. Zweitens werden wir davon ausgehend – je nach Interesse – verschiedene empirische Gegenstandsbereiche behandeln.

Wintersemester 2018/19

Kommentar: 

In diesem interdisziplinären Blockseminar, das sich an Informatik- und Soziologie-Studierende gleichermaßen richtet, wollen wir uns vertiefend mit dem Wechselspiel zwischen Algorithmen und Gesellschaft auseinandersetzen. Neben allgemeinen Begriffsklärungen und einer geschichtlichen Einordnung soll es um gesellschaftliche Perspektiven auf den fortschreitenden Einsatz von Algorithmen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen gehen. Weiterhin wird es in einem eher technischen Teil auch konkrete Beispiele für den Einsatz verschiedener Arten von Algorithmen geben. Mögliche Fragestellungen sind: Welche Probleme oder Herausforderungen werden durch forschreitende Algorithmisierung versucht zu lösen, welche neu geschaffen, welche verstärkt? Welche Erzählungen dominieren den gesellschaftlichen Diskurs über Algorithmen und inwiefern sind sie haltbar? Wie drücken sich in der Art und Weise des heute verbreiteten Einsatzes einer bestimmten Art von Algorithmen gesellschaftliche Grundannahmen aus? Sind Algorithmen als technische Hilfsmittel gesellschaftlich neutral zu betrachten und woher kommt diese weit verbreitete Ansicht?
Die Termine des Blockseminars sind nach thematischen Schwerpunkten aufgeteilt. Wir bieten eine Auswahl an Literatur, welche von den Studierenden vorbereitet und zur Diskussion gestellt werden soll. Wir freuen uns über studentische Partizipation und sind für Impulse und Vorschläge offen.

Kommentar: 

Kunst - sei es nun in Form von Musik, Film, Literatur oder auch Malerei - spielt in der modernen Gesellschaft eine zunehmend prominente Rolle. Das ist auch der Soziologie nicht entgangen und entsprechend lassen sich ganz unterschiedliche soziologische Ansätze ausmachen, die das Phänomen Kunst zu begreifen versuchen. Im Seminar nähern wir uns dem breit gefächerten Phänomen Kunst mittels der Theorien von Niklas Luhmann und Pierre Bourdieu. In jeweils sechs Sitzungen werden wir uns die beiden Ansätze gemeinsam erarbeiten und diskutieren. Im Fokus stehen dabei sowohl deren eher sozialtheoretische Überlegungen zur Wahrnehmung von Kunst, als auch die gesellschaftstheoretischen Ausführungen zur Rolle von Kunst in der modernen Gesellschaft. Beide Ansätze verbindet der gemeinsame Anspruch, auf eben jenen Ebenen Antworten geben zu wollen, in ihren Antworten unterscheiden sie sich allerdings eklatant. Den Unterschieden wie auch den Überschneidungen beider Ansätze nachzugehen, ist das erklärte Ziel des Seminars. Wie wird die Autonomie der Kunst in den beiden Ansätzen konzipiert? Welche gesellschaftlichen Funktionen erfüllt Kunst? Inwiefern lassen sich Unterschiede, Gemeinsamkeiten oder blinde Flecken der beiden theoretischen Zugriffe ausmachen? Diese und weitere Fragen werden wir anhand der Lektüre ausgewählter Primärtexte diskutieren. Nicht zuletzt versteht sich das Seminar damit auch als eine exemplarische Einführung in zwei der einflussreichsten theoretischen Ansätze des 20. Jahrhunderts.
Das Seminar zeichnet sich darüber hinaus durch zwei Besonderheiten aus. Zum einen werden wir uns – wie bereits angedeutet – über mehrere Sitzungen hinweg intensiv mit den Ansätzen beschäftigen. Wir wollen damit den Theorien den nötigen Raum geben und über die fortlaufende Auseinandersetzung die Möglichkeit schaffen, ein tiefgreifendes Verständnis für die Ansätze zu entwickeln. Zum anderen sind dem Seminar zwei Dozenten zugeordnet. Beide Dozenten werden das Seminar durchgehend betreuen, wobei Jonathan Kropf im Schwerpunkt die Bourdieu-Sitzungen leiten wird und Michael Flörchinger die Luhmann-Sitzungen. Beide Dozenten sehen sich als aktive Teilnehmer des Seminars und werden versuchen, den jeweils „eigenen” Ansatz zu plausibilisieren sowie den „anderen” Ansatz auch kritisch zu hinterfragen. Ziel ist es hier, eine lebhafte Diskussion beider Theorien herzustellen und den Zustand der friedliebenden Ignoranz möglichst zu vermeiden (und: am Ende wird abgestimmt! Wer hat mehr überzeugt, Luhmann oder Bourdieu?).

Kommentar:

Im Seminar legen wir einen Schwerpunkt auf die neue Wirtschaftssoziologie seit den 1980er Jahren. Nach einer Einführung in die zentralen Fragestellungen der neueren Wirtschaftssoziologie werden wir insbesondere institutionen-, feld- und konventionentheoretische Ansätze vertiefend behandeln.

Literatur zur Einführung:

Lamla, J. (2010): Wirtschaftssoziologie. In: Kneer, G. und M. Schroer (Hg.), Handbuch Spezielle Soziologien. Wiesbaden: VS, S. 657-678.

Maurer, A. und G. Mikl-Horke (2015): Wirtschaftssoziologie. Baden-Baden: Nomos (UTB), daraus: S. 135-166 und 194-215.

Sommersemester 2018

Kommentar: 

Was ist damit gemeint und was muss man darunter verstehen, wenn die Soziologie dem Wortsinn nach die »Lehre von der Gesellschaft« ist? Betreibt und studiert man Soziologie, ist man mehr als in anderen Fächern mit dem Problem konfrontiert, den genauen Gegenstandsbereich des eigenen Faches zu bestimmen. Um über »die Gesellschaft« zu forschen, bedarf es daher immer auch theoretischer Grundannahmen darüber, was der Gegenstandsbereich der Soziologie ist (in Abgrenzung etwa zu anderen Fächern) und was die Soziologie erklären soll oder kann. Diese Fragen verweisen auf die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit soziologischer Theorie. 
Einen möglichen Zugang zu den verschiedenen Ebenen und Grundpositionen soziologischer Theoriebildung stellen fundamentale Kontroversen bzw. Konfliktlinien dar, die die Soziologie wiederkehrend beschäftigen. Jene Kontroversen stecken auf markante Weise die Problemdimensionen des Fachs ab. Zugleich zeigen sie in exemplarischer Form sowohl die verschiedenen, konkurrierenden Paradigmen als auch die verbindenden Elemente der Soziologie. Anstatt also einzelne Autoren vertiefend zu lesen, soll im Seminar ein spezifischer Problemkreis gesellschaftlicher Wirklichkeitsdeutung erschlossen und diskutiert werden.

Soziologische Theorien lassen sich (unter anderem) anhand des vermeintlichen Gegensatzes von Individuum und Gesellschaft ordnen. Während Handlungstheorien beim Handeln von Individuen ansetzen und dieses nutzen, um auch größere soziale Zusammenhänge zu erklären, nehmen Strukturtheorien die Strukturen und Ordnungsformen der Gesellschaft zum Ausgangspunkt, um von dort aus der Frage nachzugehen, wie diese Strukturen das Handeln der einzelnen Mitglieder der Gesellschaft bestimmen. Daneben versuchen gerade neuere soziologische Ansätze diesen Gegensatz zu überwinden und zu einer synthetischen Position zu gelangen. Im Seminar werden wir uns dieses theoretische Spektrum gemeinsam erschließen.

Literatur zur Einführung: 

Jörn Lamla/Henning Laux/Hartmut Rosa/David Strecker (Hg.): Handbuch der Soziologie. Konstanz: UVK (Reihe: UTB), 2014.
Hans Joas/ Wolfgang Knöbl: Sozialtheorie. 20 einführende Vorlesungen, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2004 (2. Aufl.).
Hartmut Rosa/ David Strecker/ Andrea Kottmann: Soziologische Theorien, Konstanz: UVK, 2013 (2. Aufl.).
Georg Kneer/Stephan Moebius (Hg.): Soziologische Kontroversen - Beiträge zu einer anderen Geschichte der Wissenschaft vom Sozialen, Frankfurt: Suhrkamp, 2010.
Peter Wagner: Soziologie der Moderne, Frankfurt/NY: Campus, 1995.
Lars Gertenbach/Heike Kahlert/Stefan Kaufmann/Hartmut Rosa/Christine Weinbach: Soziologische Theorien, Stuttgart: UTB (Fink), 2009.

Wintersemester 2017/18

Kommentar: 

In einer Vielzahl aktueller Zeitdiagnosen findet sich die These einer Ästhetisierung der Gegenwartsgesellschaft. Ob es um lebensstilbezogene Inszenierungsformen, die gesteigerte Bedeutung von Design und Erlebnisorientierung in den verschiedenen Konsumwelten oder die Übernahme künstlerischer Organisations- und Bewertungsformen in den Bereich der Arbeit geht, überall scheint die Ästhetik als Muster aktueller Entwicklungen zu dienen. 
Diese Feststellung ist deshalb besonders bemerkenswert, da sie im Kontrast zum Gros soziologischer Modernisierungstheorien steht: So wird die modern-kapitalistische Form der Lebensführung bei Max Weber bspw. durch ihre Wahlverwandtschaft mit einer asketisch-puritanisch geprägten protestantischen Ethik beschrieben, die alles Sinnlich-Ästhetische, Außeralltägliche und scheinbar Zweckfreie zugunsten einer methodischen Rationalität abwertet. Aber auch Theorien der funktionalen Differenzierung verweisen die Ästhetik regelmäßig in den eher randständigen und klar umgrenzten Bereich des Kunstsystems, das keine gesamtgesellschaftliche Strahlkraft besitzt. In der Marx’schen (und marxistischen) These einer zunehmenden Naturbeherrschung und Kapitalisierung der Gesellschaft findet die Ästhetik zudem bestenfalls als Überbauphänomen ihren Platz.
Im Seminar werden wir uns daher auf Spurensuche nach solchen klassischen und neueren Ansätzen begeben, die das Verhältnis von Ästhetik und Gesellschaft anders denken: Wie kann ein soziologisches Verständnis von Ästhetik aussehen? Ist Modernisierung nicht immer schon ästhetisch getrieben? Wie ist das emanzipatorische Potenzial ästhetischer Praxis zu bewerten?      

Literatur: 

Reckwitz, Andreas; Prinz, Sophia und Hilmar Schäfer (Hrsg.) (2015): Ästhetik und Gesellschaft. Grundlagentexte aus Soziologie und Kulturwissenschaften. Berlin: Suhrkamp.

Sommersemester 2017

Kommentar: 

Was ist damit gemeint und was muss man darunter verstehen, wenn die Soziologie dem Wortsinn nach die »Lehre von der Gesellschaft« ist? Betreibt und studiert man Soziologie, ist man mehr als in anderen Fächern mit dem Problem konfrontiert, den genauen Gegenstandsbereich des eigenen Faches zu bestimmen. Um über »die Gesellschaft« zu forschen, bedarf es daher immer auch theoretischer Grundannahmen darüber, was der Gegenstandsbereich der Soziologie ist (in Abgrenzung etwa zu anderen Fächern) und was die Soziologie erklären soll oder kann. Diese Fragen verweisen auf die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit soziologischer Theorie.
Einen möglichen Zugang zu den verschiedenen Ebenen und Grundpositionen soziologischer Theoriebildung stellen fundamentale Kontroversen bzw. Konfliktlinien dar, die die Soziologie wiederkehrend beschäftigen. Jene Kontroversen stecken auf markante Weise die Problemdimensionen des Fachs ab. Zugleich zeigen sie in exemplarischer Form sowohl die verschiedenen, konkurrierenden Paradigmen als auch die verbindenden Elemente der Soziologie. Anstatt also einzelne Autoren vertiefend zu lesen, soll im Seminar ein spezifischer Problemkreis gesellschaftlicher Wirklichkeitsdeutung erschlossen und diskutiert werden.

Das Seminar widmet sich dem Verhältnis von prekären und stabilen Elementen in der Theoriearchitektur verschiedener soziologischer Ansätze. Dabei stehen zwei Leitfragen im Vordergrund: 
1) Wird in der jeweiligen Theorie eher Stabilität und Ordnung oder Instabilität und Wandel betont? 
2) Wie werden Stabilität und Instabilität in den verschiedenen Theorien erklärt?

Neben klassischen und neueren Debatten um das Problem sozialer Ordnung, werden wir uns das Verhältnis von Stabilität und Instabilität auch anhand von Beispielen verdeutlichen. Konkret werden wir uns dabei mit alltäglichen Interaktionssituationen (Goffman), Prozessen der Machtbildung (Weber, Popitz, Elias) und aktuellen Zeitdiagnosen einer individualisierten, flüchtigen und beschleunigten Moderne (Beck, Bauman, Rosa) beschäftigen.

Literatur zur Einführung: 

Jörn Lamla/Henning Laux/Hartmut Rosa/David Strecker (Hg.): Handbuch der Soziologie. Konstanz: UVK (Reihe: UTB), 2014.
Hans Joas/ Wolfgang Knöbl: Sozialtheorie. 20 einführende Vorlesungen, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2004 (2. Aufl.).
Hartmut Rosa/ David Strecker/ Andrea Kottmann: Soziologische Theorien, Konstanz: UVK, 2013 (2. Aufl.).
Georg Kneer/Stephan Moebius (Hg.): Soziologische Kontroversen - Beiträge zu einer anderen Geschichte der Wissenschaft vom Sozialen, Frankfurt: Suhrkamp, 2010.
Peter Wagner: Soziologie der Moderne, Frankfurt/NY: Campus, 1995.
Lars Gertenbach/Heike Kahlert/Stefan Kaufmann/Hartmut Rosa/Christine Weinbach: Soziologische Theorien, Stuttgart: UTB (Fink), 2009.

Sommersemester 2016

Kommentar: 

Was ist damit gemeint und was muss man darunter verstehen, wenn die Soziologie dem Wortsinn nach die »Lehre von der Gesellschaft« ist? Betreibt und studiert man Soziologie, ist man mehr als in anderen Fächern mit dem Problem konfrontiert, den genauen Gegenstandsbereich des eigenen Faches zu bestimmen. Um über »die Gesellschaft« zu forschen, bedarf es daher immer auch theoretischer Grundannahmen darüber, was der Gegenstandsbereich der Soziologie ist (in Abgrenzung etwa zu anderen Fächern) und was die Soziologie erklären soll oder kann. Diese Fragen verweisen auf die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit soziologischer Theorie.
Einen möglichen Zugang zu den verschiedenen Ebenen und Grundpositionen soziologischer Theoriebildung stellen fundamentale Kontroversen bzw. Konfliktlinien dar, die die Soziologie wiederkehrend beschäftigen. Jene Kontroversen stecken auf markante Weise die Problemdimensionen des Fachs ab. Zugleich zeigen sie in exemplarischer Form sowohl die verschiedenen, konkurrierenden Paradigmen als auch die verbindenden Elemente der Soziologie. Anstatt also einzelne Autoren vertiefend zu lesen, soll im Seminar ein spezifischer Problemkreis gesellschaftlicher Wirklichkeitsdeutung erschlossen und diskutiert werden.
Soziologische Theorien lassen sich (unter anderem) anhand des vermeintlichen Gegensatzes von Handlung und Struktur ordnen. Während Handlungstheorien beim Handeln von Individuen ansetzen und dieses nutzen, um auch größere soziale Zusammenhänge zu erklären, nehmen Strukturtheorien die Strukturen und Ordnungsformen der Gesellschaft zum Ausgangspunkt, um von dort aus der Frage nachzugehen, wie diese Strukturen das Handeln der einzelnen Mitglieder der Gesellschaft bestimmen. Daneben versuchen gerade neuere soziologische Ansätze diesen Gegensatz zu überwinden und zu einer synthetischen Position zu gelangen. Im Seminar werden wir uns das Problemfeld exemplarisch vor allem anhand folgender Theoretiker erschließen: Émile Durkheim, Claude Lévi-Strauss, Max Weber, Alfred Schütz, Herbert Blumer, Pierre Bourdieu.

Literatur zur Einführung:

Jörn Lamla/Henning Laux/Hartmut Rosa/David Strecker (Hg.): Handbuch der Soziologie. Konstanz: UVK (Reihe: UTB), 2014.
Hans Joas/ Wolfgang Knöbl: Sozialtheorie. 20 einführende Vorlesungen, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2004 (2. Aufl.).
Hartmut Rosa/ David Strecker/ Andrea Kottmann: Soziologische Theorien, Konstanz: UVK, 2013 (2. Aufl.).
Georg Kneer/Stephan Moebius (Hg.): Soziologische Kontroversen - Beiträge zu einer anderen Geschichte der Wissenschaft vom Sozialen, Frankfurt: Suhrkamp, 2010.
Peter Wagner: Soziologie der Moderne, Frankfurt/NY: Campus, 1995.
Lars Gertenbach/Heike Kahlert/Stefan Kaufmann/Hartmut Rosa/Christine Weinbach: Soziologische Theorien, Stuttgart: UTB (Fink), 2009.

Kommentar: 

Was ist damit gemeint und was muss man darunter verstehen, wenn die Soziologie dem Wortsinn nach die »Lehre von der Gesellschaft« ist? Betreibt und studiert man Soziologie, ist man mehr als in anderen Fächern mit dem Problem konfrontiert, den genauen Gegenstandsbereich des eigenen Faches zu bestimmen. Um über »die Gesellschaft« zu forschen, bedarf es daher immer auch theoretischer Grundannahmen darüber, was der Gegenstandsbereich der Soziologie ist (in Abgrenzung etwa zu anderen Fächern) und was die Soziologie erklären soll oder kann. Diese Fragen verweisen auf die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit soziologischer Theorie.
Einen möglichen Zugang zu den verschiedenen Ebenen und Grundpositionen soziologischer Theoriebildung stellen fundamentale Kontroversen bzw. Konfliktlinien dar, die die Soziologie wiederkehrend beschäftigen. Jene Kontroversen stecken auf markante Weise die Problemdimensionen des Fachs ab. Zugleich zeigen sie in exemplarischer Form sowohl die verschiedenen, konkurrierenden Paradigmen als auch die verbindenden Elemente der Soziologie. Anstatt also einzelne Autoren vertiefend zu lesen, soll im Seminar ein spezifischer Problemkreis gesellschaftlicher Wirklichkeitsdeutung erschlossen und diskutiert werden.
Die Frage nach dem Verhältnis von Objektivität und Kritik stellt sich in der Soziologie bereits seit ihrer Entstehung. Einerseits konstituiert sich das Fach wesentlich als Reaktion auf gesellschaftliche Krisen und möchte einen Beitrag zu deren Lösung leisten. Andererseits ist fraglich, inwiefern eine notwendig wertende Kritik sich mit dem Ideal wissenschaftlicher Objektivität verträgt. Die Situation der Soziologie ist darüber hinaus eine spezifische, da sie selbst Teil des Gegenstands („die Gesellschaft”) ist, den sie untersucht. Ist es dann überhaupt möglich eine objektive und wertfreie Perspektive einzunehmen? Im Seminar werden wir in dieses Problemfeld anhand klassischer und neuerer soziologischer Kontroversen eintauchen. Konkret behandeln wir den Werturteilsstreit, den Streit um die Wissenssoziologie, den Positivismusstreit und die neuere Debatte über kritische Soziologie und Soziologie der Kritik.  

Literatur zur Einführung: 

Jörn Lamla/Henning Laux/Hartmut Rosa/David Strecker (Hg.): Handbuch der Soziologie. Konstanz: UVK (Reihe: UTB), 2014.
Hans Joas/ Wolfgang Knöbl: Sozialtheorie. 20 einführende Vorlesungen, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2004 (2. Aufl.).
Hartmut Rosa/ David Strecker/ Andrea Kottmann: Soziologische Theorien, Konstanz: UVK, 2013 (2. Aufl.).
Georg Kneer/Stephan Moebius (Hg.): Soziologische Kontroversen - Beiträge zu einer anderen Geschichte der Wissenschaft vom Sozialen, Frankfurt: Suhrkamp, 2010.
Peter Wagner: Soziologie der Moderne, Frankfurt/NY: Campus, 1995.
Lars Gertenbach/Heike Kahlert/Stefan Kaufmann/Hartmut Rosa/Christine Weinbach: Soziologische Theorien, Stuttgart: UTB (Fink), 2009.

Wintersemester 2015/16

Kommentar: 

Während „Macht” und „Herrschaft” gemeinhin als Grundbegriffe der Soziologie betrachtet werden, herrscht wenig Einigkeit darüber, was mit diesen Begriffen eigentlich gemeint ist oder sein kann. Wenn es aber stimmt, dass theoretische Begriffe in erster Linie „Denkwerkzeuge” sein sollen, empfiehlt sich ein Ansatz, der versucht die Konsequenzen des Begriffs in der gegenstandsbezogenen Anwendung nachzuvollziehen, anstatt sich auf reine Theoriediskussionen zu beschränken.

Vor diesem Hintergrund soll im Seminar eine Herangehensweise gewählt werden, die – nach einer allgemeinen Einführung in das Thema – an ausgewählten Phänomenbereichen von Macht und Herrschaft orientiert ist. Je nach Interesse der Teilnehmenden werden wir wichtige Theoriemodelle und aktuelle empirische Studien aus folgenden Bereichen diskutieren: „Elite und Masse”,  „Macht und Gewalt”, „Macht und Sprache”, „Macht und Ausgrenzung / Fremdenfeindlichkeit”. Die Auswahl der Phänomenbereiche wird gemeinsam in der ersten Sitzung erfolgen.

Da sich das Seminar auch explizit an Lehramtsstudierende richtet, wird ein Schwerpunkt der behandelten empirischen Studien im Bereich von Bildung und jugendlichen Lebenswelten liegen. Als Aufbau-Seminar soll die Veranstaltung den Haupt- und Nebenfach-Studierenden im BA-Studiengang „Soziologie” darüber hinaus einen exemplarischen Überblick über gesellschaftliche und wissenschaftliche Kontroversen in den behandelten Themengebieten geben und ausgewählte Theorien aus dem Basis-Modul gegenstandsbezogen vertiefen.

Sommersemester 2015

Kommentar: 

Was ist damit gemeint und was muss man darunter verstehen, wenn die Soziologie dem Wortsinn nach die »Lehre von der Gesellschaft« ist? Betreibt und studiert man Soziologie, ist man mehr als in anderen Fächern mit dem Problem konfrontiert, den genauen Gegenstandsbereich des eigenen Faches zu bestimmen. Um über »die Gesellschaft« zu forschen, bedarf es daher immer auch theoretischer Grundannahmen darüber, was der Gegenstandsbereich der Soziologie ist (in Abgrenzung etwa zu anderen Fächern) und was die Soziologie erklären soll oder kann. Diese Fragen verweisen auf die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit soziologischer Theorie.
Einen möglichen Zugang zu den verschiedenen Ebenen und Grundpositionen soziologischer Theoriebildung stellen fundamentale Kontroversen bzw. Konfliktlinien dar, die die Soziologie wiederkehrend beschäftigen. Jene Kontroversen stecken auf markante Weise die Problemdimensionen des Fachs ab. Zugleich zeigen sie in exemplarischer Form sowohl die verschiedenen, konkurrierenden Paradigmen als auch die verbindenden Elemente der Soziologie. Anstatt also einzelne Autoren vertiefend zu lesen, soll im Seminar ein spezifischer Problemkreis gesellschaftlicher Wirklichkeitsdeutung erschlossen und diskutiert werden:
Die Soziologie entsteht im 19. Jahrhundert wesentlich auch unter dem Eindruck rasanter ökonomischer Entwicklungen, die üblicherweise mit dem Stichwort der Industrialisierung verbunden werden. Im Kontext dieser Entwicklungen werden verschiedene gesellschaftliche Phänomene, wie die Entstehung neuer Formen der Arbeitsteilung, die Verarmung großer Bevölkerungsteile, eine Rationalisierung der Lebensführung oder erste Ansätze einer Globalisierung beobachtet. Die Soziologie hat sich daher von Anbeginn bemüht das Verhältnis von Wirtschaft und Gesellschaft, Kultur und Kapitalismus oder (wie es im Titel des Seminars heißt) materieller und symbolischer Ordnung zu analysieren: Bestimmt das Sein das Bewusstsein oder umgekehrt? Wie verhalten sich die kulturelle und die ökonomische Sphäre zueinander und wie ist dieses Verhältnis zu bewerten? Macht es überhaupt Sinn Wirtschaft und Gesellschaft als zwei getrennte Sphären zu verstehen? Mit diesen und ähnlichen Fragen werden wir uns im Seminar – ausgehend von den frühen Klassikern des Fachs bis zu gegenwärtigen Theoriepositionen – beschäftigen.

Anforderungen und Literatur
Wichtige Voraussetzung der Teilnahme am Seminar ist die Bereitschaft, sich mit schwierigen Texten differenziert auseinanderzusetzen, diese für die Sitzungen vorzubereiten und aktiv zu den Diskussionen im Seminar beizutragen. Der genaue inhaltliche Plan und die zu lesenden Texte werden in der ersten Seminarsitzung vorgestellt. Zur Vorbereitung und allgemeinen Einführung in den Gegenstandsbereich der soziologischen Theorie sind empfohlen:
Jörn Lamla/Henning Laux/Hartmut Rosa/David Strecker (Hg.): Handbuch der Soziologie. Konstanz: UVK (Reihe: UTB), 2014.

Hans Joas/ Wolfgang Knöbl: Sozialtheorie. 20 einführende Vorlesungen, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2004 (2. Aufl.).

Hartmut Rosa/ David Strecker/ Andrea Kottmann: Soziologische Theorien, Konstanz: UVK, 2013 (2. Aufl.).

Georg Kneer/Stephan Moebius (Hg.): Soziologische Kontroversen - Beiträge zu einer anderen Geschichte der Wissenschaft vom Sozialen, Frankfurt: Suhrkamp, 2010.

Peter Wagner: Soziologie der Moderne, Frankfurt/NY: Campus, 1995.
Lars Gertenbach/Heike Kahlert/Stefan Kaufmann/Hartmut Rosa/Christine Weinbach: Soziologische Theorien, Stuttgart: UTB (Fink), 2009.

Wintersemester 2014/15

Kommentar: 

Popmusik (populäre Musik, Popularmusik,…) ist weit mehr als nur ein musikalisches Genre. Sie kann alltäglicher Begleiter, Lebensstil, politisches Statement und vieles mehr sein. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist sie zudem immer wieder zum Gegenstand zeitdiagnostischer, soziologischer Analysen geworden.
Ausgehend von der These, dass Popmusik sich nicht substanziell, sondern nur als ein diskursives und damit variables sowie umkämpftes Konzept fassen lässt, wollen wir uns im Seminar mit verschiedenen soziologischen Perspektivierungen des Populären in der Musik beschäftigen. Dabei werden wir uns auf drei thematische Linien konzentrieren: Popmusik und ihre technischen bzw. institutionellen Rahmenbedingungen (Production-of-Culture-Perspektive, Musikindustrie und Digitalisierung,…), Popmusik zwischen kulturindustriellem „Massenbetrug“ (Adorno/Horkheimer) und Ermächtigung (Cultural Studies) sowie Popmusik und Distinktion (Bourdieu, Thornton, Peterson,…).

Dabei werden unter anderem folgende Fragen aufgeworfen:
Welchen Einfluss haben technische und institutionelle Rahmenbedingungen auf musikalische Kreativität und Innovation? Welche Rolle ist dabei den gegenwärtigen Transformationsprozessen im Zuge der Digitalisierung zu attestieren? In welchem Verhältnis stehen hier z.B. Autonomisierung und Entprofessionalisierung?
Inwiefern wird durch die kulturindustrielle Produktion von Kulturwaren das Freiheitsversprechen der Kunst unterminiert? Oder kann Pop nicht vielmehr auch zum Ausdruck (subkulturellen) Protests werden? Welche Spielräume kreativen Umgangs bieten gerade die Waren der Kulturindustrie? Oder leben wir mittlerweile in einer "Popgesellschaft", die auch das Image der Subversion schon längst für sich vereinnahmt hat?
Welche Rolle spielen kulturelle Legitimität und Hierarchisierung in Hinblick auf Popmusik? Was bedeutet z.B. der Begriff des "Mainstreams" in diesem Zusammenhang? Ist das Populäre immer schon das Minderbewertete? Oder kann Pop heute auch zur Demonstration sozialer Superiorität genutzt werden? 

Literatur zur Vorbereitung: 

Gebesmair, Andreas (2008): Dimensionen der Popmusik. In: Ders., Die Fabrikation globaler Vielfalt. Struktur und Logik der transnationalen Popmusikindustrie. Bielefeld: transcript, S. 41-58.
Hecken, Thomas (2012): Pop-Konzepte der Gegenwart. In: Pop. Kultur und Kritik. Heft 1, Herbst 2012, S. 88-106: 
www.uni-muenster.de/Ejournals/index.php/pop/article/view/755/720
Wicke, Peter (1992): "Populäre Musik" als theoretisches Konzept. In: PopScriptum 01 - Begriffe und Konzepte, S. 6-42: 
www2.hu-berlin.de/fpm/popscrip/themen/pst01/pst01_wicke.htm
 

Sommersemester 2014

Kommentar: 

Die Geburt der Soziologie im 19. Jahrhundert ist eng verknüpft mit der Frage nach »der Gesellschaft«. Doch was ist damit gemeint und was muss man darunter verstehen, wenn die Soziologie dem Wortsinn nach die »Lehre von der Gesellschaft« ist? Betreibt und studiert man Soziologie, ist man mehr als in anderen Fächern mit dem Problem konfrontiert, den genauen Gegenstandsbereich des eigenen Faches zu bestimmen. Um über »die Gesellschaft« zu forschen, bedarf es daher immer auch theoretischer Grundannahmen darüber, was der Gegenstandsbereich der Soziologie ist (in Abgrenzung etwa zu anderen Fächern) und was die Soziologie erklären soll oder kann. Diese Fragen verweisen auf die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit soziologischer Theorie, die im Seminar exemplarisch an zwei Autoren stattfinden soll.

Die Veranstaltung ist dabei konzipiert als intensives Lektüreseminar, das zwei bedeutende soziologische Theoriepositionen vorstellen, diskutieren und kritisch reflektieren will, darüber hinaus gleichzeitig aber auch einen Einblick in die soziologische Theoriebildung im Allgemeinen liefern möchte. Die Veranstaltung will also einerseits in die zentralen Annahmen und Theorien beider Autoren einführen und zugleich an diesen beiden Autoren die Argumentationsweise und den Gegenstandsbereich soziologischen Denkens verdeutlichen. Das Ziel ist es dabei, den ersten Umgang mit der Argumentationsweise und dem Gegenstandsbereich soziologischer Theorie zu erleichtern und die spezifische Fragerichtung soziologischen Denkens zu verdeutlichen und „einzuüben“.

In zwei aufeinanderfolgenden Blöcken sollen zunächst jeweils zentrale theoretische Grundannahmen von Max Weber und Pierre Bourdieu rekonstruiert werden. Ein wesentliches Ziel des Seminars liegt in der Einführung in die bzw. Darstellung der Themen, Fragestellungen und Grundbegrifflichkeiten der behandelten Autoren. Mit folgenden Fragen werden wir uns dabei vorrangig beschäftigen: Welche methodischen Konzepte und Grundbegriffe verwenden die beiden Autoren? Wie wird die gesellschaftliche Rolle der Soziologie definiert? Was wird unter den Begriffen „Macht“ und „Herrschaft“ verstanden? Welche Zeit- und Krisendiagnosen werden jeweils formuliert? Nach der Rekonstruktion der jeweiligen Grundannahmen wird es anschließend um einen Vergleich beider Theorien gehen, der mit Blick auf derzeitige gesellschaftliche Entwicklungen die Frage nach der Aktualität der beiden Autoren stellt. In diesem Zusammenhang wird es auch möglich wesentliche Streitfragen innerhalb der soziologischen Theoriebildung exemplarisch zu diskutieren (z.B. das Verhältnis von wissenschaftlicher Werturteilsfreiheit und Gesellschaftskritik oder den Gegensatz zwischen einer sinnverstehenden und einer praxeologischen Methodologie).  

Anforderungen und Literatur:

Wichtige Voraussetzung der Teilnahme am Seminar ist die Bereitschaft, sich mit schwierigen Texten differenziert auseinanderzusetzen, diese für die Sitzungen vorzubereiten und aktiv zu den Diskussionen im Seminar beizutragen. Der genaue inhaltliche Plan und die zu lesenden Texte werden in der ersten Seminarsitzung vorgestellt. Zur Vorbereitung und allgemeinen Einführung in den Gegenstandsbereich der soziologischen Theorie sind empfohlen:

Hans Joas/ Wolfgang Knöbl: Sozialtheorie. 20 einführende Vorlesungen, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2004 (2. Aufl.).

Hartmut Rosa/ David Strecker/ Andrea Kottmann: Soziologische Theorien, Konstanz: UVK, 2013 (2. Aufl.).

Peter Wagner: Soziologie der Moderne, Frankfurt/NY: Campus, 1995.

Lars Gertenbach/ Heike Kahlert/ Stefan Kaufmann/ Hartmut Rosa/ Christine Weinbach: Soziologische Theorien, Stuttgart: UTB (Fink), 2009.

Wintersemester 2013/14

Kommentar: 

Die Kunstsoziologie – eine in Deutschland lange Zeit vernachlässigte „Bindestrichsoziologie“ – befindet sich derzeit in einer Phase des Aufschwungs. Dies zeigt sich unter anderem an der Gründung des Arbeitskreises „Soziologie der Künste“ innerhalb der Sektion Kultursoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie im Jahr 2010 oder der Publikation mehrerer Einführungsbücher und Überblicksbände zur Kunstsoziologie in jüngster Zeit, die für den Versuch stehen die Kunstsoziologie als eigenes Fachgebiet zu etablieren.

Das Ziel des Seminars besteht vor diesem Hintergrund darin, den TeilnehmerInnen einen Einblick in verschiedene Themenfelder und Forschungsfragen der Kunstsoziologie zu geben. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf der Kunstsoziologie Pierre Bourdieus liegen und das nicht nur, weil diese ein zentraler Bezugspunkt zahlreicher aktueller Studien ist, sondern auch, da Bourdieu wie kaum ein anderer nahezu das komplette Spektrum der Kunstsoziologie (von der Produktion über die Distribution bis zur Rezeption von Kunst) behandelt hat: Welche sozialen Voraussetzungen sind nötig, damit aus Menschen „KünstlerInnen“ werden? Nach welchen Regeln funktioniert das künstlerische Feld? Welche Rolle spielen dabei Vermittlungsinstanzen wie das Museum, Verlage oder das Bildungssystem? Wer hört welche Musik, wer liest welches Buch etc. und warum?

Literatur zur Einführung: 

Danko, Dagmar (2012). Kunstsoziologie. Bielefeld: transcript.

Schumacher, Florian (2011). Bourdieus Kunstsoziologie. Konstanz: UVK.